Mitternacht
"Nein, ich werde nichts kaputt machen. Ich werde meine Arbeit machen und mich ruhig verhalten", versicherte der Mann. Er war um die 20, recht Jung f�r seinen Beruf, und hatte blonde Haare, die �berall zackig vom Kopf abstanden. Er l�chelte seinen Gespr�chspartner freundlich an und stellte seine Koffer neben sich ab. Dann faltete er die H�nde und setzte einen fragenden, erwartungsvollen und bittenden Blick auf.
"Na gut", stimmte der andere Mann schlie�lich zu, nachdem er seine Brille aufgesetzt und den Mann, er war Arch�ologe oder so was, noch einmal eingehend betrachtet hatte.
"Mist", rief der Busfahrer, als der Bus mit einem Ruck stehen blieb und der Motor ein lautes Ger�usch und dann nur noch ein leises Tuckern von sich gab. Bryan lie� den Joystick der Playstation fallen und sprang auf.
"Ey, willst du etwa aufgeben?", fragte Mark, der weiter auf den Kn�pfen rumdr�ckte.
"Hab ich das n�tig?", fragte Bryan und betrachtete den Bildschirm.
Mark hielt inne. Er lauschte und sprang dann ebenfalls auf. Beide liefen zum Fenster und dr�ckten ihre Nasen an das Glas.
Nichts. Nicht als Dunkelheit. Der Bus war stehen geblieben und jetzt klatschte der Regen in dicken Tropfen an die Fenster.
Pl�tzlich schrie jemand. Eine Stimme, die sich eindeutig als Nickys identifizieren lie�.
Bryan schaute Mark verdutzt an, zuckte mit den Schultern und die beiden rannten los. Hinten im Bus stand Shane, der sich �ber den am Boden liegenden Nicky beugte. Kian war wohl noch am schlafen.
"Was ist los?", fragte Bryan, der Mark zur Seite schubste und sich bis zu Nicky vork�mpfte. Shane trat einen Schritt zur Seite und deutet auf Nickys Fu�. Diesen umklammerte Nicky mit beiden H�nden, wobei er schmerzhaft das Gesicht verzog.
"Er ist oben aus dem Bett gefallen", erkl�rte Shane. Bryan ging in die Knie und nahm Nickys Hand. Er wusste nicht, wieso, aber er wollte irgendetwas tun.
"Schnell, ruf mal jemand Anto", rief Bryan, ohne Nickys Fu� aus den Augen zu lassen.
Aber Anto war schon da und zog Bryan hoch.
"Lass mich mal", sagte er. Er nahm Nickys H�nde, riss sie von dem Fu� weg und packte den Fu� selber an. Brutal drehte er die Hand nach links und dann wieder nach rechts. Nicky schrie wieder.
"Ist aber nicht gebrochen", sagte er und lie� den Fu� wieder los. Nicky schaute ihn w�tend an, aber Anto lie� sich dadurch nicht st�ren.
"Kannst du aufstehen?", fragte er und bot Nicky seine Hand an. Nicky versuchte es, gab aber sofort wieder auf und auch Anto musste sich damit abfinden, dass es nicht ging.
"Okay, wir brauchen einen Arzt", stellte Anto fest und zog sein Handy aus der Tasche. "Diesen Bus werden wir so schnell nicht wieder in Gang bekommen."
Anto machte sein Handy an und dr�ckte auf den Tasten rum, als das Handy pl�tzlich ein ohrenbet�ubendes Piepen von sich gab.
"Nein, nicht der Akku. Jungs?"
Bryan, Mark, Shane und auch Kian, der inzwischen aus dem Bett gekommen war, zogen sofort alle ihre Handys aus den Taschen und blickten auf ihre Displays. Keiner sagte etwas. Alle tauschten vielsagende Blicke aus bis Bryan z�gernd fragte: "Anto... wo sind wir hier eigentlich?"
"Bryan, was soll die Frage, du sollst einen Arzt rufen."
"Ach, ich frage mich nur, warum wir hier alle keinen Empfang haben..." Das erste mal, seit Bryan die Frage gestellt hatte, schaute Anto auf.
"WAS?"
"Wir haben keinen Empfang und der Notruf l�sst sich auch nicht erreichen. Wei� Gott, warum", sagte Bryan ganz unschuldig und hielt Anto sein Handy entgegen. Doch Anto schob es weg und rieb sich die Augen.
"Okay, jetzt keinen Stress", sagte Kian. "Ich werde gucken gehen, was der Busfahrer sagt."
Anto nickte und Kian lief los. Mark folgte ihm.
"Shane, holst du was zum K�hlen?" Anto deutete in die K�che. "Im Eisfach liegen K�hlpacks."
Shane rannte los. Bryan wartete. Er wusste, das Anto immer genug Aufgaben parat hatte, um alle auf Trab zu halten.
"Bryan, du gehst nach drau�en und versuchst, Empfang zu kriegen und wenn du den hast, dann rufst du einen Arzt und wenn es n�tig ist, dann auch einen Abschleppdienst oder so was."
"Nach DRAU�EN? Willst du mich umbringen? Es ist arschkalt und es regnet in..."
"Bryan, bitte!", sagte Anto in energischem Tonfall und Bryan ging, aber nicht, ohne vorher noch ein "Ich mach das ausschlie�lich f�r Nicky" loszulassen.
Anto schaute ihm kopfsch�ttelnd hinterher und wartete dann auf Shane, der wenige Sekunden sp�ter durch den Gang kam und zwei blaue P�ckchen in der Hand hatte.
Anto zog Nickys Socken aus, schob die Hose hoch und dr�ckte die K�hlpacks auf Nickys Fu�.
Nicky st�hnte und wollte den Fu� wegziehen, aber Anto hielt ihn fest.
Kian und Mark kamen wieder. Kian sch�ttelte den Kopf und auch Mark machte nicht den Eindruck, als h�tte er gerade erfahren, dass es in f�nf Minuten wieder weitergehen w�rde.
Kian berichtete, was der Busfahrer gesagt hatte.
"Nichts. Wir brauchen einen Abschleppdienst. Wir stecken so tief im Schlamm, was bei dem Wetter kein Wunder ist."
"Dann sag Bryan, er soll auch einen Abschleppdienst anrufen. Er ist..."
"Nicht mehr drau�en", kam Bryans Stimme durch den Flur. Alle drehten sich um. Bryan stand da. Seine Klamotten klebten am K�rper, seine Haare auf der Stirn und vom Kinn tropfte das Wasser auf den Boden.
"Und?", fragte Anto, aber Bryan konnte nur den Kopf sch�tteln. Anto schlug mit der Faust auf den Boden, wo er immer noch hockte und Nickys Fu� festhielt.
Ein Donnerschlag fuhr �ber den Himmel und Anto zuckte zusammen.
"Au", schrie Nicky, als Anto erschrocken an seinem Fu� gezogen hatte. Anto lie� los und schaute aus dem Fenster.
"Bryan, konntest du da drau�en irgendetwas erkennen?"
Bryan sch�ttelte den Kopf. Total tote Gegend hier. Gar nichts, au�er ein paar B�ume und sonst..."
"Na toll", st�hnte Shane, um die Laune noch ein wenig runter zu machen."
Anto stand auf und st�tze seine H�nde in die H�ften.
"Okay, Jungs, das bringt alles nichts. Wir werden wohl oder �bel warten m�ssen, bis jemand kommt und..."
"Wann soll denn hier mal jemand vorbeikommen?", fragte Kian und schaute skeptisch aus dem Fenster, wo das Gewitter immer lauter wurde."
"Wir werden trotzdem hier bleiben m�ssen. Mark, du hilfst mir jetzt mal, Nicky da hinten auf das Sofa zu tragen. Los!"
Dann begann das Warten. Kian hatte es geschafft, ein paar Tassen Kaffee aus der K�che zu holen und kam mit einem Tablett den Gang entlanggestolpert.
Anto griff sich gleich zwei Tassen und hatte diese auch schnell geleert. Dann fing er an, im Bus auf und ab zu wandern.
Bryan hielt ihn fest.
"Jetzt sei nicht so nerv�s."
"Ich bin nicht nerv�s!"
"Du bist nerv�s!"
"Bin ich nicht!
"Bist du doch!"
"Bin ich... okay, mit dir kann man sowieso nicht diskutieren."
"Genau, deshalb w�rde ich vorschlagen, du setzt dich in eine Ecke und z�hlst die Regentropfen, aber h�r auf, uns alle nerv�s zu machen!"
Anto schaute Bryan entsetzt an.
"Bin ich der Manager oder du?"
"Das ist mir schei�egal, solange wir hier im Wald rumhocken!"
Anto sch�ttelte den Kopf und verzog sich.
"Tolle Stimmung", musste Kian noch eben loswerden. "Ich gehe wieder schlafen. Aber weckt mich, wenn ihr irgendwelche Anzeichen von Leben da drau�en entdeckt."
"Mich auch", sagte Shane und ging. Mark setzte sich neben Nicky, w�hrend Bryan mitten im Raum stehen blieb und nicht wusste, was er tun sollte.
Deshalb schnappte er sich eine Tasse Kaffee und hockte sich auf den Boden.
Als er die Tasse gerade zum Mund f�hrte, zuckte ein Blitz �ber den Himmel, es gab einen ordentlichen Knall und dann wurde es dunkel. Irgendetwas klirrte und Bryan schrie auf.
"Was ist denn jetzt los?", fragte Mark erschrocken und kurz darauf h�rte man ein Poltern auf dem Flur. Shane und Kian waren wohl wieder aus ihren Betten gekommen, um zu gucken, passiert war.
Bryan gab noch ein leichtes St�hnen von sich und dann ein "Schei�e!", als er sich den hei�en Kaffee auf den Pulli gekippt hatte. Die T�r ging auf, aber es blieb trotzdem dunkel. Man konnte nur erahnen, dass es Shane und Kian waren, die da durch die T�r kamen. Hinter ihnen h�rte man Antos Stimme und noch jemanden. Den Busfahrer. Alle zw�ngten sich in den kleinen Aufenthaltsraum.
"Mensch, pass doch auf", rief Bryan, der schnell vom Boden aufsprang, als er einen Fu� in die Rippen bekam.
"Sorry", murmelte Mark und streckte beide Arme nach vorne aus, damit er nicht noch jemanden umrannte.
Louis kam ebenfalls rein und fragte aufgeregt: "Was ist los?"
"Wei� nicht, aber es hat geblitzt und peng..."
"Wow!"
Ein Stimmengewirr ging durch den Raum und alle plapperten durcheinander, bis Bryan auf den Finger pfiff. Augenblicklich wurde es still und niemand sagte etwas. Man h�rte nur die Glasscherben auf dem Boden, als irgendjemand seinen Fu� darauf setzte.
"Und jetzt?", fragte Kian, weil ihm nichts besseres einfiel.
"Was, und jetzt?", amte Mark Kian nach. "Wir sitzen im Dunkeln."
Schweigen. Dann meldete sich der Busfahrer zu Wort, der keine angenehmen Nachrichten hatte.
"Wir sitzen nicht nur im Dunkeln. Der ganze Strom ist weg und es kann nicht mehr lange dauern, dann ist es hier drin saum��ig kalt.
Wieder schweigen. Man h�rte nur ein paar Atemz�ge, die schnell und laut waren und die Spannung im ganzen Raum nur zu gut verdeutlichten.
"Und wir haben gar keinen Strom?", fragte Anto, in dessen Stimme jedoch wenig Hoffnung lag.
Der Busfahrer sch�ttelte den Kopf und erst, als ihm einfiel, dass ihn niemand sehen konnte, sagte er: "Nein, der Blitz hat irgendetwas angestellt und so wie es aussieht, ist der ganze Bus im Eimer, was den Strom angeht."
"Na toll", st�hnte Shane schon zum zweiten Mal an diesem Abend und lie� sich auf das Sofa fallen.
"Aaaahhhh", kam es von Nicky und Shane sprang sofort wieder auf. "Sorry!"
"Bryan?", fragte Anto und versuchte herauszufinden, wo er sich befand.
"Ja?"
"Sag mal, war da drau�en wirklich gar nichts."
"So will ich das nicht nennen. Da waren B�ume, Schlamm..."
"Bryan, bitte..."
"Okay, wenn du so was wie ein f�nf Sterne Hotel meinst, dann muss ich dich entt�uschen, aber da ist ein Hotel ausgeschildert..."
"WAS?"
"Na ja, das Schild ist halb verrottet, von Efeu �berwuchert, kaum noch zu lesen und..."
"Willst du mich vereimern?"
"Nein, ich dachte nur, es w�re unwichtig... in dem Zustand."
"Okay, dann bleiben wir lieber hier", beschloss Anto. Erleichtertes Seufzen von allen.
"Haben wir Kerzen oder so was?", fragte Nicky.
"Warum sollten wir Kerzen im Bus haben?", fragte der Busfahrer.
"Es bleibt also dunkel und gleich wird es auch noch kalt..."
"Klingt so nach Tiefk�hltruhe", meinte Bryan.
Nicky st�hnte. "Bryan, musst du immer gleich ans Essen denken. Ich hab wirklich keine Lust, mich hier in einen D�ner zu verwandeln. Ich finde das nicht lustig."
"D�ner? In der Tiefk�hltruhe? Keine Panik", lachte Bryan und tastete nach Nicky. Als er ihn gefunden hatte, klopfte er auf seinen Fu�. "Du w�rest eher ein Eisbein!"
Alle lachten, bis auf Nicky, der Bryans Arm packte und darauf einschlug. Bryan trat schnell ein paar Schritte zur�ck.
"Okay", rief Anto und klatschte in die H�nde.
"Ihr beruhigt euch jetzt erst mal und setzt euch irgendwohin... nicht auf Nickys Fu� bitte... und ich... ich gehe los und gucke, ob ich nicht doch was finde... Bryan, du kommst mit, bevor du dich hier noch zur Tiefk�hlpizza entwickelst."
Bryan war schockiert. "Ich?", fragte er, w�hrend Nicky anfing, herzhaft zu lachen. "Bryan, viel Spa�, ich glaube, du bist gleich ein Wassereis!", rief er und schaute aus dem Fenster. Drau�en regnete es immer noch in Str�men.
Wieder lachten alle. Nur Anto reichte es.
"Nicky sei still, oder ich nehme dich mit."
Dann ging er zur T�r und Bryan folgte ihm.
"Mist", fluchte Bryan, als er gegen eine Wurzel getreten war und stolperte weiter. In der Hand hatte er eine Taschenlampe, die Anto irgendwo gefunden hatte, die andere Hand hatte er nach vorne ausgestreckt, um nicht vor einen Baum zu laufen.
Anto lief ihm voraus. Beide waren klitschnass, obwohl sie noch nicht weit gelaufen waren.
Bryan fragte sich, wo sie eigentlich waren und ob der Bus �berhaupt schon mal so eine Stra�e genommen hatte. War letztendlich aber auch egal, denn festsitzen taten sie so oder so. W�hrend er noch dar�ber nachdachte, wo sie denn so ungef�hr sein k�nnten, rief Anto.
"Bryan, da ist was... Bryan. Bist du noch da?"
"Ich bin hier", rief Bryan und suchte mit seinen Augen die Gegend ab. Aber er sah nichts.
"Wo?", rief er Anto ersch�pft zu, als er ihm entgegen stolperte.
"Da!", rief Anto, der seine H�nde zu einem Trichter geformt vor den Mund hielt, um gegen das Donnern anzukommen. Dann zuckte ein Blitz auf und Bryan sah die Umrisse eines... eines Gem�uers, das einige Meter vor ihnen stand.
"Was ist das!", schrie Bryan, denn es wurde immer schwerer, gegen das Donnern und den starken Wind anzukommen. "Sieht f�r mich lediglich nach einer alten Ruine aus."
"Ja, aber du gehst jetzt da gucken und ich hole die anderen."
"WAS?" Bryan konnte nicht mehr. Was Anto da heute den ganzen Tag verlangte, war nicht mehr lustig. Alleine zu diesem Ding da zu gehen, war ihm wirklich nicht geheuer, au�erdem war es arschkalt und der Wind war st�rker geworden. Doch Anto lie� sich nicht beirren und ging einfach. Bryan wollte ihm folgen doch schnell hatte er ihn aus den Augen verloren und war allein.
Um ihn herum rauschten B�ume und Bl�tter flogen ihm ins Gesicht. Seine Haare klebten auf der Stirn und die Schuhe waren durchweicht.
Doch Bryan wartete nur kurz, bis der n�chste Blitz kam und das Geb�ude noch einmal auftauchen lie�. Bryan marschierte in die Richtung und stand ein paar Minuten sp�ter vor einer kalten Steinmauer. Mitten drin ein gro�es Holztor, aber vor dem blieb Bryan stehen und wagte es nicht einmal, den gro�en T�rklopfer zu benutzen geschweige denn die T�rklinke runterzudr�cken.
