If tomorrow never comes

Nicky lie� sich ersch�pft auf das Sofa im Tourbus fallen.

Es war schon ziemlich sp�t und die Jungs hatten ein sehr anstrengendes Konzert und eine ewig lange Autogrammstunde hinter sich. W�hrend Bryan und Kian noch drau�en standen, um ein wenig frische Luft zu schnappen und Shane und Mark noch auf der Toilette waren, zog Nicky es vor, m�glichst schnell einzuschlafen. Und das schaffte er auch. Als Kian f�nf Minuten sp�ter den Bus betrat, lag Nicky ausgestreckt auf dem Sofa und war nicht wieder wach zu kriegen. Er h�tte sich jetzt gerne einen Spa� daraus gemacht, Nicky zu erschrecken oder zu kitzeln, aber er war selbst viel zu m�de und man konnte dem Kerl ja auch mal ein wenig Ruhe lassen.

Aber Bryan sah das anders,aber er hatte wie immer noch viel zu viel Power, um zu schlafen und st�rmte in den Tourbus. Er blieb vor dem Sofa stehen und grinste. Irgendetwas hatte er in der hohlen Hand, aber Kian konnte nicht erkennen, was es war.

Erst als Bryan die Hand �ffnete, krabbelte eine kleine Spinne heraus und Bryan lie� sie auf Nickys Gesicht gleiten. Noch bevor Kian, der leicht irritiert daneben stand, etwas sagen konnte, verschwand Bryan.

Nicky blieb noch wenige Sekunden bewegungslos liegen, aber dann r�mpfte er die Nase, als die Spinne darauf herumkrabbelte. Dann schlug er die Augen auf und sah das kleine Biest. Nicky sprang auf und sch�ttelte den Kopf. Kian stand nur daneben und grinste bl�d. Ein fataler Fehler. Nicky verstand die ganze Sache falsch und wollte sich auf Kian st�rzen.

Kian hob abw�hrend die H�nde und wollte sich verteidigen: "Halt, halt, halt, halt, halt... du verstehst da jetzt was nicht so ganz..."

Aber weiter kam er nicht. Er drehte sich lieber um und rannte nach drau�en. Nicky hinterher. Dabei rannten die beiden fast Shane und Mark um, die ihr Gesch�ft erledigt hatten und gerade in den Bus steigen wollten. Die beiden schauten Nicky und Kian verdutzt hinterher.

Nicky st�rte sich nicht an ihnen. Er wollte sich nur Kian schnappen und ihm geh�rig die Meinung sagen. Also rannte er weiter. Drau�en auf dem Parkplatz stand Bryan. Als der die beiden sah, konnte er sich nicht mehr halten und fing an zu lachen. Nicky drehte sich um und guckte Bryan an. Und Kian schrie von hinten: "Er war�s!"

Bryan h�rte schlagartig auf zu lachen, murmelte nur noch kurz: "Oh, jetzt gibt�s �rger", und rannte los. Nicky hinterher. Er war sich sicher, dass er Bryan kriegen w�rde. H�tte er sich ja auch gleich denken k�nnen, dass Bryan das war. Auf solche Ideen kam echt nur Bryan, auch wenn er ein noch so langes Konzert hinter sich hatte und eigentlich hundem�de sein m�sste. "Woher nimmt der blo� immer die ganze Energie?" fragte Nicky sich und rannte weiter hinter Bryan her. Bryan rannte ein paar Mal um den Bus herum und Nicky hing ihm schon dicht an den Versen, was doch ziemlich verwunderlich, war, wo er doch eben noch so m�de auf dem Sofa gelegen hatte. Und als Bryan ihn so hinter ihm herrasen sah, sagte er zu sich: "Der meint es ernst, wenn der so rennt."

Aber dann blieb Bryan schlagartig stehen und drehte sich um. Nicky konnte gerade noch bremsen und stand nun direkt vor Bryan. Er wollte was sagen, aber da merkte er mal wieder, dass Bryan fast einen ganzen Kopf gr��er war als er und Nicky sah in so einem Kampf gegen Bryan wirklich ziemlich j�mmerlich aus. Und wenn Bryan jetzt auch noch ein kleines Wortgefecht beginnen w�rde, hatte er sowieso keine Chance. Bryan hatte immer irgendwelche bl�den Spr�che auf Lager. "Okay, Plan B", dachte Nicky sich und wollte aufgeben.

Er drehte sich um und wollte lieber schnell zur�ck in den Bus.

"Wie jetzt, du willst schon aufgeben? Spielverderber", rief Bryan herausfordernd und stemmte die H�nde in die H�ften.

Nicky drehte sich langsam um und sagte: "�h eigentlich... ja... ich wollte dir nur sagen, dass... �hm...dass wir gleich losfahren!" Bryan musste lachen. "Wie? Und daf�r jagst du mich �ber den ganzen Parkplatz?" fragte er.

"Na ja... und wegen der Spinne..."

Bryan ging auf ihn zu, baute sich wieder vor ihm auf und schaute auf ihn herunter. "Ja, was ist mit der?"

Nicky musste hochgucken, um Bryan ins Gesicht zu sehen und sagte schnell: "�h, gar nichts!"

"Na dann ist ja gut! Frieden?" fragte Bryan und streckte Nicky die Hand aus. Nicky nahm diese erleichtert an und...

Bryan dr�ckte grinsend zu. Nicky verzerrte schmerzhaft das Gesicht. So was machte Bryan dauernd, aber Nicky verga� es immer wieder. Also sagte er etwas schwerf�llig, weil Bryan noch nicht wieder los gelassen hatte: "Ja, Frieden!"

Bryan lie� los und die beiden machten sich gemeinsam auf zum Bus. Dort angekommen warteten schon Kian, Mark und Shane auf die beiden. Auch Anto, ihr Tourmanager stand mit verschr�nkten Armen dabei und schaute die zwei mahnend an. "Hatte ich nicht gesagt, dass wir abfahren wollen?"

"�h..." Bryan wusste nicht so recht was er sagen sollte, aber dann setzen er und Nicky ihre s��en Unschuldsmienen auf und Anto wurde weich. "Na gut, aber k�nnen wir jetzt los?"

Der Bus fuhr ab und es kehrte langsam Ruhe ein, was aber auch daran lag, dass alle, au�er Bryan, total m�de waren. Aber innerlich hatte Nicky den, ja eher freundschaftlichen Krieg noch l�ngst nicht aufgegeben. "Das kriegst du zur�ck", dachte er und legte sich schlafen.

Am n�chsten Nachmittag kam der Bus endlich am Ziel an. Es war der letzte Tag ihrer Tour durch Deutschland. Nur noch ein Konzert und es w�rde zur�ck nach Irland gehen. Dort noch f�nf Konzerte und dann gab es endlich Ferien, welche die Jungs auch dringend n�tig hatten. Nach dem Einchecken im Hotel gingen die Jungs nur kurz auf ihre Zimmer. Shane, Nicky, Mark, Kian und Bryan hatte die stickige Luft, die sich nach etlichen Stunden Tourbus breit gemacht hatte, erst mal satt. Es hatte mal wieder jede Menge Fast Food gegeben, zu viel Chips und Cola und die Klimaanlage hatte man auch nicht bemerkt. Also wollten alle noch ein wenig raus. Das Wetter war zwar nicht ganz so toll, aber immerhin besser, als im Hotel zu hocken und vor dem Fernseher rumzugammeln, was ja bei den miserablen Deutschkenntnissen der f�nf sowieso keinen Spa� machte. Die F�nf machten sich auf in Richtung Stadtzentrum in der Hoffnung, dass bei diesem Wetter nicht allzu viele Fans unterwegs waren. Aber sie hatten Pech. Schon nach einer viertel Stunde hatten die ersten Fans sie entdeckt und rannten kreischend auf sie zu, wobei sie das Aufsehen anderer M�dchen erregten und rasch wurde der Stadtbummel zur Autogrammstunde.

"Wie machen die das?" fragte Mark auf dem R�ckweg zum Hotel. "Woher wissen die dauernd, wann wir wo sind? Und warum stellen die sich bei diesem Wetter stundenlang irgendwohin und warten auf uns?"

"Mark, findest du nicht, dass das ein paar viele Fragen auf einmal sind?" fragte Shane und trat gegen eine Coladose, die auf der Stra�e lag. Diese flog scheppernd gegen die n�chste Hauswand und Kian, der wohl gerade ein bisschen getr�umt hatte, schreckte auf und schaute nach der Coladose. Bryan klopfte ihm auf die Schulter und sagte: Keine Panik Ki, es ist nur eine Coladose." Kian verzog das Gesicht. "Sehr witzig Bryan."

Der Nachmittag zog sich noch ziemlich lang hin! Noch mal loszuziehen wollte keiner und das Wetter war inzwischen noch schlechter geworden. Es hatte angefangen zu regnen. Auch, wenn man das ja fast nicht anders kannte, wenn man aus Irland kam, drau�en warteten immer noch die ganz verwegenen Fans, und die waren den Jungs dann doch noch immer ein wenig unheimlich..

Mark war im Hotel mal wieder die ganze Zeit am singen, aber auch Bryan war ziemlich nervt�tend. Fast wie ein kleines Kind. Der einzige Unterschied war, dass er nicht den ganzen Tag an Mamas Rockzipfel hing und irgendetwas haben wollte, sondern, dass er ganz gerne mal jemanden vereimerte oder die ganze Zeit redete, ohne jemand anders zu Wort kommen zu lassen. Nicky fragte sich heute noch, wann ihm die Worte endlich ausgehen w�rden, doch Bryan redete wie ein Wasserfall. Endlos und es gab keine Chance, ihn in irgendeiner Weise zu stoppen. Kian hatte das Kartenspielen gegen Bryan l�ngst aufgegeben. Heute war einfach nicht sein Tag und er hatte kein einziges Spiel gewonnen. Das fand auch Bryan langweilig und selbst, wenn er beim Mischen mal mogelte und Kian ein gutes Blatt zuschob- Kian war einfach nicht gut drauf und verlor andauernd. "Sag mal, willst du mich verarschen? Du hast super Karten und stellst dich an, wie... wie... wei� ich auch nicht", sagte Bryan genervt. Kian schaute verwirrt auf und fragte: "Woher kennst du meine Karten?" Bryan �berlegte, was er sagen sollte. "�h... ach, lasen wir das. Ich geb�s auf, du gewinnst heute sowieso nicht mehr."

"Da k�nntest du recht haben", sagte Kian uns schmiss die Karten hin.

Nicky und Shane w�ren ganz gerne in die n�chste Kneipe gegangen, aber alle wussten, wo das meist endete. Und wenn bei dem Auftritt heute Abend irgendwer besoffen war, dann w�rde es �rger mit Anto geben und das war meist nicht angenehm. Dann schon lieber nach dem Konzert. Das war wesentlich ungef�hrlicher und die Stra�en w�rden dann hoffentlich auch leerer sein.

 

Die letzte Zugabe verklang. Man h�rte nur noch die Fans, die wild durcheinander schrieen und mehr wollten. "Zugabe, Zugabe...!" Doch es hatte bereits zwei Zugaben gegeben und es war schon ziemlich sp�t. Am n�chsten Morgen sollte es zur�ck nach Irland gehen und die B�hnenarbeiter mussten sich langsam an die Arbeit machen. Irgendwann leerte sich die Halle und es wurde langsam still. Etwas m�de, weil es in den letzten Tagen etwas stressig zugegangen war, machten sich alle Arbeiter daran, Kabel zu verpacken, Boxen wegzur�umen und die Scheinwerfer abzunehmen.

Kian, Mark, Shane, Bryan und Nicky liefen schwitzend in ihre Garderobe, um sich umzuziehen. Alle hatten sich t�chtig ausgepowert. Besonders Bryan, der auf der B�hne ganz gerne mal ein wenig Mist baute. Aber die Fans mochten das und so hatte Bryan nicht viel mehr zu tun, als ein paar bl�de Spr�che abzulassen, um alle M�dchenherzen zu erobern. Shane brauchte sich nur irgendwo hinzustellen und die M�dchen wurde hysterisch. Aber auch Kian sah man an, dass er kaputt war und alles gegeben hatte, was in ihm steckte. Seine Haare waren nassgeschwitzt und klebten ihm auf der Stirn. Er lie� sich auf ein Sofa fallen und st�hnte: "So, jetzt brauche ich erst mal Wasser!"

Shane reagierte sofort. Er nahm sich eine Falsche Mineralwasser, �ffnete sie und wollte sie gerade Kian reichen. Kian streckte ersch�pft den Arm aus, um sich die Flasche zu greifen. Aber Shane �berlegte es sich anders, zog die Flasche zur�ck und kippte sie Kian �ber den Kopf.

"Bittesch�n, da hast du dein Wasser!" sagte er und lachte. Auch die anderen mussten lachen.

Nur Kian fand das gar nicht witzig. Hastig sprang er vom Sofa auf, um dem Wasser zu entkommen. Aber er war sowieso schon nass. Triefend stand er da in der Garderobe und guckte Shane an. "Das bekommst du zur�ck", sagte Kian zu Shane und schaute ihn dann ganz w�tend an. Bryan konnte seine Klappe mal wieder nicht halten: "Ich glaube, Shane will es gar nicht zur�ck. Du kannst das Wasser ruhig behalten", sagte er und die anderen musste lachen.

Da �ffnete sich die T�r und Anto kam rein. Er schaute sich zuerst die Pf�tze auf dem Boden an, dann Kian, der mitten drin stand und dann Shane, der immer noch die Flasche in der Hand hatte und jetzt nicht so recht wusste, was er sagen sollte.

"Keine Panik Anto, Kian hat die Toiletten nur nicht rechtzeitig gefunden", sagte Nicky und deutete auf die Pf�tze. Shane nickte eifrig und schraubte die Flasche zu.

Anto sch�ttelte den Kopf und meinte dann: "Leute, habt ihr nichts besseres zu tun? Kian, die Duschen und Toiletten sind da hinten und Shane, wenn dir langweilig ist und du so gerne mit Wasser um dich sch�ttest, dann sag bescheid. Der Tourbus m�sste dringend mal wieder sauber gemacht werden!"

Shane verzog das Gesicht. "Danke f�r das Angebot, aber ich verzichte freiwillig!"

Anto lachte kurz und sagte dann noch: "Okay Leute. Ihr bleibt heute nicht mehr zu lange weg. Wir fahren morgen sehr fr�h weiter und ich kenne euch Langschl�fer ja!" Bei dem Wort Langschl�fer guckte er Bryan eine Weile lang an. Dann verschwand er. Shane, Nicky, Kian und Mark fingen an zu grinsen und schauten Bryan an.

"Ey sorry Jungs, aber fr�h aufstehen ist doch echt schrecklich, das m�sst ihr zugeben", sagte Bryan schlie�lich und f�gte noch hinzu: "Was ist, gehen wir jetzt heute noch weg, oder nicht?"

"Wenn du morgen trotzdem aus dem Bett kommst", meinte Nicky!

Bryan verdrehte die Augen. "Mann, du bist ja schlimmer, als meine Mutter", sagte er genervt und zog sich einen Pulli an. Als alle fertig waren und Kian wieder einigerma�en trocken war, wurde dann beschlossen, dass man schon alleine aus Protest gegen Antos Ermahnung, noch ein wenig weggehen sollte. Schlie�lich war der Abend noch lang genug, und im Flugzeug konnte man ja auch noch pennen.

 

Auf den Stra�en war es jetzt leerer geworden, denn die Fans standen alle vor dem Hotel und hofften auf Autogramme. Nicky hatte einen Hinterausgang kundig gemacht und so konnten die diesen hartn�ckigen M�dchen, die immer so hysterisch am kreischen waren, entkommen. H�tte auch nur wieder �rger gegeben, wegen Ruhest�rung und so.

Als sie so durch die Stadt schlenderten, machte Mark schnell eine Kneipe aus und die Jungs verschwanden. Alle setzten sich an einen Tisch und einer nach dem anderen fing an, wegen der gelungenen Deutschlandtour einen auszugeben. So waren alle flei�ig am Trinken und keiner dachte auch nur daran, mal dar�ber nachzudenken, wie viel Uhr es eigentlich war. Die Zeit verging schnell, ohne dass es jemand bemerkte. Irgendwann schaute Shane dann doch mal auf die Uhr und rief erschrocken: "Leute, es ist gleich 2.00 Uhr und wir sitzen immer noch hier. "Schei�e, wenn Anto das mitbekommt!"

"Oh, oh, wenn das mal keinen �rger gibt", meinte Nicky und schaute zweifelnd in die Runde.

"Nicht, wenn es keiner merkt und wir morgen halbwegs ausgeschlafen aussehen", sagte Kian.

Bryan schaute ihn fragend an. "Wie willst du das denn machen, wenn du nicht ausgeschlafen bist?", fragte er. "Anto merkt das sp�testens, wenn du beim n�chsten Konzert auftreten sollst und den ersten Ton ansingst!"

"Nicht mein Problem", sagte Kian und grinste. "Shane singt den ersten Ton." Alle bis auf Shane mussten lachen. "Ha, ha, sehr witzig", meinte Shane ironisch.

Pl�tzlich war es still im Raum. Nicky schaute sich um. An den anderen Tischen sa�en noch einige Leute und die h�rten interessiert zu. Einige grinsten bl�d. Und auch der Barkeeper hatte die nassen Gl�ser stehen gelassen und stand still hinter dem Tresen. Dabei sch�ttelte er grinsend den Kopf, als wollte er sagen: "Nicht schlecht Jungs, ihr habt�s geschafft!"

Nicky zuckte nur mit den Schultern und wendete sich wieder den andere zu. Eine Weile war es still.

Mark war der erste, der irgendetwas tat. Er schnappte sich seine Jacke und sagte: "Was ist? Wollt ihr noch l�nger hier sitzen? Wir k�nnen froh sein, wenn noch keiner bemerkt hat, dass wir noch nicht wieder da sind!"

Also machten die Jungs sich auf den Weg. Vor dem Hotel war es leer. So verwegene Fans, die selbst nach Mitternacht noch vor dem Hotel standen, gab es hier dann Gott sei Dank doch nicht.

Alle blieben vor dem Hotel stehen. Erst nach f�nf Minuten ging Kian los und �ffnete die T�r. Als keiner ihm folgte, sagte er: "Wollt ihr da jetzt die Nacht verbringen, oder was? Mehr, als das Anto uns �bern Weg l�uft, kann doch gar nicht passieren."

"Er hat Recht", meinte Shane und lief die Stufen zur Eingangst�r hoch. Auch die anderen kamen nach. Leise gingen die Jungs durch die Eingangshalle, die fast leer war. Nur hinter dem Empfangstresen sa� noch eine Dame.

"Mr McFadden? Ich soll ihnen was ausrichten", sagte sie.

Bryan erschrak und schaute die anderen an. Dann fragte er die junge Dame: "�h...von wem denn?"

"Von ihrer Frau. Sie sollen sie anrufen!"

Bryan atmete auf. "Danke", sagte er erleichtert und ging mit den anderen zu den Treppen.

"Puh, ich dachte schon, Anto h�tte was bemerkt", sagte Kian.

Shane sah ihn zweifelnd an und meinte: "Du wei�t ja gar nicht, ob er nichts bemerkt hat, nur weil die Nachricht von Kerry kam."

"Da hat er leider Recht", sagte Mark und schloss sein Zimmer auf. Kian folgte ihm in das Zimmer. Shane verschwand in das n�chste und auch Bryan �ffnete die T�r seines Zimmers, dass er sich mit Nicky teilte. Es wurde still auf dem Flur. Anto schien nichts bemerkt zu haben.

 

Bryans Wecker klingelte. Aber nicht lange. Bryan holte, noch halb schlafend, mit dem Arm aus und schlug das nervige Ding, das es doch tats�chlich wagte, ihn so fr�h morgens zu wecken, zu Boden. Dann richtete er sich kurz auf und schaute hinunter auf den Wecker. "Das bedeutet Krieg", sagte er missbilligend und lies sich wieder in sein Kissen fallen.

F�nf Minuten sp�ter ging die T�r auf. Nicky steckte den Kopf zur T�r hinein und wollte gerade "Aufstehen" rufen, als er Bryans Kissen voll ins Gesicht bekam.

"Entschuldigung, wollte dir ja nur erz�hlen, dass es Fr�hst�ck gibt", sagte er etwas beleidigt klingend, wobei er langsam das Kissen vom Boden aufhob. Dann ganz pl�tzlich rief er: "Aber gut, wenn du lieber eine Kissenschlacht haben willst, kannst du haben!!! Ich muss dir ja sowieso noch was heimzahlen!" Und mit voller Wucht schleuderte er das Kissen in Bryans Richtung. Bryan schaffte es gerade noch, sich unter seiner Bettdecke zu verstecken. Erst nach einer Weile kam er wieder heraus, hob die Arme und sagte: "Schon gut, ich ergebe mich, aber... wie bist du hier eigentlich rein gekommen?"

Nicky schaute ihn verdutzt an und musste dann laut lachen: "Bry, dass du vergesslich bist, wusste ich ja schon immer, aber das du sooo vergesslich bist... wir teilen uns ganz rein zuf�llig ein Zimmer und ich hab einen Schl�ssel!" Nicky zog den Schl�ssel aus der Tasche und wedelte damit vor Bryans Nase herum. "So, jetzt komm, ich hab Hunger!"

"Ne, ne, ohne duschen l�uft bei mir gar nichts. Ich komm gleich nach", sagte Bryan und lief ins Bad.

Nicky machte sich auf den Weg nach unten. Im Restaurant warteten bereits die anderen. "Lass mich raten, du hast unseren Bryan Nicholas Langschl�fer McFadden nicht aus dem Bett bekommen", sagte Mark zu Nicky. "Doch, ist nur noch eben duschen. Aber gut dass ich noch mal oben war. Den Wecker hat er gekillt... und mich beinahe auch", lachte Nicky und setzte sich.

 

Als Bryan aus der Dusche kam, schnappte er sich zuerst sein Handy und w�hlte Kerrys Nummer. Er konnte es kaum erwarten, Kerrys Stimme wiederzuh�ren. Auch wenn er ein wenig nerv�s war, weil er sich sicher war, dass Kerry darauf zu sprechen kommen w�rde, dass er sich in den letzten Tagen nicht gemeldet hatte. "Egal", dachte er sich. "Ich war halt im Stress." Dann wartete er. Es schellte eine Weile durch, dann nahm Kerry endlich ab.

"Hallo?" meldete sie sich.

"Hi, ich bin�s", sagte Bryan und wartete, dass Kerry etwas sagen w�rde. Doch das tat sie nicht. Bryan h�rte nur ihre langsamen Atem und merkte, dass sie �berlegte, was sie jetzt sagen sollte. Was war los. Warum war Kerry pl�tzlich so still. Bryan hatte das Gef�hl, dass irgendetwas nicht in Ordnung war und bekam ein flaues Gef�hl im Magen.

"Kerry, was ist los? Du bist doch sonst nicht so still", sagte er und versuchte, Kerry zum reden zu bringen..

Am anderen Ende der Leitung blieb es noch wenige Sekunden still. Dann kam ein Schluchzer. Kerry konnte die Tr�nen nicht zur�ckhalten und fing an zu weinen.

Als Bryan das h�rte, erschrak er und wusste erst mal gar nicht, was er sagen sollte. Irgendwann, als er es nicht mehr ertragen konnte, Kerry so weinen zu h�ren und nicht zu wissen, was los war, sagte er vorsichtig: "Kerry, jetzt sag mir doch endlich, was los ist."

Kerry h�rte kurz auf zu weinen und schrie dann w�tend ins Telefon: "Das wei�t du selber ganz genau. Vielleicht sogar noch besser!" Bryan erschrak wieder und hielt das Handy schnell einige Zentimeter vom Ohr weg, so laut war Kerry pl�tzlich geworden. Dann nahm er das Handy wieder ans Ohr.

"Kerry! Ich wei� gar nichts", sagte Bryan. "Au�erdem, liebe ich dich doch", f�gte er noch hinzu, aber Kerry hatte aufgelegt.

Bryan, wusste nicht, was er jetzt denken sollte. Er lie� sich aufs Bett sinken und starrte die Wand an. Er hatte keine Ahnung, was Kerry wollte, aber sie war sauer gewesen. Sehr sauer. Bryan hatte nie daran gedacht, dass es jemals so weit kommen k�nnte. Er liebte Kerry und w�rde sie immer lieben. Es konnte doch nicht sein, dass auf einmal alles kaputt war. Bryan war total fertig. Zuerst wollte er Kerry noch einmal anrufen, entschied sich dann aber dagegen. Sie w�rde auflegen, weil irgendetwas passiert war, was dazu gef�hrt hatte, dass sie total sauer auf ihn war. Er hielt das Handy in der Hand und starrte es an. Er k�mpfte noch eine Weile mit den Tr�nen, konnte sie aber nicht zur�ckhalten. Die Tr�nen liefen �ber seine Wangen und tropften dann auf den Boden.

