Eine Weihnachtsgeschichte!

"Mommy, es gibt keinen Weihnachtsmann, oder?"

Molly kam in die K�che getapst, in der einen Hand eine kleine Decke, den Daumen der anderen Hand im Mund, und blickte ihre Mutter mir gro�en, vorwurfsvollen Augen an. Ein verzweifelter Blick, so verzweifelt, wie Kinder nur sein konnten, wenn irgendwer daher kam und behauptete, es g�be keinen Weihnachtsmann.

Molly tapste weiter auf ihre Mutter zu und zog an ihrem Pulli.

Kerry stand in der K�che und hatte sich an das Essen f�r Weihnachten gemacht, als ihre kleine Tochter ihr diese Frage stellte.

War sie nicht noch viel zu klein, als das man ihr erz�hlte, den b�rtigern, netten Mann mit den vielen Geschenken g�be es gar nicht? War sie nicht viel zu gutgl�ubig f�r solche Geschichten?

Kerry packte ihrer Tochter unter die Arme und nahm sie auf den Arm. Sie trug sie aufs Sofa und setzte sich mir ihr zwischen die vielen bunten Kissen. Molly setzte sie auf ihr Knie.

"Molly, nat�rlich gibt es den Weihnachtsmann. Also h�r zu.

Nicky hatte sich mit Bryan zusammen an den Tisch gesetzt und war am Geschenke verpacken. Nicky hielt seinen Zeigefinger auf eines der Pakete, damit der Knoten der roten Schleife sich nicht sofort wieder l�ste. Bryan hatte die zwei Enden des Bandes in seinen H�nden und zwirbelte diese ungeschickt ineinander. Dann zog er den Knoten, falls man es Knoten nennen konnte, feste zu und Nicky schrie auf. Schnell zog er seinen Finger weg und �berlie� Bryan die Schleife.

"Sehr sch�n", sagte Bryan irgendwann und betrachtete sein Werk. Auch wenn die rote Schleife nicht gerade wie eine Schleife aussah, besser als Nickys Orange- Rosa Kombination war sie allemal. Bryan warf das Paket auf den riesigen Geschenkstapel hinter sich, auf dem sich jede Menge komischer Kartons befanden, in allen Farben, Formen und mit allen M�glichen Arten von Schleifen, mit denen Bryan Nickys Finger ordentlich zum Leiden gebracht hatte.

"Wie viele m�ssen wir denn noch?", fragte Nicky und hielt seinen roten Finger in die Luft. Bryan reichte ihm eine Liste.

Nicky nahm diese und betrachtete sie eing�ngig.

"Noch �ber 2000 St�ck?"

Nicky war geschockt und warf die Liste genervt zu Boden.

"Willst du mich vereimern?", fragte er Bryan, der daraufhin den Kopf sch�ttelte.

"Lieber Nicholas", sagte er in einem �bertrieben freundlichen Ton. "Du bist derjenige, der hier die Geschenke austeilen muss und kannst froh sein, dass ich dir �berhaupt helfe. H�tte ich nicht n�tig! Ich werde lediglich daf�r sorgen, dass deine Rentiere in die richtige Richtung laufen und ein paar b�se Kinder verhauen..."

"Das wirst du gef�lligst nicht tun."

"Okay, aber darf ich ihnen wenigstens ein bisschen angst machen?"

"Tu, was du nicht lassen kannst! Was machen denn unsere Engelchen?"

Bryan kicherte und hielt seine Nase in die Luft, um zu schnuppern. "Die versuchen, die Kekse nicht anbrennen zu lassen, aber das versuchen sie schon zum dritten Mal an diesem Abend."

Gerade in dem Moment kam Mark rein, in der Hand ein dampfendes Blech. Er stolperte durch das Wohnzimmer und w�re fast in den Haufen Pakete gefallen, h�tte Nicky ihn nicht noch an einem Fl�gel erwischt und fest gehalten.

"Oh du Trottel", rief Bryan, nahm es aber sofort zur�ck, als er die Kekse sah, die ausnahmsweise mal nicht verbrannt waren.