Das Schloss, oder was es auch immer sein sollte, sah aus, als w�rden gleich Geister und Riesenspinnen aus den Ritzen der Mauern kriechen und das war wirklich nicht das, was Bryan sich f�r diesen Abend vorgestellt hatte. Er lehnte sich an die Wand und wartete.
Shane zog seine Beine an und schlang seine Arme und die Knie. Seine Z�hne klapperten und auf den Armen hatte er eine G�nsehaut. Kian h�pfte im Zimmer auf und ab, um sich warm zu halten und Mark versuchte im Dunkeln Kaffee zu kochen.
Bryan und Louis waren noch nicht lange weg, aber im Bus war es kalt geworden und der Busfahrer hatte nichts dagegen tun k�nnen. Er war vorne und versuchte nochmals und nochmals Empfang zu bekommen. Vergeblich.
Dann klopfte es an der T�r. Anto presste seine Nase an die Glasscheibe und wollte rein. Der Busfahrer �ffnete eilig die T�r und lie� Anto eintreten. Der scheuchte alle auf und f�nf Minuten sp�ter standen alle vor dem Bus. Mark hatte Nicky hinten drauf und Anto �berlegte kurz, wo es lang ging. Er musste sich eingestehen, dass er sich nicht ganz sicher war, aber sie mussten los, wenn sie Bryan wiederfinden wollten. Deshalb ging er zum hinteren Teil des Busses, wo er eben mit Bryan losgegangen war und lief dann nach links. Die anderen folgten ihm. Anto lief eilig voraus und Mark musste sich bem�hen, die Truppe nicht zu verlieren. Doch er konnte mithalten und h�rte Antos Stimme, die immer wieder rief, dass es nicht mehr weit war. Das konnte Mark nur hoffen. Sein R�cken tat weh und seine F��e waren halb erfroren, als Anto endlich meinte, sie h�tten es geschafft.
Schnell hatten sie Bryan gefunden, der nass und zitternd an der grauen und nassen Steinwand lehnte und �bergl�cklich aussah, als Shane ihm entgegenlief.
"Und?", fragte Anto, der ebenfalls die T�r erreicht hatte.
"Nichts und. Ich hab nicht geguckt. Mach doch selbst." Anto st�hnte, aber dann ging er auf die T�r zu. Vorher drehte er sich noch einmal um und guckte, ob alle da waren. Als letzter erreichte Mark die Gruppe, weil er immer noch Nicky auf dem R�cken hatte.
"Okay", sagte Anto und griff z�gernd nach dem gro�en Eisenring, der an der T�r befestigt war. Seine Finger umklammerten das Eisen und zogen es hoch. Dann bewegte Anto den Ring hin und her. Das Klopfen war unheimlich laut und Shane und Bryan, die direkt neben Anto standen, sprangen zur�ck. Anto h�rte auf zu klopfen und wartete. Nichts.
Er versuchte es noch einmal aber es blieb still. Er drehte sich zu den anderen um und schaute sie erwartungsvoll an.
Die Blicke wurden erwidert und nach einem weiteren St�hnen griffen Antos H�nde nach dem T�rgriff. Kr�ftig zog er daran und die T�r gab ein lautes Knarren von sich. Kian lief zur T�r und half Anto und sie hatten die T�r bald ge�ffnet.
"Na also", sagte Anto und deutet mit der Hand ins innere. Durch den T�rspalt kam ein heller Schimmer.
Anto dr�ckte mit der Hand gegen die T�r und lie� sie ein kleines St�ck weiter aufschwingen.
"Nach ihnen", sagte er, aber man merkte ihm an, dass er es nicht der H�flichkeit halber machte.
"Mann, k�nnen wir nicht doch lieber wieder in den Bus?", fragte Mark, der Nicky inzwischen wieder runtergelassen hatte. Der stand auf einem Bein neben ihm und hatte seinen Arm und Marks Schulter gelegt.
Anto sch�ttelte den Kopf und so war es Shane, der einmal st�hnte, ein Gesicht machte, das wahrscheinlich so was wie "ihr Feiglinge" bedeuten sollte, und auf die T�r zu ging. Ohne zu z�gern(mehr oder weniger) verschwand er im Inneren den Geb�udes. Bryan folgte ihm und auch Kian. Dann kamen Mark und Nicky, die ein wenig Schwierigkeiten hatten, zusammen durch den Spalt zu kommen und dann kamen der Busfahrer und Anto.
Als Anto schlie�lich als letzter die T�r schloss, standen die anderen schon erstaunt in einer riesigen Eingangshalle und betrachteten einen schlafenden Mann, der hinter einem Tresen sa�. Er hatte die Arme verschr�nkt vor sich auf den Tisch gelegt und schlummerte fr�hlich vor sich hin. An der Decke hing ein gro�er Kronleuchter, der die Halle in ein schummeriges Licht tauchte. Ein paar gro�e Fenster am anderen Ende der Halle gaben den Blick auf die st�rmische Gewitternacht frei. An ihren Seiten hingen gro�e, rote Vorh�nge und durch das Glas zogen sich lauter Eisenlatten, die ein sch�nes Muster in die Fenster zauberten.
Rechts ging eine gro�e Steinwendeltreppe nach oben und endete auf einer Galerie, die sich einmal oben um die Halle zog. �berall waren T�ren. In der Mitte der Halle stand ein alter Fl�gel, und drum herum standen bequeme Polsterm�bel.
"Wow", staunte Shane und legte den Kopf in den Nacken. "Da haben wir ja das Hotel."
Bryan lachte leise. "Ich w�rde sagen, das Schild und das Hotel stammen aus der gleichen Zeit."
"Ach, ich find�s gem�tlich", sagte Nicky, der sich mit Mark auf denen am Fl�gel stehenden Sesseln niedergelassen hatte.
"Okay", sagte Anto, der sich inzwischen sichtlich wohler f�hlte, und marschierte auf den Tresen zu. Er beugte sich zu dem schlafenden Mann herunter.
"Hallo?", fragte er leise, aber der Mann gab nur ein lautes Grunzen von sich und schlief weiter.
"Hallo!", sagte Anto jetzt etwas deutlicher, aber der Mann r�hrte sich immer noch nicht und es war wirklich kein Wunder, das er bei dem Krach, den die T�rklopfer verursacht hatten, nicht aufgewacht war.
"Hallo!", schrie Anto und Kian, der immer noch damit besch�ftigt war, sich genauer umzusehen, fuhr herum.
Der Mann schrak hoch und sa� pl�tzlich kerzengerade auf seinem Stuhl.
"�h... was?", murmelte der Mann und rieb sich seine Augen. Dann griff er mit der Hand in seine Tasche und brachte eine Brille mit kleinen, runden Gl�sern hervor, die er schief auf seiner Nase platzierte.
"�h...", machte er noch einmal. "Hallo!"
"Hallo!", sagte Anto zum vierten Mal in einem etwas vorwurfsvollen Ton.
"Tut mit leid", entschuldigte sich der Mann sofort und r�ckte sein Namensschild zurecht, auf dem deutlich Mr. O�Connell zu lesen war.
"Tut mir wirklich leid, aber ich hatte zu dieser sp�ten Stunde niemanden mehr erwartet. Hatten sie eine Reservierung?"
Bryan fand den Mann irgendwie lustig. Er war klein und die Brille mit den kleinen runden Gl�sern lie� ihn noch kleiner wirken. Er war sichtlich nerv�s und total durcheinander. Verzweifelt suchte er jetzt eine Liste ab, auf der nat�rlich nichts an Reservierungen zu finden war. Eigentlich war sie leer. Bryan kicherte in sich hinein.
"Nein", antwortete Anto jetzt auf die Frage von dem Mann. "Wir sitzen da drau�en mit unserem Bus fest..."
Mr. O�Connell lie� ihn nicht ausreden.
"Ah, sie suchen also ein paar Betten f�r sie Nacht?" Mr. O�Connell setzte ein breites Grinsen auf und legte den Kopf schief.
"�h... ja", sagte Anto, der leicht verwirrt war, dass er mit seinen Jungs nachts im Regen durch den Wald lief und in einem Hotel landete.
"Kein Problem", sagte O�Connell und schlug sein Buch wieder auf. "Wie viele Personen sind wir denn?", fragte er, wobei die Abst�nde zwischen seinen Worten immer k�rzer wurden. Die Frage war unn�tig gewesen, denn der kleine Mann hatte bereits seinen Bleistift gez�ckt, ihn zwischen zwei Finger genommen und lie� ihn jetzt durch die Halle gleiten, um alle zu z�hlen.
"Ah ja, sieben Personen... warten sie kurz...!"
Der Mann bl�tterte in seinem Buch rum. Hin und her, bis er die richtige Seite gefunden hatte. Er fuhr mit dem Bleistift auf der Seite auf und ab, verengte ab und zu die Augen und schaute dann auf, um sein Ergebnis zu pr�sentieren.
"Okay, meine Herren, ich h�tte da noch ein paar Betten. Zwei Einzelzimmer, ein Zweibettzimmer und ein Dreibettzimmer?"
"Ja", sagte Anto sofort, der jetzt nicht bereit war auf irgendwelche Sonderw�nsche der Jungs einzugehen.
Mr. O�Connell reichte Anto das Buch, damit er seine Unterschrift auf eine der Seiten setzen konnte.
"Wir sind fast alleine?", fragte Anto erstaunt, als er in dem Buch nur einen anderen Namen finden konnte. O�Connell nickte und h�ndigte im dann drei Schl�ssel aus. Er klappte das Buch zu, w�nschte allen eine gute Nacht und nahm seine Brille ab. Anto drehte sich vom Tresen weg und wedelte mit den Schl�sseln.
"Okay Jungs, wer teilt?"
Shane, Bryan, Nicky, Mark und Kian waren sich schnell einig. Der Busfahrer bekam seinen Schl�ssel und rannte sofort die Treppe hoch. Kian, Shane und Mark nahmen ebenfalls einen Schl�ssel, kamen aber nicht ann�hernd so schnell die Treppe hoch, wie der Busfahrer. Es waren wohl alle ein wenig zu m�de.
Nicky steckte sich einen Schl�ssel ein und h�ngte sich an Bryan und die beiden schleppten sich gemeinsam zur Treppe. Auf der H�lfte der Treppe schaute Bryan noch einmal herunter in die Halle und merkte, dass ein gewisser O�Connell schon wieder am schlafen war. Bryan kicherte in sich hinein und ging weiter.
Oben auf der Galerie zog Nicky den Schl�ssel aus seiner Hosentasche und betrachtete die Zimmernummer.
"Nach da", sagte er schlie�lich, nachdem er sich kurz umgeschaut hatte, und deutet mit der Hand nach rechts.
Nicky humpelte neben Bryan her, der sich im Vorbeigehen die vielen Gem�lde anschaute, die an der Steinwand hingen. Er w�re an Zimmer Nr. 13 vorbei gelaufen, h�tte Nicky nicht Stop gemacht und ihn auf die Holzt�r hingewiesen.
"Das ist nicht Nr. 13", sagte Bryan. "Das ist eine 18."
Nicky sch�ttelte den Kopf. "Die Zahl ist etwas undeutlich, aber da ist die 12 und da die 14. Das hier das richtige Zimmer."
"Oh", sagte Bryan nur und nahm den Schl�ssel. Er hantierte kurz damit im Schoss herum und die T�r ging langsam und knarrend auf.
Nicky lie� sich als erstes aufs Bett fallen und schwor sich, dort f�r immer liegen zu bleiben, wenn es die Umst�nde erforderlich machen w�rden, w�hrend Bryan sich erst mal umschaute. Alles war wie in der Eingangshalle altmodisch aber gem�tlich eingerichtet. Auch hier hingen vor den Fenstern die gro�en, roten Vorh�nge und hinten in einer Ecke stand ein kleiner Tisch mit ein paar Polsterst�hlen. Daneben ein dunkler Eicheholzschrank. Die zwei Betten waren sehr gro� und darauf lagen gro�e, bunte Decken, dazwischen Unmengen von Kissen. Der Boden war aus Stein, aber darauf lag ein gro�er persischer Teppich, dem nur wenige Zentimeter fehlten, um an allen Seiten die Wand zu ber�hren und somit den ganzen Boden zu bedecken. Unter der Decke war wieder ein gro�er Kronenleuchter angebracht.
Bryan ging sogleich durch die T�r, die sich an einer Wand befand und betrat wie erwartet ein Badezimmer. Das schaute er sich jedoch nicht n�her an sondern ging wieder zur�ck ins Zimmer. Drau�en donnerte es heftig und ab und zu sah man am Rand der Vorh�nge, wie die Nacht drau�en von einem Blitz erhellt wurde.
Bryan stellte fest, dass Nicky schon tief und fest am schlafen war. Er hatte sich wohl nur noch ein paar Sachen ausgezogen und war dann sofort eingepennt und deshalb schmiss Bryan sich ebenfalls sofort auf sein Bett und schloss die Augen. Drau�en heulte der Wind und lie� ein paar Fensterl�den klappern, die wohl nicht richtig befestigt waren.
Bryan lauschte dem klappernden Ger�usch und dachte nach. Was f�r eine Nacht. So was konnte aber auch nur Westlife passieren. Wieder fragte er sich, warum sie �berhaupt hier waren, weil es ungew�hnlich war, dass sie nachts irgendwo durch den Wald fuhren, aber vielleicht hatte er auch nur wieder verpasst, wie der Busfahrer was von "Stau umfahren" oder so gesagt hatte. Schlie�lich kam das auch ab und zu mal vor. Und jetzt war es auch egal, wie es vorher schon egal gewesen war. Sie sa�en fest und waren in einem Hotel gelandet, von dem niemand wusste das es da war. Schon komisch...
Bryans Gedanken kreisten weiter zu Kerry, zu Molly, aber irgendwann dann wohl doch zu der Tatsache, dass Betten da waren, um in ihnen zu schlafen.
Krach. Shane fuhr in seinem Bett hoch und war sofort hellwach. Drau�en hatte es schon wieder gedonnert, aber diesmal besonders laut. Immer wieder zuckten Blitze �ber den Himmel, Fensterl�den schlugen hin und her und der Regen klatschte mit einer Heftigkeit gegen die Fenster, dass man denken musste, gleich w�rde alles zersplittern. Shane zog die Decke h�her, um sich warm zu halten. Er nahm seinen Arm hoch und schaute auf die Uhr. Erst neun. Drau�en war es schon fr�h dunkel geworden und nach alledem, was bis jetzt geschehen war, hatte Shane gedacht, es w�re bereits nach Mitternacht.
Pl�tzlich hielt Shane inne und lauschte. Irgendwo knarrte eine T�r und zwar ganz sch�n laut. Das konnte nur die Eingangst�r mit den gro�en T�rklopfern sein. Shane lie� sich wieder in die Kissen fallen. Er war erstaunt, wie viele Leute sich an diesem Abend in dieses Hotel verirrten, doch er wusste auch, wie schnell so was gehen konnte. Die T�r knarrte noch einmal, als sie wieder geschlossen wurde, aber davon bekam Shane nichts mehr mit. Er hatte die Decke bis ans Kinn gezogen und war wieder eingeschlummert.
Bryan hatte das Knarren ebenfalls geh�rt. Doch er war nicht wieder eingeschlummert. Er schlug die Bettdecke zur�ck und ging langsam �ber den weichen Teppich. Im Dunklen tastete er nach der T�rklinke und dr�ckte sie runter. Langsam schwang die T�r mit einem lauten Quietschen auf und Bryan hoffte, dass er niemanden geweckt hatte. Doch es blieb still und Bryan trat auf die Galerie. Er ging zwei Schritte nach vorne und lugte �ber die kleine Mauer, die da war, damit keiner runterfiel. Die gro�e T�r war wieder verschlossen. Bryan betrachtet den Tresen. Der Kronleuchter war noch an und so konnte Bryan alles gut erkennen. O�Connell, war wie erwartet am schlafen, aber sonst war alles leer. Bryan lie� seine Blicke noch einmal durch die Halle schweifen und ging wieder. Wei� Gott, warum die T�r geknarrt hatte. Bryan zitterte, als er wieder im Zimmer war. Schnell kroch er in sein Bett und zog die Decke so weit wie m�glich hoch.
Schlafen konnte er nicht. Dieses Gewitter... �berall klapperte es. Bryan fragte sich, wie Nicky bei dem L�rm schlafen konnte. Das man aber auch ausgerechnet in einer Gewitternacht in einem ungeheizten, alten Schloss landen musste.
Bryan lag lange wach und starrte an die Decke, w�hrend drau�en die Blitze zuckten und der Wind durch die B�ume fuhr. Irgendetwas polterte drau�en.