Es klopfte an der T�r. Bryan sagte gar nichts. Aber vielleicht hatte er das Klopfen auch gar nicht geh�rt. Der jemand, der eben geklopft hatte, �ffnete die T�r und betrat das Zimmer. Es war Shane. Schon als die T�r noch gar nicht richtig offen war, sagte er: Bryan, wir warten. Jetzt sieh zu dass du..." Weiter kam er nicht. Als er Bryan da so verweint auf dem Bett sitzen sah, hielt er inne.

"Bryan, was ist los?" fragte er verwirrt.

Bryan schreckte hoch, als ob er Shane erst jetzt bemerkt hatte. Schnell wischte er sich die Tr�nen aus dem Gesicht und versuchte zu l�cheln. "Ach gar nichts", sagte Bryan und versuchte normal zu klingen.

"Sag mal, willst du mich auf den Arm nehmen? Du sitzt hier, weinst dein unschuldiges Handy voll und dann erz�hlst du mir, dass nichts los sei!"

Bryan betrachtete sein Handy. Shane hatte recht. Auf dem Display hatte sich eine kleine Pf�tze gebildet. Bryan wischte sie weg und sagte dann: "Shane, ich w�rde jetzt gerne ein wenig allein sein. Ich komme sp�ter runter!"

"Okay, wie du willst", sagte Shane und verlie� das Zimmer.

 

"Ach nee! Unser lieber Shane hat es also auch nicht geschafft, Bryan runterzukriegen", sagte Nicky und lachte, als Shane auf sie zu kam. "Wer geht als n�chstes?"

"Keiner, w�rde ich sagen", sagte Shane und setzte sich zu den anderen.

Nicky, Kian und Mark schauten ihn verdutzt an. "Was ist los?" fragte Mark.

Shane wusste nicht, wie er anfangen sollte, weil er selber nicht genau wusste, was los war, aber dann holte er einmal tief Luft und sagte: "Ich glaube, Bryan hat gerade mit Kerry telefoniert und irgendwas ist nicht in Ordnung. Als ich reinkam sa� er mit seinem Handy auf dem Bett und war am weinen. Ich wei� aber auch nicht genau, was los ist. Er wollte nur alleine sein."

Die anderen starrten ihn entgeistert an. Eine ganze Zeit lang sagte niemand etwas, aber nach einer Weile wurde es Kian zu bl�d.

"Und was machen wir jetzt?" fragte er. "Es bringt doch nichts, wenn wir jetzt hier die ganze Zeit rumsitzen und gar nichts tun. Und wenn Bryan alleine sein m�chte, dann lassen wir ihn eben eine Weile in Ruhe. Der wird schon wieder. Ihr kennt ihn doch."

"Was willst du denn gro� anstellen. Wir fahren in einer Stunde weiter, hast du das schon wieder vergessen?" fragte Shane.

Kian schaute auf die Uhr und verzog das Gesicht. "Na toll, Bryan bl�st Tr�bsal und wir haben eine knappe Stunde bis wir fahren."

"Sei doch froh. Dann muss Bryan auch mal wieder aus seinem Zimmer kommen und vielleicht kommt er dann auch wieder auf andere Gedanken", sagte Nicky. "Bryan ist nun mal so. Er verkriecht sich lieber, wenn er schlecht gelaunt ist und wenn�s ihm wieder besser geht, dann kommt der auch wieder aus seinem Versteck."

Die Jungs hingen also eine Stunde lang in im Hotel rum. Dann kam Anto und scheuchte alle auf. Kian, Mark, Shane und Nicky standen schon fertig mit Gep�ck unten im Hotel, w�hrend Anto noch oben war und Bryan holte. Das dauerte etwas l�nger, denn Bryan war total fertig und war f�r Antos schnelle Abreise gar nicht zu haben. Als Anto Bryans Zimmer betrat und so tat, als m�sste Bryan einen Marathon gewinnen, grummelte Bryan nur irgendetwas unverst�ndliches und schleppte dann langsam seine Tasche Richtung Aufzug.

Im Bus war die Stimmung entsprechend schlecht. Bryan verzog sich wieder in irgendeine Ecke, w�hrend Shane, Kian, Mark und Nicky dar�ber nachdachten, was Bryan haben k�nnte. Aber das war v�llig �berfl�ssig. Bryan sagte w�hrend der Fahrt kein Wort und da war ja auch noch die Tatsache, dass er selbst nicht wusste, was los war. Er hatte keine Ahnung, was Kerry gemeint hatte, als sie sagte, er w�sste das selbst am besten. Sie hatte sich seit dem Anruf nicht wieder gemeldet und Bryan machte das ganz fertig, dass Kerry scheinbar stinksauer auf ihn war und er keine Ahnung hatte, warum. Er liebte sie mehr als alles andere und das machte jeden Streit unertr�glich.

Der Bus erreichte schnell den Flughafen, von dem es zur�ck nach Irland gehen sollte. Mark schaffte es mal wieder, ein supergro�es Chaos anzurichten. Die ganze Zeit rannte er durch den Bus und rief: "Wo ist mein Handy? So ein Mist!"

Shane versuchte auf Marks Handy anzurufen, um es zum Klingeln zu bringen, aber vergebens. Mark hatte sein Handy ausgeschaltet. Nicky war es, der dass Handy nach einer Ewigkeit auf der Toilette fand.

"Mark, also wo du immer telefonierst ist mit echt unheimlich", sagte er und kam mit dem Handy aus dem Bad. Mark schnappte sich das Handy und die Jungs eilten zum Flugzeug.

Normalerweise waren die Fl�ge immer relativ witzig, weil Bryan mal wieder den Komiker machte, aber diesmal war er nicht guter Laune und zog es vor, einzuschlafen. Aber nicht nur Bryan ging es nicht so gut. Nicky hatte f�rchterliche Kopfschmerzen und pennte auch sofort ein. Anto machte sich Sorgen, weil noch ein paar Konzerte zu absolvieren waren. Shane, Kian und Mark waren schlecht gelaunt, Nicky ging es nicht gut und Bryan hatte eine derma�en miese Phase, so hatte Anto ihn noch nie erlebt. Und wenn Bryan jetzt wieder umkippen w�rde, oder auch einer der anderen, dann konnte er den Rest der Tour vergessen, wo es doch um f�nf restlos ausverkaufte Konzerte in Dublin ging. Das durfte einfach nicht passieren.

Shane machte sich furchtbare Sorgen um Bryan. Er sa� neben Kian und sagte leise: "Ich wei� echt nicht, was Bryan hat. Es kann doch nicht sein, dass der jetzt hier im Selbstmitleid versinkt. Nicht der. Der kommt mir wie ausgewechselt vor. Ich will unsern alten Bryan wiederhaben."

"Ich wei� auch nicht", meinte Kian. "Aber das kl�rt sich bestimmt, wenn die Tour zuende ist und Bryan wieder mehr Zeit f�r Kerry und Molly hat."

"Glaubst du?"

Kian war optimistisch und sagte fest entschlossen: "Na klar, der w�rde Kerry und Molly niemals aufgeben. Das wei�t du doch."

"Ja, vielleicht hast du recht. Aber was ist, wenn es gar nicht Kerry war, die da angerufen hat."

Kian schaute Shane zweifelnd an.

"Wer soll es denn sonst gewesen sein?"

Shane zuckte mit den Schultern und sagte: "Wei� ich doch auch nicht, aber... ach, ich mach mir doch nur solche Sorgen."

"Ich glaube das tun wir alle. Bryan ist ja echt fertig."

"Fertig ist gar kein Ausdruck", meinte Shane und schaute aus dem Fenster. F�r den Rest des Fluges sagte keiner mehr was. Alle waren ein wenig m�de und geschafft und die Tour war noch nicht zuende.

 

Nach wenigen Stunden landete das Flugzeug in Dublin und die Jungs stiegen aus dem Flieger. Am Flughafen standen wieder Tausende von M�dchen, und als die f�nf Jungs die Rolltreppe runterkamen, fingen alle an zu kreischen und wollte Autogramme. Doch Anto, der es wegen einem Interview sehr eilig hatte, scheuchet die Jungs schnell in den Bus und die Fans blieben entt�uscht zur�ck. Weit mussten Westlife nicht fahren, denn am n�chsten Abend sollte ein Konzert in Dublin stattfinden. Also ging�s erst mal ab ins Hotel.

Das Interview lief nicht sonderlich gut. Nicky ging es zwar wieder besser, aber der Reporter stellte wieder die Fragen, die Westlife nun schon tausend Mal beantwortet hatten. Und auch wenn Bryan sich M�he gab, ein wenig gute Laune zu zeigen- man sah ihm an, dass es ihm nicht gut ging. Er sagte im Gegensatz zu sonst nur selten was. Nicky versuchte daher immer m�glichst schnell zu antworten und noch ein gutes Interview zu machen. Anto fand, dass Nicky sein bestes gegeben hatte, doch er war nicht zufrieden mit dem Interview, sagte aber nichts, als die Jungs endlich entlassen wurden.

Kian, Mark, Shane, Nicky und Bryan hatten nach dem Interview noch den ganzen Abend Zeit. Sie sa�en im Zimmer von Nicky und Bryan und hatten nichts zu tun.

Mark wollte nicht schon wieder die ganze Zeit im Hotel rumgammeln oder vor dem Fernseher rumh�ngen. Das w�rde die Stimmung nur noch mieser machen.

"Lass uns irgendwohin gehen", schlug er vor.

"Und wohin?" fragte Shane. "Ich hab keine Lust, schon wieder stundenlang Autogramme zu geben."

Kian lachte. "Wie willst du das denn anstellen. In Dublin finden die uns �berall und im Hotel kannst du auch nicht bleiben. Hinterher kommt wieder so ein Bl�dmann und l�st Feueralarm aus." Auch die anderen lachten und Nicky, der sich von seinen Kopfschmerzen erholt hatte machte den Vorschlag, einfach erst mal loszuziehen und dann weiterzusehen.

Die Jungs standen auf und wollten sich auf den Weg machen.

"Bryan, kommst du?" fragte Nicky Bryan, der immer noch auf dem Bett hockte und mit seinem Handy rumspielte.

Bryan war wohl nicht ganz bei der Sache gewesen und schreckte auf. "Wie... was... ach so... nee, ich bleib hier."

"Bist du sicher?" fragte Shane, der sich schon wieder Sorgen machte.

"Ja, ja. Geht nur. Ich brauche nur ein wenig Zeit f�r mich."

"Okay", sagte Kian und machte sich mit Nicky, Mark und Shane auf den Weg.

Bryan blieb noch ein wenig auf dem Bett hocken. Anto kam rein. Er sah Bryan auf dem Bett sitzen und setzte sich dazu. "Bryan, ich glaube, wir sollten mal miteinander reden", sagte er und schaute Bryan an. "Ich denke, du wei�t warum."

Bryan senkte den Kopf. "Ich wei�, das Interview heute war ziemlich mies, aber das wird wieder besser."

Anto sch�ttelte den Kopf. "Bryan, es war nicht nur das Interview. Seit heute morgen bist du richtig mies drauf und ich hab dich kein einziges Mal lachen sehen. Shane hat mir erz�hlt, du h�ttest sogar geweint. Was ist los Bryan? Das hab ich bei dir noch nie erlebt. Nicht das ich dir jetzt Vorw�rfe mache, aber..."

"Wann hat Shane das erz�hlt? Was f�llt dem ein..."

"Bryan, jetzt mach Shane doch keine Vorw�rfe. Er macht sich riesige Sorgen um dich und wir wollen doch nur wissen, was du hast. Also �berleg dir, ob du�s mir erz�hlen willst, oder nicht. Muss ja nicht jetzt sein. Schlaf mal �ne Nacht dr�ber." Anto klopfte Bryan auf die Schulter. Dann stand er auf und ging.

Bryan dachte dar�ber nach, was Anto gesagt hatte. Er musste ihm recht geben. Erst war er ein wenig sauer auf Shane gewesen, aber wenn er so �ber den Tag nachdachte, dann konnte er schon verstehen, dass Shane sich Sorgen machte.

Bryan schaltete den Fernseher ein. In Deutschland funktionierte das ja nie, weil er da ja nie was verstand. Er zappte ein wenig hin und her und blieb bei den MTV News h�ngen, weil nichts besseres kam.

Bryan legte die Fernbedienung beiseite und ging zum Fenster. Er schaute raus auf die Stra�e und dachte nach. Der erste Gedanke war Kerry. Sollte er sie anrufen? Aber gerade als er an sie dachte, fiel ihr Name auf MTV. Bryan hielt inne, horchte kurz, rannte zur�ck zum Fernseher und schaute sich dann den Beitrag an. Er war kurz, reichte aber, um Bryan v�llig aus der Fassung zu bringen. Langsam nahm er die Fernbedienung, schaltete den Fernseher aus, starrte aber weiter den nun schwarzen Bildschirm an. Es dauerte nur wenige Sekunden, dann fing er an, zu weinen.

 

Drau�en wurde es langsam dunkel, aber Nicky, Kian, Mark und Shane dachten nicht daran, zur�ck ins Hotel zu gehen. Sie hatten den ganzen Abend frei und hatten sich vorgenommen, mal wieder ihre Lieblingspubs zu besuchen.

"Also, wohin gehen wir zuerst?" fragte Kian unternehmungslustig.

Nicky und Mark zuckten mit den Schultern.

"Ist doch auch egal", sagte Nicky.

"Genau", meinte Kian. "Wir lassen es einfach drauf ankommen!"

Shane sagte gar nichts. Er starrte traurig vor sich hin.

"Was ist denn mit dir los?" fragte Nicky irgendwann.

"Ach, ich wei� auch nicht. Aber Bryan hat irgendwelche Probleme und wir gehen Party machen."

Kian sch�ttelte den Kopf. "Ach komm Shane. Bryan will einfach nur ein wenig alleine sein. Jetzt lass dir doch nicht den Abend verderben."

"Wahrscheinlich hast du recht", meinte Shane und die vier liefen weiter durch Dublin, doch man merkte Shane an, das er nicht ganz gl�cklich war.

 

Als Bryan sich wieder einigerma�en gefasst hatte, suchte er sein Handy und w�hlte Kerrys Nummer. Er wartete kurz und legte dann wieder auf. Kerry hatte, wie schon den ganzen Tag lang, seinen Anruf abgelehnt.

Bryan lie� sich wieder aufs Bett sinken. Er dachte nach, was er jetzt machen sollte. Beinahe w�re er wieder angefangen, zu weinen, doch er beherrschte sich und hielt die Tr�nen zur�ck.

Dann entschloss er sich, ein wenig nach drau�en zu gehen, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Das war das einzige, was er jetzt brauchte. Er suchte seine Jacke, verlie� das Zimmer und lief die Treppen runter. In der Hotellobby war kein einziger Mensch. Alles wie ausgestorben. Bryan �ffnete die gro�e Glast�r und trat in die Nacht hinaus. Es war schon ziemlich dunkel und Fu�g�nger waren um diese Uhrzeit nicht mehr unterwegs. Ziellos ging er eine Weile durch die Stra�en und bog hier und da mal ab, um einen Ort zu finden, an dem es still war. Eine ganze Zeit lang, lief er nur so durch die Stra�en. Das einzige, was er h�rte, waren einige Autos. Doch irgendwann blieb Bryan stehen und lauschte. Nichts. Es war v�llig still. Er war in irgendeiner kleinen Nebenstra�e gelandet, in der zu dieser Zeit keine Autos mehr unterwegs waren. An beiden Seiten der Stra�e, die nur mit Kopfsteinpflaster gepflastert war, ragten hohe, graue H�user zum Himmel empor und lie�en die Stra�e einer engen und tiefen Schlucht �hneln. Fast bedr�ckend, diese Enge, doch Bryan st�rte sie nicht und er blieb eine Weile lang stehen und genoss die Stille. Er war froh, dass er mal f�r eine Weile seine Ruhe hatte.

Doch die Stille blieb nicht lange. Bryan h�rte etwas hinter sich. Es waren Schritte die eilig auf ihn zu kamen und in den hohen W�nden rechts und links von ihm widerhallten. Bryan wollte sich umdrehen, um zu sehen, wer um diese Zeit noch unterwegs war und diesen stillen Ort aufsuchte doch bevor er dazu kam, auch nur seinen Kopf in Richtung der Schritte zu drehen traf ihn irgendetwas Hartes am Hinterkopf. Alles fing an, sich zu drehen. Bryan versuchte, auf den Beinen zu bleiben, wusste aber pl�tzlich gar nicht mehr, wo oben und unten war. Die einzelnen Steine des Kopfsteinpflasters verschwommen, die H�user schienen zu kippen und er hatte das Gef�hl, von allem, was um ihn herum geschah erdr�ckt zu werden. Seine eigenen Gedanken, die wie wild durch seinen kopf schwirrten machten ihn ganz fertig. Er h�rte jemanden rufen. Dann sah er noch Schatten, die sich durch die Nacht bewegten. Doch dann wurde ihm schwarz vor Augen und die Welt h�rte auf, sich zu drehen.

 

Nicky, Kian, Mark und Shane standen inzwischen vor ihrer Stammkneipe.

"Fertig zum Angriff?" lachte Nicky und �ffnete die T�r. Sie betraten das Pub und setzen sich. Der Wirt, der die Jungs kannte winkte ihnen zu.

"Na, alles klar?" rief er und putze an einem Bierglas rum. "Wo habt ihr denn Bryan gelassen. Ist der sch�n brav zu hause geblieben und denkt �ber das nach, was er getan hat?" lachte er weiter. Nicky, Kian, Mark und Shane schauten sich verdutzt an. Dann blickten sie fragend den Wirt an.

"Wie... was hat Bryan getan?" fragte Kian, der, wie die anderen auch, total verwirrt war.

Der Wirt war erstaunt. "Na, dass er Kerry betrogen hat, als ihr in Germany wart. Soll ja eine hei�e Nacht gewesen sein. Gibt�s da denn so tolle Frauen?"

Den vier Jungs klappte Unterkiefer runter und die Augen wurden tellergro�. Nicky schluckte.

"Was hat Bryan?" fragte Shane.

"Hast du doch geh�rt", sagte Kian. "Er hat in Germany seine Kerry betrogen."

"Nat�rlich. Und wir sa�en daneben", meinte Mark und sch�ttelte den Kopf. "Ich w�rde nur gerne mal wissen, wer sich das schon wieder ausgedacht hat."

Der Wirt meldete sich wieder zu Wort: "Na h�rt mal Jungs. Ganz Irland wei� bescheid. Das l�uft hier im Fernsehen hoch und runter."

Shane schaute entsetzt in die Runde.

"Das gibt es doch nicht. Wann soll Bryan das denn gemacht haben? Ich schw�re, Bryan hat die N�chte ganz brav mit uns in den Kneipen verbracht. Der hat doch keine schnelle Nummer geschoben."

"Mensch Shane. Das ist doch gar nicht das Problem. Mir ist schon klar, dass Bryan in Germany ganz sicher nicht mit einer anderen geschlafen hat. Aber wenn Bryan das jetzt auch schon mitbekommen hat...", weiter kam Nicky nicht.

Der Wirt war durcheinander. "Jetzt wartet mal Jungs. Ihr wollt mir jetzt also erz�hlen, dass Bryan auf der Tour gar nichts gehabt hat, sich das jemand ausgedacht hat, wof�r ja daraus ein ziemlich gro�es Ding gemacht wird, und ihr davon nichts mitbekommen habt? Leute..."

"Jas was? Ich verstehe doch sowieso kein Wort deutsch und auf Tour war sowieso keine Zeit, sich um so was zu k�mmern", meinte Kian.

Nicky stand auf und sagte: "K�nnen wir das nicht ein anderes Mal ausdiskutieren? Ich glaube, wir m�ssen jetzt ganz schnell los."

Auch Shane, Kian und Mark standen auf, schnappten sich ihre Jacken und st�rmten mit Nicky aus der T�r. Drau�en war es Kian, der sich als erstes zu Wort meldete: "Ich glaub�s nicht. Das kann nicht sein. Shane, jetzt darfst du dir ernsthaft Sorgen machen."

"Jetzt wissen wir auch, wer Bryan angerufen hat. Das war nat�rlich Kerry, die wahrscheinlich stinksauer ist", sagte Shane.

Nicky blieb stehen. "Also hat er die ganze Sache schon erfahren", meinte er. "Na dann kann ich ihn echt verstehen!"

"Warum hat er uns denn nichts erz�hlt? Wir reden doch sonst �ber solche Dinge", sagte Mark und kratzte sich am Kopf.

Nicky schaute ihn an. "Du kennst ihn doch. Er verkriecht sich lieber, wenn er mies drauf ist. Der braucht nur ein wenig Zeit."

Eilig gingen die Jungs zum Hotel zur�ck. In der Lobby blieben alle stehen.

"Meint ihr, wir sollten jetzt zu ihm gehen, oder sollen wir lieber bis morgen fr�h warten?", fragte Nicky. Shane �berlegte eine Weile und antwortete dann entschlossen: "Wir gehen zu ihm! Nicky muss sowieso in das Zimmer."

Nicky hielt das nicht f�r eine ausgesprochen gute Idee, folgte den anderen aber. Er konnte ja auch schlecht auf dem Flur pennen. Oben im Flur klopfte Shane an die T�r. Niemand antwortete. Shane klopfte noch einmal. Wieder keine Antwort. Dann dr�ckte Shane die T�rklinke runter. Die T�r war abgeschlossen.

Nicky zuckte mit den Schultern und kramte seinen Schl�ssel hervor. Er schloss die T�r auf und betrat das Zimmer.

"Bryan?" fragte er vorsichtig und tastete nach dem Lichtschalter. Das Licht ging an und Kian, Nicky, Mark und Shane sahen sich um. Das Zimmer war leer. Das Bett war unbenutzt und auch im Bad war niemand. Auch Bryans Tasche stand unge�ffnet vor dem Bett.

"Was ist denn jetzt los?" fragte Kian verdutzt. Aber auch die anderen wussten keinen Rat.

"Also alleine geht der nicht los. Das ist dem viel zu langweilig", meinte Mark nach einer Weile.

"Wieso? Vielleicht ist er nur mal kurz an die frische Luft gegangen. Das h�tte ich auch erst mal gemacht, wenn ich so mies drauf w�r", versicherte Shane und setzte sich aufs Sofa.

"Und was willst du jetzt machen?" fragte Kian. Shane legte die F��e auf den Tisch. "Na, warten", sagte er, als ob das mitten in der Nacht selbstverst�ndlich w�re.

"Ist nicht dein ernst", meinte Kian und g�hnte. "Also ich bin total m�de. Ich geh pennen."

"Ich komme mit", sagte Mark und die beiden verlie�en das Zimmer.

Nicky setzte sich neben Shane aufs Sofa und starrte an die Decke.

"Glaubst du, dass auch wirklich nichts passiert ist?" fragte Nicky und trommelte nerv�s mit den Fingern auf die Sofalehne.

"Nicky, du guckst zu viele Horrorfilme. Was soll denn passiert sein?"

"Wei� ich doch auch nicht. Ich mach mir ja nur Sorgen.

"Hey komm. Der taucht schon wieder auf", meinte Shane und fing an, mit seinem Handy rumzuspielen. Nicky schaute ihn verwirrt an. "Seit wann machst du dir keine Sorgen?"

"Ich mache mir Sorgen, aber ich versuche, jetzt nicht gleich so pessimistisch zu werden", sagte Shane.

Nicky schaute Shane eine Weile bei seinen Handyspielereien zu. Pl�tzlich sprang er auf und rief: "Mensch, sind wir doof. Warum rufen wir Bryan nicht einfach an? Der geht nie ohne sein Handy."

Shane schlug sich mit der Hand gegen die Stirn.

"Darauf h�tten wir auch eher kommen k�nnen", st�hnte er und w�hlte Bryans Nummer.

"Schei�e, er hat sein Handy nicht an", sagte er dann und legte sein Handy entt�uscht beiseite.

"Oh Mann, der hat sein Handy doch immer an."

"Heute nicht", sagte Shane.

Also warteten sie weiter, spielten mit ihren Handys, unterhielten sich und machten sich Sorgen.

Dabei verga�en sie ganz die Zeit. Irgendwann schaute Nicky auf die Uhr und sagte: "Also wir warten jetzt schon seit fast vier Stunden."

"Was? So lange schon. Also ich glaube langsam..."

"Was?"

"Ich wei� auch nicht. Vielleicht ist er zu Kerry gefahren."

Nicky schaute Shane skeptisch an: "Glaub ich nicht. Dann h�tte er uns bescheid gesagt. Au�erdem h�tte er wahrscheinlich seine Tasche mitgenommen."

"Hast recht. Ich bin hundem�de. Ich glaub, ich gehe auch ins Bett."

