~* Nothing is impossible! ~*
Prolog:
Gibt es die einzig wahre Liebe? Die Liebe, die einen vollkommen macht? Die Liebe, die dich f�r immer fesselt und in ihren Bann zieht? Die Liebe, durch die man erst das Gef�hl hat zu leben? Die einen mit Gl�ck erf�llt und einem das Gef�hl gibt, alles erreichen zu k�nnen, was man sich vornimmt? Cecilia hatte es geglaubt, bis sie eines besseren belehrt wurde. Doch genau diese Belehrung stellte sie an jedem Oktobertag in Frage und Cecilia musste von Neuem anfangen zu leben, zu lieben und loszulassen!
Es war ein kalter, grauer Morgen im sp�ten Herbst. Drau�en klopfte der Regen leise an die Fensterscheiben ihres Zimmers, passend zu ihrer Stimmung. Langsam rieb sich Cecilia die Stirn. Sie war m�de und ersch�pft. Nicht, weil sie zu wenig geschlafen oder sich �beranstrengt hatte, nein, es lag an diesem Tag. An diesem gottverdammten Tag im Oktober. Wenn sie k�nnte, w�rde sie ihn am Liebsten aus dem Kalender streichen, doch sie wusste, dass dies nicht m�glich war, leider nicht. Genau heute vor einem Jahr hatte sie ihre gro�e Liebe verloren. Ihre gro�e Liebe, Ben. Es hatte lange gedauert, zu lange, bis sie seinen Tod endlich hingenommen hatte. Und doch schmerzte es sie immer und immer wieder, wenn sie an ihn dachte. Sie hatte ihn geliebt, �ber alles geliebt. Sie hatten heiraten wollen, eine Familie gr�nden, doch ihre Tr�ume waren zerst�rt worden. Zerst�rt in einer einzigen Nacht, in einer einzigen Minute. Wut stieg in ihr auf, lange verdr�ngte Wut. Es war keine Wut auf Ben, es war auch keine Wut auf seinen Unfallgegner, nein, es war die Wut auf sich selbst. H�tten sie und Ben sich nicht gestritten, dann w�re er nie in die tiefschwarze Nacht hinausgefahren, er h�tte sie nicht alleine hier zur�ck gelassen ohne zu ahnen, dass es f�r immer sein w�rde. Sie hatten sich im Streit getrennt. Und als Cecilia am n�chsten Tag von zwei Polizisten wachgeklingelt worden war, nachdem sie ersch�pft auf der gro�en ledernen Couch, auf der sie auf Ben gewartet hatte, eingeschlafen war, war es f�r eine Vers�hnung zu sp�t gewesen. Zu sp�t um richtig Abschied zu nehmen, zu sp�t um sich zu entschuldigen, zu sp�t f�r alles. Cecilia konnte sich noch genau an die Worte des Polizisten erinnern: �Es tut mir leid Mrs. Clarkson ihnen mitteilen zu m�ssen, dass ihr Verlobter heute Nacht einen Verkehrsunfall hatte!� Seine Stimme hatte so kalt geklungen, so monoton. Es war sein Job Leuten solche Nachrichten zu �berbringen, einfach nur sein Job, Gef�hle durfte er nicht zulassen.
�Mein herzliches Beleid!� Und dann war er weg. Ohne jedes weitere Wort hatte er sich umgedreht und war verschwunden. Genau wie sein Kollege. Cecilia hatte nicht gewusst, was passiert war, noch hatte sie erfahren wo und wie. Doch das machte ihr in diesem Moment nichts aus. Das einzige, was sie f�hlte, war diese gro�e, verfluchte Leere. Diese Schmerzen, die Angst. Fassungslos stand sie da, unf�hig sich zu r�hren. Nachdem der Wind ein Fenster hinter ihr zugeschlagen hatte, erwachte Cecilia damals aus ihrer Starre, drehte sich um, schloss die T�re und lief leise zur�ck in das Innere ihrer Londoner Wohnung, die sie mit Ben gemeinsam bewohnte. �Halt, bewohnt hatte� unterbrach sie sich selbst. Und nach dieser Erkenntnis kamen die Tr�nen, die ersten Tr�nen. Es sollte lange dauern, bis sie diese vollkommen verlieren w�rde. Um genau zu sein, ein Jahr.