"Also lieber Mark, du wei�t ja, dass ich dieses Jahr vom Knecht Ruprecht zum Kekstester bef�rdert worden bin und deshalb muss ich dich jetzt leider darum bitten, mir die Kekse zu �berlassen."

Nicky kicherte.

"Wer�s glaubt wird selig", sagte Mark und hielt das Blech Kekse hoch. "Sagt mal, sied ihr hier irgendwie im R�ckstand?" Mark betrachtete interessiert den Haufen Pakete, der betr�chtlich kleiner war, als der Haufen mit den uneingepackten Geschenken.

"R�ckstand ist gar kein Ausdruck", st�hnte Nicky und rieb sich m�de die Augen.

"Gut, wenn ihr mich schon so fragt", sagte Mark uns stellte das Blech auf den Tisch, wobei er Massen von Geschenkpapier �ber die Tischkante hinaus schob und auf den boden bef�rderte. Nicky und Bryan schauten sich verwirrt an. "H�h?"

"Et Voila", rief Mark, klatschte in die H�nde und zeigte auf den Haufen Geschenkpapier. Nichts geschah.

"Oh, so ein Mist!" Mark sch�ttelte seinen Finger und versuchte es noch einmal. Diesmal klappte es. Die Teddys, Eisenbahnen und Puppen flogen einzeln aus dem Stapel, hin�ber zum Tisch, wickelten sich irgendwie in Geschenkpapier und blieben am Ende auf dem gro�en Pakethaufen liegen. Nicky war fasziniert, doch Bryan schaute sich das ganze Spektakel nur f�nf Minuten an und bemerkte dann, dass die Kekse von Mark immer noch auf dem Tisch standen und gerade unbewacht waren. Schnell lie� er ein paar davon in seinem Mund verschwinden.

"Bryan, ich warne dich", kam die mahnende Stimme von Mark. Bryan h�rte augenblicklich auf zu kauen und schenkte Mark einen unschuldiges L�cheln. Um den k�mmerte sich Mark jedoch nicht. Er war damit besch�ftigt, sein Werk von Geschenken zu betrachten und wartete auf die Reaktion von Bryan und Nicky.

"Seit wann kannst du DAS?", fragte Nicky. Mark zuckte mit den Schultern, grinste breit, nahm seine Kekse und verschwand wieder in der K�che.

"Mistkerl", sagte Nicky, der es bereute schon Hunderte von Geschenken von Hand eingepackt zu haben.

"Aber die Kekse sind einmalig", schmatze Bryan, worauf Nicky nur den Kopf sch�ttelte.

"Geh dich umziehen, wir m�ssen gleich los!"

Bryan stand auf und verschwand. Nicky wartete im Wohnzimmer auf die anderen drei. Kian kam als erster aus der K�che und er brachte eine Menge Qualm mit sich. Er hustete und wedelte mit der Hand vor seinem Mund rum. Nicky starrte Kian entgeistert an, als er mit angebrannten Fl�gelspitzen auf ihn zustolperte.

"Was...?". stotterte Nicky und fing Kian auf.

Kian grinste. "Scherz!", rief er und Mark und Shane kamen aus der K�che mit lauter Dosen, in denen die gelungenen Kekse darauf warteten, aufgegessen zu werden.

"Wo ist denn Bryan?", fragte Shane und r�ckte seinen Heiligenschein zurecht. Er klopfte sich seine wei�en �rmel ab, die noch voller Kr�mel waren und schaute sich im Wohnzimmer um, doch alles was er sah, waren sechs schlafenden Rehntiere vor dem Kamin.

"Zieht sich gerade um", sagte Nicky und ging zum Kamin.

"Aufstehen!", fl�sterte Nicky in einem sanften Ton und versuchte, die Tiere wach zu bekommen. Einige r�kelten sich, andere st�rten sich gar nicht an Nicky.

Shane kam dazu. Er schubste Nicky beiseite und rief: "Lass mich mal!"

