Normal - wenn die Helden der Geschichten in diesem Buch etwas nicht sind, dann ist das normal. Da ist zum Beispiel Gabriel, der behinderte Junge aus dem Heim, der einmal im Jahr ungeahnte Kr�fte entwickelt. Oder Konny, die ein seltsames Verh�ltnis zu ihren Wohnzimmertapeten hat. Nicht zu vergessen der Mann, der Tag f�r Tag im Fahrstuhl seine Traumfrau anschmachtet, bis ... Nun ja, jeder rastet gelegentlich mal aus.
Entdecken Sie die Welt menschlicher Abgr�nde und seien Sie sicher: Normal ist das nicht!
Ich gestehe es mir nur ungern ein, habe aber beschlossen auf diesen Seiten ehrlich - auch zu mir selbst - zu sein. Die ersten Tage habe ich mich noch verzweifelt daran geklammert, dass dieser Albtraum einfach enden muss. Wenn ich aber jetzt die Lage realistisch betrachte, sehe ich nicht den kleinsten Funken Hoffnung.
Muller ist daran Schuld. Sie hat mich heute angeschaut, als sei ich das seltene Exemplar einer fast schon ausgestorbenen, archaischen Spezies. Muller ist normal ganz K�lte und Abweisung - dar�ber habe ich mich schon ausgelassen. Ich hatte nie das Gef�hl, sie k�nne auch etwas wie Anteilnahme oder Herzlichkeit vermitteln. Sie spricht und handelt n�chtern und emotionslos. Doch heute lag in ihrem Blick eine Art von herablassendem Mitleid, das mir furchtbare Angst macht. Wenn mich selbst diese Frau auf eine solche Weise mustert, sollte ich wohl auf alles gefasst sein.
Mein erster Eindruck von Lewick best�tigt sich immer mehr: Er soll die Patienten aufmuntern. Seine Spr�che gehen mir auf die Nerven und ich habe sein Bem�hen l�ngst durchschaut. Er verh�lt sich so v�llig kontr�r zu Muller und den anderen, dass es einfach auffallen muss. Das alte Spiel "guter Junge, b�ser Junge" - beziehungsweise b�ses M�dchen, n�mlich Muller. Der b�se Junge ist nat�rlich Bannister. Bei mir zieht das nicht, Lewicks gespielte Freundlichkeit. Muller ist b�se und zeigt es offen. Aber Lewick kann kein guter Junge sein. Hinter seiner freundlichen Maske verbirgt sich ebenfalls ein Teufel. Ich bin gespannt, wann er seine wahre Natur offenbart.
Heute hat es keine Spritzen und keine Medikamente gegeben. Ich sa� den halben Tag auf einem kalten Stuhl. Es war wieder in Raum neun, wo die ganzen Ger�te stehen. All diese Apparate - was f�r einem Zweck sie wohl dienen m�gen? Man hat mich untersucht, das ist mir klar. Aber warum? Die Elektroden, die Schl�uche und Kabel - �berall an meinem K�rper wurden sie befestigt, w�hrend ich da sa� und mich nicht einmal wehrte. Ich wollte mir eine weitere Lektion von Bannister ersparen. Der Arm schmerzt noch immer, aber er scheint immerhin nicht gebrochen zu sein. Bannister schien fast entt�uscht, dass ich nicht aufbegehrte. Doch ich sa� einfach da und lie� es �ber mich ergehen. Was soll ich schon tun?
Lewick hat mich dann zur�ck in mein Zimmer gebracht und dabei gelacht und gescherzt. Ich habe ihm nicht zugeh�rt. Er st��t mich ab, mit seiner anbiedernden Art. Ich hasse ihn fast mehr als Muller und Bannister und die anderen Peiniger.