"Gute Idee, aber meinst du nicht, dass wir Anto bescheid sagen sollten?" g�hnte Nicky.

"Nein. Erst bekommen wir �rger, weil wir ihn mitten in der Nacht aus dem Bett schmei�en und wenn Bryan wirklich nur irgendwohin ist bekommt der auch noch �rger und den hat er schon genug. Lass uns erst mal eine Nacht dar�ber schlafen", sagte Shane und stand auf.

"Nur irgendwohin? Der Kerl ist seit Stunden "NUR" irgendwohin... aber du hast recht. Warten wir bis morgen fr�h. Gute Nacht."

Shane verlie� das Zimmer und Nicky fiel sofort ins Bett. Eine Weile dachte er noch dar�ber nach, wo Bryan stecken konnte, aber er war so m�de, dass ihm nach wenigen Minuten die Augen zufielen.

 

Der Regen trommelte gegen das Fenster und Shane wurde wach. Er rieb sich die Augen und setzte sich im Bett auf. Er schaute r�ber zu Kian, aber der war noch fest am schlafen. Sehr fest. Die Decke halb auf dem Boden. Das Kissen irgendwo zwischen den F��en und irgendwo in dem ganzen Durcheinander lag auch noch Kians Handy. Shane sch�ttelte den Kopf und wollte aufstehen. Aber dann hielt er inne. Er erinnerte sich an die letzte Nacht. Eilig stand er auf und lief unter die Dusche. Dann zog er sich an und lief r�ber zu Nickys Zimmer. Er blieb vor der T�r stehen und klopfte.

"Herein", rief Nicky.

Shane �ffnete die T�r und betrat das Zimmer. Er guckte erst Nicky kurz an, aber dann wanderte sein Blick hoffnungsvoll zu Bryans Bett. Es war noch immer unbenutzt.

"Wo kann er denn blo� sein?" fragte Shane.

Nicky zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung, aber ich finde, wir sollten Anto bescheid sagen und dann mal Kerry anrufen."

"Gute Idee, aber lass uns erst mal die anderen wecken."

"Okay", sagte Nicky und die beiden verlie�en das Zimmer.

 

Wenig sp�ter sa�en sie mit Anto unten in der Hotellobby. Keiner wusste so recht, was er sagen sollte.

"Jungs, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Und wo ist �berhaupt Bryan? Schl�ft der immer noch? Oder ist der immer noch so mies drauf?" fragte Anto genervt. "Kann der nicht einmal p�nktlich aus dem Bett kommen? Wo steckt der denn schon wieder?"

"Genau das ist das Problem", fing Shane langsam an, aber dann kamen die Worte nur so aus ihm herausgesprudelt und Shane erz�hlte die ganze Geschichte. Das Telefongespr�ch hatte er ja bereits erw�hnt und Bryans schlechte Laune hatte Anto ja auch schon bemerkt. Also erz�hlte Shane, was in der Kneipe und danach losgewesen war. Und, dass Bryan spurlos verschwunden war.

Anto musste ein paar Minuten �ber das ganze Chaos nachdenken. Dann sch�ttelte er den Kopf.

"Und was jetzt? Der kann doch nicht weg sein."

"Wir sollten vielleicht mal Kerry anrufen. Vielleicht ist er ja dort", meinte Nicky.

Anto atmete tief durch. "Also wenn er da ist, dann bringe ich den Kerl um. Der k�nnte ja wenigstens mal bescheid sagen. Also los. Ruft ihr an?"

 

Ein paar Minuten sp�ter sa�en Kian, Mark, Nicky und Shane in Nickys Zimmer.

"Wer ruft an?" fragte Nicky.

"Immer der, der fragt", antwortete Mark und reichte Nicky sein Handy.

"Muss das sein?"

"Ja", sagten alle gleichzeitig und Nicky blieb nichts anderes �brig, als Kerrys Nummer zu w�hlen.

"Hallo?", meldete sie sich.

"Hi, ich bin�s, Nicky."

Kerry sagte gar nichts.

"Kerry, jetzt leg bitte nicht auf. Ich muss dir was erkl�ren... �h... dich was fragen."

Kerry blieb dran.

"Also... ich wei� nicht, wie ich jetzt anfangen soll... also wir... das hei�t Kian, Mark, Shane und ich haben gestern Abend erfahren, was hier in Irland abgeht. Du wei�t schon, das mit Bryan und so. Bryan war nicht dabei, aber du hast es ihm ja wahrscheinlich erz�hlt. Er ist total fertig..."

"Das kann ich mir gut vorstellen", unterbrach Kerry ihn w�tend. "Das verzeihe ich ihm nie!"

"Kerry, jetzt warte doch mal. Ich kann dir eins sagen: Da war nichts. Wir waren total baff, als wir das geh�rt haben. Aber Bryan war doch die ganze Zeit bei uns. Ich schw�re bei meiner Gro�mutter, dass in Germany nichts passiert ist."

"Und warum sollte ich dir glauben?" fragte Kerry, die schon wieder am weinen war.

"Weil ich es dir sage."

"Und warum kann Bryan mir das nicht selber erz�hlen?"

Nicky wurde ungeduldig. "Weil du nie dran gehst. Er hat schon tausend mal versucht, dich zu erreichen", sagte er vorwurfsvoll. Eine Zeit lang war es still. Dann fing Nicky langsam wieder an: "Und... da gibt es noch ein Problem. Bryan ist nicht hier. Wir sind gestern noch alleine losgezogen, weil Bryan alleine sein wollte. Da haben wir die ganze Sache auch erfahren. Wir sind sofort zur�ck zum Hotel. Aber da war niemand. Wir haben stundenlang auf ihn gewartet. Dann sind wir wohl eingepennt. Aber Bryan ist immer noch nicht da. Und da dachten wir uns, dass er vielleicht bei dir ist..."

Kerry erschrak. "Wie, er ist verschwunden? Hier ist er nicht... aber halt... dann wei� er von der ganzen Sache ja gar nichts."

Nicky war verwirrt. "Wieso? Hast du ihm das denn nicht erz�hlt? Er war doch so fertig."

Kerry war ein paar Sekunden lang still. Dann sagte sie: "Nein, ich habe ihm nichts gesagt. Ich war nur total sauer auf ihn und als er fragte, wieso, da hab ich nur gesagt, dass er das selbst am besten w�sste. Dann hab ich aufgelegt."

"Okay, hab ich das jetzt richtig verstanden? Wir sind in Deutschland, w�hrend hier in Irland erz�hlt wird, dass Bryan dich betrogen hat. Du rufst ihn an und bist total sauer auf ihn, sagst ihm aber nicht warum. Bryan ist total fertig, weil er keine Ahnung hat, was los ist. Und als wir zur�ckkommen und erfahren, was los ist, was Bryan ja "vielleicht" noch gar nicht wei�, verschwindet Bryan pl�tzlich. Oh Mann, wir sitzen ganz sch�n in der Schei�e."

"Und was jetzt?" fragte Kerry leise.

"Ich wei� auch nicht. Wir sagen Anto jetzt erst mal, dass Bryan nicht bei dir ist. Wir melden uns dann noch mal. Bye!"

"Bye", sagte auch Kerry und legte auf.

"So Jungs, ihr habt�s geh�rt. Ich schlage vor, wir gehen erst mal wieder zu Anto", sagte Nicky und alle vier machten sich auf den Weg zu Antos Zimmer.

Als die Jungs durch die T�r kamen, blickte Anto hoffnungsvoll auf.

"Und?" fragte er.

Kian sch�ttelte den Kopf. "Er ist nicht bei Kerry."

"Mist", sagte Anto. Dann ging er zum Telefon. "Dann werde ich jetzt erst mal seine Familie und so anrufen. Irgendwo muss er ja stecken."

Eine halbe Stunde lang telefonierte Anto hin und her und sagte auch Bryans Eltern und Louis bescheid. Nicky, Kian, Mark und Shane sa�en daneben und hofften inst�ndig, dass Bryan irgendwo bei seiner Familie oder bei Freunden war. Doch niemand hatte Bryan gesehen.

Irgendwann gab Anto auf. "Gut, dann rufe ich jetzt die Polizei. Louis ist der gleichen Meinung. Er griff erneut zum H�rer und w�hlte.

"Ja, guten Tag. Ich m�chte eine Vermisstenanzeige aufgeben."

 

Bryan �ffnete die Augen. Ihm war schwindelig und er wusste �berhaupt nicht wo er war. Es war noch dunkel und er konnte kaum etwas erkennen. Als seine Augen sich langsam an die Dunkelheit gew�hnt hatten, merkte er, dass er auf der R�ckbank eines Autos lag. Das Auto stand still, vielleicht auf einem Parkplatz.

Bryan wollte sich aufrichten, um irgendetwas zu erkennen. Doch irgendjemand hatte ihm die H�nde auf dem R�cken gefesselt und auch seine F��e konnte er nicht bewegen. Auf seinem Mund klebte ein riesiges St�ck Isolierband. Ihm blieb also nichts anderes �brig, als still liegen zu bleiben und abzuwarten. Er schloss die Augen und dachte nach. Die letzten Tage waren das reinste Chaos gewesen. Die Tour war sowieso schon so stressig gewesen und dann auch noch die Sache mit Kerry. Und wo er sich jetzt befand wusste er �berhaupt nicht. Er versuchte klare Gedanken zu fassen, doch in seinem Kopf drehte sich noch alles und Bryan, der sich seiner Lage bis jetzt noch gar nicht richtig bewusst gewesen war, bekam Angst. Er war entf�hrt worden. Er erinnerte sich an die letzte Nacht. Das Gef�hl, den Boden unter den F��en zu verlieren. Das Gef�hl, sich nicht wehren zu k�nnen. Bryan verwarf die Gedanken. Sie waren schrecklich und f�hrten nur dazu, dass er immer mehr Kopfschmerzen bekam.

Dann h�rte er Stimmen. Es waren zwei M�nner, die er h�ren konnte. Ob es mehr waren, die nichts sagten, wusste er nicht.. Die M�nner kamen auf das Auto zu und blieben davor stehen.

"Soll ich jetzt mal fahren?" fragte einer der beiden, die eben auch schon geredet hatten

"Nein, ist schon okay, wir fahren nicht mehr lange", antwortete der andere und �ffnete die Fahrert�r.

Er lie� sich auf den Fahrersitz sinken. Er war ziemlich gro� und hatte kurzes blondes Haar. Bryan konnte sein Gesicht nicht sehen und versuchte nochmals, sich aufzurichten. Vergebens. Er hatte lediglich das Gef�hl, sich gleich beide Schultern auszurenken. Au�erdem sp�rte er ein Pochen in den Handgelenken. Die Seile schn�rten ihm das Blut ab und fingen an weh zu tun.

Der gro�e blonde drehte sich um. Und als der andere, der ein wenig kleiner war und dunkles Haar hatte die Beifahrert�r �ffnete und einsteigen wollte sagte er: "Er ist aufgewacht. Hast ihn auf der Stra�e aber ganz sch�n hart erwischt. Der war ganz sch�n lange weg."

"Kann schon sein, aber jetzt sieh zu, das wir loskommen. Die Pause hier h�tten wir uns eigentlich gar nicht erlauben d�rfen. Wir haben uns letzte Nacht schon viel zu lange aufgehalten", antwortete der Kleine, als er sich auf dem Beifahrersitz niedergelassen hatte. Der gro�e startete das Auto und sie setzten sich in Bewegung. Eine ganze Weile fuhren sie durch die Landschaft, ohne, dass einer der beiden M�nner etwas sagte. "Also doch nur zwei", dachte Bryan, aber das verbesserte seine Lage nicht im geringsten. So, wie er sich im Moment f�hlte, h�tte er nicht mal gegen einen von ihnen auch nur die geringste Chance gehabt.

Bryan hatte keine Ahnung, wie lange sie schon unterwegs waren. Er hatte jegliches Zeitgef�hlt verloren. Er war sich nicht mal sicher, wie lange er ohnm�chtig gewesen war und welcher Wochentag war. Er konnte sich nur noch an die Nacht erinnern, als er nachts �berfallen und niedergeschlagen worden war. Doch wie lange war das her?

Das Auto rollte weiter durch die Landschaft und es wurde langsam hell. Zwischendurch versuchte Bryan, einen Blick auf ein Stra�enschild zu werfen, um wenigstens einen kleinen Hinweis darauf zu bekommen, wo sie ungef�hr waren. Doch in dieser Lage, gefesselt und geknebelt und bei dem Tempo, das das Auto in den Kurven ganz sch�n ins Kippen brachte war das v�llig unm�glich und Bryan gab schnell auf.

Er fragte sich, was die anderen machen w�rden. Kerry, Nicky, Shane, Mark, Kian. Eines machte ihn dabei total fertig. Die Sache mit Kerry. Die dachte wahrscheinlich immer noch, dass er sie betrogen hatte und er lag hier und konnte nichts tun. Was war, wenn er sie nie wieder sehen w�rde? Bryan bekam wieder Kopfschmerzen und dachte nicht mehr an diesen schrecklichen Gedanken. Er schloss die Augen und wartete ab.

 

In Irland war es die Schocknachricht schlechthin. Anto hatte versucht, die ganze Sache erst mal geheim zu halten. Doch als man Westlife nur noch zu viert sah und die ganze Sache mit Bryan und Kerry gar nicht mehr durchblickte, fingen einige an, sich f�r die Story enorm zu interessieren. Irgendwer hatte es dann geschafft, alles innerhalb weniger Stunden auffliegen zu lassen und die Nachricht hatte sich schnell verbreitet. Das f�hrte dazu, dass immer neue Ger�chte in die �ffentlichkeit gesetzt wurde. Spinnereien, die immer exotischer wurden, nur, damit es auch mal wieder was neues gab.

Aber das interessierte Kian, Nicky, Mark und Shane �berhaupt nicht. Die machten sich viel zu gro�e Sorgen und hatten keinen Nerv dazu, �ber die bl�den Geschichten nachzudenken. Das war sowieso unn�tig. Alles, was die Presse sich da im Moment zusammenstrickte war nicht war und das wussten die vier.

Aber am schlimmsten war es f�r Kerry. Sie machte sich riesige Vorw�rfe.

"Ich h�tte mit ihm reden sollen. Und was mache ich? Ich ignoriere ihn einfach, obwohl er gar nichts gemacht hat. Ich hab ihm nicht mal die Chance gegeben, mir die Wahrheit zu erz�hlen", heulte sie den Jungs den ganzen Tag vor. Sie war am Boden zerst�rt und alles Tr�sten half da gar nichts.

Nicky versuchte, sie ein wenig zu beruhigen: "Jetzt h�r auf. Ich wei�, du h�ttest ihn ausreden lassen k�nnen, aber ich w�re auch total sauer, wenn die ganze Welt pl�tzlich behaupten w�rde, Georgina h�tte da was."

Aber Kerry beruhigte sich nicht. "Und was ist, wenn ich ihn nie wieder sehe? Was ist, wenn ihm etwas schlimmes zugesto�en ist?"

Shane wollte gar nicht daran denken und indem er versuchte, Kerry das auszureden, wollte er sich selber von dem schrecklichen Gedanken befreien. "Kerry, jetzt sei doch nicht so pessimistisch. Der kommt schon wieder", sagte er, doch das klang nicht sonderlich �berzeugend. Shane glaubte selbst nicht daran, dass Bryan freiwillig verschwunden war. Wieso sollte er sich verstecken? Das war nicht Bryans Art und wenn es ihm mies ging, dann war das f�r ihn lange kein Grund, gleich abzuhauen. Das machte die ganze Sache immer unertr�glicher.

Anto und Louis hatten nat�rlich den Rest der Tour abgesagt. Klar, Nicky, Kian, Shane und Mark h�tten es auch ohne ihn geschafft, wie bei Bryans Babypause, aber das hier war echt etwas anderes und die Jungs h�tten sich in dieser Situation strikt geweigert, auch nur ein Lied ohne Bryan zu singen. Die Fans waren entt�uscht, mussten diese Entscheidung jedoch akzeptieren.

 

Das Auto hielt an. Der gro�e blonde, der von seinem Kumpel Ben genannt wurde, �ffnete als erster seine T�r. Von drau�en str�mte k�hle Luft ins Auto. Es war windig und Bryan h�rte drau�en das Rauschen vieler B�ume. Sie mussten irgendwo gelandet sein, wo ein Wald oder etwas �hnliches war.

"Jetzt komm schon, Paul. Oder willst du da ewig sitzen bleiben", sagte Ben und ging um das Auto herum.

Paul und Ben. Bryan dachte kurz dar�ber nach, ob dies ihre richtigen Namen war. Doch er warf den Gedanken schnell fort, weil er es sowieso nie erfahren w�rde und das jetzt auch v�llig unwichtig war.

Auch Paul stieg aus. Dann �ffnete Ben die Hintert�r. Bryan sah ihn an und ihre Blicke trafen sich kurz. Dann fing Ben an, die Fesseln an Bryans F��en durchzuschneiden.

"So, und jetzt raus", sagte er, als er fertig war. Bryan setzte die F��e auf den Boden. Als er sich langsam aufsetzte, um aus dem Auto zu steigen, wurde ihm wieder ganz schwindelig. Er hatte wohl doch ganz sch�n was abbekommen. Doch er blieb auf den Beinen. Dann schaute er sich um. Der Anblick war echt entmutigend. Etwa zehn Meter entfernt stand ein einziges Haus. Und sonst war da nichts. Nur Wiesen und noch mehr W�lder. Der Himmel war grau. Schwere Wolken zogen am Himmel entlang und es sah nach Regen aus. Auch Ben schaute an den Himmel und sah dann zu, dass er schnell zu dem Haus zu kommen.

"Zu dem Haus da und wehe, du machst irgendwelche Anstalten abzuhauen", sagte er und zog eine Pistole aus seiner Tasche.

Bryan musste innerlich ironisch lachen und dachte sich: "Haha, ihr seid witzig. Abhauen? Wie denn? Erst falle ich auf die Schnauze, weil du mir fast die Birne eingeschlagen hast und mit total schwindelig ist und dann erschie�t du mich wahrscheinlich. Wer bin ich denn?"

Dann stie� Ben ihm die Pistole in den Nacken und sie gingen �ber die kiesbedeckte Einfahrt hoch zum Haus. Paul folgte ihnen. Bryan sp�rte wieder die Fesseln an den Handgelenken. Die schnitten enorm ins Fleisch und Bryan wusste nicht, wie lange er das noch durchhalten w�rde. Er lie� den Kopf h�ngen und starrte auf den Boden.

Am Haus angekommen schloss Ben die T�r auf. Sie knarrte, als er sie �ffnete. Drinnen war es angenehm warm. Paul tastete mit der Hand an der Wand entlang und suchte den Lichtschalter. Dann ging das Licht an und Bryan sah sich kurz im Flur um. Das Haus war relativ gro�, denn vom Flur gingen viele T�ren ab. Doch Bryan erfuhr nicht, was sich hinter ihnen befand.

Ben stie� Bryan die Treppe hoch und er w�re beinahe hingefallen. Als Bryan und Ben die Stufen hochgingen, knarrten sie. Das Haus musste schon etwas �lter sein. Oben am Treppenabsatz blieb Bryan kurz stehen und sah sich um. Wieder unz�hlige T�ren. Doch er hatte keine Zeit, sich damit zu besch�ftigen. Ben gab ihm einen Sto� und steuerte dann auf eine der vielen T�ren zu. Er �ffnete sie und stie� Bryan in das Zimmer. Er knipste das Licht an und Bryan schaute sich in dem Raum um. Der Raum war nicht sonderlich vollgestellt. Nur ein Bett, ein Tisch, zwei St�hle und ein alter Schrank standen auf dem blauen Teppich, der schon ein wenig gelitten hatte.

Bryan h�rte wieder die Treppe knarren. Es war Paul, der wenig sp�ter ebenfalls das Zimmer betrat. Er zog ein Taschenmesser aus der Tasche und machte sich an Bryans Fesseln zu schaffen. Er zog an den Seilen und Bryan h�tte am liebsten geschrieen. Dann zog Ben ihm das Isolierband vom Mund. Das tat h�llisch weh und sobald Bryan den Mund wieder ganz �ffnen konnte schrie er vor Schmerzen auf.

Dann verlie�en Ben und Paul das Zimmer. Bryan h�rte, wie einer der beiden von au�en den Schl�ssel im Schloss umdrehte. Wenig sp�ter wieder die knarrende Treppe.

Dann betrachtete er seine Handgelenke, die immer noch schmerzten. Sie waren rot und teilweise aufgesch�rft. Bryan betrachte sie eine Weile lang skeptisch. Dann sah er sich nochmals im Zimmer um. Hinten im Raum befand sich noch eine T�r. Bryan war fast davon �berzeugt, dass sie verschlossen sein w�rde, doch er ging durch den Raum auf die T�r zu und dr�ckte die T�rklinke runter. Die T�r war offen und Bryan betrat das n�chste Zimmer. Es war dunkel und Bryan tastete die Wand ab. "Hier muss doch irgendwo ein Lichtschalter sein", fluchte er. Links neben der T�r fand er ihn schlie�lich und als das Licht anging, fand er sich in einem kleinen Bad mit Toilette und Waschbecken wieder. �ber dem Waschbecken hing ein Spiegel, der verstaubt war und einen kleinen Sprung hatte.

"Na wenigstens ein Bad", sagte Bryan sich. Er ging er zum Waschbecken. Dann fuhr er einmal mit der Hand �ber den Spiegel, um den Staub ein wenig abzuwischen. Er betrachtet sein Gesicht. An der Stirn hatte er geblutet. Das musste passiert sein, als sie ihn niedergeschlagen hatten und er hingefallen war. Am Hinterkopf hatte er eine Beule �brig behalten. So schlimm sah es nicht aus, auch wenn Bryan das Gef�hl hatte, bei dem Schlag was abbekommen zu haben. Dauernd wurde ihm schwindelig und er hatte Kopfschmerzen. Doch schlimmer waren die Handgelenke. Bryan drehte den Wasserhahn auf lie� zuerst kaltes Wasser �ber seine Handgelenke laufen, was enorm gut tat. Dann machte er die Wunde auf der Stirn ein wenig sauber und verlie� das Bad. Er ging zum Fenster und schaute hinaus. Der zweite Stock lag unheimlich hoch, was Bryan schon auf der langen, schmalen Treppe aufgefallen war. Er lie� seine Blicke �ber die Landschaft schweifen. Hier w�rde nie jemand vorbei kommen.

Er setzte sich aufs Bett und dachte nach. Langsam fand er durch das ganze Chaos, dass ihm auf der Autofahrt noch ein wenig undurchschaubar vorgekommen war. Ihm war nun nicht mehr so schwindelig und so langsam konnte er wieder klare Gedanken fassen. Und einer der Gedanken war, dass etwas passiert, war, was er bisher nur im Fernsehen gesehen hatte. Eine Entf�hrung. Er gegen zwei bewaffnete M�nne. Na toll, das konnten ja ein paar sch�ne Tage, vielleicht sogar Wochen werden.

 

Shane trabte an. Er war mit Mark zusammen ausgeritten, um sich ein wenig abzulenken. Er wollte sich ein wenig austoben und dr�ckte die Beine ans Pferd.

"Hey, jetzt warte doch mal auf mich", rief Mark und wurde ebenfalls schneller. Eine Weile lang trabten die beiden einfach nur so nebeneinander her. Doch irgendwann hielt Mark die Stille nicht mehr aus und wurde langsamer. Auch Shane verfiel zur�ck in den Schritt.

"Was ist?" fragte er, als er wieder neben Mark war.

"Ach, ich wei� auch nicht. Wei�t du, ob die Polizei schon was neues wei�?"

"Keine Ahnung. Aber Louis ist gerade dort. Wir k�nnen ja nachher mal zu ihm fahren", antwortete Shane und klopfte seinen Schimmel.

"Und was macht Kerry? Hast du nicht gesagt, du h�ttest gestern mit ihr telefoniert?" fragte Mark.

"Ja, sie macht sich immer noch Vorw�rfe. Auch, wenn das die Lage nicht verbessert... ich w�rde das an ihrer Stelle auch tun. Immerhin liebt sie ihn noch. Ich hoffe, Bryan wei� das... Was ist, noch eine Runde Galopp und dann zur�ck?" fragte Shane und nahm die Z�gel k�rzer.

"Okay", sagte Mark und die beiden rasten los. Schnell verga�en die beiden den Stress und besonders Shane war froh, endlich wieder im Sattel sitzen zu k�nnen. Ganz so schnell ging das mit dem zur�ck dann doch nicht. Auf dem Pferd verga� Shane jedes Mal die Zeit und es wurde noch ein sehr langer Ausritt, der erst endete, als es anfing zu regnen. Shane und Mark hatten keine Lust, jetzt auch noch nass zu werden und machten sich auf den R�ckweg. Doch der Regen wurde schnell st�rker und die beiden kamen klitschnass am Hof an.