Bryan hatte in dieser Nacht den Donner geh�rt, klappernde Fensterl�den, knarrende T�ren... aber dieses Ger�usch war neu. Es waren schwerf�llige Schritte, die die Treppe hochkamen. Jemand, der so einen Krach machte, war entweder sehr schwer, oder hatte etwas zu schleppen, stellte Bryan fest und starrte dabei weiter an die Decke. Er fragte sich, wo die G�ste, die wohl doch durch die Eingangst�r gekommen waren, eben waren, als er oben auf der Galerie stand.
Die Ger�usche kamen n�her. Irgendwann hatten sie das Ende der Treppe erreicht und blieben stehen. Vielleicht eine Verschnaufpause, vielleicht jemand, der sein Zimmer suchte.
Der jemand, der gerade die Treppe raufgekommen war, setzte sich wieder in Bewegung und die Schritte wurden lauter. Immer lauter. Sie polterten �ber den harten Steinfu�boden, immer weiter an den vielen T�ren entlang und blieben irgendwann wieder stehen. Ganz nah. Bryan konnte geradezu sp�ren, dass da jemand vor der T�r stand. Vor seiner T�r. Denn da hatten die Schritte halt gemacht, sich nicht mehr von der Stelle bewegt. Jetzt stand da jemand. Jemand der vielleicht gro� und schwer war, vielleicht auch nicht. Aber er stand da. Und dann machte er die T�r auf.
Bryan wollte sich aufsetzen und nachschauen, wer sich da im Zimmer verirrt hatte, aber er blieb liegen und lauschte. Er wusste nicht, warum, aber er hatte Angst.
In solchen Momenten kamen die Phasen, wo man sich vorstellte, drau�en st�nden Monster oder Geister und man dachte sich alles M�gliche aus und deshalb blieb Bryan liegen und machte einfach gar nichts. Nur �ber den Bettdeckenrand lugte er vorsichtig zur T�r, als diese sich langsam �ffnete und der Umriss einer Gestalt erkennbar wurde. Man konnte das Gesicht nicht erkennen, nur den Umriss, der sich auf dem hellen Hintergrund der Eingangshalle deutlich abzeichnete.
Der Schatten war gro�, nicht sonderlich breit und in der Hand trug er etwas gro�es. Einen Sack oder so. Nicky lag in seinem Bett und schlief. F�r Anto war die Person zu gro�, f�r Kian auch und f�r Shane sowieso und der Busfahrer war es auch nicht. Und selbst f�r Mark war der Umriss immer noch zu gro�. Bryan gefror das Blut bei der Vorstellung, dass das jemand war, den er nicht kannte. Denn Leute, die man nicht kannte, konnten gef�hrlich sein.
Die Person stand einfach nur da und schaute in den Raum. Sie stand da, bis ein Blitz aufzuckte, gleichzeitig mit einem gewaltigen Donnerschlag und einem heftigen Windsto�, der irgendwie in die Eingangshalle gekommen war, und alle Kerzen des alten Kronleuchters ausblies.
Dann war es stockdunkel. Bryan hatte die Augen zugekniffen, aber schnell �ffnete er sie wieder und schaute zur T�r, wo es eben noch so hell gewesen war.
Leer. Obwohl es dunkel war, konnte man erkennen, dass dort niemand mehr war. Hastig strampelte Bryan die Decke weg und lief auf den Gang. Leer. Rundherum leer.
Bryan schloss seine Zimmert�r und blieb auf dem Flur stehen. Es war kalt, besonders unter den F��en, aber er blieb stehen und lie� seine Blicke immer und immer wieder �ber die Galerie und auch unten durch die Eingangshalle schweifen. Nichts.
Der Blitz erhellte die Eingangshalle noch einmal, aber es war wirklich gar nichts da. Bryan hatte nur kurz erkennen k�nnen, dass O�Connells Gestalt immer noch �ber dem Tresen hing, wie vorher.
Bryan blickte �ber die Halle auf die andere Seite. Da irgendwo war das Zimmer von Anto. Bryan ging nach links. Nebenan pennten Kian, Mark und Shane. Schnell ging Bryan auf die T�r zu, weil er das Gef�hl hatte, seine F��e w�rden einfrieren. Leise klopfte er an, aber es meldete sich nat�rlich niemand und auch beim zweiten Klopfen blieb es still. Bryan wollte niemanden st�ren und zu viel Krach machen, deshalb ging er einfach so in das Zimmer.
"Hallo?", fl�sterte er und machte ein paar Schritte auf die Mitte des Zimmers zu, wo seine F��e sich auf dem Teppich gleich viel besser anf�hlten. Er blieb einfach eine Weile stehen, um seine F��e aufzuw�rmen. Die Arme hatte er eng um den Oberk�rper geschlungen.
"Hallo?", kam es pl�tzlich von links. Bryan erschrak, erkannte dann aber Shanes Stimme. Er ging auf sein Bett zu und stellte sich davor.
"Bryan! Was machst du hier?", fragte Shane und setzte sich auf.
Ja, was machte Bryan eigentlich hier. Er hatte etwas geh�rt, einen schwarzen Mann gesehen und stand jetzt in Shanes Zimmer.
"Ich hab was gesehen", sagte er deshalb einfach.
"Was? Deswegen weckst du mich?"
"Na ja, es war ein Mann!"
"Bryan, komm zur Sache." Shane war sichtlich genervt und konnte es wohl kaum erwarten, weiterzuschlafen, um vielleicht von Gilian zu tr�umen.
"Er stand in meiner T�r und dann war er pl�tzlich weg und als hier drau�en niemand war..."
"Da dachtest du, gehst du mal den lieben Shane wecken."
"Was kann ich daf�r, wenn du so leicht aufwachst", sagte Bryan in einem vorwurfsvollen Ton und blickte hin�ber zu den anderen beiden, die tief und selig am schlafen waren.
"Sorry, aber ich bin heute Nacht schon mal aufgewacht, weil ich irgendeine T�r hab knarren h�ren und ich will jetzt nichts anderes mehr tun, als schlafen und das bis morgen fr�h."
"Du hast die T�r auch geh�rt? Ich auch, aber als ich dann in die Eingangshalle geschaut hab, war niemand da. Und als ich wieder im Bett lag kamen diese lauten Schritte die Treppe hoch und dann der Mann..."
"Bryan, hattest du Alptr�ume?"
"Nein, ehrlich nicht!"
"Gut, dann mache ich dir einen Vorschlag. Geh zur�ck in dein Bett und schlaf weiter."
"Shane, ich..."
Shane gab ein Schnarchger�usch von sich. Bryan wusste, dass Shane niemals so laut schnarchen w�rde, aber Shane glaubte ihm nicht und es war zwecklos, noch einmal zu versuchen, ihn zum reden zu bringen. Wenn er schlafen wollte, dann w�rde er es tun. Bryan verlie� das Zimmer und schloss die T�r hinter sich. Schnell rannte er �ber den kalten Steinfu�boden zu seiner eigenen T�r.
Offen. Bryan stutze kurz, weil er meinte, sich daran erinnern zu k�nnen, die T�r geschlossen zu haben, als er das Zimmer verlassen hatte. Aber er war m�de und deshalb ging er zur�ck ins Zimmer und wollte sich ins Bett legen. Er guckte noch einmal ob er Nicky nicht geweckt...
Nicky. Er war nicht da. Bryan rieb sich die Augen, aber das Bett blieb leer. Also ging Bryan zum Badezimmer mit der vollen �berzeugung, Nicky dort anzutreffen. Er dr�ckte die T�rklinke runter, doch die war nicht(wie erwartet) abgeschlossen und das Badezimmer war dunkel und verlassen.
Bryan bekam Angst und am liebsten w�re er aus diesem Hotel geflohen obwohl noch gar nicht schlimmes passiert war. Das Gem�uer war ihm unheimlich.
Doch jetzt w�rde er erst mal Shane wecken. Da konnte er machen, was er wollte. Selbstsicher marschierte Bryan wieder zu Shanes Zimmer. Ohne Klopfen ging er rein.
"Shane", fl�sterte er und ging auf das Bett zu. Shane fuhr hoch.
"Bryan", schimpfte er fl�sternd. "Ich hab gesagt..."
"Shane, Nicky ist weg."
"Lass die Scherze. Es ist mitten in der Nacht und..."
"Nicky ist weg", wiederholte Bryan. "Er ist wirklich weg."
"Du willst mich verarschen."
"Nein, guck doch", sagte Bryan und wies aus der T�r.
"Oh ja, genau das werde ich tun."
Shane stieg aus dem Bett und ging w�tend an Bryan vorbei, der mit verschr�nkten Armen in der Dunkelheit stand und geduldig wartete, bis Shane verschlafen zur T�r schwankte. Dann folgte er Shane. Dieser ging mit gro�en Schritten zu Bryans Zimmer, zu Nickys Bett und zog die Decke weg. Niemand.
"Siehst du", sagte Bryan.
"Haha", sagte Shane genervt und ging in die Hocke und als er unter dem Bett auch niemanden fand, ging er zum Badezimmer.
"Ihr zwei verarscht mich nicht!"
Mit einem Ruck zog er die T�r auf, aber das Badezimmer war leer. Shane drehte sich langsam um und fragte z�gernd: "Bryan... Nicky ist nicht wirklich weg, oder?"
"Doch", sagte Bryan und nickte.
"Okay", sagte Shane, der ein wenig nerv�s geworden war, nachdem er das Bad leer vorgefunden hatte. "Du guckst jetzt noch im Schrank und ich gehe die anderen aus den Betten schmei�en."
Shane lief los. Bryan war fest davon �berzeugt, im Schrank niemanden vorzufinden, aber wieso nicht und wenn Shane meinte...
Bryan �ffnete die Schrankt�r, aber der Schrank war ebenfalls leer.
Da h�rte Bryan hinter sich auch schon jemanden n�rgeln. Kian und Mark, die f�r diese n�chtliche Aktion gar nicht zu haben waren. Verschlafen folgten sie Shane in Bryans Zimmer und lie�en sich bereitwillig die aktuelle Situation erkl�ren.
"Habt ihr noch eine Taschenlampe?", fragte Bryan und kramte seine heraus, mit der er eben noch durch den Wald gelaufen war.
Mark nickte und hielt sich dann die Hand vor den Mund, weil er g�hnen musste.
Bryan war entschlossen und genauso entschlossen sagte er dann schlie�lich: "Gut, die holt ihr jetzt. Wir gehen Nicky suchen."
"WAS?", fragten Kian und Mark gleichzeitig und g�hnten wieder.
"Wir gehen Nicky suchen", wiederholte Shane und verschwand. Kian und Mark schauten ihm ungl�ubig hinterher und als er durch die T�r verschwunden war, blickten sie Bryan verst�ndnislos an, ohne den Anschein zu machen, sich von der Stellen bewegen zu wollen.
Bryan drehte sich um und ging zu einem Stuhl, wo ein paar Klamotten lagen, darunter auch Nickys, der demnach in einem T-Shirt und Boxershorts unterwegs sein musste, und sagte: "Ihr solltet euch was w�rmeres anziehen. Es ist ganz sch�n kalt."
"Er meint es ernst", sagte Kian zu Mark gewandt und den beiden blieb nichts anderes �brig, als sich was zum Anziehen zu holen, denn Shane stand schon wieder in der T�r bewaffnet mit einer Taschenlampe.
"Kann�s losgehen?", fragte er abenteuerlustig und lie� den Schein der Taschenlampe durch den Raum gleiten.
Bryan sch�ttelte den Kopf, mit dem er noch im Pulli fest hing. Dann deutet er mit der Hand, die ebenfalls noch nicht ganz durch den �rmel war aus der T�r.
"Kian und Mark haben noch ein paar Schwierigkeiten, ihre M�digkeit zu �berwinden!"
"Und du hast Schwierigkeiten mit deinem Pulli", lachte Shane und ging auf Bryan zu. Brutal zog er Bryan den Pulli �ber den Kopf.
"Danke", keuchte Bryan und griff nach seiner Taschenlampe. Mark und Kian kamen langsam ins Zimmer geschlurft. Sie waren wohl immer noch nicht begeistert von der Idee, nachts durch ein Schloss, oder was das auch immer sein sollte, zu schleichen, um Nicky zu suchen.
"Jetzt kommt schon", ermutigte Shane sie und schob die beiden aus der T�r.
Shane blickte runter in die Halle.
"Okay. Ich w�rde sagen, wir gehen jetzt da runter und wecken unseren O�Conny, oder wie der auch immer hei�t. Ich bezweifle zwar, dass dieser Tiefschl�fer was gesehen hat, aber versuchen kann man es ja."
"Er hei�t O�Connell", korrigierte Bryan ihn und folgte Shane, der schon auf dem Weg zur Treppe war. Mark und Kian folgten ihm. Shane und die anderen gingen langsam und vorsichtig die Treppe runter. In der gro�en Halle hallten ihre Schritte in allen W�nden wieder. Die Vorh�nge wehten im Wind. Irgendwo musste eine Fenster zu Bruch gegangen sein und hatte den Wind reingelassen, der auch schon den Kronleuchter au�er Gefecht gesetzt hatte.
Die St�hle sahen leer und verlassen aus, was sie ja auch waren, aber in der Dunkelheit sahen sie unheimlich aus. Shane lie� den Schein seiner Taschenlampe vor sich �ber die Stufen gleiten, um nicht zu stolpern, w�hrend Bryan immer wieder die Galerie absuchte, weil er sich beobachtet f�hlte. Doch da war nichts. Nur die Gem�lde an der grauen Steinwand, die einem schon genug das Gef�hl gaben, nicht allein zu sein. Bryan hatte den Eindruck, sie guckten immer genau dahin, wo man stand, egal, was man machte.
Schnell richtete er seine Taschenlampe wie Shane auf die Treppe, um etwas zu sehen. Am Fu� der Treppe angekommen steuerte Shane sofort den Tresen an, ohne das Licht der Taschenlampe vom Boden abzuwenden. Er ging pl�tzlich schnell. Die anderen folgten ihm eher z�gernd.
Shane war am Tresen angekommen, streckte schon die Hand aus, um O�Connell an der Schulter zu fassen und sagte: "Mr. O�Connell ich..."
Er hob die Taschenlampe.
"Aaaaaaaahhhhhhhhhh!"
Shanes Schrei hallte durch die ganze Halle, die Taschenlampe fiel auf den Boden und es wurde wieder dunkel. Nur Bryans Taschenlampe flackerte durch den Raum, als er anfing zu rennen, um nach Shane zu sehen.
"Was ist los?", rief er und zog die anderen hinter sich her. Shane sagte gar nichts. Man h�rte seinen schnellen Atem, der einem ein ungef�hres Bild davon gab, wie viele Schwei�tropfen Shane gerade von der Stirn rannen.
"Mr. O�Connell... er...", keuchte Shane. Weiter kam er nicht. Bryan nahm seine Taschenlampe und leuchtete auf Mr. O�Connell, der immer noch mit dem Oberk�rper auf dem Tresen lag, wie schon die ganze Nacht. Als der Schein den Mann traf, wurde Bryan �bel. Er presste seine Finger zusammen, um die Taschenlampe nicht fallen zu lassen und versuchte, auf den Beinen zu bleiben, die pl�tzlich ganz weich wurden. Seine Finger knackten und seine Hand war so verkrampft, dass er es nicht schaffte, die Taschenlampe runter zu nehmen und auch Kian und Mark hatten es jetzt gesehen. Kian trat unsicher ein paar Schritte zur�ck und Mark kniff mit einer Heftigkeit in Bryans Arm, dass ihm sine Finger wehtaten und die Kn�chel wei� wurden. Doch Bryan merkte es nicht. Aus seinem Gesicht war alle Farbe gewichen.
Es war ein Bild des Grauens. O�Connell lag so da, wie er da schon die ganze Nacht gelegen hatte, aber seine Augen starrten einen leer an. Leer und vorwurfsvoll. Aus seinem Mund kam Blut, dass schon halb vertrocknet war. Auf dem Tresen hatte sich eine Blutlache gebildet. Von der Tischkante tropften ein paar rote Tropfen. Klebrig und blutig und z�h. Und hinten in seinem R�cken, da steckte ein Dolch, den jemand mit solch einer Heftigkeit in O�Connells R�cken gesto�en hatte, dass er bis in den Tisch ging. Jemand hatte O�Connell aufgespie�t, den kleinen netten Mann, der vor zwei Stunden noch so freundlich hinter dem Tresen gestanden hatte, um seine G�ste zu versorgen.
"Den wirst du nicht mehr wecken k�nnen", sagte Bryan etwas traurig und seine Stimme zitterte. Dann lie� er die Taschenlampe sinken. Eine Weile schwiegen alle, weil keiner wusste, wie das hier am besten zu verarbeiten, geschweige denn weiter zu behandeln war.
Kian hatte sich auf einem der Polstersessel in der Halle niedergelassen und sein Gesicht in den H�nden vergraben. Das war zu viel. Eine Leiche, aufgespie�t auf dem Hoteltresen, das ging zu weit. Bryan ging zu ihm und klopfte ihm auf die Schulter. Vielleicht wollte er sich selbst ermutigen, aber das tat er nicht. Er erschreckte blo� Kian, der zusammenfuhr und Bryan dann mitleidig anguckte.