Er beugte sich zu den Vierbeinern runter und schrie so laut er konnte: "Jetzt schiebt eure faulen .... aus den Federn und seht zu, dass ihr nach drau�en kommt oder es gibt dieses Jahr Rehntierbraten!"

Dann zog er die Tiere eins nach dem anderen an den Geweihen hoch und wenige Sekunden sp�ter standen alle aufrecht und hellwach auf dem Teppich vor dem Kamin.

Shane klatschte in die H�nde.

"Na du bist mir ein ganz toller Engel!", rief Nicky und sch�ttelte wieder den Kopf. Shane beachtete ihn nicht sondern scheuchte die Tiere nach drau�en.

Die T�r zum Wohnzimmer ging auf und Bryan kam reingestolpert. Er konnte gar nichts sehen, weil er eine gro�e, braune Kapuze im Gesicht hatte. Erst, als er sie nach hinten st�lpte, sah er, wo er war und konnte gerade noch vermeiden, in den Kamin zu laufen.

Nicky nahm sich, ohne Bryans Vorf�hrung weiter zu kritisieren, so viele Geschenke wie m�glich von dem Haufen und brachte sie nach drau�en, wo Shane Streit mit den Rehntieren hatte, die sich nicht einigen konnten, wer vorne laufen durfte.

Bryan, der hinter Nicky mit einem Stapel von Paketen aus der T�r kam, musste laut lachen. Dann schmiss er seine Pakete in den gro�en Schlitten und holte neue.

Kian und Mark verluden die Kekse und es konnte losgehen. Shane hatte mit den Rehntieren Streichh�lzer gezogen und alle vor den Schlitten gezwungen und Nicky kam mit seinem langen roten Mantel und der Zipfelm�tze nach drau�en und setzte sich vorne neben Bryan auf den Schlitten.

Kian und Mark sa�en schon hinten und waren flei�ig am Kekse vernichten und auch Shane gesellte sich dazu und griff gierig in die Dosen.

Bryan und Nicky h�rten das Schmatzen nicht. Wie jedes Jahr stand mal wieder zur Diskussion, wer den Schlitten fahren sollte. Nicky hatte sich durchgesetzt, denn mit der Gewissheit, dass Nicky die Rehntiere keinen Zentimeter vorw�rts bekommen w�rde, hatte Bryan bereits nach f�nf Minuten nachgegeben und lehnte sich jetzt entspannt zur�ck.

Nicky nahm die Z�gel in die Hand und wollte los, aber die Rehntiere hatten keine Lust.

"Bitte!", flehte Nicky, aber alles freundliche Getue half da gar nichts.

"Du bist viel zu nett", meinte Bryan. "Lass mich mal!"

Genervt von Bryans besserwisserischem Getue r�ckte Nicky ein paar Zentimeter zur Seite und dr�ckte Bryan die Z�gel in die Hand.

"Pass auf Nicky. Du darfst auf keinen Fall BITTE sagen. Droh ihnen einfach damit, dass es n�chstes Jahr kein Futter gibt, dann..."

Bei den Worten "kein Futter" ging es los und Bryan und Nicky mussten sich aneinander festklammern, um nicht aus dem Schlitten zu fallen. Die Rehntiere sausten los.

"Bryan, was hast du getan?", rief Nicky �ngstlich.

"Sorry, aber das ist doch immerhin besser als gar nichts, oder?" Bryan blickte Nicky unschuldig an.

Wolken wirbelten um den Schlitten herum und das Licht vom Haus, dass sie eben verlassen hatten, wurde immer kleiner, w�hrend die Erde immer gr��er wurde.

Und w�re in diesem Moment nicht die Keksdose leer gewesen, dann h�tte Shane wahrscheinlich nie gemerkt, dass sie auf der Milchstra�e die Abfahrt verpasst hatten.

"Oh Shit, wir haben uns total verfranst", schimpfte Nicky mit einem vorwurfsvollen blick an Kian, der die leere Keksdose in den H�nden hielt.