Shane und Mark schwangen sich vom Pferd und gingen in den Stall. Sie sattelten schnell ab, stellten die Pferde in ihre Boxen und gingen ins Haus.

 

"Wir gehen davon aus, dass Bryan nicht vorhatte abzuhauen", sagte der Kommissar, der Louis gegen�ber am Tisch sa�. "Er hat fast seine ganzen Sachen da gelassen. Seine Freunde haben mir erz�hlt, dass nur Handy, Portemonnaie und Jacke fehlen. Wir nehmen an, dass er das Hotel nur kurz verlassen wollte."

"Und dann?" fragte Louis.

"Das wissen wir leider nicht. Aber er ist ja anscheinend nicht wieder ins Hotel zur�ckgekehrt."

"Sind sie sich sicher?"

Der Kommissar zuckte mit den Schultern. "Leider k�nnen wir da noch nichts genaues sagen. Aber wir sind im Moment dabei, die �berwachungsvideos des Hotels von dem besagten Abend zu �berpr�fen. Wenn wir damit fertig sind, wissen wir mehr. Soll ich mich dann bei ihnen melden?"

"Ja bitte", sagte Louis und stand auf. Er reichte dem Kommissar die Hand und verlie� das Polizeipr�sidium. Bryan war jetzt schon seit zwei Tagen verschwunden.

 

Bryan hatte einige Stunden auf dem Bett gesessen. Einfach nur da gesessen und nachgedacht. Was machte Kerry? Und wie ging es den anderen? Wer hatte bis jetzt mitbekommen, dass er verschwunden war? W�rde man ihn hier finden? Bryan st�tzte den Kopf in die H�nde und starrte auf den Boden. Dann griff er, ohne nachzudenken, in seine Hosentasche und wollte mit seinem Handy spielen. Dann schlug er sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. W�re aber auch zu sch�n gewesen. Nat�rlich hatten Ben und Paul das Handy, wenn es ihm nicht schon in der Nacht des �berfalls aus der Tasche gerutscht war, als er auf die Stra�e fiel. Bryan lehnte sich zur�ck.

"So eine Schei�e", sagte er sich bestimmt schon zum hundertsten Mal an diesem Tag. Er war so in Gedanken versunken, dass er nicht einmal h�rte, wie Ben und Paul die Treppe hochkamen und dann den Schl�ssel im Schloss umdrehten. Deshalb erschrak er, als die T�r pl�tzlich aufging und Paul und Ben das Zimmer betraten. Bryan schaute auf, sagte aber nichts. Ben und Paul kamen auf ihn zu.

"So Bryan, ich sch�tze mal, du wei�t genau, was wir wollen, oder?" fragte Ben.

"Was hei�t hier wissen, aber ich nehme mal stark an, dass es hier nicht um ein Autogramm geht. Ihr wollt Geld, oder?"

"Hey, gut", sagte Ben. Dann zog er Bryans Portemonnaie aus der Tasche und wedelte damit in der Luft herum.

"Besonders viel Geld schleppst du ja nicht mit dir rum", knirschte Ben.

"Sorry, hatte ja keine Ahnung, dass ihr mich entf�hren wollt", sagte Bryan ironisch.

Ben verdrehte die Augen. "Okay, ich wei� schon, mit was f�r einem ich es zu tun habe, aber ich hoffe du wei�t das auch. Eins solltest du nie vergessen: WIR sind BEWAFFNET und DU NICHT. Ich hoffe, du bist dir �berhaupt bewusst, in welcher Lage du dich befindest."

"Ja nat�rlich, aber an meiner Lage kann ich sowieso nichts �ndern", sagte Bryan und hob die H�nde. "Also, was is jetzt?"

Ben grinste. Dann �ffnete er Bryans Portemonnaie und zog die Bankkarte heraus.

"Dir ist ja bewusst, dass ich damit nichts anfangen kann. Und bevor ich es mir jetzt kompliziert mache und versuche, deine Unterschrift zu f�lschen, um dabei m�glicherweise noch erwischt zu werden, weil die ganze Welt bereits wei�, dass du verschwunden bist, sagst du mir jetzt deine Geheimzahl", sagte er und wartete.

"Warum sollte ich? Was hab ich denn f�r einen Grund?" fragte Bryan und stellte sich wie immer stur.

"Was du f�r einen Grund hast? Ist dir �berhaupt bewusst, dass du mit deinem Leben spielst?" fragte Ben, zog seine Waffe aus der Tasche und richtete sie auf Bryan.

"Halt... jetzt mal ganz langsam", sagte Bryan und hob wieder abwehrend die H�nde. "Ich meine, wenn ihr mich erschie�t, dann habt ihr aber gleich zwei Probleme. Ihr habt eine Leiche im Haus, was sich gar nicht gut macht und ihr werdet das Geld nie bekommen."

Ben lie� die Waffe sinken. "Sag mal, willst du mich verarschen? Ich schw�re, ich erschie�e dich, wenn du die Zahl nicht rausr�ckst." Er richtete die Waffe wieder auf Bryan.

"Stop", rief dieser. "Wer garantiert mir denn, dass du mich am leben l�sst, wenn ich auspacke?"

Ben verdrehte wieder die Augen. "Du machst es echt kompliziert, aber ich muss zugeben, dass du gar nicht doof bist. H�tte ich mich blo� nicht mir dir angelegt." Bryan grinste stoppte aber, als Ben abdr�cken wollte.

"Ich mach ernst", sagte Ben und schloss zum Zielen das eine Auge. Bryan merkte, dass das kein Spa� mehr war. Er wusste, dass Ben Spa� verstand, dachte sich aber auch, dass er ganz sch�n skrupellos sein konnte

"Okay, okay, okay, aber nur..."

"Ja, ja", versprach Ben und lie� die Waffe sinken. Bryan musste aufgeben und spuckte die vierstellige Zahl aus.

"Vielleicht sollte ich ihn doch erschie�en", sagte Ben und hob erneut die Waffe.

"Komm, lass die Schei�e", meldete sich Paul, der sich bis jetzt zur�ck gehalten hatte.

"War nur�n Scherz", lachte Ben und steckte die Pistole eilig in die Tasche.

Als Ben und Paul das Zimmer verlassen wollten, meldete sich Bryan noch einmal. Vorsichtig sagte er: "Also ich h�tte da noch eine Frage. Ihr habt behauptet, dass schon alle wissen, dass ich weg bin. Wie war das denn gemeint?"

Ben blieb stehen und drehte sich um. "Ja, ganz sch�n Schei�e, was? Irgendwer hat alles rausgefunden und das l�uft im Fernsehen hoch und runter. Aber leider, leider, leider hat niemand auch nur die geringste Ahnung, wo du sein k�nntest. So ein Pech aber auch. Sonst noch was?"

"Nein", sagte Bryan und Ben und Paul verschwanden. Bryan h�rte wieder, wie von au�en der Schl�ssel im Schloss umgedreht wurde. Dann h�rte er noch die Schritte auf der Treppe.

Bryan stellte sich vor, wie einer der beiden, denn er war sich sicher, dass sie das Haus niemals alleine lassen w�rden, zur n�chsten Bank fuhr und zum Geldautomaten ging. Er w�rde die Karte in den Automaten schieben und die richtige Geheimzahl eingeben. Dann... Bryan hielt in seinen Gedanken inne. Ihm war pl�tzlich etwas eingefallen, was ihn zum grinsen brachte, ihn aber auch gleichzeitig "Schei�e" sagen lie�.

 

Mark und Shane verlie�en das Haus und stiegen in Shanes Auto. Es war noch immer am regnen. Und dieses miese Wetter, was gestern begonnen hatte machte die Situation ganz bestimmt nicht leichter. Der viele Regen an diesem grauen Tag verbreitete schnell noch mehr schlechte Laune. Shane klemmte sich hinters Lenkrad und wartete, bis Mark sich auf dem Beifahrersitz niedergelassen hatte. Dann fuhr er los und die beiden machten sich auf den Weg zu Kian. Mit ihm hatten sie abgemacht, ihn abzuholen und dann gemeinsam zu Louis zu fahren. Nicky hatten sie nicht erreicht.

Als Shane bei Kian. klingelte �ffnete Kian nach wenigen Sekunden.

"Hi Shane, gut, dass ihr da seid. Ich bin echt gespannt, ob es was neues gibt", begr��te er Shane.

"Das sind wir alle. Also, bist du fertig?"

"Ja", sagte Kian und stieg ebenfalls in Shanes Auto. Shane trat aufs Gas. Still fuhren sie �ber die nassen Stra�en, w�hrend der Regen wie verr�ckt auf das Autodach trommelte.

 

"Hallo Louis", sagte Nicky.

"Nicky, was machst du denn hier? Wo sind die anderen? Ach, komm erst mal rein."

Nicky betrat Louis Haus und die beiden setzten sich aufs Sofa.

"Also, wo sind denn nun die anderen?" fragte Louis erneut.

"Bei Shane hab ich eben niemanden erreicht. Ich hab angerufen, aber es ist niemand dran gegangen. Bei Mark auch nicht und bei Kian war mal wieder die Mailbox dran", sagte Nicky. "Gibt es etwas neues von Bryan?" fragte er hoffnungsvoll.

Louis sch�ttelte den Kopf. "Leider nein. Die Polizei..."

Es klingelte und Louis musste erst zur T�r gehen, bevor er weiterreden konnte. Mark, Kian und Shane standen vor der T�r.

"Da seid ihr ja", begr��te Louis sie und lie� sie rein. "Nicky ist auch hier. Er hat heute schon den ganzen Tag versucht, euch zu erreichen."

Louis kam mit Mark, Kian und Shane zur�ck ins Wohnzimmer. Alle blickten Louis hoffnungsvoll an. Doch der konnte nur den Kopf sch�tteln.

"Leider konnte die Polizei mir auch nichts neues sagen", sagte er. "Sie sind noch dabei, die �berwachungsvideos des Hotels zu �berpr�fen. Wenn es irgendetwas neues gibt, wollen sie sich melden." Nicky, Kian, Shane und Mark lie�en entt�uscht die K�pfe h�ngen.

Hat man wenigstens schon Bryans Eltern erreicht?" fragte Nicky. Louis sch�ttelte den Kopf. "Leider nein. Die sind immer noch im Urlaub. Wir haben schon ein paar mal versucht, bei ihnen anzurufen, leider erfolglos." Nicky seufzte.

"Ich hol uns mal was zu trinken", sagte Louis und machte sich auf den Weg in die K�che.

"Mensch. Irgendwelche Hinweise muss es doch geben", sagte Mark und schaute in die Runde.

"Tja, ich glaube jedenfalls nicht, dass der Kerl abgehauen ist. Das macht der nicht so schnell, nur weil irgendwelche Vollidioten behaupten, er h�tte Kerry betrogen."

Shane nickte. "Das glaube ich auch nicht. Und au�erdem h�tte ihn schon l�ngst jemand gesehen. Den kennt doch hier jeder."

Louis kam wieder und stellte die Getr�nke auf den Tisch. Er hatte das Gespr�ch aus der K�che mitgeh�rt und meinte nun: "Die Polizei geht auch nicht davon aus, dass er nicht abgehauen ist. Auch, weil er seine ganzen Sachen da gelassen hat. Und zuhause hat er sich auf keinen Fall sehen lassen. Das h�tte Kerry gemerkt."

Das Telefon klingelte. Louis lief in den Flur und nahm den H�rer ab.

"Walsh?... Wirklich? Sollen wir kommen?... Okay, das ist wahrscheinlich das beste... Wir sind in einer viertel Stunde da" h�rte die Jungs ihn sagen. Dann legte Louis auf und kam wieder ins Wohnzimmer.

"Wer war es den?" fragten alle im Chor.

"Die Polizei", sagte Louis. "Sie haben die Videos �berpr�ft."

"Und?" fragte Kian.

"Wir sollen kommen", sagte Louis und suchte seine Autoschl�ssel. Dann wollte er das Wohnzimmer verlassen.

"Was ist? Wollt ihr hier sitzen bleiben?" fragte er seine Jungs. Daraufhin erhoben sich Kian, Mark, Shane und Nicky vom Sofa und folgten Louis nach drau�en. Der Regen hatte aufgeh�rt, doch es sah nicht danach aus, als ob das Wetter wieder besser werden w�rde. Bestimmt w�rde es in den n�chsten Tagen noch ein paar Schauer geben.

 

"So eine Schei�e, den Kerl schnappe ich mir", schimpfte Ben und stieg in seinen Wagen, der vor der Bank geparkt war. Dann lie� er das Auto an und dr�ckte aufs Gaspedal. Irgendwas hatte ihn superw�tend gemacht. Mit einer enormen Geschwindigkeit raste er zu dem Haus im Wald zur�ck. Er stieg aus dem Auto und stapfte los. Dabei w�re er beinahe ausgerutscht, weil der Boden vom Regen ganz matschig geworden war. Ben lief �ber die Einfahrt und schloss die T�r auf. Ohne sich die Jacke auszuziehen, oder Paul bescheid zu sagen, dass er wieder da war stieg er sauer die Treppe hoch.

Bryan lag auf dem Bett, als die T�r aufflog. Ben raste auf ihn zu und schrie: "Sag mal, willst du mich verarschen? Willst du, dass ich dich umbringe? Was soll das eigentlich?"

Bryan tat verwirrt. "Wie jetzt? Was ist denn los?"

"Das wei�t du ganz genau", schimpfte Ben. "Ich war gerade bei der Bank."

Bryan wusste, das Ben jetzt auf das zu sprechen kam, was ihm eben eingefallen war, als Ben mit der Geheimzahl das Hausverlassen hatte. Trotzdem stellte er sich doof.

"Also die Zahl war auf jeden Fall richtig", sagte Bryan leise und streckte Zeige- und Mittelfinger in die Luft. "Ich schw�re."

"Das wei� ich auch, du Idiot, aber kannst du mir mal verraten, wieso dein Konto gesperrt ist?"

Genau das war der Punkt. Genau das war Bryan eingefallen.

"Ach so", seufzte er, als ob ihm das ganze jetzt erst eingefallen war. "Sorry, tut mir echt leid, aber ich hab beim Flug von Germany nach Irland mein Portemonnaie im Flugzeug liegen lassen. Da hab ich erst mal mein Konto sperren lassen. Und nachdem ich mein Portemonnaie wiederbekommen hatte, bin ich nicht dazu gekommen, es wieder entsperren zu lassen."

Ben klappte der Unterkiefer runter. "Das ist nicht dein ernst. Das kann einfach nicht dein ernst sein", st�hnte Ben.

"Doch, leider schon. Wie soll es denn sonst gewesen sein?"

"Hast auch wieder recht, aber eins verspreche ich dir. Ich komme an mein Geld, und zwar mit dir."

Bryan schaute ihn fragend an.

"Da gibt es noch so einige M�glichkeiten. Aber ich denke, wir werden deine Frau erpressen. Und wenn die nicht bezahlt, dann... dann bringe ich sie um, das schw�re ich dir"

Bryan wollte was sagen, wusste aber nicht so recht, wie er anfangen sollte. Ben merkte das.

"Was ist denn jetzt schon wieder?", fragte er genervt.

Bryan fing langsam an: "Also..."

"Ja? Ich h�re!"

"Also da gibt es ein kleines Problem..."

Ben schaute ihn verzweifelt an. "Ein Problem? Oh wie ich Probleme hasse, aber na gut. Schie� los!"

"Na ja", fing Bryan wieder an. "Wir... also Kerry und ich... wir hatten da so einen kleinen... �h... gro�en Streit. Wir haben uns halt ziemlich gezofft und ich bin mir im Moment nicht so ganz sicher ob... na, ob sie das Geld f�r mich �berhaupt noch bezahlen w�rde."

Bryan schloss die Augen. Jetzt w�rde es �rger geben. Aber Ben blieb ruhig.

"Okay, jetzt mal ganz langsam", sagte Ben ungeduldig. "Ich brauche Geld. Dein Konto ist gesperrt. Mit deiner Frau gibt es auch Probleme und du hast nichts besseres zu tun, als mich den ganzen Tag zu vereimern. Gibt es vielleicht noch irgendein Problem, dass mich interessieren sollte, dann r�ck es raus."

"Na ja, mit Mark w�rde ich es nicht versuchen. Der vergisst immer alles. Keine Ahnung, ob der seine Geheimzahl noch wei�, geschweige denn, wo sein Portemonnaie ist."

Das wurde Ben zu viel. Er stampfte mit dem Fu� auf den Boden und ging w�tend Richtung T�r.

"Das zahle ich dir heim. Irgendwann zahle ich es dir heim, darauf kannst du dich gefasst machen", rief er, ohne sich umzudrehen. Dann knallte er die T�r zu, schloss ab und stapfte die Treppe runter.

Bryan blieb wieder alleine in dem Zimmer zur�ck. War es richtig, was er gesagt hatte? Er war sich fast sicher, dass Kerry das Geld bezahlt h�tte, doch er hatte auf keinen Fall vor, sie in Gefahr zu bringen. Die war sicher sowieso schon total fertig. Bryan ballte die F�uste und hatte nur noch einen Gedanken.

"Ich muss hier raus", sagte Bryan zu sich. "Ich muss hier unbedingt raus.

 

Louis Wagen hielt vor dem Polizeipr�sidium. Er und die Jungs stiegen aus und gingen auf die gro�en, gl�sernen Eingangst�ren des riesigen Geb�udes zu. Die Truppe brauchte ein wenig, um sich in den vielen G�ngen, die alle gleich aussahen zurecht zu finden. Doch irgendwann fanden sie das B�ro von Kommissar Miller und klopften an.

"Ja?" kam es von drinnen und Louis �ffnete die T�r. Als Louis das Zimmer betrat, stand der Kommissar auf und reichte ihm die Hand.

"Gut das sie da sind", sagte er. "Wir haben die Videos �berpr�ft. Aber am besten schauen sie sich das mal selber an."

Er kam hinter seinem Schreibtisch hervor und deutete mit der Hand aus der T�r.

"Wir gehen in einen Raum, wo wir uns die Videos anschauen k�nnen", sagte er und f�hrte alle f�nf in einen dunklen Raum, wo ein Fernseher und St�hle standen. Er schaltete den Fernseher ein und schob ein Video in den Videorekorder. Dann dr�ckte er auf "Start" und auf dem Bildschirm wurde die Hotelhalle mit den Eingangst�ren sichtbar. Der Empfangstresen war leer. In der Halle hielt sich niemand auf. Sie warteten einen Moment.

"Gleich m�sste er kommen", sagte Miller.

Nach wenigen Sekunden kam eine Gestalt in die Halle. Es war Bryan, der noch dabei war, in seine Jacke zu schl�pfen. Er durchquerte die Eingangshalle und verlie� das Hotel durch die Eingangst�r. Dann war die Halle wieder leer. Kommissar Miller dr�ckte auf "Stop" und sagte. "Mehr brauche ich ihnen nicht zu zeigen. Bryan ist in dieser Nacht nicht wieder ins Hotel zur�ckgekommen. Aber ich w�rde vorschlagen, wir gehen zur�ck in mein B�ro. Da k�nnen wir dann weiterreden.

Alle verlie�en den Raum und folgten dem Kommissar wieder in das B�ro, in dem sie zuerst gewesen waren. Der Kommissar ging wieder hinter seinen Schreibtisch und Louis, Kian, Mark, Shane und Nicky setzen sich ihm gegen�ber. Doch bevor der Kommissar sich hinsetzte ging er zu einen Regal, in dem lauter Ordner standen. Er zog den Ordner heraus, der mit einem gro�en Etikett mit der Aufschrift "McFadden/ Bryan" versehen war. Er legte den Ordner auf seinen Schreibtisch und setzte sich. Doch er schlug den Ordner nicht auf. Eine Weile dachte er nach, was er sagen sollte. Die Jungs merkten das und hatten ein schlechtes Gef�hl, denn man sah Miller an, dass er wirklich nicht wusste, wie er anfangen sollte.

"Also", begann er schlie�lich. "Heute wurde hier etwas abgegeben." Der Kommissar �ffnete eine der Schubladen seines Schreibtisches und holte etwas hervor. Nicky, Kian, Mark und Shane erkannten es sofort. Es war Bryans Handy.

"Wo haben sie das denn her?" fragte Nicky.

"Ein Mann hat es hier abgeben. Ist das Bryans Handy?"

Alle nickten.

"Wei� jemand den Pin-Code?"

Alle sch�ttelten den Kopf.

"Wir haben es auf Fingerabdr�cke �berpr�ft, aber es waren nur eine Art von Fingerabdr�cken zu finden und wir gehen nat�rlich davon aus, dass es die Fingerabdr�cke des Besitzers, also Bryans sind."

"Und was bedeutet das jetzt?" fragte Louis.

"Noch nicht viel. Aber wir haben den Ort, an dem das Handy gefunden wurde untersucht. Es ist eine ziemlich kleine Nebenstra�e und ich frage mich, was Bryan dort mitten in der Nacht gesucht hat. Er ist auf jeden Fall dort gewesen, so viel steht fest, nicht nur wegen dem Handy. Und es ist sicher, dass in dieser Nacht noch mehr Leute in diese Stra�e gewesen sind."

Miller schlug den Ordner auf.

"Wenn sie sich das mal anschauen m�chten", sagte er und reichte Louis den Ordner. Dabei erkl�rte er irgendwelche Dinge, von denen ein Manager sowieso keine Ahnung hatte und sagte schlie�lich: "Ich wei�, das ist hart, aber alles deutet darauf hin, dass Bryan entf�hrt worden ist."

 

"Und was machen wir jetzt?" fragte Paul.

Ben zuckte mit den Schultern.

"Wir h�tten uns echt jemand anders aussuchen sollen", sagte er. "Aber die Gelegenheit war so g�nstig und jetzt f�ngt der Kerl an, uns zu verarschen. Der ist einfach zu clever."

"Meinst du, wir sollten uns wegen dem Geld an seine Kollegen wenden?"

"Dar�ber habe ich auch schon nachgedacht, aber damit m�chte ich noch ein wenig warten."

Paul schaute Ben verdutzt an. "Wieso?"

"Ich blicke da noch nicht so ganz durch", antwortete Ben. "Erst ist Bryans Konto gesperrt, dann gibt es Probleme mit seiner Frau und der, der ist total der Dickkopf und hat den ganzen Tag nichts besseres zu tun, als bl�de Spr�che abzulassen. Nee, nee, bevor ich da jetzt irgendwie voreilig handle, m�chte ich sicher sein, dass auch wirklich nichts schief gehen kann."

"Hast recht", g�hnte Paul.

"M�de?" fragte Ben.

"Und wie. Seit dem Ding mit Bryan hab ich nicht geschlafen. Ich geh pennen."

"Mach das, ich bleibe noch ein wenig wach", sagte Ben und schaltete den Fernseher ein. Erst da merkte er, dass er das schon viel fr�her h�tte tun sollen. Dann h�tte er auch mitbekommen, dass Bryan im Moment nicht das richtige Opfer war. Der ganze Stress mit Kerry war immer noch ein hei�es Thema, dass man eigentlich gar nicht �berh�ren konnte. Und das Bryan weg war, wussten nat�rlich auch schon alle. Kein Wunder, bei einem Mitglied von Irlands Boygroup Nr.1.

 

Auch Bryan war superm�de. Das er entf�hrt worden war, hatte er ja inzwischen begriffen, aber trotzdem musste er das ganze erst mal verarbeiten. Au�erdem hatte er die letzten Tage kaum geschlafen. Auf Tour bekamen die Jungs sowieso schon immer so wenig Schlaf, dann bekam er wegen Kerry Nachts kein Auge zu und die Zeit, in der er ohnm�chtig gewesen war, er wusste nicht einmal, wie lange, hatte ihm auch nichts anderes bereitet, als Kopfschmerzen. Er zog sich bis auf die Boxershorts aus und schlug die Bettdecke zur�ck. Kaum lag er im Bett, fielen ihm die Augen zu und er versank in einen unruhigen Schlaf.

 

"Na das war ja nicht ein besonders guter Tag" seufzte Shane und leerte seine Bierflasche. Auch Nicky stellte seine leere Flasche auf den Tisch.

"Aber wirklich. Bryan und entf�hrt! Ich kann das noch gar nicht so richtig glauben", meinte er.

"Komm, ich geh uns noch was zu trinken holen", sagte Shane. Nicky hatte nichts dagegen einzuwenden und Shane ging in den Keller. Kurze Zeit sp�ter kam er mit zwei Bierflaschen zur�ck und lie� sich wieder aufs Sofa fallen. Eine ganze Weile sa�en die beiden noch so da und gammelten auf dem Sofa rum.

"Sag mal...", fing Nicky irgendwann an, "wenn jemand entf�hrt wird... ist das ein Grund, sich zu betrinken?"

Shane nahm noch einen Schluck, bevor er antwortete.

"Na, siehst du doch", antwortete er. "Also ich w�rde sagen, du f�hrst heute Abend nicht mehr nach hause. Kannst bei mir pennen."