Nachdem Cecilia an diesem Morgen, dem ersten Todestag von Ben aufgewacht war, hatte ihr erster Gedanke sogleich wieder ihm gegolten. Wie lange hatte sie gesucht, bis sie endlich ihren Mister Right gefunden hatte. Wie viele Fr�sche hatte sie k�ssen m�ssen, bevor aus ihm ihr Prinz geworden war. Und dann wurde er ihr genommen, einfach so genommen. Was hatte sie verbrochen, dass es niemand gut mit ihr meinte? Dass sie so bestraft wurde? Sie suchte die Antworten auf ihre Fragen schon so lange und doch wurde sie nicht f�ndig. Denn es gab sie nicht. Niemand konnte ihr die Antworten geben, niemand. Gem�chlich erhob sie sich aus ihrem Sessel, in den sie sich seit letztem Oktober so oft wie m�glich kuschelte. Es war Bens Lieblingsplatz in der Wohnung gewesen und sie wollte die Erinnerung an ihn wach halten, wollte nicht, dass er aus ihren Gedanken verschwand, er sollte wenigstens dadurch, dass sie seine Sachen in der Wohnung und ihn in ihrem Herzen behielt, weiterleben. M�de lie� sie ihren Blick durch den gro�en, freundlich eingerichteten Raum streifen, betrachtete dies und das, bis ihre Augen schlie�lich an einem gro�en Bilderrahmen h�ngen blieben. Er war aus hellem Holz und umrahmte ein wundersch�nes Bild von ihr und Ben. Es zeigte sie beide auf einer gr�nbl�henden Wiese. Cecilia sa� an Ben gelehnt auf einer Decke und Ben hatte seinen Arm f�rsorglich um seine Freundin gelegt. F�r Cecilia hatte es immer die wahre Liebe wiedergespiegelt. Seufzend und tausend Stiche in ihrem Herzen f�hlend, drehte sie sich weg. Sie ertrug den Gedanken an diese gl�cklichen Tage nicht mehr. Als sie einen Blick auf die Uhr geworfen hatte, erschrak sie. Sie hatte nicht mehr viel Zeit. In wenigen Minuten musste sie in der Redaktion sein. Cecilia schrieb Artikel f�r eine gro�e Londoner Tageszeitung. Seit es ihren Ben nicht mehr gab, musste sie sich ihr Geld selber verdienen. Fr�her hatte Ben das Geld nach Hause gebracht. Er hatte in seinem Beruf als Bankier genug f�r sie beide verdient, allerdings hatten sie nie etwas f�r Notzeiten auf die Seite gelegt und so hatte sich Cecilia notgedrungen einen Job suchen m�ssen. Dass sie gut und gerne schrieb, war dabei nat�rlich eine gro�e Hilfe gewesen und so hatte es auch nicht lange gedauert bis sie die Zusage der irischen *Sun* bekommen hatte. Sie machte ihren Job gerne, auch wenn sie oft etwas lustlos war und in Gedanken an Ben versank. Dennoch brachte er ihr genug Geld ein um Leben zu k�nnen. Um ein Leben leben zu k�nnen, dass sie so eigentlich nie gewollt hatte. Sie hatte mit Ben alt werden wollen, mit ihm lachen, mit ihm weinen, mit ihm sterben wollen. Aber das ging nicht mehr, das Kapitel Ben in ihrem Leben war geschlossen. Zumindest aktiv. Passiv war er da, war er immer um sie. In allem was sie tat oder sagte, konnte man Ben wiederfinden. Und immer wieder fasste sie mit ihrer Hand an ihren Hals, wo die Kette von Ben hing, die er ihr zu ihrem zwanzigsten Geburtstag geschenkt hatte. Sie hatte sie seit