All right - what’s left, das so zweideutig-eindeutige Motto des Symposiums 2001 der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft, hat auch mich bei der Auswahl der Gedichte für die Ausstellung inspiriert. Unter den Texten, die ich zur visuellen Verdichtung herangezogen habe, sind einige persönliche Favoriten wie auch „Fried-Klassiker“. Im Ausstellungskonzept werden Themen aufgegriffen, die auf die Lebenserfahrungen des Autors zurückgehen, aber auch meine Erfahrungen widerspiegeln. Anhand von neunzehn Fried-Texten werden in neunzehn Bildern Judenvertreibung und Judenvernichtung, Krieg und Frieden, politische Warngedichte, sowie Liebes- und Todesgedichte, Komik und Ernsthaftigkeit des Lebens, individuelle Selbstvergewisserung und existenzielle Heimatlosigkeit visuell reflektiert.

Während es in Frieds Arbeit die Wörter sind, mit denen er jongliert, die ihn zu einer Idee oder Wahrnehmung leiten, es also an erster Stelle um das Verhältnis der Wörter untereinander geht, so sind es in meiner Arbeit die Farben und Formen, die im freien Spiel durch die Computeranimation zur Umsetzung einer Geschichte beitragen.

Bei der Reflexion beziehe ich mich natürlich auch auf die Person Erich Frieds.
Ich dachte an die vier große Gaben, die ihm sein Freund, der Literaturwissenschafter Hans Mayer, zugeschrieben hat, nämlich erstens die dichterische, zweitens die des großen Zorns - des Zorns des Propheten und nicht des Nörglers! Diesem Zorn hat Fried in dem Gedichtband „Lebensschatten“ eine Begründung von sechs Zeilen gegeben, überschrieben mit den Worten „Status quo“ und der Anmerkung „zur Zeit des Wettrüstens“.


Wer will
dass die Welt
so bleibt
wie sie ist
der will nicht
dass sie bleibt






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