Shane hob seine Taschenlampe vom Boden auf. Sie funktionierte noch, aber Shane wagte es nicht, sich noch einmal den toten Mann anzusehen. Ohne sich noch einmal umzusehen packte er Mark am �rmel und zog ihn mit zu den anderen. Dort setzten die beiden sich und auch Bryan zog sich einen Stuhl heran, um seine Beine vor dem abknicken zu bewahren.
Wieder Schweigen und zwar eine ganze Weile. Keine wusste, was er sagen sollte und das klare Denken fiel allen schwer. Bryan war noch am zittern, aber er war der erste, der etwas sagte.
"Jungs, ich will hier nicht l�nger bleiben", stellte er fest.
Kian nickte. "Aber wir k�nnen nicht abhauen und Nicky hier lassen. Ich hab das dumme Gef�hl, dass er..."
"Was", fragte Shane �ngstlich.
Kian deutete zum Tresen. "Ich meine, hier l�uft irgendwo ein M�rder rum und..."
"Kian, h�r auf", rief Mark und hielt sich die Ohren zu.
"Lass ihn", sagte Shane. "Ich mache mir auch Sorgen, nachdem ich das da gesehen hab. Ich will ja nicht gleich sagen, dass Nicky ermordet wurde, aber wir sollten ihn schnell finden."
Kian nickte, um anzudeuten, dass er genau das meinte.
"Okay, ihr habt ja recht, aber erz�hlt mir jetzt nicht den ganzen Abend Gruselgeschichten, ja?"
"Wir?", fragte Shane. "Soll ich mich selber dazu bringen, in die Hose zu pinkeln?"
"Bryan w�rde ich das zutrauen", meinte Mark vorwurfsvoll.
"Hey, das ist eine ernste Situation", beschwerte Bryan sich. "Ich kann auch anders, okay?"
"Okay, okay", gab Mark zu. "Aber das hilft uns jetzt gar nicht weiter. Wir m�ssen Nicky finden. Kann ja sein, dass er nur mal frische Luft..." Mark stockte. Bei dem Wetter war das wirklich weit hergeholt. "Okay, vielleicht hatte er Hunger und sucht die K�che..."
Shane warf ihm zweifelnde Blicke zu, die sagen sollten "wer�s glaubt wird selig".
Kian stand auf. Er hatte seine M�digkeit hinter sich gelassen, den Schock einigerma�en �berwunden und war nun fest entschlossen, nicht l�nger in der Eingangshalle zu sitzen und Nicky tot zu glauben.
"So, wir gehen jetzt los und suchen Nicky. Ich hab keine Ahnung, wie gro� dieses Schloss ist und wo Nicky �berall sein k�nnte, aber ich werde ihn finden und wenn keiner von euch mitkommt, dann gehe ich eben..."
Kian stockte, als Bryan, Shane und Mark ihn erwartungsvoll anblickten.
"Dann gehst du was?", neckte Bryan ihn.
Kian schwieg einen Moment und sagte z�gernd: "Okay, ich geb es zu, ich gehe nicht alleine, aber ihr w�rdet es auch nicht tun, oder?"
Keiner nickte, aber auch nur, um Kian zu �rgern. Dann standen alle auf.
"Ist ja Unsinn, wenn wir alle zusammen gehen", meinte Shane. Er dr�ckte Mark seine Taschenlampe in die Hand und lief zu Bryan. "Wir teilen uns auf und ich gehe mit Bryan." Shane klammerte sich an Bryans Arm fest.
"Was bist du denn so scharf darauf mit Bryan zu gehen?", fragte Mark verwirrt und machte seine Taschenlampe an.
Shane schaute an Bryan hoch. "Der ist so sch�n gro� und wenn was kommt, dann kann ich mich hinter ihm verstecken."
Alle lachten und Bryan st�hnte. "Okay, aber lass mich bitte los, wenn du so weitermachst, dann f�llt mein Arm ab und dann nehme ich dich ganz bestimmt nicht mehr mit."
Shane lie� auf der Stelle los und l�chelte Bryan unschuldig an.
"Also, bleibt es jetzt dabei, dass ich Schutzschild f�r Shane spiele?", fragte Bryan und Kian und Mark nickten.
"Okay, ihr geht nach oben und nehmt den Gang, der links von der Treppe abgeht und wir schauen uns hier unten um, okay?"
Wieder nickten alle. Kian und Mark machten sich auf den Weg zur Treppe und Shane h�ngte sich sofort wieder an Bryans Arm.
"Oh Shane", seufzte Bryan, lie� ihn aber und �berlegte, wo sie am besten hingehen konnte. Unten waren eine Menge G�nge und dann war da auch noch eine gro�e Steintreppe, die in den Keller f�hrte.
"Wir suchen die K�che", beschloss Bryan, weil Shane nichts sagte. Er packte Shane am Arm und zog ihn durch die Halle. Selbstsicher machte er gro�e schnelle Schritte. Doch pl�tzlich blieb er stehen.
"Shane?", fragte er z�gernd.
"Ja?
"Hast du eine Ahnung, wo man in so einem Gem�uer beispielsweise eine K�che findet?"
"Vielleicht im Keller?", fragte Shane, aber er hatte keine Ahnung.
Doch weil Bryan auch keine Idee hatte, sage er einfach: "Gute Idee!"
Er packte Shane wieder am Arm und zog ihn auf die dicke Steintreppe zu, die in den Keller f�hrte.
"Muss das sein?", fragte Shane und versuchte Widerstand zu leisten, als Bryan ihn die Treppe runterzerren wollte.
"Ja, das muss sein. Ich mach das nicht gerne, aber denk mal an Nicky..."
"Okay", sagte Shane sofort und folgte Bryan. Ihre Schritte hallten laut in den W�nden wieder und keiner wagte es, etwas zu sagen. Die Treppe ging ein ganzes St�ck weit runter und es wurde immer k�lter. Auch die dicken Steine der Mauern waren ein wenig feucht und leicht gr�n. Shane legte seine Hand auf Bryans Schulter, um ihn nicht zu verlieren. Bryan erschrak, ging aber dann schnell weiter.
Am Fu� der Treppe war es stockdunkel. Bryan leuchtete alles mit der Taschenlampe ab. Sie waren in einem gro�en Flur, von dem viele T�ren und noch mehr G�nge abgingen.
"Das ist ja ein ganzes Labyrinth", st�hnte Bryan und lie� den Strahl der Taschenlampe von einem Gang zum anderen und �ber die vielen T�ren gleiten. "Was jetzt?"
Shane zuckte mit den Schultern. "Vielleicht sollten wir einfach wieder hoch gehen."
"Gute Idee, aber warum sind wir dann hier runter gekommen?"
"Um die K�che zu finden?"
Bryan guckte sich noch einmal alle T�ren an.
"Die da", sagt er, als er sich kurzerhand f�r eine entschieden hatte.
"Die sieht aus, wie alle anderen auch", stellte Shane fest.
"Na und?", fragte Bryan, der gar nicht verstand, was Shane wollte. "Vielleicht sieht eine K�chent�r ja auch aus, wie alle anderen..."
"Schon, aber ich will mich nicht verlaufen", sagte Shane und hielt Bryan fest, als dieser auf die T�r zugehen wollte.
"Ach komm", meinte Bryan und zog Shane hinter sich her. "Eine T�r geht noch. Durch die werden wir ja wohl wieder zur�ck finden, oder?"
"Okay!"
Bryan ging langsam auf die T�r zu und Shane sah zu, dass er hinter Bryans R�cken versteckt blieb. Er wusste nicht wieso, aber er hatte Angst und Bryan ging es da nicht anders.
Bryan legte seine Hand auf die T�rklinke, dr�ckte sie aber nicht runter sonder warf Shane erst einen fragenden Blick zu. Der zweifelte, nickte dann aber und schubste Bryan noch ein paar Zentimeter nach vorne. Die T�r sprang auf.
"Toll, was machen wir jetzt?"
Kian sch�ttelte den Kopf und schob den Unterkiefer ein wenig nach vorne, um zu zeigen, dass er jetzt schon keinen Bock mehr hatte.
Er und Mark hatten den Gang oben links von der Treppe genommen und waren bereits nach wenigen Schritten auf eine Gabelung gesto�en.
"Ich hab wirklich keine Lust, mich hier zu verirren!"
"Ich hab aber auch keine Lust mich jetzt mit einem schlechten Gewissen ins Bett zu legen."
"Ich schon...", gab Kian bissig zur�ck.
"Mach doch, aber wenn du im Bett liegst, dann wirst du dir in die Hose machen, weil du nicht wei�t, wo Nicky ist."
"Okay, okay", sagte Kian und machte eine beschwichtigende Handbewegung. "Es bringt nichts, wenn wir uns streiten. Lass uns weitergehen."
Mark lie� seine Blicke von rechts nach links und wieder zur�ck schweifen. In beiden G�ngen war es unangenehm dunkel.
"Hast du Kleingeld dabei?", fragte Mark Kian und hielt seine Hand auf.
"Kleingeld?", fragte Kian entsetzt, als ob Mark verr�ckt w�re. Dann steckte er beide H�nde in die Taschen und zog das Futter heraus. Nichts.
"Mark, was hast du vor?"
"Gar nichts, aber wir h�tten eine M�nze werfen k�nnen. Rechts oder links?"
"Geh links, es ist jetzt sowieso egal!"
Mark nahm Kian an der Hand und zog ihn in den dunklen Gang. Ihre Schritte waren ged�mpft, denn auf dem Steinfu�boden lag ein langer, dunkelroter Teppich, der sich anscheinend durch die ganzen Flure zog.
Kian hatte die Taschenlampe in der Hand und leuchtete auf den Boden. Zwischendurch lie� er den Lichtkegel �ber die W�nde gleiten.
Pl�tzlich fiel die Taschenlampe auf den Boden.
"Maaaaaaaaaaaaaaaaaark!", schrie Kian und klammerte sich heftig und schnell atmend an seinen Kumpel.
"Aaaaaaaaaaahhhhhhhh", h�rte man von Bryan, der sich schlagartig umdrehte.
"Bryan, mach die Taschenlampe wieder an, verdammt noch mal!", rief Shane und dr�ckte Bryans Arm.
"Geht nicht." Bryan sch�ttelte die Taschenlampe und drehte an ihr herum. Nichts. Es blieb dunkel.
"Verdammt", sagte Shane noch einmal und schaute sich um. Vergeblich. Es war stockdunkel und die Taschenlampe war kaputt.
"Ich gehe ohne das Ding nicht weiter", sagte Bryan �ngstlich und wagte es nicht, sich von der Stelle zu r�hren. Shane sch�ttelte den Kopf und sagte: "Nein, wohin denn auch. Ich wei� nicht mal mehr, wo die Treppe ist."
Eine Weile lang sagte keiner etwas. Beide waren v�llig ratlos.
"Sag mal", begann Shane das Gespr�ch wieder. "H�tten wir Anto eigentlich bescheid sagen sollen?"
"Das fragst du jetzt?" Bryan presste seinen R�cken an die Wand. "Aber du hast recht. Ich hab Schiss. Es ist nur ein Hotel, aber wenn tote Leute auftauchen, dann hab ich wirklich Angst. Schei�e, ich will hier raus."
"Ja, aber nicht ohne Nicky."
Wieder schweigen. Wieder war es Shane, dem die Stille zu viel wurde.
"Bryan?"
"Ja?"
"Gibt es hier auch so was wie Verlie�e?"
"Wieso?"
"Ich will da nicht landen und ich bin echt froh, wenn sich herausstellt, dass hinter dieser T�r da nur eine Besenkammer ist."
"Hast recht. Aber wir sollten mal weiter."
Shane dr�ckte Bryans Hand fest zu.
"Hast du nicht eben gesagt, du gehst ohne die Taschenlampe keinen Schritt weiter?"
"Eigentlich will ich das auch nicht, aber ich will auch nicht hier stehen bleiben."
"Okay", sagte Shane mit zittriger Stimme. "Wir suchen die Treppe und gehen wieder hoch, okay?"
"Okay."
"Aber du gehst vor."
Bryan ging einen Schritt von der T�r weg. Er �berlegte, wo sie gerade hergekommen waren, aber von der Treppe keine Spur. Bryan tat vorsichtig noch ein paar Schritte nach vorne, konnte aber nichts erkennen. Er drehte sich deshalb nach links und streckte einen Arm nach vorne aus. Er ging noch ein paar Schritte, bis seine Finger die kalten, nasse Steine der Wand ber�hrten. Daran tastete er sich, in der Hoffnung die Treppe zu finden, entlang. Immer weiter, aber die Wand blieb eine Wand. Keine T�ren, keine Treppe. Bryan stoppte. Wo war die verdammte Treppe? Er und Shane h�tten sie l�ngst finden m�ssen. Er war schon viel zu weit gegangen. In die falschen Richtung?
Durch die Dunkelheit drang eine heisere Stimme. Sie lachte geh�ssig und siegessicher.
"Gut, wir haben ihn. Jetzt kann nichts mehr passieren." Er lachte noch einmal und wandte sich an einen anderen Mann, der neben ihm in der Dunkelheit stand.
Niemand darf uns aufhalten", fl�sterte er. "Niemand. Bring sie alle um." Wieder schallte ein geh�ssiges Lachen durch die undurchdringliche Dunkelheit.
"Kian, verdammt, was ist los?" Mark b�ckte sich und tastete auf dem Teppich nach der Taschenlampe.
"Da war jemand?"
"Was?"
"Da, an der Wand!"
Mark steckte die H�nde in die Hosentaschen und w�hlte darin herum. Er hatte sich geschworen, mit dem Rauchen aufzuh�ren, aber das Feuerzeug war noch da. Marks Finger umschlossen und es f�hlte such gut an. Mark zog es aus der Tasche und machte es an. Doch bereits nach einigen Sekunden wurde es hei� und er lie� es erschrocken fallen. Dann b�ckte er sich wieder und tastete auf dem Boden nach dem Feuerzeug. Schnell hatte er es gefunden und lie� es wieder in die Taschen gleiten. Dann fand er die Taschenlampe. Sie war auf dem Boden ein St�ck gerollt, war aber unversehrt geblieben. Mark machte sie an und leuchte an der Wand entlang, bis ihn zwei gro�e braune Augen anblickten.
Mark musste lachen.
"Kian, das ist ein Portrait!"
Jetzt hatte es auch Kian gesehen. Er fasste Mark an die Schulter, um vor Lachen nicht auf dem Boden zu landen.
"Oh Gott, ich dachte ernsthaft, da w�re jemand!"
Mark war immer noch am lachen.
"Guck dir die Hakennase an", prustete er und streckte den Zeigfinger aus.
Kian trat n�her an das Bild, unter dem ein kleines Metallschild an der Wand klebte, dass kaum noch zu entziffern war.
Kian ging mit dem Gesicht an die Wand, bis seine Nase fast das kleine Schild ber�hrte.
"Sir Warwick", kicherte Kian und stellte sich wieder aufrecht hin.
"Guck ihn dir an", war Mark immer noch am Gackern, der die Hakennase, kombiniert mit der absolut peinlichen Frisur einfach zu lustig fand.
Kian riss ihm die Taschenlampe aus der Hand und leuchtete wieder auf den Boden.
"Komm, lass uns weitergehen. Wir finden bestimmt noch mehr von diesen Dingern."
Mark folgte Kian. Der Lichtkegel der Taschenlampe glitt schnell �ber den Boden und Mark hatte Probleme, Kian zu folgen. Er hatte keine Lust, im Dunkeln, durch eine alte Burg zu rasen, um Nicky zu suchen und vielleicht noch ein paar mehr Leichen zu finden.
In der Eile w�rden sie sich nur verlaufen. Mark beschleunigte seine Schritte und fasste Kian auf die Schulter um ihn zu stoppen.
"Hey, mach mal langsam. Wir sollten uns merken, wo wir hergehen."
Kian blieb stehen, drehte sich um und leuchtet sich mit der Taschenlampe ins Gesicht. Er nickte.
"Okay."
Bryan tastete weiter. Er hatte Shane nicht gesagt, dass er keine Ahnung hatte, wo sie waren. Er wollte es sich selber nicht eingestehen, dass sie sich im Dunkeln verirrt hatte. Aber es dauerte nicht lange, bis Shane fragte, was los w�re, als er Bryans feuchte Hand f�hlte, die zitternd in seiner eigenen lag.
"Bryan, wo sind wir?"
Es blieb still, denn Bryan wagte es nicht, etwas zu sagen, aber in der Stille h�rte Shane, wie Bryan einen dicken Klo� in seinem Hals runterschluckte.
"Bryan, was ist los?", versuchte Shane es noch einmal.
Bryan lie� den Kopf h�ngen.