"Gute Idee", meinte Nicky. "Ich hab auch keine Lust, heute noch irgendwo im Stra�engraben zu landen. Au�erdem ist es schon supersp�t."

"Dann lass uns schlafen gehen. Macht es dir was aus, auf dem Sofa zu pennen?"

"Nee, ist schon okay", sagte Nicky.

Shane schleppte ein paar Kissen und Decken ran und sagte: "Also dann gute Nacht."

"Gute Nacht", sagte auch Nicky und Shane ging nach oben.

Um ein Uhr schreckte Nicky hoch. Er hatte einen Alptraum gehabt. Er hatte getr�umt, dass er Bryan nie wieder sehen w�rde und sa� jetzt schwei�gebadet auf dem Sofa. "Gott sei Dank nur ein Traum", seufzte er. Doch nach wenigen Sekunden dachte er �ber seinen Traum nach und musste leider feststellen, dass der Traum leicht Wirklichkeit werden konnte. Nicky stand auf, ging in die K�che und nahm sich eine Flasche Wasser. Gerade, als er sie �ffnen wollte ging die K�chent�r auf.

Es war Shane.

"Mann, hast du mich erschreckt. Was machst du hier?"

"Das gleiche k�nnte ich dich fragen", sagte Shane und �ffnete den K�hlschrank. "Boah, ich brauche ganz dingend was zu trinken."

"Auch schlecht getr�umt?" fragte Nicky und nahm einen Schluck Wasser.

"Wie, du auch? Ich bin total fertig. Hab doch sonst keine Alptr�ume."

"Ich auch nicht, aber ich hab getr�umt, dass ich Bryan nie wieder sehen w�rde und das war echt schrecklich."

Shane schaute ihn an. "Das sieht man."

"Also ich versuche jetzt noch mal, noch ein wenig zu schlafen", g�hnte Nicky und ging wieder ins Wohnzimmer. Shane stellte seine Flasche zur�ck in den K�hlschrank und ging nach oben. In dieser Nacht w�tete drau�en ein schreckliches Gewitter und Nicky bekam die ganze Nacht kein Auge zu.

 

Bryan schreckte hoch

"Schei�e, war das ein schrecklicher Traum", sagte er zu sich und tastete unter dem Kopfkissen nach seiner Uhr. Es war ungef�hr eins. Bryan hatte Kopfschmerzen und war ganz verschwitzt.

Er krabbelte aus dem Bett und ging ins Bad. Als er in den Spiegel guckte erkannte er sich fast nicht wieder. Auf der Stirn hatte er immer noch die Wunde und sein Gesicht war nass und rot. Er drehte den Wasserhahn auf und lie� kaltes wasser �ber sein Gesicht laufen. Dann ging er zur�ck zum Bett und kroch unter die Decke. Er versuchte einzuschlafen, doch es ging nicht. Er hatte immer noch Kopfschmerzen und dann fing auch noch sein Magen an, zu knurren. Er hatte die letzten zwei Tage nichts gegessen und jetzt machte sein Magen ihn lautstark darauf aufmerksam. Er versuchte sich abzulenken und dachte an Kerry. Daran, wie sehr er sie liebte, und ob sie noch die gleichen Gef�hle f�r ihn hatte. Bryan konnte die Tr�nen mal wieder nicht zur�ck halten. Eine ganze Weile lag er so da und weinte in die Dunkelheit hinein. In der einen Nacht, da hatte er sie genossen, diese Stille, aber jetzt wurde sie f�r Bryan unertr�glich. Es hatte ihn oft genervt, wenn er beim Schlafen gest�rt wurde, doch jetzt vermisste er, dass da kein Mark war, der sogar im Schlaf singen konnte, kein Louis, der sie sogar Nachts �ber Flugh�fen und Busparkpl�tze scheuchte und keine Molly, die am Schreien war. Lange versuchte er sich vorzustellen, wie er jetzt aufstehen w�rde, um seine kleine Tochter zu beruhigen. Aber das war keine Molly, die er in den Arm nehmen konnte.

Das Gewitter, dass in dieser Nacht �ber die Gegend zog, konnte Bryan kaum vernehmen. Ab und zu h�rte er das Donnern, doch irgendwann konnte er die Augen nicht mehr offen halten und schlief traurig ein. Zwischendurch wachte er nur noch einmal auf, als Paul den Kopf durch die T�r steckte, um zu sehen, ob alles in Ordnung war. Bryan schaute nur kurz auf, dann zog er die Decke �ber den Kopf und schlief unruhig weiter.

 

Kian sch�ttete Milch �ber seine Kornflaks. Oder eher gesagt �ber den Tisch.

"Mist", sagte er und holte einen Lappen. Er war �berhaupt nicht ausgeschlafen und dachte daran, wieder ins Bett zu gehen, wo doch so fr�h am Morgen schon alles anfing, schief zu gehen. Das konnte nur wieder einer von diesen miesen Tagen werden, an denen alles aus dem Ruder lief. Aber da h�rte er etwas an der Haust�r klappern. Es war der Brieftr�ger, der versuchte, einen Haufen Briefe durch den Briefkasten zu stecken. Doch das gab er schnell auf und klingelte. Kian lief zur T�r und �ffnete.

"Ihre Post", sagte der Brieftr�ger, der ganz sch�n geschafft aussah. "Wenn ich ihnen das mal einfach so geben d�rfte."

Kian nahm den Stapel Briefe und verabschiedete sich. Dann �ffnete er den Briefkasten und nahm noch die Briefe mit, die der Brieftr�ger bereits durch den Briefschlitz gezw�ngt hatte und ging in die K�che. Er legte die Briefe auf den K�chentisch und sah die Briefumschl�ge kurz durch. Die Rechnungen legte er alle auf einen Stapel. Die ganzen Fanbriefe auf einen gro�en Haufen. Kian hatte in den letzten Tagen echt keinen Nerv daf�r gehabt, sie durchzuschauen und der Haufen wurde jeden Tag ein gewaltiges St�ck gr��er.

"Woher wissen die blo� alle meine Adresse?" fragte er sich und hielt inne. In der Hand hielt er einen Brief. Auf dem Umschlag klebten aus der Zeitung ausgeschnittene Buchstaben, die zusammen die W�rter KIAN EGAN ergaben.

"Nanu... seit wann wollen Fans anonym bleiben?" fragte Kian sich und �ffnete den Briefumschlag.

Er holte das zusammengefaltete Blatt heraus und erschrak. Der Brief bestand ebenfalls aus ausgeschnitten Buchstaben. Er war kurz, aber die paar W�rter reichten, um Kian zu schocken:

Wir haben Bryan. Keine Polizei , wenn ihr ihn wieder sehen wollt. Wir melden uns wieder!!!

 

Sollte das ein bl�der Scherz sein? Kian wusste es nicht. Konnte es gef�hrlich werden, wenn er den Brief der Polizei zeigte? Sollte man nicht wirklich wieder ins Bett gehen, wenn man innerhalb von zehn Minuten schon zwei Pannen erlebt hatte? Warum waren das so viele Fragen auf einmal. Kian bekam Kopfschmerzen, beschloss aber, den Tag doch erst mal anzugehen. Er fr�hst�ckte und ging dann ins Bad.

"Oh mein Gott", g�hnte er, als er in den Spiegel schaute. Seine Haare sahen aus wie ein einziger Dschungel und seine Augen bekam er noch gar nicht richtig offen. "Erst mal duschen!"

Als Kian aus der Dusche kam, beschloss er, die anderen anzurufen. Er ging zum Telefon und w�hlte Shanes Nummer. Aber es war nicht Shane, der sich meldete, es war Nicky.

"Hi Nicky, ich bin�s. Hast du bei Shane gepennt?"

"Was hei�t hier "gepennt"? Hab die ganze Nacht kein Auge zugemacht."

"Kein Wunder! Und Shane?"

"Der auch nicht. Daf�r ist er jetzt noch am schlafen", sagte Nicky und musste g�hnen.

"Nicky, ich wei�, ihr seid noch nicht richtig wach, aber k�nnt ihr vorbei kommen?"

"Was? Willst du mich umbringen? Wann denn?

"So schnell wie m�glich. Es ist wirklich wichtig, es geht um Bryan."

Nicky wurde wach. "Ja klar, wir kommen, so schnell es geht. Bis gleich", sagte Nicky und legte auf, um Shane zu wecken. Er ging die Treppe rauf und klopfte an Shanes T�r. Nichts. Als sich nach dem zweiten Mal klopfen immer noch keiner meldete, ging Nicky einfach rein.

"Shane, aufwachen", rief er und zog Shane die Decke weg.

"Bist du bl�d? Wie sp�t ist es eigentlich?" fragte Shane verschlafen und rieb sich die Augen.

"Noch ziemlich fr�h am morgen, aber Kian hat angerufen. Wir sollen ganz schnell kommen."

"Ist der Kerl verr�ckt? Kann das nicht warten?"

Nicky zerrte Shane aus dem Bett. "Nein, kann es nicht, es geht um Bryan."

"Was?" fragte Shane.

"Ich sagte, es geht um Bryan! Willst du zuerst ins Bad?"

"Nee, geh du zuerst. Ich hab einen Mordshunger. Ich mach uns mal Fr�hst�ck."

"Okay", sagte Nicky und ging duschen.

 

Mark wachte auf, weil Snoopy an sein Bett kam und ihm das Gesicht ableckte.

"Iiiihhh, lass das", sagte Mark und dr�ckte die feuchte Hundeschnauze unsanft weg. "Du bekommst dein Fr�hst�ck ja gleich."

Doch Snoopy gab nicht auf. Er sprang aufs Bett und trampelte aus Marks Bauch herum.

"Okay, okay, du hast gewonnen. Und jetzt runter."

Snoopy lief beleidigt aus dem Zimmer und Mark ging ins Bad. Er wollte gerade unter die Dusche gehen, als das Telefon klingelte. Mark st�rmte die Treppen runter und nahm den H�rer ab. "Ja?"

"Hi, ich bin�s, Kerry. K�nnen wir reden?", meldete Kerry sich.

"Ja klar. Was gibt�s?"

"Ach, ich wei� auch nicht. Ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich muss immerzu an Bryan denken. Ich mach mir solche Vorw�rfe", schluchzte Kerry.

"Kerry, niemand brauch sich Vorw�rfe zu machen. Du kannst doch wirklich nichts daf�r."

"Ich h�tte das wenigstens mit ihm kl�ren k�nnen. Jetzt hab ich solche Angst, dass ich Bryan vielleicht nie wieder sehe."

"Jetzt mal den Teufel doch nicht an die Wand. Wir machen uns alle Sorgen, aber du liebst Bryan doch und ich glaube, dass wei� er. Er war total fertig, als du so sauer auf ihn warst. Er w�rde dich nie aufgeben. Nie."

"Meinst du wirklich?"

"Nat�rlich. Auf Tour denkt Bryan den ganzen Tag an dich. Er findet das immer schrecklich, ohne dich irgendwohin fahren zu m�ssen und kann es dann immer kaum erwarten dich wieder zu sehen. Kerry, er liebt dich."

"Danke Mark."

"Ein wenig beruhigt?" fragte Mark.

Kerry h�rte auf, zu weinen. "Ja, danke, dass ich mit dir reden konnte."

"Hey, ist doch klar. Wenn was ist, kannst du mich jeder Zeit anrufen."

"Mach ich", sagte Kerry. "Bye"

"Bye."

Mark legte den H�rer auf und ging wieder die Treppen hoch. Gerade, als er oben angekommen war, klingelte das Telefon erneut. Mark dachte daran, es einfach klingeln zu lassen. Aber hatte er Kerry nicht versprochen, sie k�nne ihn immer anrufen. Was war, wenn sie noch irgendetwas sagen wollte? Was war, wenn es die Polizei war. Mark rannte wieder runter.

"Feehily?" meldete er sich.

"Hi. Hier ist Kian. Kannst du vorbei kommen?"

"Jetzt?"

"Ja, jetzt. "

"Kian, k�nnte ich vielleicht eben duschen?"

"Ja klar, aber beeil dich, es geht um Bryan."

"Um Bryan? Okay, ich beeil mich. Bin in einer halben Stunde da. Bis gleich!"

"Bis gleich", sagte Kian und legte auf.

 

Ben stand unten in der K�che und machte Fr�hst�ck. Dann reichte er Paul ein Tablett und schickte ihn damit zu Bryan. "Zu Bryan?" fragte Paul.

"Ja, zu wem denn sonst? Wenn der uns da oben verhungert kriegen wir nicht mehr viel f�r den", meckerte Ben rum. Paul verlie� lieber schnell die K�che und ging die Treppe hoch.

Bryan war noch halb am schlafen, als die T�r aufgeschlossen wurde und Paul ins Zimmer kam. Er stellte das Tablett auf den Tisch und fragte: "Und, gut geschlafen?"

Bryan lachte ironisch: "Haha. Erst ist da dieses bl�de Gewitter, ich muss dauernd an Molly denken und bekomme Alptr�ume und dann kommt nachts auch noch jemand rein und guckt, ob ich auch noch da bin. Wer k�nnte das denn blo� gewesen sein? Und dann soll man gut schlafen?"

"Ey sorry, aber was kann ich daf�r, wenn du Alptr�ume hast?"

"Ne ganze Menge. Hab die ganze Nacht von so einem Monster namens Paul getr�umt."

"Sehr witzig", sagte Paul und verlie� das Zimmer.

Bryan konnte endlich was gegen seinen knurrenden Magen tun und machte sich ans fr�hst�cken.

 

Es klingelte an der T�r. Kian lief in den Flur und �ffnete. Shane und Nicky standen vor ihm.

"Hallo, gut dass ihr da seid. Kommt rein."

Nicky und Shane betraten das Haus.

"Ist Mark auch hier?" fragte Shane.

"Der m�sste gleich kommen", sagte Kian und ging mit den anderen ins Wohnzimmer.

"Jetzt komm zur Sache", sagte Shane und wurde ungeduldig.

"Ja, ja, aber meint ihr nicht, wir sollten warten..."

Es klingelte erneut.

"Das ist bestimmt Mark", sagte Nicky und raste zur T�r. Es war tats�chlich Mark.

"Ach Nicky. Ihr seid auch schon da", sagte Mark und ging mit Nicky zu den anderen.

"Jetzt fang endlich an", bat Shane erneut.

"Ganz ruhig, ich mach ja schon", sagte Kian und holte den Brief. Er reichte ihn an Shane. Mark stellte sich sofort hinter ihn und guckte ihm �ber die Schulter.

"Von wem ist der denn?" fragte er.

"Ja wenn ich das w�sste", antwortete Kian. Auch Nicky hatte den Brief inzwischen gelesen. "Wann ist der denn gekommen?"

"Heute morgen, mit der Post."

Mark �berlegte eine Weile. "Mit der Post?" fragte er dann. "Seit wann kommen Briefe ohne Adresse mit der Post? Da ist ja nicht mal eine Briefmarke drauf. Bist du dir ganz sicher?"

Kian �berlegte. "Ja... halt, nein... der Brieftr�ger musste bei mir klingeln, weil er nicht alle Briefe in den Briefkasten bekomme hat und mir den Rest so geben wollte. Er hatte aber bereits ein paar Briefe in den Briefkasten geworfen. Vielleicht war er bei denen. Dann kann er da ja schon eine Weile gelegen haben."

"Glaubst du, der Brief ist wirklich von den Entf�hrern, oder will uns da jemand ganz gewaltig verarschen?" fragte Nicky.

"Dar�ber habe ich auch schon nachgedacht."

"Meint ihr, wir sollten zur Polizei gehen?" fragte Shane.

"Mensch, kannst du nicht lesen?" fragte Mark und deutete auf den Brief.

"Doch schon, aber vielleicht ist der gar nicht von den Entf�hrern."

"Und wenn doch?" fragte Kian. "ich finde, wir sollten warten, ob sie sich wirklich noch mal melden."

"Kian hat Recht. Wenn, dann k�nnen wir immer noch die Polizei benachrichtigen."

"Das wei�t du nicht. Wer wei�, was die mit Bryan schon alles angestellt haben", sagte Shane.

Mark seufzte. "Ja, das w�sste ich auch gerne."

 

An diesem Tag passierte nicht viel. Louis war mal wieder im Polizeipr�sidium gewesen, doch da hatte es nichts neues gegeben. Au�erdem war bei der Polizei die H�lle los. Dauernd standen Journalisten und Reporter mit Kameras vor dem Geb�ude und wollten gro�e Storys in alle m�glichen Zeitungen bringen. Doch Kommissar Miller hielt den Mund und musste die entt�uschten Leute wieder wegschicken. Er war sowieso schon der Meinung, dass die ganze Sache schon viel zu sehr an die �ffentlichkeit geraten war. Er dachte daran, dass es irgendwo bei der Polizei eine undichte Stelle gab und irgendwer mit der Story eine menge Geld machte, aber er wusste auch, dass es bei einem Star sowieso fast unm�glich gewesen w�re, die Sache zu vertuschen.

So zog sich der Tag bis in den Abend hin. Nichts passierte und nichts neues und das machte die Jungs ziemlich fertig, was sich wieder bemerkbar machte, als sie am Abend immer noch bei Kian hockten und mit einem Kasten Bier vor dem Fernseher rumgammelten.

 

Bryan hatte seinen Entschluss gefasst. Er konnte nicht l�nger hier so rumsitzen und gar nichts tun. Ben und Paul erweckten nicht den Eindruck, als h�tten sie es besonders eilig an ihr Geld zu kommen. Vielleicht bildete Bryan sich das nur ein, weil er oben in seinem Zimmer kaum etwas mitbekam, aber die beiden wollten sich anscheinend Zeit lassen.

Bryan hatte bemerkt, dass Ben immer die Hauptrolle spielte. Er organisierte fast alles und war die f�hrende Hand. Paul dagegen war sich oft unsicher und lie� Ben immer das letzte Wort. Trotzdem war es Paul, der letzte Nacht noch einmal hochgekommen war, um nach dem rechten zu sehen. Aber das hatte die Nacht auch nicht ertr�glicher gemacht.

Bryan �berlegte. Ben war viel zu klug, um sich ernsthaft �berlisten zu lassen. Ben wusste, mit wem er es zu tun hatte und war vorsichtiger geworden. Wie eine Katze, die seinen Gegner nicht aus den Augen lie� und trotzdem alles beobachtete, was in der Umgebung geschah. Aber Paul, der war nicht so. Der hatte viel zu viel Schiss etwas falsch zu machen und das verunsicherte ihn. Ob er sich reinlegen lassen w�rde? An diesem Abend lag Bryan noch lange wach und �berlegte. Dann war er sich sicher. Noch in dieser Nacht w�rde er versuchen zu entkommen. Er durfte einfach nicht l�nger warten.

Sein Plan war simpel, weil er in dem kleinen Zimmer mit Bad nicht viele M�glichkeiten hatte und wusste, dass die beiden das Haus nie gleichzeitig verlassen w�rden. Wenn Bryan aus dem Fenster guckte, wenn er drau�en das Auto h�rte, dann war es immer nur einer, der wegfuhr. Bryan wusste nicht, ob Paul auf den Trick reinfallen w�rde, doch mehr als schief gehen konnte sein Plan nicht und deshalb wollte er es versuchen. Er dachte nur noch kurz �ber die Sache nach, dann schob er die Gedanken beiseite, denn je l�nger er �ber sein Vorhaben nachdachte, umso unm�glicher kam ihm das Gelingen seines Plans vor.

 

Molly schrie. Kerry kletterte aus dem Bett und ging ins Kinderzimmer. Drau�en gewitterte es schon wieder und Molly hatte schreckliche Angst.

"Hey, ist ja gut", sagte sie und nahm Molly aus der Wiege. "Schhhhh."

Sie dachte daran, wie Bryan sonst hinter ihr stand und sagte, sie solle wieder ins Bett gehen. Dann nahm er ihr f�r gew�hnlich Molly ab und brachte die Kleine wieder zum Schlafen. Aber diesmal war Bryan nicht da und Kerry musste weinen. Eine ganze Weile stand sie da in der Dunkelheit und wiegte Molly in ihren Armen hin und her. Als sie eingeschlafen war, legte sie Molly vorsichtig wieder in die Wiege und ging zur�ck in ihr Schlafzimmer. Auf dem Nachttisch hatte sie ein Foto von Bryan stehen. Sie betrachtet es lange.

"Bryan, ich liebe dich doch", sagte sie leise und k�sste das Foto. Dann stellte sie es wieder auf den Nachtisch und kroch unter die Decke. Lange dachte sie noch an Bryan, dann schlief sie ein.

 

Es war mitten in der Nacht, als Bryans Uhr anfing zu piepen. Bryan griff unter sein Kopfkissen und kramte seine Uhr hervor. Es war fast eins. Er lauschte. Diesmal h�rte er das heftige Gewitter und diese unertr�gliche Stille fiel ihm nicht so auf. Und er hatte auch gar keine Zeit dar�ber nachzudenken. Gleich w�rde Paul hoffentlich wieder ins Zimmer kommen. Hoffentlich. Nur weil er letzte Nacht einmal gekommen war, hie� das noch lange nicht, dass er in dieser Nacht wiederkommen w�rde, geschweige denn nicht schon gekommen war und Bryan das verpennt hatte. Bryan konnte nur hoffen. Er zog sich an und wartete. Paul lie� auf sich warten. Erst nach einer halben Stunde h�rte Bryan Schritte auf der Treppe. "Er kommt", dachte Bryan. Er lief zur Zimmert�r und stellte sich dahinter. Der Schl�ssel wurde umgedreht. Dann ging die T�r auf und Paul steckte den Kopf durch die T�r.

"Komm rein, komm rein", betete Bryan und kniff die Augen zu. Paul sah, dass das Bett leer war. Er stutzte. Dann machte er langsam einen Schritt ins Zimmer.

"Bryan?" sagte er. Bryan presste sich an die Wand.

"Geh weiter", dachte er. Und Paul ging weiter. Er war fast verzweifelt, dass Bryan nicht da war und ging auf die Badezimmert�r zu. W�hrend er sich der T�r n�herte, dachte Bryan dar�ber nach, ob er sich jetzt aus der T�r st�rzen sollte oder ob er das ganze lieber langsam angehen sollte. Paul streckte die Hand nach der Badezimmert�r aus. "Jetzt", dachte Bryan und schlich aus der T�r. Dann machte er die T�r zu und drehte den Schl�ssel um. Er wusste, dass Paul jeden Moment nach Ben rufen w�rde und deshalb sah er zu, dass er wegkam. Er rannte die Treppe runter und betete, dass die Haust�r nicht geschlossen war. Unten an der Treppe musste er eine Sekunde lang �berlegen. Wo war die Haust�r. Im Flur war es superdunkel und Bryan bleib nicht anderes �brig, als auf gut Gl�ck in irgendeine Richtung zu laufen und zu hoffen, dass er auf dem richtigen Weg war. Er hatte Gl�ck und stand wenige Sekunden sp�ter vor der Haust�r. "Sei offen", dachte er verzweifelt und dr�ckte die T�rklinke runter und...

Er hatte Gl�ck. Die T�r �ffnete sich und Bryan verschwand in der Dunkelheit.

 

W�hrenddessen beging Paul den Fehler, den Bryan sich erhofft hatte. Anstatt Ben zuzurufen, er solle Bryan hinterher rennen, rief er: "Ben! Ben! Komm schnell!" und h�mmerte an die T�r. Ben st�rmte die Treppe rauf und drehte den Schl�ssel um. Er platzte ins Zimmer und sah Paul, der alleine im Zimmer stand.

"Paul, was ist los?" fragte er.

"Der Kerl hat mich reingelegt. Er ist abgehauen", rief Paul und deutete aus der T�r."

"Was?" rief Ben und ohne nachzudenken, rannte er aus der T�r und die Treppe runter. Dann lief er durch die Haust�r. Paul folgte ihm und dann standen beide vor dem Haus. Es regnete in Str�men, doch das hinderte Ben nicht daran, eine Jagt auf Bryan zu starten.

"Okay, ich geh da lang und du gehst in die Richtung", sagte Ben. Dann ging er noch kurz zum Auto und suchte zwei Taschenlampen.

"Hier", sagte er und dr�ckte Paul eine davon in die Hand. "Und jetzt sieh zu, dass du den Kerl findest."

Die beiden gingen auseinander und es begann eine Hetzjagd durch den Wald.