diesem Tag nie abgenommen, niemals. Mittlerweile war sie 22 Jahre und hatte ein Jahr ohne Ben hinter sich. Und doch war alles noch so frisch, so schmerzhaft ohne ihn. Es war ihr ein R�tsel, wie sie ohne ihn leben sollte. Sie hatte seinen Tod hingenommen, sich damit abgefunden, dass sie nie wieder seine Stimme h�ren w�rde, ihn nie wieder sehen w�rde, ihn nie wieder sp�ren w�rde. Doch akzeptieren konnte sie ihn einfach nicht. Es war ihr unbegreiflich wieso ausgerechnet Ben hatte sterben und Platz f�r einen neuen Menschen machen m�ssen. Mit ihm war auch ein Teil von ihr gestorben. Und heute wollte sie auch den Rest sterben lassen. Sie hatte sich lange �berlegt, wie sie ihre Tat vollziehen wollte, wie, wo und wann. Und schlie�lich hatte sie sich f�r Bens ersten Todestag entschieden. Der Tag, der ihr Leben zerst�rt hatte, sollte ein Trauertag werden.
Den Tag in der Redaktion hatte sie wie gewohnt hinter sich gebracht. Am Ende ihres Arbeitstages hatte sie sich wie immer von all ihren Kollegen verabschiedet. Manche mochte sie recht gerne, sie waren Freunde gewesen. Und doch waren sie kein Grund daran, ihren Plan nicht in die Tat umzusetzen. Ohne Ben wollte sie einfach nicht mehr, sie konnte nicht mehr. Wie so oft in den letzten Monaten eilte sie nach ihrer Arbeit auf den Friedhof, der mitten in London lag. Wie so oft kniete sie sich neben Bens Grab nieder und wie so oft sprach sie zu ihm: "Nicht mehr lange, Ben, dann sind wir wieder zusammen, nicht mehr lange, dann sind wir f�r immer vereint. Ich liebe dich!" Mit diesen Worten war f�r heute, f�r immer, alles gesagt. Langsam schlenderte sie nach ihrem Grabbesuch den Fluss *Themse* entlang. Nach einer guten halben Stunde kam sie an dem Ort an, zu dem sie gewollt hatte. Es war eine kleine Br�cke, die ihr schon vor vielen Jahren ins Auge gestochen war. Es betrat sie kaum noch jemand, sie war alt und br�chig. Aber da sie unter Denkmalschutz stand, durfte sie nicht abgerissen werden. Kaum jemand w�rde freiwillig hierher kommen und so konnte sich Cecilia sicher sein, dass sie unentdeckt bleiben w�rde. Zumal es bis eben noch geregnet hatte. Doch sie irrte sich. Schon als sie Schritt f�r Schritt in die Mitte der Br�cke ging, hatte ein junger dunkelhaariger Mann sie beobachtet. Er mochte in ihrem Alter sein, vielleicht auch etwas �lter. Sein Blick blieb immer noch schweigend auf ihr haften, als sie vorsichtig �ber das Gel�nder kletterte, dass eigentlich als Schutz f�r die Menschen diente. Mit beiden H�nden hielt sie sich fest, ihre Finger umklammerten das Gel�nder so fest sie konnten. Ihr wurde etwas mulmig, doch sie wusste, was sie tun musste. Nichts und niemand w�rde sie aufhalten k�nnen. Oder? Gerade als sie einen Schritt nach vorne machen wollte, h�rte sie ein Ger�usch hinter sich. Der junge Mann war von der anderen Seite des Flusses �ber die Br�cke leise n�her gekommen, Cecilia hatte ihn nicht bemerkt.
"Warten Sie!"
Erschrocken drehte sie sich um, als sie angesprochen wurde.