"Ich wei� auch nicht", sagte er. "Aber... ich glaube, dass wir uns verirrt haben."
"Was?" Shane dr�ckte Bryans Hand wieder. Bryan zog sie weg.
"Sorry", sagte Shane schnell und suchte Bryans Hand wieder. Sie war nach wie vor nass.
"Okay", sagte Bryan und atmete tief durch. "Wir gehen hier an der Wand zur�ck."
Er ging um Shane, der hinter ihm stand, vorbei und fasste mit der einen Hand wieder an die Wand. Er lie� seine Fingerspitzen an den rauen Steinen entlang gleiten. Immer weiter, gro�e Steine, kleine, spitze und dann nichts mehr. Bryan bewegte seinen Arm hin und her und musste feststellen, dass sie an einer Ecke gelandet waren. An einer Gabelung oder so. Aber zu seiner Entt�uschung war es nicht die Treppe. Nur noch mehr dunkle G�nge.
"Shane, waren wir schon mal an einer Gabelung?"
"N... n... nein... wieso?"
Bryan st�hnte.
"Jetzt sind wir an einer."
Kian blieb stehen. Mark, der sich einfach nicht an die Dunkelheit gew�hnen konnte und mit den Gedanken ganz woanders gewesen war, rannte Kian fast um.
"Was ist denn los?"
"Wei� nicht, aber ich hab das Gef�hl, wir kommen nicht weiter. Seit einer Ewigkeit laufen wir hier durch die G�nge und ich hab l�ngst den Durchblick verloren, wo wir eigentlich sind. Oder hast du noch eine Ahnung, ob wir letztes Mal links oder rechts abgebogen sind?"
"Ja, warte kurz... das war... rechts. ...Nein... links..."
"Mark?"
"Okay, wir haben uns also verlaufen und wissen gar nicht so genau, was wir suchen. Ich meine, was erwarten wir eigentlich? Nicky liegt bestimmt schon wieder im Bett und fragt sich, wo wir sind."
"Oder er sucht jetzt uns."
"Toll, ich hab keinen Bock mehr, ich will ins Bett."
Mark g�hnte und Kian meinte: "Das musst du erst mal wieder finden. Ich hab voll die Orientierung verloren."
"Wir m�ssen aber trotzdem weiter."
Mark riss Kian die Taschenlampe aus der Hand.
"Komm, wir gehen erst mal weiter. So riesig kann dieses Gem�uer doch nicht sein oder?"
"Da w�re ich mir nicht so sicher", sagte Kian, als er und Mark pl�tzlich wieder an einer Gabelung standen. Drei G�nge.
"Verdammt, wo sind wir?", fragte Shane, der die Entscheidung getroffen hatte, um die Ecke zu gehen. Ein fataler Fehler. Es waren mehr Gabelungen geworden und es waren bereits viel zu viele gewesen, um sich merken zu k�nnen, wo es lang ging. Aber die Orientierung hatten die beiden auch schon vorher verloren.
Nicky hatte inzwischen gemerkt, dass er sich nicht mehr in seinem Bett befand. Nachdem er einen harten Schlag auf den Hinterkopf bekommen hatte, war er eine zeitlang weg gewesen und jetzt, wo er wieder zu sich gekommen war, fand er sich ganz woanders wieder. Als er sich ein wenig aufrichten wollte, merkte er, dass ihm jemand die H�nde auf dem R�cken zusammen gebunden hatte. Trotzdem setzte er sich hin und lehnte sich mit dem R�cken an die Wand. Er lie� die Augen geschlossen und lie� den Kopf zur Seite in Richtung Schulter fallen. Er hatte nur ein T-Shirt und Boxershorts an. Sein Fu� schmerzte und es war eiskalt.
Erst, als er ein R�uspern h�rte, blinzelte er.
Schwarze, lange und verschwommene Striche, die sich senkrecht vor ihm befanden. Erst, als Nicky einmal den Kopf gesch�ttelt und seine Augen ganz aufgemacht hatte, konnte er erkennen, was es war. Es waren dicke Eisenst�be und der Ort, an dem er sich befand, erinnerte ihn an den Videodreh zu Bop Bop Baby. Aber diesmal war es kein Videodreh. Auf der anderen Seite der Gitterst�be sa� ein Mann, der ihn siegessicher angrinste, als ob er zeigen wollte, wie �berlegen er war. Nicky bekam Angst. Er war es nicht gewohnt, nachts aus dem Bett geholt und dann in einen Kerker gesperrt zu werden. Au�erdem war es kalt und ab und zu kam Regen durch das kleine Loch, vielleicht sollte es ein Fenster darstellen, dass sich oben in der Wand befand. Vielleicht waren es auch nur ein paar alte und rausgerissene Steine. Der Wind, der sich durch das Loch zw�ngte, drohte die Fackel auszublasen, die sich �ber dem Mann an der Wand befand.
Der Mann stand auf. Langsam, aber mit gro�en und sicheren Schritten, kam er auf die Gitterst�be zu und umschloss zwei von ihnen mit seinen gro�en H�nden.
Er lachte noch einmal h�hnisch. Dann ging er mit dem Kopf so nah wie m�glich an die Gitterst�be und sagte: "So, jetzt wirst du auspacken. Wo ist der Schatz?"
Kian hatte sich f�r links entschieden. Viel falsch machen konnte man jetzt auch nicht mehr. Die Suche nach Nicky hatte sich zu einem Gang durch ein dunkles Labyrinth entwickelt und Kian und Mark hatten sich, genau wie Bryan und Shane, l�ngst in den vielen G�ngen verirrt. In irgendwelchen G�ngen, wo es l�ngst keine Hotelzimmer mehr gab.
Pl�tzlich h�rte man einen Schrei. Kian zuckte zusammen und schmiss sich um Marks Hals.
"Mark!", eierte er laut und �ngstlich. Er umklammerte Mark immer fester, als nach dem Schrei noch ein lautes Poltern zu h�ren war. Dann waren noch ein paar schnelle Schritte zu h�ren, die sich auf dem Teppich dumpf anh�rten und trotz ihrer St�rke und Schnelligkeit nicht mal in den G�ngen des Schlosses widerhallten.
"Mark, was war das?", wimmerte Kian mit zittriger Stimme und schaute sich �ngstlich um, obwohl in der Dunkelheit gar nicht sehen konnte, au�er den kleinen Punkt, der vom Strahl der Taschenlampe getroffen wurde.
"Komm!", sagte Mark, fasste Kian am Arm und zog ihn mit sich. Kian wehrte sich.
"Mark, wo willst du hin", fragte er entsetzt und stemmte die Hacken in den Boden, um sich nicht von der Stell r�hren zu m�ssen. "Von da hinten kamen der Schrei, ich will da nicht hin."
"Doch", beharrte Mark und zog feste an Kians Arm. Kians F��e rutschten kurz ein St�ck �ber den Boden und er musste nachgeben.
"Vielleicht braucht jemand unsere Hilfe", fuhr Mark fort und ging zielsicher den Flur entlang.
Mark lie� den Strahl der Taschenlampe durch den Flur gleiten. Immer von rechts nach links und von oben nach unten, um nichts zu verpassen oder zu �bersehen.
Pl�tzlich blieb er stehen, als von rechts ein leises und kurzes Knarren zu h�ren war. Sofort flog das Licht der Taschenlampe nach rechts und leuchtete eine T�r an, die sich langsam hin und her bewegte. Sie war blo� angelehnt.
"Komm", fl�sterte Mark und zog Kian wieder mit sich. Mark legte seine zittrige Hand auf die eiserne T�rklinke der h�lzernen T�r und schob sie langsam auf. Im Raum war es stockdunkel
"Mark, ich hab Angst", kam es von hinten.
"Ich auch", sagte Mark und leuchtete den Raum mit der Taschenlampe ab. Er brauchte nicht lange, um zu finden, was da geschrieen hatte. Der Anblick, der sich den beiden da bot, lie� Mark zwei Schritte zur�cktaumeln, w�hrend Kian, der im �ber die Schulter geschaut hatte, seine Hand vor den Mund hielt, um einen Kotzanfall zu unterdr�cken.
"Schei�e, wir m�ssen aus diesem verdammten Keller raus." Bryan fluchte. Er schlug mit der Faust einmal gegen die Wand und schrie dann vor Schmerze auf. "Verdammt, ich will nicht mehr."
Shane legte seine Hand auf Bryans Schulter.
"Hey, das bringt doch nichts. Wir m�ssen in Ruhe �berlegen, was wir jetzt tun."
Bryan war verzweifelt. "Ja wie denn? In meinem Kopf ist es genauso dunkel wie in diesem bl�den Gem�uer. Ich hab keine Ahnung, was wir tun sollen. Wir stehen jetzt seit einer Ewigkeit an dieser gottverdammten Stelle rum und wissen nicht wohin. Und das wird sich auch nicht �ndern. Wenn der Morgen endlich kommt, dann wird es hier auch nicht heller..."
"Wir stecken also in der Schei�e", sagte Shane, um das auszusprechen, was Bryan gerade dachte.
"Richtig", antwortete Bryan. "Verdammt richtig, aber wenn ich das mal so sagen darf: Mann steckt immer in der Schei�e... nur die Tiefe �ndert sich!!!"
"Bryan, lass die Witze", ermahnte Shane ihn.
"Ist doch wahr", wehrte Bryan sich und dann war es wieder still.
Es war wieder ein Messer gewesen, dass sich durch den n�chsten gebohrt hatte. Der Mann, der diesmal hatte dran glauben m�ssen, lag auf dem Boden und starrte mit einem leblosen Blick an die Decke. �berall war Blut. Blut, dass viel zu rot war, um den M�rder in sicherer Weite zu vermuten. Und die Schritte... der Schrei...
Es war keine f�nf Minuten her gewesen, dass es passiert war.
Kian hatte sich im Flur an der Wand niedersinken lassen. Sein Gesicht war kreidebleich, als Mark ihm mit der Taschenlampe ins Gesicht leuchtete, um zu sehe, ob alles in Ordnung war. Gar nichts war in Ordnung. Bereits die zweite Leiche in dieser Nacht und der M�rder war immer noch da.
Mark wusste nicht, wie viele Opfer die Nacht bis zum Morgen noch fordern wollte, aber er hatte das Gef�hl, dass dieser Mann dort nicht das letzte gewesen war.
"Wir sollte gucken, wer er ist", sagte Mark und seine Stimme zitterte. Kian sch�ttelte den Kopf.
"Nein", keuchte er und krallte seine Finger in seinen Pulli. "Nein! Er sieht Nicky verdammt �hnlich..."
"Komm", forderte Mark ihn auf und reichte ihm seine H�nde. "Er ist es nicht." Als Kian nicht reagierte, packte Mark Kians Arme und zog ihn hoch. Kians Beine wackelten, aber er blieb stehen. Langsam lie� er sich von Mark in das Zimmer ziehen. Mark h�tte Kian das gerne erspart und er w�re am liebsten selber weggelaufen, aber er wollte wissen, wer dieser jemand war.
Er tat ein paar Schritte ins Zimmer und wagte es gar nicht, mit der Taschenlampe �ber den Boden zu fahren. Er hatte Angst.
Doch er tat es und als das Licht den Toten traf, hielt sich Kian eilig die H�nde vor die Augen.
"Vielleicht hat er ein Portemonnaie dabei oder so", fl�sterte er, ohne hinzusehen. Das wollte er Mark �berlassen.
Mark Finger glitten �ber die Jeansjacke des Mannes. Er war verwundert dar�ber, dass man Nachts in einer Jeansjacke durch ein Schloss lief, aber als er an sich herunterschaute... Man konnte nie wissen, was man nachts in einem Schloss suchte. Da war er selbst nicht besser.
Langsam lie� er seine Fingerkuppen in die Jeansjacke gleiten. Alles war blutverklebt und feucht. Mark bekam eine G�nsehaut. Er h�tte sich lieber das Zimmer des Toten angeschaut, aber das hier war nicht dessen Zimmer. Es war ein leerer Raum. Wei� Gott, was dieser Mann um diese Zeit an diesem Ort gesucht hatte.
In der Jacke konnte er Papier f�hlen. Er wollte die Jacke �ffnen, aber es ging nicht. Das Messer in der Brust des Mannes verhinderte dies.
"Kian, wir haben ein Problem...!"
Bryan hatte einen Entschluss gefasst. Heftig hatte er Shane am Arm gepackt und mit sich gezogen. Und wenn er die ganze Nacht im Kreis laufen w�rde, dann war es auch egal. Er w�rde weitergehen und wenn es eine Treppe gab, dann w�rde er sie auch wiederfinden.
Er verlangsamte das Tempo, als er sich ein wenig beruhigt hatte. Er und Shane schnauften laut. Sie waren ein ganzes St�ck gelaufen, aber es blieb dunkel. Dieser Keller verf�gte �ber Unmengen von G�ngen, die alle gleich aussahen. Jedenfalls, wenn es dunkel war und so wie es aussah, was es hier unten ewig dunkel.
Das kann aber auch nur uns passieren", fluchte Shane nach einer Weile, als es immer noch stockdunkel war und nichts zu sehen war, was auch nur ann�hernd wie eine Treppe aussah.
"Nat�rlich kann das nur uns passieren", antwortete Bryan. "Wir sind auch die einzigen hier."
"Da w�re ich mir nicht so sicher", sagte Shane heiser und schlich weiter. "Ein Gast muss hier noch irgendwo rumspuken und ich glaube kaum, dass O�Connell Selbstmord begangen hat."
"Du glaubst also, dass der Gast O�Connell umgebracht hat?"
"Das hab ich nicht gesagt. Vielleicht ist auch noch jemand hier. Aber ohne unseren O�Connell sind wir mindestens zu... warte..." Shane z�hlte kurz durch und sagte: "Acht. Wir sind mindestens acht."
Bryan st�hnte. "Was f�r eine Zahl f�r ein Schloss, dass �ber Kilometer von Fluren verf�gt."
Shane �berlegte. "Aber was ist dann mit Nicky?"
Bryan wusste darauf keine Antwort. "Vielleicht ist er l�ngst wieder auf unserem Zimmer", �berlegte er laut.
"Dann sollten wir da gucken gehen", war Shanes Vorschlag. Bryan st�hnte wieder.
"Tolle Idee und wie willst du dahin kommen?" Shane seufzte. "Los, wir gehen weiter.
"Du bist schon wieder da?"
"Ja, er ist tot!"
"Wer ist tot"
Einer von ihnen. Er wird uns nicht mehr in die Quere kommen."
"Sind wir alleine?"
"Nein, aber ich bin keinem begegnet. Sie werden uns wohl keinen Strich durch die Rechnung machen!"
"Gut, aber unser kleiner Gast will nicht rausr�cken, um den sollten wir uns k�mmern..."
Nicky bekam Angst, als der Mann von vorhin mit seinem Gef�hrten wieder auf die Gitterst�be zukam. Er wollte etwas wissen, aber Nicky wusste nicht, was er wollte. Aber irgendwer war tot und er konnte nur hoffen, dass es keiner seiner Kumpels war. Aber die lagen in ihren Betten. Ja, sie schliefen und lie�en den Sturm friedlich �ber sich hinwegziehen...
"Du sollst auspacken", fuhr ihn pl�tzlich eine Stimme an und Nicky wurde aus seinen Gedanken gerissen. Er zuckte mit den Schultern.
"Ich wei� nichts von einem Schatz verdammt noch mal. Ich wei� gar nichts."
"L�g mich nicht an", schrie der Mann. "Du wei�t genau was ich meine und wenn du nicht sofort sagst, wo sich das Ding befindet, dann werde ich Gewalt anwenden und dann werde ich vor nichts zur�ckschrecken."
Nicky f�hlte sich hilflos. Diesem Mann war alles zuzutrauen, aber leider hatte Nicky wirklich keine Ahnung, worum es ging.
"Verdammt", schimpfte der Mann und wandte sich wieder an seinen Komplizen. "Ich werde mir �berlegen, was wir mit ihm tun, Du gehst noch einmal los und siehst zu, dass sich auch wirklich keiner durch dieses Schloss schleicht."
"Mark, ich kann das nicht", wimmerte Kian. "Ich kann nicht. Mach du es. Bitte."
Mark musste tief durchatmen. Das war zu viel. Mark schloss die Augen. Er wollte nach hause. Nur noch nach hause... Nicky...
"Los mach", forderte Kian ihn auf und deutete auf das Messer. "Mach, solange ich noch lebe!"
Marks H�nde zitterten, als seine Finger den dicken Griff des Messers umschlossen. Schwei�tropfen liefen von seiner Stirn und er sp�rte sein Herz so heftig wie nie pochen. Langsam zog er an dem Messer, Zaghaft und kraftlos und das Messer bewegte sich nicht.