 

Bryan war einfach drauf los gerannt. Er stand mitten im Wald und �berlegte, wohin er laufen sollte. Er war bereits klitschnass und das Wetter machte keine Anstalten sich zu bessern. Die Dunkelheit war undurchdringlich und der matschige Boden erschwerte die Sache noch mehr. Wenn Bryan Pech haben w�rde, konnte er stundenlang rennen, ohne irgendwohin zu kommen. Mit ein wenig Gl�ck konnte er aber auch in einer bewohnten Gegend landen. Es konnte aber auch passieren, dass es stundenlang im Kreis laufen w�rde, ohne es zu merken. Alles sah in der Dunkelheit so gleich aus. �berall B�ume. Nichts als B�ume. Bryan lief weiter. Eine ganze Weile lang stolperte er �ber Wurzeln und �ste. Dann blieb er stehen. War er tats�chlich im Kreis gelaufen? War er hier nicht schon einmal gewesen? Bryan sch�ttelte den Kopf um den Gedanken loszuwerden. "Unsinn, Einbildung", dachte er sich. Er w�rde bei Nacht nie eine bestimmte Stelle im Wald wiedererkennen. Er lief wieder weiter. Pl�tzlich sp�rte er einen schrecklichen Schmerz am Arm. Er war h�ngen geblieben und hatte sich seinen �rmel aufgerissen. Er fasste sich an den Arm und f�hlte etwas feuchtes auf der Haut. "Nur der Regen", sagte er sich, doch er merkte, das die Fl�ssigkeit auf seinem Arm klebrig wurde. Das war kein Regen, das war Blut. "Mist", fluchte Bryan. Er hatte nicht mal Taschent�cher bei sich und ihm blieb nichts anderes �brig, als einfach weiterzulaufen und zu hoffen, dass er sich nicht allzu schlimm verletzt hatte. Sein ganzes Gesicht war nass. Bryan wischte sich einmal mit der Hand durchs Gesicht. Er wusste nicht einmal, ob es der Regen war, oder ob er weinte. Nach einer Zeit blieb er erneut stehen und lauschte. Autos? Eine Stra�e? Doch nur wenige Sekunden sp�ter h�rte das Rauschen, dass wieder mal seiner Einbildung entsprungen war, auf und es wurde still. Hier gab es einfach nichts als B�ume weit und breit. Fast nichts. Bryan h�rte Schritte. Schnelle Schritte. Es waren die Schritte, die er in der einen Nacht, in der er alleine durch die Stra�en gerannt war, schon einmal geh�rt hatte. Ben und Paul. Oder war es nur einer der beiden? Doch Bryan hatte keine Zeit, dar�ber nachzudenken. Voller Panik rannte er weiter. Obwohl er schon v�llig au�er Atem war, der schreckliche Gedanke, von Paul und Ben erwischt zu werden, trieb ihn an, weiterzurennen. �ste schlugen ihm ins Gesicht und Bryan h�tte vor Schmerz am liebsten aufgeschrieen, als ein harter Ast �ber seine Wange ratschte. Doch er beherrschte sich und nahm die Arme sch�tzend vors Gesicht. Doch dann passierte es. Bryan blieb mit dem Fu� h�ngen und konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Er fiel nach vorne und verdrehte sich sein Bein. Dann kam er auf dem Boden auf. Ein f�rchterlicher Schmerz durchfuhr seinen ganzen K�rper, besonders sein Bein und Bryan schrie auf. Er lag auf dem Boden und konnte nicht mehr aufstehen. Vielleicht war es die Ersch�pfung, vielleicht lag es aber auch daran, dass er pl�tzlich einen dr�ckenden Schmerz in seiner Brust sp�rte. Es f�hlte sich an, als w�rde ihm jemand seinen ganzen Brustkorb zusammendr�cken. Bryan merkte, dass er kaum noch Luft bekam.

Dann ging alles ganz schnell. Der Schein einer Taschenlampe kam n�her und der jemand, dem die Taschenlampe geh�rte suchte sorgf�ltig den Boden ab. Als er vor Bryan stehen blieb, nahm Bryan den Kopf ein wenig hoch, um zu sehen, wer es war. Es war Ben. Er leuchtete Bryan mit der Taschenlampe ins Gesicht. Dann b�ckte er sich und zog ihn auf die Beine. Bryan schrie auf. Noch nie in seinem Leben hatte er solche Schmerzen versp�rt. Alles tat weh und seine Beine drohten, unter ihm wegzuknicken. Doch Ben machte kurzen Prozess. Er legte Bryans Arm �ber seine Schulter und ging los. Bryan humpelte neben ihm her. Was h�tte er jetzt darum gegeben, eben im Kreis gelaufen zu sein. Der Weg zum Haus kam ihm ewig weit vor und er h�tte vor Freude am liebsten geheult, als er die Lichter sah. Am Haus angekommen, trafen sie auf Paul, der ziemlich erleichtert aussah. Dann �ffnete Paul die Haust�r und sie betraten den Flur. Gemeinsam schleppten Paul und Ben Bryan die Treppe hoch und brachten ihn zur�ck in das Zimmer. Dort lie� sich Bryan sofort aufs Bett fallen.

"Wir sprechen uns noch", sagte Ben. Doch das h�rte Bryan schon gar nicht mehr und Ben und Paul verlie�en das Zimmer.

 

Als Bryan am n�chsten Morgen erwachte, f�hlte er sich kein bisschen besser. Im Gegenteil. Er hatte wieder diese Kopfschmerzen und schwindelig war ihm dazu. Er atmete tief durch und fasste sich sofort an die Brust. Diese Schmerzen waren unertr�glich. Dann betrachtete er sein Bein und bewegte es langsam. "Wenigstens nicht gebrochen", dachte er. Am Arm hatte er eine riesige Wunde, die aber aufgeh�rt hatte zu bluten. Schrammen und blaue Flecken hatte er �berall. Auch die Wunden an seinen Handgelenken waren teilweise wieder auf gegangen. Bryan humpelte ins Bad und wagte einen Blick in den Spiegel. Die Wunde vom �berfall hatte in der Nacht wohl wieder geblutet und auf der Wange, war eine lange Schramme hinzugekommen. Dann h�rte er, wie die T�r aufging. "Schei�e, jetzt gibt�s �rger", dachte er. Er humpelte aus dem Bad und setzte sich aufs Bett. Vor ihm stand Ben, der nicht gerade freundlich dreinblickte.

"Wei�t du was?" fing Ben an. "Ich k�nnte dich daf�r umbringen und es w�rde mir gar nichts ausmachen. Ich h�tte wirklich kein Problem damit, dich hier auf der Stelle umzubringen. Ich halte dich n�mlich f�r ein richtiges Arschloch. Und ich lasse dich nur aus einem Grund am leben. Und zwar wegen des Geldes. Au�erdem w�rde sich so ein roter Blutfleck auf dem sch�nen Teppich gar nicht gut machen."

Bryan betrachtete skeptisch den Teppich und wollte was sagen, weil der Teppich ja wirklich nicht mehr sch�n war. Doch Ben kam ihm zuvor: "Sag ja nichts. Ich wei�, man k�nnte dir das Genick brechen und du hast immer noch bl�de Spr�che auf Lager, aber ich hab jetzt ein f�r alle Mal genug und wenn du noch einmal irgendwelche Anstalten machst, abzuhauen, dann bekommst du eine Lektion, die du dein Leben lang nicht vergessen wirst." Damit verlie� er das Zimmer.

 

Mark war der erste, der an diesem Morgen aufwachte. Er rieb sich die Augen und schaute sich um. Auf dem Sofa gegen�ber lag Nicky und war fest und tief am Schlafen. Vor dem Sofa stand ein Kasten voller leerer Bierflaschen. Shane war nachts noch mit Kian nach oben gegangen und war auf dem Sofa in Kians Schlafzimmer eingepennt. Mark stand auf und ging total verschlafen in die K�che. Er hatte am Abend wohl doch ein wenig zu viel getrunken und hatte nun einen Kater. In der K�che �ffnete er den K�hlschrank und nahm sich was zu trinken.

Auch Shane wachte auf. Er musste g�hnen und sagte dann: "Kian?" Kian r�hrte sich nicht. Shane stand auf und ging ebenfalls in die K�che. Dort traf er Mark.

"Ah, du auch schon wach?" fragte dieser und nahm einen Schluck Wasser.

"WACH kann man da wohl kaum sagen. Gib mal her", sagte er, worauf Mark ihm die Wasserflasche reichte.

"Gestern auch zu tief ins Glas geschaut?" fragte Mark. Shane nickte. "Na dann bin ich ja wenigstens nicht der einzige", fuhr Mark fort.

"Das bist du sowieso nicht", sagte jemand. Es war Nicky, der pl�tzlich in der K�chent�r stand. "Ich glaube, wir haben gestern Abend alle eine wenig zu viel getrunken. Wo ist denn Kian?" fragte Nicky.

"Schl�ft noch", sagte Shane. "Hier, willst du auch?" Nicky betrachtete die Wasserflasche, die Shane ihm entgegenstreckte. Nicky z�gerte kurz, weil er an den Abend denken musste, an dem Kian so eine Flasche �ber den Kopf gekippt bekommen hatte. Doch der Durst war st�rker und Nicky griff zu. "Danke."

"Ich �berlege, ob das, was wir gemacht haben, richtig war", sagte Shane pl�tzlich.

Mark schaute ihn an. "Nat�rlich ist es nicht richtig, sich einfach so zu betrinken", sagte er. Shane verdrehte die Augen und sagte: "Mensch Mark. Ersten haben wir uns nicht einfach so betrunken, sondern weil wir alle total fertig waren und zweitens meine ich das gar nicht,"

"Was dann?" fragte Mark.

"Na das mit dem Brief. H�tten wir nicht doch zur Polizei gehen sollen? Was ist, wenn es ernst war?"

"Shane, jetzt warte doch erst mal ab. Und wer wei�, was passiert w�re, wenn wir zur Polizei gegangen w�ren."

"Die h�tten das doch gar nicht mitbekommen", sagte Shane.

Nicky hatte fast die ganze Flasche leer und meldete sich jetzt auch zu Wort: "Das kannst du nie wissen. Wer wei�, wer da hinter steckt. Und wenn die Polizei einschreitet und das mit dem Brief wieder jeder mitbekommt, dann wissen die Entf�hrer es auch. Das kannst du voll vergessen."

"Vielleicht hast du ja recht", sagte Shane. "Aber..."

"Shane, jetzt mach dir keinen Kopf", sagte Mark und schlug vor, erst mal Fr�hst�ck zu machen." Von dem Kaffeeduft, der wenig sp�ter durch das ganze Haus zog, wachte auch Kian auf und kam verschlafen die Treppe runter. "Ach, ihr habt schon Fr�hst�ck gemacht", sagte er, als er in die K�che kam.

"Stell dir vor, wir haben sogar deinen K�hlschrank gefunden", sagte Nicky ironisch. Kian verzog das Gesicht und setzte sich. Dann goss er sich eine Tasse Kaffee ein.

"Boah", sagte er. "Was ist das denn f�r ein starker Kaffee?"

"Das ist Kaffee, der dich ein bisschen wach machen soll. Du hast ja schlie�lich lange genug gepennt. Au�erdem hilft das vielleicht ein bisschen gegen Kater."

"Kater", fragte Kian.

"Ja, Kater. Du willst mir nicht im Ernst erz�hlen, dass wir den Kasten Bier gestern zu dritt ausgetrunken haben, oder?"

"Ich w�rd�s euch zutrauen", sagte Kian und grinste.

"Kian, jetzt mach nicht auf Unschuldsengel", sagte Shane und sch�ttelte den Kopf.

"Okay, okay, aber du hast mehr getrunken!"

"Was?" Shane sprang auf. "Willst du mich verarschen?" Dann wollte er sich auf Kian st�rzen. Doch der rannte schnell ins Wohnzimmer und als Shane ihm nachlief warf Kian mit einem Kissen nach ihm. Shane warf zur�ck und es entstand eine herrliche Kissenschlacht, an der auch Mark und Nicky sehr schnell ihren Spa� fanden. Kian wollte gerade nach Mark werfen, als das Telefon klingelte. Alle hielten inne und rannten dann in den Flur.. Kian nahm den H�rer ab.

"Ja?"

"Bist du alleine?"

Kian war verwirrt. "Wer ist denn da?" fragte er.

"Das tut jetzt nichts zur Sache. Bist du alleine", sagte die Stimme, die Kian nicht kannte.

"N...n...nein", stotterte Kian.

"Wer ist da, die Polizei?"

"Nein, Shane..." Kian stoppte. H�tte er das nicht sagen sollen?

"Wer noch", forderte ihn die Stimme auf.

Kian �berlegte, doch es machte sowieso keinen Sinn, jetzt zu l�gen und er sagte: "Shane, ..Nicky... und Mark."

"Okay, pass auf. Es geht um Bryan.."

"Was ist mit ihm", fragte Kian eilig.

"Unterbrich mich nicht. Wenn ihr Bryan wiedersehen wollt, dann solltet ihr jetzt das machen, was ich euch sage. Ich wei�, dass die Polizei schon mit ihm Spiel ist, aber ihr solltet denen nichts von diesem Anruf erz�hlen und auch nicht, was ich jetzt sage. Ist das klar?"

Kian schluckte.

"Ob das klar ist?" fragte die Stimme in einem unfreundlichen Ton.

"J...ja", sagte Kian.

"Na gut. Also Bryan ist hier. Und ich glaube, er f�hlt sich nicht sonderlich wohl. Also, wir wollen eine Million Euro. Das d�rfte ja wohl ein Klacks f�r euch sein. Die Geld�bergabe findet am Dienstag statt. Kennst du das alte Fabrikgel�nde am Nordende der Stadt?"

"Ja."

"Gut, da kommt EINER von euch hin, genau um 23.00 Uhr und bringt nichts anderes mit als das Geld- und zwar in Bar. Sobald ich da irgendwelche Polizisten sehen sollte, ist euer Freund tot, verstanden?"

"Ja."

"Also, wir sehen uns Dienstag."

Kian wollte noch etwas sagen, aber der jemand hatte aufgelegt. Kian war schockiert. Er h�tte beinahe den H�rer fallen lassen, aber Mark hielt in fest.

"Kian, was ist los?" fragte Nicky.

Kian erz�hlte, was der Mann am Telefon gesagt hatte.

"Und was machen wir jetzt? Sollen wir zur Polizei gehen?" fragte Shane.

"Auf keinen Fall", sagte Nicky. "Mensch Leute. Eine Million Euro, das haben wir locker auf unserem Konto. Und wenn wir bezahlt haben und Bryan wieder da ist, dann kann die Polizei immer noch einschreiten."

"Nicky hat recht", sagte Mark. "Wir sollten erst mal bezahlen. Hauptsache Bryan kommt wieder." Also wurde beschlossen, die Polizei nicht zu benachrichtigen und die Sache selber in die Hand zu nehmen.

Louis fuhr an diesem Tag nat�rlich wieder zur Polizei. Der Kommissar hatte gute Neuigkeiten. "Wir glauben zu wissen, wer die T�ter sind", sagte er. Louis war zwar nicht gerade erleichtert, weil Bryan immer noch in den H�nden der T�ter war, aber es freute ihn, dass die Polizei Fortschritte machte. "Es hat sich ja noch niemand gemeldet, wegen L�segeld und so", sagte der Kommissar. "Das wundert mich. Normalerweise versuchen Entf�hrer m�glichst schnell an ihr Geld zu kommen. Ich wei� nicht, was sie vorhaben. Aber wir kommen ganz gut weiter und es kann nicht mehr lange dauern, bis wir die T�ter haben."

Louis erz�hlte den Jungs und auch Kerry, wie es bei der Polizei gewesen war. Kerry freute sich ein wenig. Ganz im Gegensatz zu Kian, Mark, Shane und Nicky. Alle machten betroffene Gesichter und auf die Frage, was los sei, brachte alle vier nur ein gequ�ltes L�cheln �ber die Lippen und sagten im Chor: "Ach nichts."

Als Louis und Kerry wieder weg waren, sagte Nicky: "Schei�e, was ist wenn die Polizei schneller ist. Wenn die eingreifen, dann ist es vielleicht vorbei. Ich ziehe es wirklich vor, das Geld zu bezahlen und Bryan heile wiederzubekommen."

"Vielleicht sollten wir der Polizei doch bescheid sagen", sagte Shane. "Vielleicht sind sie damit einverstanden, wenn einer von uns das am Dienstag mit den Entf�hrern regelt."

"Auf keinen Fall. Unser Entschluss steht fest. Und ich kenne die Polizei doch. Die riskieren nicht das Leben eines weiteren Menschen. Die schicken h�chstens ein geheimes Einsatzkommando zur Fabrik und das kann gef�hrlich werden. Au�erdem glaube ich nicht, dass die bei der Polizei bis Dienstag fertig werden", sagte Nicky.

"Wollen wir�s hoffen", sagte Shane.

"�h... Leute?" sagte Kian. "Es gibt da noch so ein kleines... �h... gro�es Problem. Wer geht denn �berhaupt zur Fabrik?"

Keiner sagte etwas. Eine ganze Weile standen sie da und schauten sich gegenseitig fragend an. Als alle nur den Kopf sch�tteln wurde es Nicky zu viel. "Ich mache es. Dubs halten schlie�lich zusammen!"

 

Die n�chsten Tage hie� es abwarten. Nicky, Kian und Mark hofften inst�ndig, dass die Polizei nicht zu schnell war und bis Dienstag nichts neues herausfinden w�rde. Shane war ziemlich hin und her gerissen. Abends lag er im Bett und dachte dar�ber nach, ob er mit dem Anruf nicht doch zur Polizei gehen sollte, auch, weil er sich riesige Sorgen um Nicky machte. Er konnte die Vorstellung, wie Nicky alleine mit zwei wahrscheinlich bewaffneten Entf�hrern und einer Geisel in einer alten Fabrik stand einfach nicht ertragen. W�re es nicht besser, doch noch alles Kommissar Miller zu �berlassen? Aber dann dachte er auch wieder an die Worte der Entf�hrer: Sobald ich da irgendwelche Polizisten sehen sollte, ist euer Freund tot, dann ist euer Freund tot, tot, tot

Diese Worte hallten die ganze Nacht in Shanes Kopf wieder. Auch, wenn die letzten N�chte schlimm gewesen waren. Diese Nacht war die schlimmste und Shane bekam kein Auge zu.

 

Ben sa� vor dem Fernseher. Nur noch wenige Tage, dann w�rde er es endlich zuende bringen. Dann w�rde er sein Geld bekommen und diesen Dickkopf von Bryan w�re er auch endlich los.

Er war acht und Ben schaute in die Nachrichten.

"Schei�e, das darf doch nicht wahr sein", sagte er pl�tzlich.

"Bryan McFadden ist immer noch verschwunden. Doch die Polizei ist sich inzwischen sicher, dass es sich um eine Entf�hrung handelt. Kommissar Miller von der Kriminalpolizei meint jedoch, dass es nicht mehr lange dauern w�rde den Fall zu kl�ren. "Wir sind uns noch nicht sicher, aber wir glauben zumindest zu wissen, wer die T�ter sind", so Miller. Es handle sich um zwei M�nner, die schon wegen Autodiebstahls vorbestraft sind. Weitere Informationen zu dem Vorfall in den Elf-Uhr-Nachrichten.

Nun zum Wetter..."

Ben schaltete den Fernseher aus. "Das darf nicht wahr sein" sagte er erneut. "Das gibt es doch nicht. Nicht jetzt, wo wir es fast geschafft haben.

Noch an diesem Abend fing Ben an, seine Sachen zu packen.

 

Als Paul nachts aufwachte und Ben in Haus rumlaufen h�rte, ging er die Treppe runter, um nachzusehen, was los war. Dann sah er Ben, wie der dabei war seine Klamotten und einige andere wichtige Sachen in eine Tasche zu packen.

"Ben, was ist passiert?" fragte er verwirrt. Ohne aufzuschauen sagte Ben: "Die haben uns. Wir m�ssen sehen, dass wir hier wegkommen."

"Wer hat uns?"

"Na die Bullen. Kam eben in den Nachrichten. Paul, wir m�ssen hier weg. Sieh zu, dass du bis morgen fr�h deine Sachen zusammen hast."

Paul war verwirrt, doch dann holte er seine Tasche und fing an, zu packen. Um elf Uhr machte Ben den Fernseher wieder an.

"Passkontrollen versch�rft. Jetzt, wo die Polizei sich so gut wie sicher ist, die Entf�hrer von Bryan McFadden zu kennen, wurden die Passkontrollen an H�fen und Flugh�fen enorm versch�rft. Gesucht werden zwei M�nner, Mitte zwanzig. Einer ist ca. 1.85 m gro� und hat kurze, blonde Haare. Der andere der beiden M�nner ist etwas kleiner, ca. 1.75 m und hat dunkle Haare, ebenfalls kurz. Au�erdem wird ein schwarzer BMW mit dem Kennzeichen 99-D-57924 vermisst. Wer das Auto oder die beiden M�nner gesehen hat, melde sich bitte umgehend bei der Polizei."

Ben kochte innerlich. "Schei�e, die haben uns wirklich" fluchte er und ging in die K�che. Dort kramte er drei gef�lschte P�sse hervor. "M�ssen wir wohl wieder auf die zur�ckgreifen", sagte er leise und steckte sie in seine Jackentasche. Dann schaute er aus dem Fenster. Sein Blick fiel auf die Garage. Er dachte an den schwarzen BMW, der darin parkte. "Mit dem k�nnen wir auf keinen Fall fahren" dachte er und �berlegte, wie man noch an ein anderes Auto kommen k�nnte. "Paul", rief er schlie�lich. "Ich brauche deine Hilfe."

 

Wenige Minuten sp�ter rollte der schwarze BMW �ber die leeren Stra�en. Ben wusste, dass es leichtsinnig war, das Haus einfach so zu verlassen, aber er musste das Risiko eingehen. Obwohl es mitten in der Nacht war und stockd�ster, machte Ben seine Scheinwerfer nicht an. Zu gro� war die Gefahr gesehen zu werden. Er suchte sich die n�chste kleine Ortschaft und fuhr durch die schmalen Stra�en. "Und du bist dir sicher, dass Bryan am Schlafen war?" fragte er und schaute kurz Paul an.

"Ganz sicher, antwortete der. "Der hat letzte Nacht ganz sch�n was abbekommen und ist total fertig."

Ben nickte und trat auf die Bremse. "Was h�lst du von dem da?" fragte er und deutete auf einen roten VW, der am Stra�enrand geparkt war. "Der ist nicht sonderlich neu und l�sst sich leicht knacken.

"Nicht schlecht", meinte Paul und nickte. "aber die werden das hier merken, sobald die morgens rauskommen, um die Zeitung reinzuholen.

"Bis dahin sind wir l�ngst nicht mehr hier", sagte Ben und stieg aus. "Du machst dich jetzt auf den R�ckweg. Ich k�mmere mich um das Auto da." Damit schlug er die T�r zu und ging auf das Rote Auto zu. Paul r�ckte auf den Fahrersitz des schwarze BMW und fuhr los.

Ben ging ein paar Mal um das Auto rum. Dann kroch er mit seiner Taschenlampe unter das Auto und spielte an der Verrieglung rum. "Komm schon", murmelte er. Nach zehn Minuten h�rte es klicken. "Na endlich", sagte er leise und kam unter dem Auto hervor. Er zog am Griff der Fahrert�r. Sie �ffnete sich. Ben lie� sich auf den Fahrersitz gleiten und schaute sich das Armaturenbrett an. "Na dann wollen wir mal." Er zog und r�ttelte vorsichtig am Armaturenbrett, bis es sich ein wenig lockerte und er an die Kabel kam. Er schaute sich das Gewusel aus bunten Dr�hten eine ganze Weile lang an, bis er sich sicher war, die richtigen gefunden zu haben. Er nahm die zwei Kabel und hielt sie zusammen. Der Motor gab Ger�usche von sich. "Geht doch", sagte Benn und verdrehte die Kabel miteinander. Dann trat er aufs Gaspedal und fuhr los.

Paul stand vor dem Haus und schaute auf die Uhr. Er wurde nerv�s und lief vor dem Haus auf und ab. Es war eine k�hle Nacht und Paul fing an zu frieren. Doch es war die Sorge um Ben, die ihm viel mehr st�rte, als der kalte Wind. Paul wusste, dass es kein Kinderspiel war, ein Auto zuknacken, doch was war, wenn sie Ben erwischt hatten. "Nein, Ben l�sst sich nicht erwischen", murmelte er vor sich hin und schaute auf die Stra�e, die sich zwischen den B�umen entlangschl�ngelte. Dann h�rte er Motorenger�usche. War das Ben?. Der rote Wagen, der eben noch am Stra�enrand des kleinen Ortes geparkt gewesen war, kam auf ihn zu. Paul atmete auf, als Ben aus dem Wagen stieg. "Wo ist der BMW?" fragte Ben.

Paul zeigte in den Wald. "Den hab ich da in den B�schen geparkt", sagte er.

"Gut, und jetzt sehen wir zu, dass wir loskommen."

Die beiden gingen ins Haus und holten ihre Taschen. "Hast du die P�sse?" fragte Paul. Ben nickte. Die beiden luden ihre Taschen ins Auto und �berlegten, ob sie auch alles hatten.