Dann zog Bryan an den Z�geln, aber das half alles nichts. Jetzt raste die Erde immer schneller auf sie zu und die Rehntiere dachten nicht daran, anzuhalten.

"Notlandung", schrie Bryan, als sie fast unten angekommen waren. Dann krachte es. Der Schlitten kam auf der Erde an und kam in dem tiefen Schnee zum Stehen.

Mark, der sich hinten im Schlitten verkrochen hatte, wagte vorsichtig einen Blick nach drau�en. Zaghaft guckte er sich um und versuchte zu erkennen, wo sie gelandet waren.

Bryan kratzte sich am Kopf. "Tja... �h..."

Doch Nicky hatte seinen Entschluss l�ngst gefasst.

"Okay Leute, wir suchen uns jetzt ein paar H�user und dann verteilen wir eben hier die Geschenke. Je eher wir die los sind, desto eher k�nnen wir Feierabend machen!"

Bryan hatte immer noch die Z�gel in der Hand und weil er keine Lust hatte, die Nacht in dieser leeren, wei�en Landschaft zu verbringen, stimmte er Nicky zu und lie� die Rehntiere wieder ordentlich laufen. Irgendwohin, wo es Menschen gab.

Eine Weile ging es so durch die Landschaft und Shane versuchte verzweifelt, seine Fl�gelspitzen aufzutauen, w�hrend die ersten Lichter immer n�her kamen.

"Eine Stadt", rief Bryan und beschleunigte den Schlitten noch einmal. Nicky hielt sich �ngstlich fest.

"Bryan, wir m�ssen hier kein Wettrennen gewinnen" rief er und hielt seiner M�tze auf dem Kopf fest.

Aber Bryan h�rte nicht auf ihn. Schnell kam die Stadt n�her.

"Vorsicht, festhalten!" rief Bryan und der Schlitten ging in die H�he.

Nicky drehte sich zu Shane, Kian und Mark um.

"Diesmal zielt ihr bitte etwas besser, okay?"

Die drei nickten und nahmen die ersten Geschenke in die Hand. Als sie �ber die ersten D�cher flogen, wurde die Geschenke in die Schornsteine geworfen und es flogen sogar "kaum" welche daneben.

"Und was machen wir jetzt?", fragte Bryan, als nur noch Geschenke f�r das letzte Haus da waren und Mark festgestellt hatte, dass der Schornstein am Rauchen war.

"Wir k�nnen die Geschenke schlecht ins Feuer werfen", bemerkte Kian und zuckte mit den Schultern.

Nicky legte seinen Zeigefinger ans Kinn und dachte nach.

Dann sagte er: "Tja Leute, bringt alles nichts, wir m�ssen runter."

Bryan hatte dazu keine Lust, tat aber was Nicky sagte und brachte den Schlitten neben dem Haus zur Landung. Jeder schnappte sich ein Paket und dann stiegen alle aus. Auf der Einfahrt war es rutschig und glatt und Bryan hatte M�he, nicht �ber seinen lange braunen Mantel zu stolpern...

Es klingelte an der T�r. Molly sprang auf und rannte in den Flur, um die T�r zu �ffnen.

Kerry folgte ihr. Molly stellte sich auf Zehenspitzen, um an die T�rklinke zu kommen und dann riss sie die T�r freudenstrahlend auf.

Drau�en standen Nicky, Bryan, Kian, Mark und Shane uns jeder hatte ein Paket in der Hand.

"Der Weihnachtsmann!", rief Molly �bergl�cklich und nahm Nicky in die Arme, der Bryan daraufhin verwirrt anschaute. Dann schauten die beiden Kerry fragend an.

Doch Kerry zwinkerte den beiden nur zu.

"Sch�n, dass ihr da seid", sagte sie.

"Molly hat schon auf den Weihnachtsmann gewartet."

Molly kletterte an Nicky hoch und h�ngte sich an seinen Hals.

Nicky l�chelte und sagte: "Frohe Weihnachten, Pooh!"

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