"Jetzt zieh", schrie Kian hysterisch, aber Mark tat es nicht. Kian bekam zu viel. Er sprang auf und st�rzte sich auf Mark. Er zog seine Hand von dem Messer weg und packte es selber an. Seine H�nde zitterten noch heftiger, aber dann zog er. Er zog und hielt dann ein blutverschmiertes Messer in der Hand. Schockiert lie� er es fallen und starrte Mark an.
Der musste kurz die Augen schlie�en, damit ihm nicht schwindelig wurde.
"Danke Ki", fl�sterte er heiser und fasste sich an den Hals, wo ein riesiger Klos steckte. Eine Weile sa� er so da, dann nahm er die Hand wieder runter und fuhr in die Jeansjacke. Er bekam ein Papier zu fassen und zog es heraus. Es war ein altes Papier, das zusammengefaltet in der Innentasche der Jacke gesteckt hatte. Mittendrin war ein klaffender, roter Riss. Das Messer hatte das Papier durchbohrt.
Vorsichtig und mit einem angewiderten Blick faltete Mark das Papier auseinander. Doch das, was sich auf dem Papier befand, gab Mark nur noch mehr R�tsel auf. Es war eine Zeichnung. Die Zeichnung eines Adlers, der aufrecht dasa� und die Fl�gel an den K�rper gelegt hatte. Trotz des vielen Blutes konnte man den Vogel gut erkennen, aber Mark wusste nicht, was er damit anfangen wollte. Er zeigte Kian das Bild, aber auch der konnte nur mit den Schultern zucken. Er ging mit den Augen n�her an das Papier, das Mark mit der Taschenlampe beleuchtete, und blinzelte.
"Da steht was geschrieben", sagte er und fuhr mit dem Finger �ber die Buchstaben, die sich unten auf dem Blatt befanden.
"Sag mal, kannst du noch Irisch?", fragte Kian und gab das Blatt an Mark zur�ck.
"Ich war darin nie gut, aber lass es uns doch mal versuchen."
Kian nickte. "Okay, aber lass uns das bitte woanders machen. Ich will nicht l�nger hier bleiben.
"Okay", stimmte Mark zu uns stand auf.
Kian folgte ihm aus dem Zimmer. Ihm war noch ganz �bel und dieses Bild des Grauens wollte er sich nicht noch weiter antun.
Mark ging ein St�ck den Flur entlang und blieb stehen. Er hielt das Blatt vor sich, so, dass es auch Kian sehen konnte, der sich hinter ihn gestellt hatte.
"Hei�t dieses eine Wort da nicht sogar Adler?", fragte dieser und deutet mit dem Zeigefinger auf eins der W�rter. Mark zuckte mit den Schultern.
"Doch, k�nnte hinkommen. Und das da?"
"Also irgendwas mit sehen und Sonne!"
Kian nickte. Ja, kann sein, aber ich werde daraus nicht schlau, aber vielleicht ist da auch gar nichts, woraus man schlau werden k�nnte!"
Mark faltete das Blatt zusammen.
"Das bringt alles nichts. Wir m�ssen Nicky finden."
"Und das m�glichst schnell", fuhr Kian fort, um die Sache auf den Punkt zu bringen. "Wir sind hier nicht alleine!"
Mark nickte. Komm, wir versuchen die Eingangshalle zu finden. Vielleicht treffen wir die anderen beiden!"
Kian nickte und die beiden schlugen den Weg rechts ein. Irgendwo musste man doch zur�ck kommen.
"Bryan!" Shane war aufgeregt. "Bryan, da war was!"
Bryan war ebenfalls stehen geblieben und lauschte. Da waren Schritte. Sie klackerten in kurzen und regelm��igen Abst�nden auf dem Steinboden. Aber was noch viel schlimmer war: Sie wurden lauter.
"Schei�e Shane, wer ist das?"
"Sh", machte Shane und legte den Finger auf den Mund. Bryan konnte es nicht sehen, aber er war leise.
Beide pressten sich an die Wand und lauschten.
"Mist, die kommen n�her", fl�sterte Shane. "Wir k�nnen nicht hier bleiben. Komm!"
Bryan folgte Shane, der eine beliebige Richtung einschlug und durch den Gang lief. Die Schritte der fremden Person hallten in dem Gem�uer wieder und man konnte nicht genau h�ren wo sie waren.
Doch Bryan und Shane wussten, wo sie waren, als es vor ihnen pl�tzlich hell wurde.
"Shit", fluchte Bryan und zog Shane am �rmel. Er zog ihn zur�ck und lief in die entgegengesetzte Richtung. Er rannte schnell und die Schritte hinter ihnen wurden ebenfalls schneller. An der n�chsten Gabelung schlug Bryan einen Weg nach links ein und rannte weiter. Shane folgte ihm.
Doch ihr Verfolger lie� sich nicht abh�ngen. Bryan holte das letzte aus sich und Shane raus. Er rannte kreuz und quer durch die G�nge und hoffte, dass ihr Verfolger sich verirren w�rde. Dann w�re sie nicht die einzigen, die keinen �berblick mehr hatten.
Die Schritte wurden ein wenig leiser. Shane und Bryan rannten weiter.
"Aaaahhhh", kam es pl�tzlich von Shane. Bryan blieb auf der Stelle stehen und versuchte was zu erkennen. Verdammt war das dunkel.
"Shane?", fragte er mit einer zittrigen Stimme.
"Mist, ich bin gestolpert", fluchte Shane und Bryan ging sofort ein paar Schritte zur�ck, dahin, wo Shane auf dem Boden lag.
Und dann waren da wieder die Schritte.
"Shane, jetzt steh auf, los jetzt mach..." Bryan war verzweifelt, weil er Shane nicht sehen konnte und die Schritte immer lauter wurden. Und dann wurde es auch schon wieder hell. Bryan sah Shane auf dem Boden liegen.
"Na los", forderte er Shane noch einmal auf. Shane sprang auf. Ihm war Gott sei Dank nichts passiert. Bryans Gesicht wurde vom Schein einer Taschenlampe getroffen. Bryan kniff die Augen zusammen und drehte sich um. Er lief weiter und als er die Augen wieder �ffnete, sah er Shane vor sich. Schnell lief er ihm hinterher. Jetzt bestimmte Shane wo es langging und die Verfolgungsjagd ging weiter.
"Bryan", rief Shane pl�tzlich. "Da vorne."
"Kian, wir sind auf der Galerie", rief Mark erleichtert, als er nach unten in die Eingangshalle blicken konnte. "Wir haben es geschafft!"
Kian klopfte Mark auf die Schulter und nahm ihn dann in den Arm.
"Los, wir gehen in Nickys Zimmer", sagte er und zog Mark mit sich. Sie gingen auf der Galerie entlang bis zu ihren Zimmern.
"Sollten wir nicht Anto bescheid sagen?", fragte Mark unsicher. Kian sch�ttelte den Kopf.
"Nein, hinterher liegen Nicky, Shane und Bryan l�ngst wieder in ihren Betten und dann wecken wir Anto. Blo� nicht, das gibt nur �rger. Wir gehen zuerst gucken!"
Bestimmt ging Kian auf die Zimmert�r von Bryan und Nicky zu und dr�ckte die T�rklinke runter.
Entt�uscht musste er feststellen, dass das Zimmer leer und verlassen war. Alles sah genauso aus wie vorher, als sie das Zimmer verlassen hatte. Die Betten waren leer und es wies auch nicht darauf hin, dass zwischendurch jemand hier gewesen war. Kian und Mark traten wieder auf die Galerie, als von unten schnelle und laute Schritte zu h�ren waren. Mark beugte sich vorsichtig nach vorne um die ganze Eingangshalle sehen zu k�nnen.
Die Schritte wurden lauter und dann st�rmten zwei Personen in die Halle.
"Shane, da hinter die Vorh�nge", fl�sterte Bryan und lief durch die Halle. Am Ende angekommen schnappte er sich einen der langen roten Vorh�nge und stellte sich dahinter. Shane suchte sich ebenfalls einen.
Er war gerade dahinter verschwunden, als ihr Verfolger in die Halle kam. Er blieb stehen und lauschte. Bryan wagte es nicht mal zu atmen. Er presste sich an die Wand und hielt die Luft an.
Der Schein einer Taschenlampe flog durch die Halle und suchte alles ab. Zwischen den Sesseln und dem Piano war es leer und auch hinter dem Tresen war nichts zu finden. O�Connell lag immer noch aufgespie�t auf dem Tisch und starrte. Starrte jeden an, der an ihm vorbeikam.
Das Licht flog die Treppen hoch und �ber die Galerie.
"Da rein", fl�sterte Mark, der als erster realisierte, dass sie gleich entdeckt werden w�rden, wenn sie auf der Galerie stehen blieben. Er schubste Kian zur�ck in das Zimmer von Bryan und Nicky und schloss vorsichtig die T�r.
"Mein Gott, wer war das?", fragte Kian.
"Keine Ahnung", keuchte Kian. "Aber Bryan und Shane sind da unten und wir k�nnen nur hoffen, dass sie niemand findet.
Bryan wurde langsam schwach. Die Eingangshalle wurde immer noch abgesucht und es konnte nicht mehr lange dauern, dann w�rden sie ihn finden. Verzweifelt wagte er einen Blick in die Eingangshalle. Mitten drin stand jemand mit der Taschenlampe. Es gab keine Fluchtm�glichkeit und Bryan wollte fast aufgeben, als er endlich eine Idee hatte.
Es missfiel ihm, seine Schuhe auszuziehen, aber er tat es trotzdem.
Er hatte den Schuh in der Hand und wog ihn hin und her.
"Okay", sagte er leise zu sich und schleuderte den Schuh auf die Galerie. Er sah nicht, wo der Schuh hinflog, aber er h�rte es auf der Galerie poltern. Es hatte geklappt.
Der Mann in der Eingangshalle schaute hoch und es war wieder still. Der Strahl der Taschenlampe glitt wieder nach oben und suchte alles sorgf�ltig ab. Doch da oben war nichts und der Mann blieb in der Eingangshalle.
Bryan fluchte innerlich und beugte sich runter.
"Jetzt muss es klappen", fl�sterte und trennte sich nun von seinem zweiten Schuh, der wieder im oberen Stockwerk landete.
Bum, das hatte gesessen. Der Mann, der nun schon zum zweiten mal das Poltern geh�rt hatte, rannte auf die Treppe zu und st�rmte nach oben. Bryan lugte hinter dem roten Stoff hervor und konnte einen Schatten �ber die Galerie huschen sehen.
"Verschwinde", sagte er leise, aber eindringlich. "Na los!"
"Bryan?", kam es leise von links. Es war Shane, der seinen Kopf raus gesteckt hatte und zu Bryan r�bersah.
"Ja?", sagte Bryan. Dann war es wieder still. Shane hatte sich wohl nur vergewissern wollen, dass Bryan noch da war.
Schritte auf den Treppen. Er, ihr Verfolger, kam die Treppe runter und Bryan hoffte, dass er vorbeiziehen w�rde.
"Bitte", murmelte er und faltete die H�nde.
Die Schritte hallten durch die Eingangshalle und verklangen dann wieder. Bryan h�rte sie, wie sie auf der Kellertreppe leiser wurde. Er war im Keller.
Jetzt oder nie, dachte Bryan und trat in die Halle.
"Shane!", fl�sterte er, worauf Shane sich zu ihm gesellte und nach oben deutete.
"Wir gehen erst mal hoch", sagte er und ging mit Bryan zur Treppe. Langsam, um nicht zu viel Krach zu machen, stiegen die beiden Stufe f�r Stufe die Treppe hinauf und liefen zuerst zur Zimmert�r von Bryan und Nicky, in der Hoffnung, Nicky dort anzutreffen.
Bryan machte dir T�r auf und ging ins Zimmer. Er stand mittendrin, Shane hinter ihm, als sich jemand von hinten auf sie st�rzte und festhielt. Bryan fing an zu schreien, dann Shane.
Beide wurden auf der Stelle losgelassen.
"Ach ihr seid das", sagte eine Stimme entschuldigend, die Shane eindeutig als Kians identifizieren konnte. Mark kicherte leise. "Gut, dass ich keine Waffe gehabt hab. Ihr w�rt Geschichte gewesen!"
Er leuchtete Bryan, der er eben zu Boden geworfen hatte ins Gesicht. Bryan nahm seine Hand abwehrend hoch und hielt sie vor die Augen.
"Komm, lass das", sagte er zu Mark, der das Licht daraufhin auf Shane richtete.
"Gut, dass ihr da seid." Kian, der sich wieder gefasst hatte, nahm Bryan in den Arm und dr�ckte ihn. "Gott, das war so schrecklich. Habt ihr Nicky gefunden?"
Shane und Bryan sch�ttelten die K�pfe.
"Wir dachten, er w�re vielleicht hier."
"Das dachten wir auch. Und jetzt?"
Bryan zuckte mit den Schultern. "Wei� nicht, aber wir haben uns da unten total verirrt. Unsere Taschenlampe ist Schrott und wir hatten riesiges Gl�ck, dass wir wieder hier oben sind."
Kian erinnerte sich an seine n�chtliche Tour durch das Schloss, die er mit Mark gehabt hatte.
"Wir haben uns auch verirrt und nachher hab ich mir gew�nscht, wir w�ren nie hierher gekommen..." Kian setzte einen angewiderten Blick auf.
"Was war denn los?", fragte Shane. Kian sagte nichts. Ihm wurde schlecht, als er daran denken musste, was er eben gesehen hatte.
Deshalb antwortete Mark: "Wir haben schon wieder eine Leiche gefunden..."
Mark schluckte als Bryan und Shane ihm geschockte blicke zuwarfen.
"Ich dachte, wir w�ren alleine!"
Mark sch�ttelte den Kopf. "Erinnerst du dich an den einen Gast, der sich unten in das Buch eingetragen hatte?"
W�hrend Mark erz�hlte, zog er die Zeichnung mit den Irischen W�rter aus der Tasche und reichte ihn Shane und Bryan.
"K�nnt ihr zwei noch ein wenig Irisch?"
Bryan kratzte sich am Kopf und betrachtete verwirrt die Worte unter dem Adler.
"Das da hei�t sehen oder so", meinte Shane und zeigte auf eines der Worte. Bryan nickte.
"Mond oder so?", fragte er und zeigte auf ein weiteres Wort, dass sich neben der Zahl 12 befand.
"Und was sollen wir jetzt damit", fragte Mark sch�ttelte heftig den Kopf. "Adler, Sonne, sehen, Mond... pf..."
Shane steckte den Zettel ein.
"Ist doch auch egal. Wir m�ssen Nicky finden"
"Also hat niemand ihn gesehen?!", stellte Kian noch einmal fest und bekam heftiges Kopfsch�tteln von allen zur Antwort. Deshalb forderte er alle auf, wieder rauszugehen. Nicky konnte nicht einfach verschwunden sein.
Zuerst gingen die vier die Treppe runter in die Eingangshalle. Bryan nieste. Er hatte seine Schuhe auf der Galerie wieder gefunden, war aber doch eine ganze Zeit ohne rumgelaufen. Shane hatte den Vorschlag gemacht, nachzusehen, wer der unbekannte Tote war, den Mark und Kian gefunden hatten. Er ging mit den anderen zum Tresen, doch ein paar Meter davor stoppte er. Ihm war gar nicht wohl bei dem Gedanken, dass er am Empfang keinen schlafenden sondern einen toten O�Connell finden w�rde. Bryan schubste Shane von hinten.
"Na los", forderte er ihn auf, weil er es selber nicht machen wollte. Shane umklammerte die Taschenlampe. Er wollte nicht noch einmal im Dunkeln sitzen. Er leuchtete auf dem Boden vor sich her. Als er den Tresen gefunden hatte, lie� er das Licht daran hoch gleiten, bis er die Oberfl�che des Tisches sehen konnte. O�Connells Hand wurde sichtbar. Sie sah verkrampft aus und klammerte sich an eine kleine Brille. Dieses Starren und der offene Mund. Shane wurde �bel. Es musste schrecklich gewesen sein.
Die andere Hand des kleinen Mannes lag auf einem Buch. Genau dieses Buch wollte Shane haben. Er atmete tief durch, um nicht kotzen zu m�ssen und machte einen gro�en, aber unsicheren Schritt auf den Mann zu. Er streckte seine zitternde Hand aus und erfasste einen Zipfel des �rmels von O�Connell. Er schaute weg, als er es vorsichtig hochzog und den Arm von dem Buch nahm. Schnell ergriff er das Buch und ging zur�ck zu den anderen.
"Hier", sagte er und reichte Bryan Taschenlampe und Buch. Bryan nahm beides, w�hrend Kian Shane auf die Schulter klopfte. Alle waren fertig und selbst Bryan hatte M�he, ein ganz normales Buch aufzuschlagen. Nerv�s bl�tterte er die Seiten durch, wobei er einige stark verknickte, und suchte das richtige Datum.
Als er die Seite gefunden hatte, betrachtete er sie interessiert. Oben standen Tag und Datum, daneben war ein runder Kreis zu sehen. Vollmond.