"Okay", sagte Ben schlie�lich. "Wir k�nnen los." Dann ging er wieder ins Haus. Zusammen mit Paul ging er die Treppe hoch und schloss die T�r zu Bryans Zimmer auf.

Bryan lag im Bett und schlief tief und fest, als Ben ihn wachr�ttelte. Bryan �ffnete langsam die Augen. Aus dem Fenster konnte er den Mond am schwarzen Himmel sehen. Es war mitten in der Nacht.

"Was geht denn jetzt ab?" fragte er total verschlafen und schaute Ben und Paul verwirrt an.

"Frag nicht. Steh einfach auf und zieh dich warm an. Es ist ganz sch�n k�hl drau�en", sagte Ben wirsch und wartete. Bryan, der �berhaupt nicht wusste, was die beiden vorhatten, stieg aus dem Bett und zog sich seine Jacke an. Dann zog Ben ein Seil aus der Tasche, fasste sich Bryans H�nde und schn�rte sie auf dem R�cken zusammen. Bryan verzog schmerzhaft das Gesicht. Dann zerrte Ben ihn aus dem Zimmer. Bryan bekam ein flaues Gef�hl im Magen, als er die steile Treppe hinunterschaute. Er musste an sein Bein denken, dass wieder anfing zu schmerzen. Doch es n�tzte alles nichts. Ben zwang ihn die Treppe runter. Als sie unten angekommen waren atmete Bryan auf. Dann gingen sie aus dem Haus und Paul schloss die Haust�r ab. Ben zerrte Bryan zum Wagen. Er �ffnete die Hintert�r und Bryan kletterte auf die R�ckbank. Paul stieg ebenfalls ins Auto. Es war wieder Ben, der sich hinters Lenkrad setzte. Bevor er losfuhr drehte er sich noch kurz um und sagte zu Bryan: "Wenn uns irgendjemand anh�lt und du auch nur einen Ton von dir gibst, dann bist du tot. Hast du das verstanden?" Dann trat er aufs Gaspedal und der Wagen setzte sich in Bewegung. Schnell bewegte sich das Auto �ber die leeren Stra�en. Sie waren noch immer in einer unbewohnten Gegend und drau�en war es noch dunkel. Bryan schloss die Augen. Er war superm�de, weil er schon die letzte Nacht kaum geschlafen hatte. Au�erdem waren da wieder diese dr�ckenden Schmerzen in der Brust, die Bryan jedes Mal das Gef�hl gaben, kaum noch Luft zu bekommen. Er versuchte, langsam zu atmen, doch das half nichts und Bryan versuchte sich abzulenken. Wie immer musste er an Kerry und Molly denken und stellte sich die Frage, ob Kerry umgekehrt auch oft an ihn denken musste, oder ob sie immer noch dachte, er w�rde sie betr�gen. Lange dachte er dar�ber nach. Erst die Lichter einer Stadt, die die Stra�en erhellten, brachten Bryan von seinen Gedanken ab. Wie lange waren sie gefahren? Wo waren sie? Die Fahrt durch die Stadt dauerte lange und Bryan fragte sich, ob sie durch Dublin fuhren. Ihm tat alles weh, ihm war schwindelig und er konnte drau�en kaum etwas erkennen. Er richtete seinen Blick auf das Armaturenbrett, weil er das Gef�hl hatte, umzukippen, wenn er noch lange aus dem Fenster gucken w�rde, wo alles viel zu schnell an seinen Augen vorbeizog.

Das Auto hielt, als es langsam d�mmerig wurde. Sie standen in einer Autoschlange. Als Bryan seinen Blick durch die Vorderscheibe warf, sah er, dass am Ende der Schlange irgendetwas kontrolliert wurde.

"Die suchen genau uns", sagte Ben und fuhr ein St�ck weiter. Bryan war verwirrt. Die wollten doch nicht durch eine Passkontrolle, die genau wegen ihnen veranstaltet wurde. So verr�ckt konnte man einfach nicht sein. Bryan beschloss abzuwarten. Wenn er Gl�ck hatte, suchten sie wirklich Ben und Paul und dann w�rde die Geschichte vielleicht endlich ein Ende nehmen. Das Auto kam dem Kontrollh�uschen immer n�her. Als sie kurz davor waren, drehte Ben sich um schubste Bryan. Bryan kippte zur Seite und lag wieder quer auf der R�ckbank. Es war wie auf der Hinfahrt. Die Fesseln hinderten ihn daran, sich wieder aufzurichten.

"Du r�hrst dich jetzt nicht vom Fleck und wehe, du sagst auch nur ein Wort", erinnerte ihn Ben noch einmal und fuhr auf die Polizisten, die vor dem kleinen H�uschen standen zu. Bryan lauschte. Was w�rde passieren?

Der Polizist hielt das Auto an. Ben kurbelte die Scheibe runter und l�chelte. "K�nnte ich bitte ihren F�hrerschein und ihre Ausweise sehen?" sagte der Polizist und wartete. Paul �ffnete das Handschuhfach und zog einen F�hrerschein und zwei der P�sse heraus. Ben nahm sie und reichte sie an den Polizisten weiter. Der betrachtet die P�sse nur kurz und deutete dann auf Bryan. "Wer ist das da?" fragte er.

"Oh, das ist ein Freund", sagte Ben und Paul kramte einen dritten Ausweis aus dem Handschuhfach. Auch den gab Ben an den Polizisten und sagte: "Er schl�ft gerade. Er hat Kopfschmerzen und f�hlt sich nicht gut."

Der Polizist l�chelte. "Na, dann noch eine gute Fahrt", sagte er und wollte das Auto gerade weiterfahren lassen, als sein Handy klingelte. Er gab Ben ein Zeichen, noch zu warten und drehte sich kurz um. Ben tat geduldig und blieb stehen.

"Das darf doch nicht wahr sein, dass die mit so einer Unschuldsnummer durchkommen", dachte Bryan. Ben drehte sich noch mal kurz um und warf Bryan einen vielsagenden Blick zu. In seiner Hosentasche steckte seine Pistole und Bryan wusste, dass Ben in dieser Situation vor nichts zur�ckschrecken w�rde. Also hielt er lieber die Klappe und blieb still liegen.

 

"Parker? Sind sie immer noch in der Passkontrolle?"

"Ja das bin ich, was gibt�s?" fragte Parker, der Angst hatte, dass die drei jungen M�nner in dem Auto, dass er gerade kontrolliert hatte, ungeduldig werden k�nnten.

"Bei uns ist eben ein gestohlenes Auto gemeldet worden."

"Was hab ich damit zu tun, ich soll hier zwei M�nner suchen und nicht irgendwelche Autos, die gestohlen wurde", schimpfte Parker lautstark.

"Ich meine ja nur, dass du da mal ein Auge drauf haben k�nntest. Es handelt sich um einen roten VW mit dem Kennzeichen 98-D-24929. Also nur wenn du zuf�llig so was siehst, was ich ja auch f�r unwahrscheinlich halte."

"Okay, ich k�mmere mich drum. Also ein roter VW mit dem Kennzeichen 98-D-24929. Werd mal ein Auge drauf werfen." Dann legte er auf. Ben hatte die letzten Worte mitgeh�rt und als der Polizist sich lange das Auto betrachtet und noch einmal die P�sse sehen wollte geriet er in Panik. "Mist, jetzt haben sie uns", dachte er. Doch er �berlegte nicht lange und trat aufs Gas. Das Auto sauste los. Der Polizist erschrak kurz, doch ohne lange zu �berlegen, nahm er sein Handy und forderte ein paar Streifenwagen an, w�hrend Ben mit fast 200 Sachen auf dem direkten Weg zur Autobahn war. Bryan hatte so einigerma�en mitbekommen, was passiert war und bekam Angst. Vor allem, dass er nicht sehen konnte, was auf der Stra�e passierte machte ihn ganz verr�ckt. Mit aller Kraft schaffte er es, sich ein wenig aufzurichten und f�hlte sich auch gleich viel sicherer. Dann schaute er aus dem Fenster und sah, wie Ben eine rasante Fahrt auf der Autobahn hinlegte. Der Kerl hatte tats�chlich vor zu fl�chten.

 

Kian hatte in dieser Nacht endlich mal wieder durchgeschlafen und konnte ausgeschlafen in den Tag starten. Als erstes wollte er ausgiebig fr�hst�cken und dann einfach weitersehen. Doch wie in den letzten Tagen auch, musste er auch an diesem Morgen an Bryan denken. Kommissar Miller hatte gesagt, dass es nicht mehr lange dauern w�rde, bis sie die T�ter gefasst h�tten, doch er wusste nichts von dem Brief und dem Anruf. Er hatte keine Ahnung, dass in wenigen Tagen eine Geld�bergabe irgendwo in einer alten Fabrik stattfinden sollte. Er hatte ja nichts davon mitbekommen, dass die T�ter sich l�ngst gemeldet hatten. Doch der Anrufer hatte sie ja gewarnt und Kian, Mark, Shane und Nicky hatten es aus lauter Sorge um Bryan nicht fertig gebracht, zur Polizei zu gehen. Kian ging in die K�che. Er �ffnete den K�hlschrank und seufzte. Der K�hlschrank war fast leer. "Na dann eben nicht", sagte Kian zu sich und ging ins Wohnzimmer. Er setzte sich aufs Sofa und �berlegte, was er nun mit seinem leeren Magen machen sollte. Er beschloss, erst mal jemanden anzurufen. Er ging zum Telefon und w�hlte Shanes Nummer. Es dauerte eine Weile, bis Shane sich am Telefon meldete.

"Hi, hier ist Kian."

"Ach Hallo. Sorry, dass ich nicht fr�her dran gegangen bin, aber ich bin gerade erst aus der Dusche gekommen. Und was machst du so?"

Kian seufzte. "Also irgendwie gar nichts. Bin gerade erst aufgestanden, weil ich heute Nacht ausnahmsweise mal durchgeschlafen hab."

"Ich bin auch eben erst aus dem Bett gekommen, aber im Gegensatz zu dir hab ich kein Auge zu gemacht. Sag mal, hast du schon gefr�hst�ckt. Du k�nntest ja sonst mal bei mir vorbeikommen."

Kian war �berrascht. "Woher wei�t du, dass mein K�hlschrank leer ist?"

"Wie, ehrlich?" fragte Shane und lachte.

"Ja, in den letzten Tagen konnte ich mich einfach nicht darum k�mmern."

"Na, dann komm doch vorbei", sagte Shane noch einmal.

"Okay", sagte Kian. "Bis gleich."

"Bis Gleich", sagte Shane und legte auf.

Kian legte ebenfalls auf und ging in sein Zimmer, um sich anzuziehen. "Shane, du bist mein Retter", sagte er und �ffnete seinen Kleiderschrank. Das gleiche Problem, wie jeden Morgen. Im Kleiderschrank waren einfach zu viele Klamotten und Kian konnte sich einfach nicht entscheiden, was er anziehen sollte. Irgendwann schaffte er es dann doch noch und lief zu seinem Auto. Dann fuhr er zu Shane. Shane erwartete ihn bereits und hatte auch schon Fr�hst�ck gemacht. "Shane, du bist ein Schatz", sagte Kian und die beiden fr�hst�ckten erst mal ausgiebig.

Irgendwann klingelte das Telefon. Shane stand auf und ging dran. Kian blieb am Tisch sitzen und h�rte nur Bruchst�cke des Telefongespr�chs mit. "Was?... Ehrlich?... Ja... wann? ... okay... bis sp�ter", h�rte er Shane sagen. Dann kam er zur�ck in die K�che.

"Wer war denn dran?" fragte Kian und nahm das letzte St�ck von seinem Fr�hst�cksei.

"Die Polizei", sagte Shane und setzte sich wieder. Kian blickte auf und fragte: "Was wollten die denn, jetzt spuck schon aus."

"Heute morgen ist ein gestohlenes Auto durch die Passkontrolle in Dublin gefahren. Als der Fahrer merkte, dass man das Auto erkannt hatte, fuhr er einfach durch und ist jetzt mit zwei anderen M�nnern auf der Flucht."

"Ja und? Wer war waren die M�nner?"

"Wahrscheinlich die Entf�hrer mit Bryan."

Kian klappte der Unterkiefer runter. "Wie jetzt, noch mal ganz genau bitte."

"Jetzt l�chere mich doch nicht. Ich wei� das doch auch nicht so genau. Ich hab nur kurz mit der Polizei gesprochen. Wir sollen gleich ins Polizeipr�sidium kommen."

"Okay, aber erst brauche ich noch eine Tasse Kaffee, sonst l�uft bei mir gar nichts." Shane reichte Kian die Kaffeekanne. Nach zehn Minuten begannen Kian und Shane, den Tisch abzur�umen und machten sich dann auf den Weg ins Polizeipr�sidium.

 

"Schei�e, die h�ngen uns an den Versen!" rief Ben.

"Und was nun?" fragte Paul verzweifelt.

"Erwischen lasse ich mich nicht", sagte Ben entschlossen und riss das Lenkrad nach links.

Bryan knallte hart gegen die Hintert�r. Als er sich wieder einigerma�en aufgerichtet hatte schaute er durch die Heckscheibe. Bestimmt f�nf Streifenwagen waren ihnen mit Blaulicht auf den Fersen.

"Na wenn das mal gut geht", dachte er sich und richtete den Kopf wieder nach vorne, weil ihm schwindelig wurde. Ben �nderte immer wieder die Fahrspur, doch die Verfolger lie�en sich nicht abh�ngen. Irgendwann merkte Ben, dass das Schlenker fahren nichts brachte und versuchte etwas anderes. Er dr�ckte aufs Gaspedal und wurde schneller. Bryan bekam wieder Angst. Ben war l�ngst �ber das Fahrlimit auf der Autobahn hinausgekommen und schien trotzdem immer schneller zu werden. Als Ben das Gef�hl hatte einigerma�en au�er Sichtweite der Verfolger zu sein nahm er die n�chste Abfahrt und fuhr dann sofort auf eine leere Landstra�e. Das Blaulicht war nicht mehr zu sehen, aber Ben wurde nicht langsamer.

"Also wenn die uns hier finden, dann wei� ich auch nicht mehr", sagte Ben und raste weiter. Viel zu schnell. Die Landstra�e war eng und kurvig und w�rde ihnen hier in einer Kurve ein anderer Wagen entgegenkommen, dann war alles vorbei. Eine ganze Weile raste Ben so �ber die nicht besonders gut geteerte Stra�e. Bryan w�rde �bel und er hatte die ganze Zeit das Gef�hl, sich gleich �bergeben zu m�ssen.

Auch Paul wurde die ganze Sache unheimlich. Er packte Ben an der Schulter und sagte: "Ben, jetzt fahr langsamer. Die sind nicht mehr hinter uns."

"Das wei�t du nicht", sagte Ben und nahm den Fu� nicht vom Gas. Paul sah beunruhigt aus. Auf der linken Seite der Stra�e fiel die Landschaft steil ab und Ben schien nerv�s zu sein. Ab und zu hatte Bryan sich gew�nscht, dass die zwei unruhig geworden w�ren, um ihm mal die Chance zu geben, sie noch mehr zu verunsichern und vielleicht zu fliehen. Aber jetzt w�nschte er sich, dass besonders Ben ein wenig ruhiger werden w�rde. Wenn er so weiterfahren w�rde, konnte er leicht von der Stra�e abkommen und den ganzen Abhang, der felsig war und einige Meter in die Tiefe ging, runterdonnern und dann war es mit Sicherheit aus.

Doch es war nicht der Abhang, der Ben pl�tzlich zum Bremsen brachte. Es war etwas, was mitten auf der Stra�e stand und Ben auf diesem schmalen St�ck der Stra�e nicht die M�glichkeit lie�, vorbeizufahren. Ben trat auf die Bremse, der Wagen geriet ins Schlingern und kam dann mit quietschenden Reifen auf der Stra�e zum Stehen.

 

Shane lief aufgeregt und nerv�s in einem der vielen B�ros des Polizeipr�sidiums hin und her. Dann sagte er: "Wie lange dauert das denn? Ich halte das echt nicht aus. Wir k�nnen doch nicht den ganzen Tag hier rumsitzen und gar nichts tun, w�hrend Bryan..."

Mark hielt ihn am �rmel fest und zog ihn zur�ck auf den Stuhl. "Jetzt bleib mal ganz ruhig. Was willst du denn unternehmen?"

Der Polizist, der ihnen gegen�bersa� sch�ttelte den Kopf und meinte: "Ich wei� auch nicht. Diese ganze Verfolgung war ja gar nicht geplant, aber als jemand das gestohlene Auto bei der Passkontrolle erkannt hat, haben die Entf�hrer wohl Panik bekommen. Ich halte solche Verfolgungen f�r viel zu gef�hrlich. Ich will euch ja keine Angst machen, aber wer wei�, was die mit Bryan anstellen, wenn die pl�tzlich von lauter Streifenwagen umzingelt werden."

Kian st�tzte den Kopf in die H�nde. Nicky starrte das Telefon an, doch es blieb still. Der Polizist versuchte sie zu beruhigen. "Jungs, die werden sich schon melden. Kommissar Miller hat versprochen, sofort anzurufen, wenn es vorbei ist und dann werden wir sofort zu ihm fahren, okay?"

"Wer wei�, wann es vorbei ist? Was ist, wenn die beiden wieder mit Bryan entkommen?" fragte Nicky und lie� das Telefon nicht aus den Augen.

"Jetzt denkt doch nicht immer gleich ans Schlimmste", sagte Louis, doch es klang nicht danach, als ob er sich keine Sorgen machen w�rde.

Die T�r ging auf. Es war Kerry. Doch sie war nicht alleine. Hinter ihr kamen Bryans Eltern durch die T�r.

"Langsam wird�s voll", sagte der Polizist und ging ins Nebenzimmer, um mehr St�hle zu holen.

Louis stand auf und sch�ttelte Bryans Eltern die Hand. "Gut, dass ihr da seid, wir versuchen seit Tagen, euch zu erreichen", sagte er.

"Tut uns leid. Wir w�ren schon viel fr�her gekommen, wenn wir das gewusst h�tten", sagte Bryans Mutter und setzte sich auf einen der St�hle, die der Polizist eben hereingetragen hatte.

"Sie wissen, worum es geht?" fragte der Polizist und Bryans Vater nickte. Die Stimmung in dem kleinen B�ro war betr�bt. Keiner wusste was er sagen sollte. Sie konnten nur hoffen, dass die Verfolgung schnell ein Ende finden w�rde und das dabei nichts schlimmes passierte. Und dann klingelte endlich das Telefon. Alle blickten auf. Der Polizist nahm den H�rer ab. "Ja?", sagte er. "Nein, die ist nicht hier...vielleicht im Archiv... das wei� ich nicht... okay... bis dann", sagte er. Dann wendete er sich wieder an die anderen: "Sorry, aber es war jemand anders."

 

Ben legte den R�ckw�rtsgang ein, doch bevor er den Wagen in Gang setzen konnte war einer der Polizisten aus seinem Wagen gekommen und zog seine Pistole. Bryan kniff die Augen zusammen. Dann kam ein Schuss. Bryan hatte klirrendes Glas oder so was erwartet, aber nichts. Er sp�rte nur, wie das Auto auf der einen Seite absackte und Ben nicht mehr den Versuch startete, wegzufahren. Der Polizist hatte in den Reifen geschossen.

"Schei�e", sagte Ben, �berlegte aber nicht lange. Er war sich seiner Sache sicher und sagte zu Paul: "Lass ich das mit denen regeln. Wir haben immer noch Bryan. Der ist zwar schon ein wenig angeschlagen, aber Hauptsache er lebt noch." Bryan fand das zwar nicht witzig, musste aber zugeben, dass Ben Recht hatte. In den letzten Tagen hatte er sich so einige Macken und Schrammen zugezogen. Au�erdem war er nerv�s und begann, schneller zu atmen. Da waren sie wieder. Die Schmerzen. Wann w�rde das endlich ein Ende finden?

Ben nahm seine Waffe und stieg aus dem Auto. Dan ging er hastig zur Hintert�r und �ffnete sie. Er zerrte Bryan heraus und hielt ihm die Waffe an den Kopf. Bryan schaute zum Stra�enrand. Die Stra�e war an dieser Stelle sehr schmal und als er so den Abhang, der an dieser Stelle noch nicht einmal soooo gef�hrlich aussah, hinunter sah, wurde ihm wieder schwindelig und er hatte das Gef�hl, mit seinem kaputten Bein das Gleichgewicht zu verlieren. Er schaute weg. Ben stellte sich mit ihm den Polizisten gegen�ber und rief: "Waffen weg, oder Bryan wird hier auf der Stelle sterben." Die Polizisten z�gerten, mussten aber einsehen, dass die Lage ernst war und warfen die Pistolen beiseite.

Dann stieg Paul aus dem Auto. Ben winkte ihn mit der freien Hand zu sich und Paul �bernahm Bryan. Ben nahm seine Pistole runter und fing an mit der Polizei zu reden. "Okay, ich werde ihm nichts tun", sagte er und deutete auf Bryan. "Unter einer Bedingung. Ich bekomme einen Wagen und verschwinde mit der Geisel."

"Und wenn nicht", fragte einer der Polizisten und versuchte, Zeit zu gewinnen.

"Wie gesagt, der Kerl ist auf der Stelle tot, sobald irgendjemand versucht, meine Pl�ne zu durchkreuzen."

Die Polizei sah keinen Ausweg. Eine Weile lang �berlegten sie. Dann versuchten sie, weiterzuhandeln.

"Wir machen euch einen Vorschlag. Ihr bekommt das L�segeld, wir bekommen Bryan und dann k�nnt ihr verschwinden." Ben �berlegte, doch Bryan hatte gewusst, dass er so doof nicht sein w�rde. "Auf keinen Fall!" rief Ben. "Ich bin mir sicher, dass keiner von euch zuf�llig eine Million Euro dabei hat und zweitens ist das nicht sicher. Ihr bekommt Bryan und ich? Dann habt ihr mich. Nein, auf keinen Fall."

Auch Bryan sah keinen Ausweg aus dieser wirklich dummen Lage. Es machte ihn ganz verr�ckt, dass Paul immer noch die Waffe an seinen Kopf hielt. Bryan wusste, wie nerv�s Paul in solchen Situationen werden konnte. Ein Ausrutscher und er w�re tot. Er h�rte, wie Paul hinter ihm schnell atmete. Seine Hand zitterte. Er war wirklich nerv�s. Bryan hatte riesengro�e Angst. Wenn Paul doch wenigstens seine Hand still halten w�rde. Einer der Polizisten wollte gerade etwas sagen, da passierte etwas, womit keiner gerechnet hatte. Ein Auto kam mit enormer Geschwindigkeit um die Kurve hinter den Polizeiautos. Der Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr in eines der Polizeiautos. Doch es schien nichts schlimmes passiert zu sein. Es krachte einmal, dann wurde es still. Nur sie Sto�stangen und die Lichter der Autos waren besch�digt worden. Ben erschrak. Nicht, dass er es nicht fertiggebracht h�tte, noch ein paar mehr Leute zu erschie�en, aber mit so was hatte er nicht gerechnet. Er war irritiert und machte erschrocken zwei unsichere Schritte nach hinten. Dabei stie� er mit Bryan zusammen. Der bekam einen m�chtigen Sto� und konnte sich auf seinem einen Bein nicht mehr halten. Er schwankte kurz und stolperte dann nach hinten. Noch bevor Ben oder Paul ihn festhalten konnten h�rte man einen lauten Schrei und Bryan st�rzte r�ckw�rts den Abhang hinunter. Man h�rte einen dumpfen Aufprall, dann wurde es still.

Ben und Paul starrten ihm schockiert hinterher. Das war die Chance der Polizei. Die Polizisten hoben ihre Waffen auf und richteten sie auf Ben und Paul.

"Waffen runter und H�nde hoch" rief einer von ihnen. Paul, der hinter Ben stand, lie� seine Waffe fallen und nahm die Arme in die H�he. Dann drehte er sich langsam um. Doch Ben wollte nicht aufgeben und hatte einen neuen Plan. Er nahm seine Waffe und ging damit auf Paul zu. Einer der Polizisten begriff sofort, dass Ben vor hatte, Paul als Geisel zu nehmen. Er nahm seine Waffe und zielte. Ben wollte sich umdrehen, doch bevor es dazu kam, traf ihn eine Kugel an der Schulter und er fiel zu Boden. Paul stand immer noch mit erhobenen H�nden am Stra�enrand und starrte entgeistert seinen Kumpel an, der auf der Stra�e lag und sich schmerzhaft an die Schulter faste.

"Keine Bewegung", schrie der Polizist und ging mit seinen Kollegen auf die beiden zu. Paul gab auf und lie� sich ohne Widerworte Handschellen anlegen. Aus einem der Polizeiwagen kam ein Notarzt, den die Polizei f�r alle F�lle mitgeschickt hatte. Er lief an der Stra�e entlang und guckte, wo Bryan gelandet war. Als er die Stelle gefunden hatte rutschte er vorsichtig den Hang hinunter und kam vor Bryans K�rper zum stehen.