Unter den Daten stand ein Name. Er war sorgf�ltig mit einem F�ller eingetragen worden.
"Der Typ hei�t Mitchell", meinte Bryan und lie� die Seite nicht aus den Augen. "Brad Mitchell"
Kurzes Schweigen, dann meinte Shane: "Und du hast auch die richtige Unterschrift?"
Bryan nickte, schaute sich die Seite aber noch einmal an. "Ja, zwei Unterschriften. Anto Byrne und Brad Mitchell Die zweite Unterschrift muss von dem Besucher sein."
"Gut", sagte Shane. "Dann gehen wir jetzt in das Zimmer von diesem Brad und schauen uns das mal an!" Er ging schon auf die Treppe zu, als Kian ihn am Arm packte und festhielt.
"Shane, jetzt bleib hier. Wir wollen Nicky finden."
Shane nickte. "Genau das wollen wir. Und deshalb gehen wir jetzt nach oben. Wir haben hier zwei Leichen und k�nnen nur hoffen, dass es dabei bleibt. Vielleicht ist das hier alles ein bl�der Zufall, aber ich glaube nicht, dass Nicky nur mal auf Toilette oder so musste."
Bryan stimmte ihm zu. "Wir sitzen drin Leute und wenn wir nicht rausfinden, was hier los ist, dann kommen wir nie wieder raus."
Das mussten alle einsehen und wieder ging es die Treppe rauf. Die Zimmernummer hatte in dem Buch gestanden. Oben auf der Galerie leuchtete Bryan alle T�ren ab. Bei einer blieb er stehen.
"Bryan, das ist nicht die Nummer 18", sagte Shane.
"Nein, das ist Antos Zimmer und ich wei� nicht..."
"Lass den lieber schlafen, ich will nicht noch mehr Leute mit reinziehen", unterbrach Shane ihn und zog Bryan weiter.
"So, jetzt sind wir schon bei 17", sagte Bryan, als er eine weitere T�r beleuchtet hatte. Da ist die 18."
Er deutet auf die n�chste T�r und Shane lief darauf zu. Er wollte schon die T�rklinke runterdr�cken, als Bryan ihn zur�ckhielt.
"Halt, da steht keine Nummer dran", sagte er und fuhr mit der Hand �ber das alte Holz."
Shane betrachtet die T�r. In der oberen H�lfte waren ein paar Kleine L�cher.
"Ist nur abgegangen", meinte Kian, der sich hinter die beiden gestellt hatte. "Also los!"
Mark dr�ngelte sich zwischen den anderen durch, als sich keiner von der Stelle r�hrte. Er machte die T�r auf und betrat das Zimmer, was nat�rlich leer war. Na ja, nicht ganz. Der Mann hatte seine ganzen Sachen zur�ckgelassen, als er sich auf den Weg machte, mitten in der Nacht das Schloss zu erkunden. Wei� Gott, warum man mitten in der Nacht durch ein dunkles Schloss irrte, aber Mitchell hatte wohl seine Gr�ne gehabt. Das Bett war nicht unbenutzt. Er hatte wohl ein wenig geschlafen, bevor er das Zimmer verlassen hatte. Die Bettdecke war zur�ckgeschlagen und irgendwo zwischen den Decken lag ein Pyjama, der achtlos aufs Bett geschmissen worden war.
Mark war mit Bryan zum Tisch gegangen und durchw�hlte einen Stapel Papiere.
"Was macht ihr da?", fragte Shane, der sich wohl nicht ganz wohl bei dieser Schn�ffelaktion f�hlte.
"Wir durchw�hlen die Papiere eines Ermordeten. Hast du Gewissensbisse", fragte Bryan bissig und suchte weiter. Shane sagte nichts mehr sonder schaute sich ein wenig um.
"Hey", sagte Mark pl�tzlich und wedelte mit einem Zettel. "Ist das nicht unser Adler?"
Kian und Shane st�rmten zu Mark und Bryan.
Diesmal war das Papier neuer. Darauf war eine Bleistiftzeichnung des Adlers zu sehen.
"Wow", sagte Bryan und deutete auf die Worte unter dem Adler. Sie waren �bersetzt worden.
"Sieht aus wie ein Gedicht", meinte Bryan und las vor:
Es wird dunkel sein
Gerade zw�lf
Wenn Sonne und Mond sich vereinen.
ER wird seinen Weg aus dem Schatten der Erde finden
SIE wird darauf warten
Dass er sich in seiner vollen Pracht in die L�cke schiebt
Um das gro�e Bild zu vervollst�ndigen
Um IHR das Licht zur�ckzugeben
Wer ihn sieht
Der wird den Adler treten
Ihn nicht fliegen lassen
Bis er SIE sieht
Sich der Sonne zuwendet
Und seine Fl�gel ausbreitet
Er wird den Weg finden
"Den Weg finden?", fragte Bryan, als er geendet hatte. "Welchen Weg?" Bryan war ratlos.
Shane meinte: "Der Kerl sucht was. Und er hat sich gut darauf vorbereitet. Guckt euch den ganzen Kram doch mal an. S�mtliche Karten des Schlosses..."
Shane zog eine gro�e Karte aus dem Stapel. "Irische W�rterb�cher und so ein Kram..."
"Ich verstehe gar nichts." Kian war total durcheinander. "Da sucht also jemand was und wird dann einfach ermordet? Was hat das f�r einen Sinn..."
"Wenn er was wertvolles sucht und andere es haben wollen", �berlegte Mark.
Shane sch�ttelte bestimmt den Kopf. "Dann bringt man ihn nicht um. Wenn man jemanden findet, der wei�, was Sache ist, denn dieser jemand wusste es, dann bringt man ihn nicht um. Man l�sst ihn die Arbeit machen..."
"Also ist das ganze v�llig sinnlos!", meinte Kian.
"Halt", sagte Mark. "Lasst uns das ganze doch noch mal durchdenken..."
Kian st�hnte. "Bitte nicht..."
Bryan unterbrach ihn: "Finde ich auch. Vielleicht sind wir auf dem v�llig falschen Weg." Dann �bergab er Mark wieder das Wort. Mark sagte: "Also noch mal von vorne. Hier kommt ein Mann in das Hotel, weil er etwas sucht. Dieser jemand hei�t Brad Mitchell � ob das eine Rolle spielt, wei� ich nicht- und ganz rein zuf�llig schneien wir hier auch noch rein..."
"Wir sind also 9 Personen...", �berlegte Kian weiter, der eingesehen hatte, dass Nachdenken jetzt wahrscheinlich doch sehr wichtig war.
"Genau", fuhr Shane fort. "Es gehen also alle ins Bett und O�Connell pennt auf dem Tresen ein. Ich wei� nicht, ob jemand au�er Bryan und mir noch dieses Knarren geh�rt hat, aber irgendwann geht die gro�e Eingangst�r auf und jemand kommt rein. Wir wissen nicht, wie viele es sind, aber das ist jetzt auch egal. Es sind Leute, die das haben wollen, was Mitchell auch sucht. Und weil ihnen keiner in die Quere kommen soll..."
"...bringen sie den Portier um", vervollst�ndigte Kian den Satz, als Shane h�ngen geblieben war.
Shane sagte nichts, also redete Kian weiter: "Sie haben O�Connell umgebracht und schauen in das schlaue Buch, um..."
"Halt", sagte Mark und hob die Hand, um Kian zu stoppen. "Wie erkl�rst du dir, dass das Buch immer noch unter O�Connells Arm lag, als wir kamen?"
Kian �berlegte. "Vielleicht haben sie es wieder drunter geschoben... okay, w�re dumm, aber irgendwie glaube ich, dass es unwichtig ist."
"Okay, dann ist es das eben nicht." Mark hatte keine Lust, �ber diese Kleinigkeit zu diskutieren. "Jedenfalls wissen sie, wo unser Brad wohnt und gehen hoch zu Zimmer Nr. 18... 18? War doch 18, oder?"
Shane nickte: "Ja war es. Also sie kommen hoch..."
Er wurde von Bryan unterbrochen, der Hand hob und die Augen zusammen kniff. "Warte, lass mich einen Moment �berlegen..."
Es wurde still im Raum. Shane war sichtlich verwirrt, sagte aber gar nichts, sonder lie� Bryan.
Das ist nicht Nr. 13 ... Das ist eine 18
"Verdammt", schrie Bryan pl�tzlich und schlug mit der Faust auf den Tisch. "Sie haben Nicky!"
Mark warf ihm einen zweifelnden Blick zu. "Bryan, was laberst du da?" Shane packte Bryan bei den Schultern und r�ttelte ihn. "Bryan...", sagte er, als Bryan wieder angestrengt am �berlegen war.
"Okay, lass mich versuchen, es zu erkl�ren...", Bryan holte tief Luft, um noch einmal zu �berlegen, wo genau er anfangen sollte. Dann sagte er: "Als ich am Abend mit Nicky unser Zimmer suchte, da blieb Nicky stehen und wollte in eines der Zimmer. Ich hielt ihn erst zur�ck, weil ich eine 18 an der Zimmert�r sah. Wir hatten aber Zimmer Nr. 13. Allerdings war es wirklich die 13, die leider ein wenig aussah, wie eine 18..."
"Stop", sagte Shane. "Du meinst, dass jemand ebenfalls dachte, euer Zimmer w�re die 18?"
Bryan nickte und fuhr fort: "Jemand hat Mitchell gesucht, der laut dem Buch da unten die Zimmernummer 18 hatte. Dar die Zahl auf dieser T�r hier aber leider fehlt, ist unser Zimmer sozusagen die einzige 18."
"Dann war aber jemand ganz sch�n unachtsam", schob Kian ein. "Er hat sich die Nachbarzimmer nicht angeschaut."
"Das tut man auch nicht, wenn man es eilig hat, aber hat es unsere lieben Einbrecher denn gar nicht gewundert, dass in dem Zimmer zwei Personen waren?"
Bryan verneinte. "Ich war doch bei euch im Zimmer, als Nicky verschwand, weil ich nicht schlafen konnte und was gesehen hatte... ich hatte den Mann gesehen, als er das erste Mal in unseren Zimmer war. Er ist bis zur T�r gekommen und dann wieder gegangen... ich wei� nicht, wieso, aber er hatte Gep�ck dabei und das hat er vielleicht erst weg gebracht. Er hat wohl nicht gesehen, dass wir zu zweit waren. Hinterher bin ich dann rausgegangen und er rein. Da hat er Nicky geholt."
"Jetzt wird mir einiges klar", meinte Shane und verschr�nkte die Arme. "Sie wollten also Mitchell haben. Versehentlich haben sie sich aber leider Nicky geschnappt und dann alle Leute umgebracht, die ihnen in die Quere kamen, wie Mitchell, von dem sie leider nicht wussten, dass er es war."
"Genau, sie haben ihre eigene Schatzkarte vernichtet", meinte Bryan.
"Schatz?", fragte Shane erstaunt und Bryan zuckte mit den Schultern. "War nur ein Beispiel."
Kian ging zur T�r und sagte: "Leute, wir sollten jetzt m�glichst schnell Nicky suchen. Der sitzt irgendwo und soll Sachen sagen, von denen er gar nicht wei�. Und so was kann mordsgef�hrlich werden."
Alle stimmten ihm zu und liefen aus dem Zimmer. Mark verschloss sorgf�ltig die T�r uns folgte den anderen zur Treppe.
Bryan machte den Vorschlag, in den Keller zu gehen, was die anderen nicht gerade verlockend fanden, aber Bryan erinnerte noch einmal daran, dass ihr Verfolger von vorhin in den Keller gelaufen war und auch von dort gekommen war.
"Irgendetwas muss da unten sein", beharrte er und lief durch die Eingangshalle. "Au�erdem haben wir jetzt wieder eine Taschenlampe."
Shane, Kian und Mark mussten ihm widerwillig folgen.
Mitten in der Halle blieb Bryan kurz stehen und lauschte. Es war fast still.
"Hey Leute", sagte er. "Es hat aufgeh�rt, zu gewittern."
Shane blieb ebenfalls stehen und schaute durch die gro�en Fenster nach drau�en. "Ja", sagte er. "Es ist sternenklar da drau�en. Ich kann ein St�ck vom Mond sehen."
Bryan gesellte sich zu ihm und schaute ebenfalls durch die Fenster. Der Mond war nicht ganz zu sehen. Eine H�lfte von ihm war hinter dem Fensterrahmen verschwunden.
Mark und Kian waren ebenfalls zu den beiden gekommen und schauten nach drau�en. Der Mond leuchtete hell und klar und man konnte jetzt sogar ohne Taschenlampe einige Konturen in der Einganghalle sehen.
Bryan betrachtete die Linien, die sich durch das Glas zogen. Ein Glaser hatte sich wohl damals sehr gro�e M�he mit den Fenstern gegeben und ein gro�es Bild aus Glas erschaffen. Das Glas hatte wie in einer Kirche unterschiedliche Farben, die man jetzt deutlich erkennen konnte, wo der Mond seine Strahlen durch das Glas schickte. Das Bild einer Sonne... das gro�e Bild...
Um das gro�e Bild zu vervollst�ndigen...
"Mark hast du den Zettel noch?", fragte er pl�tzlich und streckte seine Hand aus. "Gib mal her."
Mark wusste nicht, was Bryan vorhatte, aber er zog den Zettel aus der Tasche und reichte ihn Bryan.
Bryan las den Text noch einmal.
"Shane, kannst du den Mond sehen?", fragte er nach einer Weile.
"Ja, das kann ich, aber das hab ich doch eben schon gesagt." Shane wollte Bryan gerade f�r verr�ckt erkl�ren, aber Kian stoppte ihn mit einer deutlichen Handbewegung und ging zu Bryan. Mark kam ebenfalls n�her.
Shane wollte sich in Bewegung setzen, aber Bryan hielt die Hand in die H�he und rief: "Shane, bleib stehen, wir sagen dir gleich, was du tun sollst.
"Wir?", fragte Kian. "Ich hab keine Ahnung, was du vorhast."
"Ich sag�s dir gleich...", Bryan las den Text wieder und wieder kam aber nicht direkt zu einem Ergebnis. Trotzdem sagte er Mark und Kian, wie weit er gekommen war.
"Ich glaube, dass hier ist so was, wie ein Wegweiser."
"Und?"
"Er gilt nur f�r heute Nacht"
"Bryan, komm aufn Punkt", n�rgelte Mark und h�pfte auf der Stelle nerv�s auf und ab.
"Es geht darum, dass dies irgendein bescheuerter Dichter oder so geschrieben hat, der alles verschl�sseln wollte. Hier guck es dir an. Heute ist Vollmond und damit h�tten wir die Sache mit dem Schatten und der erde gekl�rt. Wenn der Mond nicht mehr im Schatten der Erde steht, dann haben wir Vollmond und das ist heute der Fall. Geh dich �berzeugen." Bryan deutete auf die Fenster.
Mark nickte. "Und deshalb ist hier auch so viel los. Morgen ist es zu sp�t."
"Genau."
Shane wurde nerv�s. "Ach Leute, nicht diese bl�den Spielchen."
"Jetzt warte doch mal", sagte Mark, der seinen Spa� an dem "Spiel" gefunden hatte. Kian hatte sich lieber zu Shane gesellt.
"Also wir m�ssen das ganze jetzt �bersetzen?"
Bryan nickte auf Marks frage und zeigte mit dem Zeigefinger auf die Zeilen.
Es wird dunkel sein
Gerade zw�lf
Wenn Sonne und Mond sich vereinen.
ER wird seinen Weg aus dem Schatten der Erde finden
SIE wird darauf warten
Dass er sich in seiner vollen Pracht in die L�cke schiebt
Um das gro�e Bild zu vervollst�ndigen
Um IHR das Licht zur�ckzugeben
Wer ihn sieht
Der wird den Adler treten
Ihn nicht fliegen lassen
Bis er SIE sieht
Sich der Sonne zuwendet
Und seine Fl�gel ausbreitet
Er wird den Weg finden
"Es wird dunkel sein, ist doch ganz klar. Das ist die Nacht. Das mit der Sonne lassen wir weg. Da hab ich keine Ahnung."
"Okay", �berlegte Mark weiter. "Wie viel Uhr haben wir, Bryan?"
Bryan zog den �rmel seines Pullis ein wenig zur�ck. "Zehn vor zw�lf, wieso?"
"Weil es um zw�lf so weit ist." Mark zeigte auf die zw�lf. "Also los, wir haben nicht so viel Zeit."
"Also das mit dem Schatten hatten wir. Vollmond. ER ist der Mond, oder?" Mark nickte.
"Klar, ER wird den Weg aus dem Schatten finden. Das ist der Mond. Aber in welche L�cke schiebt er sich und WER wird darauf warten?"
"SIE wird warten, kannst du nicht lesen", scherzte Bryan.
"Bryan, lass das, wir haben keine Zeit."