"Wir brauchen sofort einen Rettungshubschrauber", rief er den Polizisten zu, worauf einer von ihnen sofort zu seinem Wagen rannte und telefonierte. Au�erdem wurde ein Krankenwagen f�r Ben angefordert. Kommissar Miller, der ebenfalls von der Partie war, rief wie versprochen im Polizeipr�sidium an.

Als dort das Telefon klingelte wurde sofort abgenommen.

"Ja?"

"Ja, hier ist Miller."

Der Polizist nickte Louis, den Jungs, Kerry und Bryans Eltern, die alle aufgeschreckt waren zu. Die versuchten, irgendetwas von dem mitzubekommen, was Kommissar Miller am anderen Ende der Leitung sagte. Doch die Verbindung war nicht sonderlich gut und man konnte selbst am Telefon nur schwer etwas verstehen.

"Wohin?... Ja... ja... okay... sind sie auch da?... okay, bis dann", h�rte man den Polizisten sagen. Dann legte er auf. Alle, die im B�ro waren, fingen an durcheinander zu reden.

"Was ist, wie geht es Bryan, wo ist er?" Der Polizist brauchte eine Weile, um alle wieder zu beruhigen.

"Wir sollen sofort ins Krankenhaus kommen", sagte er. "Jetzt bitte nicht so viele Fragen, ich wei� auch nichts genaues." Dann erhob er ich und �ffnete die B�rot�r. Alle standen auf und folgten ihm dann durch das Polizeigeb�ude. Unten auf dem Parkplatz gab es erst ein kleines Chaos, doch irgendwie fand dann jeder einen Platz in einem der Autos und sie machten sich auf den Weg ins Krankenhaus. Alle konnten es kaum erwarten, zu erfahren, was denn nun mit Bryan los war. Auch, wenn es ja nicht ganz so schlimm kommen musste- mit dem Wort "Krankenhaus" brachten alle etwas Unangenehmes in Verbindung.

Im Krankenhaus angekommen trafen sie als erstes Kommissar Miller. Der setzte sich mit allen ins Wartezimmer und erkl�rte, dass Bryan im OP sei.

Kerry schaute auf. "Im OP?" stotterte sie. "Was ist denn passiert?"

Der Kommissar erz�hlte die ganze Geschichte. Alle sa�en da und h�rten schockiert zu. Als der Kommissar am Ende angekommen war, wurde es still. Kerry weinte. Der Kommissar musste sich verabschieden. "So, ich muss zur�ck ins Pr�sidium. Der Arzt wird euch dann sicher alles erkl�ren", sagte er und verlie� mit dem freundlich Polizisten, der Bryans Angeh�rige ins Krankenhaus begleitet hatte das Krankenhaus.

"Kerry, jetzt h�r auf, zu weinen", sagte Nicky und legte seinen Arm um ihre Schulter. "Es wird doch alles wieder gut."

Kerry schaute ihn an. "Ich wei� auch nicht", schluchzte sie. "Was ist, wenn es etwas schlimmes ist?" Kerry vergrub das Gesicht in ihren H�nden.

"Jetzt mal den Teufel nicht an die Wand", sagte Nicky und gab ihr ein Taschentuch. Kerry wischte sich die Tr�nen aus dem Gesicht und es wurde still. Lange sa�en sie da und warteten. Sekunden wurden zu Stunden und weit und breit kein Arzt, der ihnen eine Auskunft geben konnte. Ein beklemmendes Gef�hl machte sich bei allen breit, denn es war absolut unertr�glich, nicht zu wissen, was mit Bryan los war. Mark starrte lange auf die T�r mit der Aufschrift "OP-Bereich, Zutritt verboten", doch die T�r blieb verschlossen.

Erst nach Stunden, so wie es ihnen vorkam, ging die T�r offen und ein Arzt kam auf sie zu.

"Ihr geh�rt zu Bryan McFadden, nehme ich an", sagte er und schaute sie fragend an. Alle nickten. "Wie geht es ihm?" fragte Kerry.

"Nicht sonderlich gut. Die B�nderdehnung und Der Armbruch am Bein sind ja nicht so schlimm, auch, wenn der Armbruch sehr kompliziert ist, aber er hat sich drei Rippen gebrochen und die haben unheimlich auf seine Lunge gedr�ckt. Au�erdem hat er sich bei dem Sturz eine schwere Gehirnersch�tterung und einen H�ftbruch zugezogen. Wir mussten ihn auf die Intensiv legen."

"Kann ich zu ihm?" fragte Kerry. Der Arzt �berlegte und sagte schlie�lich: "Okay, aber nur kurz." Kerry nickte und der Arzt brachte sie zu Bryans Zimmer. "Ich warte hier drau�en", sagte der Arzt und Kerry betrat das Zimmer. Als sie Bryan da so liegen sag, musste sie wieder weinen. Bryan war blass und hatte �berall Schrammen und Wunden. Sein linker Arm war bis zum Ellenbogen eingegipst. Um den Hals hatte er eine Halskrause und an der Hand und in der Nase waren lauter Schl�uche. Kerry ging auf das Bett zu und schaute ihn lange an. Dann sagte sie leise: "Bryan, ich lieb dich doch." Bryan r�hrte sich nicht. Kerry setzte sich ans Bett und nahm Bryans Hand. Als sie den wei�en Gips betrachtet, hatte sie eine Idee. Sie holte einen roten Lippenstift aus der Tasche und malte ein gro�es Herz auf den Gips. Dann schrieb sie "Es tut mir so leid. Sorry, aber ich liebe dich. Kerry" in das Herz. Als n�chstes ging sie sich einmal mit dem Lippenstift �ber die Lippen und dr�ckte dann einen Schmatzer neben das Herz, so das ein roter Kussmund sichtbar wurde. Als sie damit fertig war, kam auch schon der Arzt und meinte, dass sie Bryan jetzt lieber alleine lassen sollte. Kerry folgte dem Arzt auf den Flur.

"Wann wird er aufwachen?" fragte sie.

"Das kann ich ihnen noch nicht sagen, aber ich melde mich bei ihnen, sobald es etwas neues gibt."

Kerry ging zur�ck zu den anderen.

"Soll ich dich nach hause fahren?" fragte Nicky, als er Kerrys verweintes Gesicht sah. Kerry nickte und machte sich mit Nicky auf den Weg zum Parkplatz. Als die beiden durch die langen Flure des Krankenhauses gingen, dr�ckte Nicky ihr noch ein Taschentuch in die Hand, denn Kerry hatte schon wieder angefangen zu weinen. Nicky klopfte ihr auf die Schulter und versuchte sie zu tr�sten, doch Kerry wollte nur ihre Ruhe haben und Nicky brachte sie nach Hause. Auch Mark, Kian, Shane und Bryans Eltern verlie�en das Krankenhaus.

 

Als Bryan aufwachte und langsam die Augen �ffnete wusste er nicht so recht, wo er war. Er schaute sich in dem wei�en Zimmer um und versuchte sich zu erinnern, was genau passiert war, doch er sah nur verschwommene Bilder und erinnerte sich an die Schmerzen, die er gehabt hatte. Jetzt waren sie wieder da. In der Brust, im Bein und im Arm. Er hob den Kopf ein wenig und betrachtete den Gips. Irgendetwas stand darauf geschrieben, doch Bryan sah alles total verschwommen und lie� den Kopf zur�ck in die Kissen sinken. Nach einer Weile nahm er dem Arm eine St�ck hoch. Das kostete ihn eine Menge Kraft, weil er sich noch ganz schwach f�hlte, aber er konnte endlich erkennen, was da in rot auf dem wei�en Gips stand. Er betrachtete das Herz gl�cklich. Kerry war da gewesen und sie liebte ihn noch. Bryan schloss die Augen und dachte an sie. Das erste Mal seit Tagen konnte er endlich wieder gl�cklich sein. Bryan liefen Tr�nen �ber die Wange, aber es waren Tr�nen der Freude und Bryan lie� sie einfach laufen.

Nach einer Weile �ffnete sich die T�r. Es war der Arzt. Er kam auf das Bett zu und blieb davor stehen.

"Und, alles okay bei dir? Ich darf doch "Du" sagen?" fragte er. Bryan nickte. Er war es gewohnt, von allen m�glichen Leuten, auch von denen, die er nicht mal kannte, mit Du angeredet zu werden und konnte sich ein "Sie" kaum noch vorstellen.

"Ob man das okay nennen kann...", sagte er dann noch ganz heiser.

"Na, die Narkose ist dir wohl nicht ganz so gut bekommen. Noch Schmerzen?"

Bryan nickte. "In der Brust und im Arm."

"Das hab ich mir fast gedacht. Ich bringe dir gleich mal ein Schmerzmittel, aber ob das gegen die Schmerzen in der Brust hilft, kann ich dir nicht versprechen."

"Was ist passiert?" fragte Bryan. "und wie lange war ich weg?"

"Du kannst dich nicht mehr erinnern?" Bryan sch�ttelte den Kopf.

"Okay, das war gestern morgen. Du bist den Abhang an der Stra�e runtergest�rzt. Dabei hast du dir die H�fte und den Arm gebrochen und dir eine schwere Gehirnersch�tterung zugezogen, also wunder dich nicht, wenn du in den n�chsten Tagen noch Kopfschmerzen bekommst oder dir schwindelig wird."

Bryan schloss die Augen. Schwach erinnerte er sich, wie Ben von der Polizei angehalten wurde. An das Auto das pl�tzlich kam und das Ben ihn anstie� wie er pl�tzlich das Gleichgewicht verlor und... dann wurde alles schwarz. War er wirklich den Hang runtergest�rzt?

Der Arzt riss ihn aus seinen Gedanken. "Ich h�tte da noch einige Fragen. K�nnen wir das jetzt kl�ren oder f�hlst du dich nicht gut?"

"Ist schon okay", sagte Bryan.

"Okay. Als erstes zu deinem Bein. Da hast du eine B�nderdehnung. Die ist aber nicht von gestern. Au�erdem hast du dir drei Rippen gebrochen. Zwei davon sind auch nicht von gestern. Wann ist das passiert? Oder ist dir da gar nichts aufgefallen?"

Bryan �berlegte. Die Schmerzen in der Brust. Das Bein. Dann erinnerte er sich an die Nacht im Wald, wo er h�ngen geblieben war und dann auf den Waldboden gefallen war.

"Nein, die sind nicht von gestern", sagte Bryan und erz�hlte die Geschichte, von seiner Flucht, die ja leider misslungen war. Der Arzt nickte, als Bryan fertig war. "Ein Wunder, dass du damit noch durch die Gegend gelaufen bist", sagte er.

"Gelaufen ist gut", sagte Bryan. "Geschleppt worden ist ein besserer Ausdruck daf�r."

"Na gut. Ich w�rde sagen, du schl�fst dich jetzt erst mal aus und dann sehen wir weiter", sagte der Arzt. Bryan nickte und der Arzt verlie� das Zimmer. Bryan �berkam die M�digkeit und er war innerhalb weniger Sekunden eingeschlafen.

 

Kerry hatte mal wieder die ganze Nacht nicht geschlafen. Die ganze Zeit hatte sie gehofft, dass das Telefon klingeln w�rde, doch der Arzt hatte sich nicht gemeldet. Molly war in dieser Nacht ausnahmsweise mal still geblieben. Trotzdem war Kerry am n�chsten Morgen unausgeschlafen und konnte die Augen kaum offen halten. Lange blieb sie im Bett liegen. Doch irgendwann bekam Molly doch Hunger und Kerry musste aus dem Bett. Sie hob Molly aus der Wiege und ging mit ihr in die K�che. Nach dem Fr�hst�ck beschloss sie, ein wenig spazieren zu gehen. Der Stress in den letzten Tagen war ihr zu Kopf gestiegen und sie musste endlich mal die frische Luft. Doch sie blieb nicht lange. Die ganze Zeit musste sie daran denken, dass der Arzt sich melden k�nnte, w�hrend sie nicht da war. Also schlug sie bereits mach einer viertel Stunde den R�ckweg ein. Genau zur richtigen Zeit, denn gerade, als sie die Haust�r aufschloss, klingelte das Telefon. Kerry rannte in den Flur und nahm den H�rer ab.

"Ja?"

"Guten Morgen. Hier ist Dr. Newten."

"Wie geht es Bryan?" fragte Kerry eilig.

"Er ist heute morgen aufgewacht", antwortete er. "Wenn sie wollen, k�nnen sie ihn besuchen."

"Ja, ich komme, so schnell ich kann." Der Arzt lachte. "Jetzt machen sie sich keinen Stress. Sie k�nnen sich ruhig Zeit lassen. "Dann verabschiedete er sich und Kerry rief ihre Mutter an. Die sagte sofort ja, als Kerry sie fragte, ob sie Molly vorbeibringen k�nne. Kerry nahm Molly aus dem Kinderwagen und ging mit ihr zum Auto. Sie brachte Molly schnell bei ihrer Mutter vorbei und fuhr dann auf schnellstem Wege zum Krankenhaus. In der Eingangshalle kam Dr. Newten ihr entgegen. "Bryan ist auf demselben Zimmer, wie gestern", sagte der Arzt. "Finden sie sich alleine zurecht?" Kerry nickte. "Ich denke schon." Dann stieg sie in den Aufzug und fuhr in den dritten Stock. Dort suchte sie Bryans Zimmer und klopfte an. Keine Antwort. Als beim zweiten Mal immer noch keine Antwort kam, dr�ckte sie langsam die T�rklinke runter und betrat leise das Zimmer. Bryan war am Schlafen. Kerry ging auf das Bett zu und gab Bryan einen Kuss auf die Stirn. Bryan �ffnete die Augen. "Kerry", sagte er, als er ihr Gesicht erblickte. Er wollte noch etwas sagen, doch Kerry lie� ihn nicht. Sie beugte sich �ber ihn und gab ihm einen Kuss. Bryan erwiderte ihn und w�nschte sich, dass er nie enden w�rde. Kerry fing wieder an, zu weinen. "Bryan, es tut mir alles so leid", schluchzte sie. "Ich liebe dich!"

"Ich dich auch", sagte Bryan. "Jetzt wein doch nicht. Du brauchst dir doch keine Vorw�rfe zu machen. Jetzt ist doch alles wieder gut." Er wollte sich ein wenig aufsetzen, doch dann sp�rte er pl�tzlich einen stechenden Schmerz in der H�fte und Kerry dr�ckte ihn zur�ck in die Kissen. "Hey, bleib lieber liegen." Dann gab sie ihm noch einen Kuss und beteuerte ihm noch tausend Mal, dass sie ihn liebte. Irgendwann betrachtete sie die ganzen Wunden, die Halskrause, den Gips und die vielen Schl�uche und fragte: "Und wie geht es dir sonst so?"

Bryan versuchte zu l�cheln, was f�r ihn schon eine Anstrengung war, doch dann sagte er: "Ist schon okay. Werde zwar noch eine ganze Zeit hier bleiben m�ssen, aber ich komm schon wieder auf die Beine."

"Das will ich aber auch hoffen", sagte Kerry und nahm seine Hand. Die beiden schauten sich eine Weile einfach nur an. Dann beugte sich Kerry noch einmal zu ihm runter und k�sste ihn. Es klopfte, doch die beiden h�rten es nicht. Aber vielleicht wollten sie es auch gar nicht h�ren. Es klopfte ein zweites Mal und dann ging die T�r auf. Nicky steckte den kopf durch die T�r.

"Ups", sagte er. "Ich lasse euch dann mal lieber alleine. Komme gleich noch mal wieder."

Kerry und Bryan schauten auf. "�h... nein... komm ruhig rein", sagte Kerry, aber Nicky war schon wieder verschwunden. "Dann eben nicht", sagte Kerry und k�sste Bryan erneut. Die beiden h�tten ewig so weiter machen k�nnen, aber irgendwann sagte Kerry: "Na, ich glaube, ich hole mal Nicky. Der will dich doch auch mal sehen." Bryan schaute sie wie ein bettelnder Hund an. Daraufhin gab Kerry ihm noch einen letzten Kuss und sagte dann: "Also dann sieh mal zu, dass du schnell wieder auf die Beine kommst, Schatz. Wir sehen uns morgen."

"Kerry, ich liebe dich", sagte Bryan noch einmal und l�chelte ihr zu. Kerry winkte und verlie� das Zimmer. Wenige Sekunden sp�ter kam Nicky rein. Doch er war nicht alleine. Hinter ihm kamen auch Mark, Shane und Kian ins Zimmer. "Und, gl�cklich?" fragte Nicky. Bryan nickte, so gut es die Halskrause zulie�. "Kann ich mir vorstellen", fuhr Nicky fort und setzte sich auf den Stuhl, der neben dem Bett stand. "Ich bin ja so froh, dass wir dich wiederhaben", sagte Shane erleichtert. "Der Kommissar hat und schon ausf�hrlich berichtet, was passiert ist. Mein G�te, da hast du ja einiges mitgemacht."

"Das war ja nur das Ende", sagte Bryan. "Die ganze Story kennt er ja noch nicht."

"Ich wei�", sagte Mark. "Der Kommissar kann es deswegen auch kaum erwarten, dich zu sprechen, aber Dr. Newten will ihn noch nicht zu dir lassen. Aber ich w�rde die Story schon ganz gerne h�ren."

"Jetzt?" fragte Bryan und hustete. Er hatte immer noch Probleme, lange zu sprechen.

Nicky schaute ihn flehend an. "Bitte!"

"Okay, ich versuch�s", sagte Bryan und fing an, die ganze Geschichte zu erz�hlen. Zwischendurch wurde er ab und zu heiser und Kian musste ihm immer wieder das Glas Wasser reichen, dass auf dem Nachttisch stand. Ab und zu erz�hlte auch die anderen, was w�hrend der ganzen Zeit, als Bryan verschwunden war, in Irland so abgelaufen war. Irgendwann wurde Bryan wieder m�de und musste g�hnte. "M�de?" fragte Shane.

"Wei� auch nicht, warum. Ich hab doch eben schon so viel geschlafen", antwortete Bryan, wobei ihm fast die Augen zufielen.

"Hey, nachdem, was ich da gerade geh�rt hab, hast du die letzten Tage so gut wie gar nicht geschlafen. Kein Wunder, dass du m�de bist. Ich finde, du solltest dich noch ein wenig ausruhen. Wir sehen uns dann bestimmt morgen." Nachdem dann noch alle auf Bryans Gips unterschrieben hatten gingen die Jungs zur T�r.

"Also, halt die Ohren steif", sagte Kian und die Jungs verlie�en das Zimmer.

 

Die n�chsten Tage war viel los im Krankenhaus. Klar, dass Kerry jeden Tag kam und Bryan besuchte, aber auch Nicky, Kian, Mark und Shane machten sich oft auf den Weg zu ihm. Bryan erholte sich schnell und als er von der Intensiv kam erlaubte Dr. Newten, dass Kommissar Miller mit Bryan sprechen durfte. Er betrat das Zimmer und setzte sich dann neben Bryans Bett.

"Okay Bryan, ich w�rde sagen, du erz�hlst mir jetzt erst mal alles, was passiert ist, nachdem du das Hotel verlassen hast." Bryan seufzte. Er hatte die Geschichte schon an die hundert Mal erz�hlt, aber er h�tte sich ja denken k�nnen, dass der Kommissar sie auch noch h�ren musste. Also fing er wieder an. Das ganze zog sich ziemlich lange hin, weil Kommissar Miller zwischendurch immer wieder Fragen stellte, und alles ganz genau wissen wollte. So genau, dass Bryan nach einer Weile m�de wurde.

"Na, ich w�rde sagen, wir machen f�r heute Schluss", sagte der Kommissar und erhob sich. Er gab Bryan die Hand, w�nschte ihm noch Gute Besserung und ging dann aus dem Zimmer. Bryan schloss die Augen. Jetzt konnte es nur noch besser werden. Die Schmerzen hatte aufgeh�rt und Ben und Paul sa�en endlich hinter Gittern. Mit Kerry war alles wieder in Ordnung und der Arzt meinte, dass er bald aus dem Krankenhaus entlassen werden k�nne. Als es dann endlich so weit war kam er wegen dem H�ftbruch zwar nicht um ein paar Tage Rollstuhl rum, doch er akzeptierte das, weil er einfach nur froh war, wieder nach hause zu k�nnen.

Die n�chsten Tage wurde es still um Westlife. W�hrend Bryan noch im Krankenhaus gelegen hatte, hatten, Fernsehsender und Nachrichten zwar noch gro� �ber das Ende der Entf�hrung geredet, doch jetzt, wo auch die Nachricht, dass Bryan das Krankenhaus verlassen hatte umgegangen war, wurde es ruhiger. Erst hatten viele Reporter versucht, noch ein Interview mit Bryan zu bekommen, doch Bryan wollte nur seine Ruhe und hatte wirklich keine Lust, die ganze Geschichte wieder und wieder zu erz�hlen.

 

Doch nach zwei Wochen wirbelte Louis wieder alles auf. Bryan hatte es geschafft, sich soweit zu erholen, dass er jetzt nur noch den Gipsarm �brig hatte und Louis beschloss, erst mal wieder ins Studio zu gehen. Also rief er seine Jungs an und bestellte sie f�r den n�chsten Morgen nach Dublin. Von der Urzeit war zwar niemand begeistert, doch es waren alle p�nktlich. Nur Bryan kam wie immer eine viertel Stunde sp�ter. Louis sa� mit Nicky, Shane, Mark und Kian im Studio und wartete.

"Wo bleibt der denn schon wieder?" fragte Louis.

"Er kommt in drei Minuten", sagte Nicky und lachte.

"Wie kommst du denn darauf?" fragte Shane und auch Louis starrte ihn verwirrt an.

"Also Shane, so langsam m�sstest du Bryan aber kennen. In drei Minuten hat er genau seine viertel Stunde voll." Alle mussten lachen.

"Also manchmal glaube ich, der macht das extra", sagte Louis.

Kian nickte. "Na klar, wir w�rden das doch auch echt vermissen, wenn Bryan pl�tzlich p�nktlich kommen w�rde.

Mark schaute auf die Uhr und sagte: "f�nf, vier, drei zwei eins..."

Die T�r flog auf und Bryan kam rein. "Sorry, dass ich zu sp�t bin, aber ihr w�rdet das doch auch echt vermissen, wenn ich pl�tzlich p�nktlich kommen w�rde, oder?" sagte er und grinste. Alle mussten lachen. Dann betrachte Louis Bryans Gips. "Na der sieht ja echt klasse aus", lachte er. Louis hatte recht. Auf dem Gips hatten schon alle m�glichen Leute unterschrieben und auch Molly hatte schon einige Kritzeleien hinterlassen. "Sie ist doch echt talentiert", sagte Bryan.

Dann machten sich alle an die Arbeit. Drau�en wurde es schon dunkel, als Louis sie endlich entlie�. "Wir machen morgen weiter", sagte er. Nicky, Bryan, Shane, Kian und Mark gingen aus dem Studio, w�hrend Louis noch alles dicht machte. Drau�en auf dem Flur war es still. Doch irgendwann sagte Mark: "Sag mal Bryan, woher nimmst du eigentlich immer diese ganzen Ideen f�r die Songs und so?" Niemand antwortete. Mark schaute sich um und auch die anderen guckten nach Bryan. Er war nicht da. Alle rannten zur�ck zum Studio. Nicky �ffnete hastig die T�r und st�rmte in den Raum. Da sa� nur noch Louis und war gerade dabei, die Mikros auszustellen. Als die vier Jungs reingeplatzt kamen, schaute er auf und guckte sie fragend an. "Was ist denn jetzt los?" fragte er.

"Ist Bryan hier?" fragte Shane.

Louis schaute sie ganz verwirrt an und guckte den Jungs dann lange in die Augen. "Ihr wollt mich verarschen", sagte er.

"Nein", sagte Kian und sch�ttelte den Kopf. Louis ging mit den vieren raus auf den Flur. Dort war niemand.

"Vielleicht ist er schon drau�en", sagte Mark, aber Nicky sch�ttelte den kopf. "Quatsch. Der war auf keinen Fall vor uns."

Bei den Jungs machte sich Panik breit.

"Das kann doch nicht wahr sein", sagte Nicky und schaute sich verzweifelt um. Doch es war ganz still und auch in den abgehenden Fluren war nichts zu h�ren. Mark bekam ein komisches Gef�hl im Magen. Und pl�tzlich war da etwas hinter ihnen. Schritte. Alle drehten sich schlagartig um.

Bryan stand da und grinste bl�d. Nicky, Kian, Shane und Mark schauten ihn mit dem "Das-gibt-Rache-Blick" an und Bryan fragte lachend: "Und? Erschrocken?"

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