"Okay", gab Bryan entschuldigend nach. "Machen wir mit der L�cke weiter. Da ist mir eben eine Idee kommen. Es muss eine L�cke in einem gro�en Bild sein und jetzt schau dir die Fenster an..."
Mark trat hastig ein paar schritte zur�ck, um die Fenster alle im Blick zu haben. "Hey, das ist eine Sonne."
"Gut erkannt Feehily", sagte Bryan anerkennend und zog Mark wieder zu sich.
"Nehmen wir an, das ist das gro�e Bild, dann muss irgendwo was fehlen. Da muss eine L�cke sein."
Mark nickte hastig und zeigte auf eines der Fenster. "Ja, da ist ein Loch."
"Nein", sagte Bryan bestimmt. "Dieses Wortgefasel hier ist Jahrhunderte alt. Das Loch war ja nicht mal da, als wir angekommen sind. "Such weiter, ich sehe nichts."
"Ich auch nicht, aber guck mal." Er deutete wieder auf das Blatt. "Mensch Bryan, das ist so einfach. Er schiebt sich in die L�cke, um ihr das Licht wiederzugeben. Bryan, das ist eine Sonne da oben, haben wir doch eben festgestellt. Der Mond gibt der Sonne das Licht zur�ck."
Bryan betrachtete wieder die Fenster. Seine Blicke glitten zwischen Papier und Fenster hin und her.
"Bryan, was h�lst du von dem St�ck wei�en Glas da oben?", fragte Mark triumphierend und jetzt sah Bryan es auch. Zwischen den vielen gelben, orangen und roten Glasteilen, direkt in der Mitte, befand sich ein rundes, farbloses Glasst�ck.
"Jetzt aber los, es ist gleich zw�lf", rief Bryan nach einem weiteren Blick auf die Uhr und wandte sich an Shane.
"Siehst du den Mond Shane?" fragte er wieder, als es zw�lf war.
"Ja zum dritten mal in dieser Nacht. Wie oft soll ich das denn noch sagen?", schimpfte Shane und warf Bryan b�se Blicke zu.
"Nein", entgegnete Bryan. "Du sollst mir sagen, ob du ihn ganz siehst!"
"Nein!"
"Dann stell dich so hin, dass du ihn ganz siehst und dann bitte so, dass die Mondscheibe genau hinter dieser kleinen, runden und farblosen Glasscheibe da in der Mitte ist." Shane seufzte, tat aber, was Bryan sagte und ging ein St�ck durch die Halle. Er lie� die Fenster nicht aus den Augen. Er ging ein paar mal hin und her, lief um eine paar Sessel rum und stand dann richtig.
Alle liefen zu ihm und auf dem Weg rief Mark: "Was siehst du unter deinen F��en?"
"Einen roten Teppich", sagte Shane gelassen, als er einen Blick auf den Boden geworfen hatte. Bryan stellte sich direkt hinter ihn und schaute aus dem Fenster. Die Sonne hatte ihr Licht wieder. Der Mond schien durch die Runde Glasscheibe und lies die benachbarten Glasplatten in allen Farben ganz leicht schimmern.
"Okay Leute", rief Mark und klatschte in die H�nde. "Alles runter vom Teppich. Wir m�ssen den Teppich bis hierhin aufrollen."
St�hnen von allen, doch Mark ging mit einem guten Beispiel voran und nahm sich den ersten Sessel vor. Langsam schob er ihn �ber den Teppich. Alle liefen los. Bryan hielt Shane fest.
"Halt, bleib stehen, sonst finden wir die Stelle nicht wieder.
Ein Sessel nach dem anderen wurde von dem Teppich geschoben und der gro�e Fl�gel war am Schluss das einzige, was stehen blieb. Kian lief zum Rande des riesigen Teppichs und fing an, ihn aufzurollen. Mark und Bryan schnappten sich die beiden Ecken. Sie rollten den Teppich zur�ck, bis sie bei Shane angekommen waren. Der ging vom Teppich runter, sodass die anderen drei ihn noch ein St�ck weiterschieben konnten. Shane, der die Taschenlampe in der Hand hatte, leuchtete �ber den Boden und hatte schnell etwas gefunden. Zwischen den grauen Pflastersteinen befand sich eine Eisenplatte. Shane betrachtete sie genauer und sah den Adler, der sorgf�ltig aus der Eisenplatte geschmiedet worden war. Er hatte eben mit den F��en drauf gestanden und den Adler "getreten".
Der Adler sah aus, wie auf dem Bild. Er sa� aufrecht und stolz da und hatte die Fl�gel eng am K�rper angelegt.
"Ich glaube, wir haben es gleich", sagte Mark und strich mit der Hand �ber den Adler, wobei sich eine Menge Staub auf seinen Fingerspitzen ansammelte.
Shane nahm Bryan die Zeichnung mit dem Adler ab.
"L�sst der Kopf sich drehen?", fragte Bryan.
Shane packte den Kopf des Adlers und r�ttelte daran.
"Fester", forderte Mark ihn auf. Shane drehte weiter und der Adler gab nach. Es gab ein knarrendes Ger�usch, als Shane den Kopf Richtung Sonne drehte. Er drehte, bis der Schnabel in die Richtung der Fenster zeigte und der Adler breitete seine Fl�gel aus. Sie schoben sich zur Seite, sodass es aussah, als w�rde der Adler fliegen. Das Gedicht war in die Tat umgesetzt.
Unter den Fl�geln des Adlers war ein Loch frei geworden. Kian war der erste, der seine Hand hineinstreckte und etwas herauszog. Ein zusammengerolltes, altes Pergament, das mit einem Lederband zusammengebunden war. Das Lederband zog Kian herunter und wollte die Karte auseinander rollen.
Er hielt inne, als ein lautes Poltern zu h�ren war. Es kam von der Kellertreppe. Keiner wagte es, sich auch nur zu r�hren, geschweige denn zu atmen. Alle sa�en starr auf dem Boden, um sie herum lauter Sessel, die um den Teppich herum standen.
Das Poltern wurde lauter und zwei Sekunden sp�ter betraten drei Personen die Halle. Kian wollte laut "Nicky" rufen, als er seinen Freund sah, der im T-Shirt, barfuss, zitternd und humpelnd die Halle betrat, unterlie� es jedoch, als er die beiden gro�en M�nner sah, die mit ihm in die Halle kamen. Einer von ihnen lachte gr�sslich.
"Ach sieh an", sagte er. " Ich wei� nicht, wer die sind, aber die haben die ganze Arbeit f�r uns getan." Er lachte wieder.
"Und jetzt seid ihr so nett und gebt uns die Karte", sagte der andere und die beiden M�nner kamen auf Kian, Mark, Bryan und Shane zu. Nicky blieb stehen und schaute erschrocken zu. Kian versteckte die Karte hinter seinem R�cken, obwohl die zwei Typen sie l�ngst gesehen hatten. Er w�rde sie nicht rausr�cken. Nie, nicht an Leute, die sie nicht verdient hatten.
Einer von ihnen streckte grinsend die Hand aus.
Doch Kian r�ckte sie nicht raus. Laut schrie er durch die ganze Halle: "Nicky! Lauf!!!!"
Dann sprang er in die H�he und schleuderte die Karte �ber die beiden hinweg zu Nicky. Nicky streckte den Arm aus und bekam das Papier zu fassen. Die Rolle wurde leicht zusammen gedr�ckt, als Nicky seine Finger darum schloss.
Die zwei M�nner standen stumm und schockiert da, w�hrend Kian, der eine Kleinigkeit leider nicht bedacht hatte, h�hnisch und triumphierend am grinsen war.
Doch Nicky rannte nicht los. Er wollte, aber sein Kn�chel wollte lieber unter ihm nachgeben und tat h�llisch weh. Unbeholfen humpelte Nicky los und war froh, dass er �berhaupt von der Stelle kam.
"Verdammt", fluchte Mark, als er Nicky durch die Halle auf die Treppe zuhumpeln sah.
Es brauchte Gott sei Dank eine Weile, bis die zwei Mistkerle sich wieder gefasst hatten, denn es brauchte auch eine Weile, bis Mark eine Idee hatte.
Er zog das Feuerzeug, dass er vor ein paar Stunden noch so verhasst hatte, aus der Tasche und rief nach Nicky. Er bewunderte Nickys Torwartreaktionen, als Nicky nach dem Feuerzeug langte und es wenig sp�ter in den H�nden hielt. Nicky lie� die kleine Flamme aufz�ngeln und hielt die Karte bed�chtig nahe dr�ber.
"Nein", rief einer der M�nner schockiert und ging langsam auf Nicky zu.
"Stehen bleiben", rief dieser und schleppte sich langsam die Treppe hoch, Feuerzeug und Karte immer dicht beieinander, jederzeit bereit, das Ding abzufackeln.
Es dauerte lange, bis er oben auf der Galerie angekommen war. Ersch�pft lehnte er sich an die Absperrung und schaute runter in die Halle, wo sechs Personen standen und zu ihm hinaufschauten.
Jetzt k�nnte er allem ein Ende bereiten oder eine neue Verfolgungsjagd durch das Schloss starten. Er �berlegte, ob der Schatz noch mehr Leben wert war, aber das war er nicht. Es hatte genug Opfer gegeben. Der Schatz war gef�hrlich.
Nicky machte das Feuerzeug wieder an. Die kleine Flamme z�ngelte freudig hin und her, als ein leichter Wind, durch das kaputte Fenster kam, aber sie blieb.
"Jetzt", sagte Nicky leise und hielt die erste Ecke des Papiers in die Flamme. Das trockene Zeug fing schnell Feuer. Nicky hielt die Karte in der Hand und schaute dabei zu, wie die Flammen sie Zentimeter f�r Zentimeter verschlangen. Als am Ende nur noch die Ecke zwischen seinen Fingern kein Feuer gefangen hatte, lie� er das Papier fallen. Brennend fiel die Karte runter in die Halle. In der Mitte wurde sie noch einmal von einem Windsto� in die Luft gewirbelt, doch das Feuer brannte weiter und landete auf dem Steinboden der Eingangshalle, wo die anderen fasziniert oder schockiert dabei zuschauten, wie sie verbrannte. Nicky l�chelte, als auf dem Boden nur noch ein H�ufchen Asche �brig geblieben war. Bryan, Kian, Shane und Mark schauten grinsend zu ihm hoch.
Die zwei M�nner waren immer noch unter Schock. Mit aufgerissenen Augen standen sie in der Halle und starrten die Asche an, die so grau und pulverig nie wieder den Weg zu einem Schatz, oder was es auch immer gewesen war, zeigen w�rde.
Einer der beiden M�nner fasste sich wieder und drehte sich zu Bryan, Shane, Mark und Kian um. Dann schaute er wieder auf zu Nicky und warf ihm geh�ssige Blicke zu. Er nahm seine H�nde und steckte sie in die Hosentaschen. Als er dort nichts fand, f�hlte er nach den Jackentaschen, aber auch die waren leer. Der Mann wurde nerv�s und schaute sich nach seinem Komplizen um, w�hrend Bryan fieberhaft den Boden absuchte. Hier musste doch irgendwo...
Bryan hatte es gefunden. Keine zwei Schritte von ihm entfernt lag etwas schwarzes. Genau das, was der Mann suchte und genau das ,was Bryan jetzt brauchte. Die beiden M�nner waren mit Nicky besch�ftigt und Bryan ging leise zwei Schritte zur�ck.
Der andere Mann steckte nun eine Hand in die Hosentasche und bef�rderte ebenfalls eine Waffe aus der Tasche. Er hatte seine Vorliebe f�r Messer wohl verloren, vielleicht waren sie ihm auch einfach nur ausgegangen. Er hielt die Pistole fest in den H�nden und richtete sie auf Nicky. "Du Mistkerl", rief er und Nicky stand schockiert und unf�hig, sich zu r�hren auf der Galerie. Seine Augen weiteten sich und sein Herz schlug bis zum Hals, als er das erste Mal in seinem Leben in die M�ndung einer Waffe schauen musste.
Bryan b�ckte sich und hob die Waffe auf.
"Gott danke", sagte er leise und richtete sich wieder auf. Die Waffe lag kalt in seinen H�nden. Niemand hatte es gesehen, denn das eigentliche Schauspiel fand bei Nicky statt.
"Mach ihn alle", sagte der Mann, der seine Waffe verloren hatte. "Jetzt schie�!"
Es knallte zweimal. Zwei ohrenbet�ubende Sch�sse, die durch das Schloss hallten und durch Mark und Bein gingen. Doch Nicky stand noch auf der Galerie und starrte erschrocken auf Bryan runter, der immer noch mit der Waffe in der Halle stand. Starr stand er da und r�hrte sich nicht. Die Waffe hatte er immer noch nach vorne gerichtet.
Er hatte sich hinter die M�nner gestellt und abgedr�ckt. Der mit der Waffe war zu Boden gegangen und die Kugel seiner Pistole hatte sich gel�st. Es klirrte, als sie nicht Nicky, sondern ein Fenster traf, als der Mann zu Boden sank.
Ein paar Scherben fielen in die Halle und Mark zuckte unmerklich zusammen.
Der zweite Mann starrte runter auf seinen Kollegen. Nur ein paar Sekunden stand er da, dann wollte er Rache. Seine Augen blitzen hasserf�llt, als er die Pistole sah, die seinem Komplizen aus der Hand gefallen war und nun auf dem Boden lag. Hastig lief er darauf zu und streckte seine Arme aus.
Es knallte ein zweites Mal, bevor er die Pistole auch nur mit den Fingerspitzen ber�hren konnte.
Bryan hatte abgedr�ckt. Er zitterte, lie� die Waffe aber nicht sinken. Er war schockiert �ber sich selber und r�hrte sich nicht.
Shane war es, der ihm die Waffe aus der Hand nahm und sie wegschmiss. Er klopfte seinem Kumpel auf die Schulter und musste feststellen, dass Bryan am ganzen Leib zitterte.
"Shane", ert�nte da eine Stimme von der Galerie, aber es war nicht Nickys. Es war Anto, der von den Sch�ssen aufgewacht und aus seinem Zimmer gekommen war. "Bryan, Kian, Mark, Nicky!", rief er dann und rannte zusammen mit dem Busfahrer, der ebenfalls hellwach war, oben auf der Galerie bis zur Treppe wo Nicky stand. "Gott, was ist passiert?"
Als Shane geendet hatte, war es einen Moment lang still. Er, Kian und Mark hatten sich mit den anderen in eines der Zimmer gesetzt und die ganze Geschichte von vorne bis hinten durch erz�hlt. Nicky hatte sich alles angeh�rt und erfahren, was unglaubliches passiert war, w�hrend er unten im Keller gesessen hatte. Bryan hatte stumm dabei gesessen und �fters angefangen zu weinen. Als Shane den letzten Satz beendet hatte, lief noch einmal ein paar Tr�nen �ber sein Gesicht. Seine Augen waren rot und nass.
"Bryan", versuchte Nicky seinen Kumpel zu beruhigen.
Bryan schob Nickys Hand, die sich auf seine Schulter gelegt hatte, beiseite. "Lass mal!"
Mark versuchte es: "Bryan, du hast niemanden umgebracht. Du hast Nicky das Leben gerettet..."
Bryan weinte wieder. Bei dem Wort "umgebracht" musste er heftig schlucken.
Drau�en wurde es langsam hell. Anto stand auf, ohne weiter auf Bryan einzugehen. Das Leben musste weitergehen.
"Leute", sagte er und klatschte in die H�nde. "Sucht eure Sachen, falls ihr welche dabei hattet. Wir haben hier nichts mehr verloren und wenn wir nach hause laufen m�ssen..."
Schwerf�llig standen alle auf und suchten ihre Handys zusammen. Sie hatten hier nichts mehr verloren, da hatte Anto Recht.
Bryan gab Nicky die Hand und zog ihn hoch. Zusammen mit den anderen verlie�en sie das Hotel, wobei alle versuchten, m�glichst schnell durch die Eingangshalle zu kommen, um den schrecklichen Anblicken der Opfer, die die Vollmondnacht gefordert hatte, auszuweichen.
Bryan schaute nur noch einmal zur�ck zu den gro�en Fenstern. Jetzt im Hellen sah man die bunten Farben viel besser und Bryan bemerkte, wie sch�n sie waren. Dann drehte er sich um und verlie� mit den anderen das Hotel.
Es war Zeit, diese Nacht aus dem Leben zu verbannen. So lange, bis man bereit war, sie zu verarbeiten. Es war Zeit, ein neues Leben anzufangen. Die Nacht und ihr Schatz hatten ihre Opfer bekommen, doch sie w�rden nie wieder welche fordern. Nie wieder, da war Bryan sich sicher gewesen, als Nicky in der Eingangshalle in das H�ufchen Asche gepustet und die letzten �berreste, die den Weg zur Macht und Habgier kannten, �ber dem ganzen Fu�boden verteilt und somit aus der Welt geschafft hatte. Nie wieder.