"Keinen Schritt n�her oder ich springe!" Was immer er auch von ihr wollte, sie wollte ihre Ruhe haben und ganz sicher kein Gespr�ch mit ihm anfangen.
"Sch�n, ich werde nicht n�her kommen. Daf�r d�rfen Sie aber auch nicht springen!"
"Was wollen Sie?" Genervt warf sie ihm einen Blick zu und musterte ihn von Kopf bis Fu�. Er war nicht �berm��ig gro�, aber die 1,80 w�rde er wohl bald erreicht haben. Sein Haar war dunkel und schimmerte im Licht der Stra�enlaterne, die her�berschien, schon fast ebenholzartig schwarz. Doch was es Cecilia wirklich antat, waren seine Augen. Dieser Mann hatte Augen, wie sie noch nie zuvor welche gesehen hatte. Sie strahlten mit einem tiefen Braun auf sie sein, dass es nicht zu glauben war. Sie waren so klar, wie das Meer, man drohte in ihnen zu versinken.
"Es ist so einfach, was?" Als sie seine Stimme vernahm, sch�ttelte sie unmerklich den Kopf und richtete ihren Blick wieder starr gerade aus, weg von diesen Augen. Allerdings verwirrten seine Worte sie, was sollte so einfach sein?
"Was meinen Sie?"
"Nun ja, das Weglaufen. Statt sich seinen Problemen zu stellen, kann man doch einfach auch schnell einen Schlussstrich darunter ziehen und sich umbringen. Genau das haben Sie doch vor, oder?"
Seine Offenheit verst�rte Cecilia. Sie hatte noch nie laut ausgesprochen, was sie heute vorhatte, doch er hatte Recht. Sie wollte sich umbringen. Ohne Ben hatte einfach nichts mehr einen Sinn.
"Es geht Sie gar nichts an, was ich vorhabe!" Trotzig wirbelte Cecilia ihren Kopf zur�ck und funkelte ihren Gegen�ber b�se an.
"Oh doch, das tut es. Sie haben mit mir geredet und wenn ich jetzt gehen und Sie alleine lassen w�rde, dann w�rde ich mich f�r das weitere Geschehen mitverantwortlich machen und das kann und will ich nicht!"
Mit jedem Wort war er ihr ein St�ck n�her gekommen, doch Cecilia h�ngte sich stattdessen nur noch etwas weiter �ber den gro�en Fluss unter ihr.
"Ich habe gesagt: Keinen Schritt n�her!" Mit einer bissigen Stimme warnte sie ihn noch einmal vor, aber er zeigte sich davon v�llig unbeeindruckt und kam noch ein St�ck n�her zu ihr.
"Ich kenne Sie zwar nicht, aber lassen Sie uns doch gemeinsam springen. Zu zweit sterben ist doch viel sch�ner als alleine, nicht?"
"Keine Ahnung!" Dieser Kerl musste verr�ckt sein. Er kannte sie wirklich nicht und trotzdem wollte er sich mit ihr in den Tod st�rzen? Das konnte doch nur ein schlechter Scherz sein! Vielleicht war dies auch nur sarkastisch gemeint gewesen, doch um ehrlich zu sein vernahm Cecilia keinen ironischen Unterton aus seiner Stimme, er meinte es ernst.
"H�ren Sie, ich habe keine Ahnung, was Sie von mir wollen, also lassen Sie mich verdammt noch mal in Ruhe. Kann man sich denn nicht mal mehr in Ruhe umbringen? Was wollen Sie?"
"Gareth!"
"Was?"
"Meine Name ist Gareth! Wenn wir schon gleich sterben, so m�chte ich wenigstens wissen, mit wem ich gestorben bin. Wie hei�en Sie?"
"Cecilia!" Nur widerwillig nannte sie ihm ihren Namen. Doch was machte das schon gro� aus? In wenigen Minuten w�rde eh alles vorbei sein.
"Cecilia, das ist ein sch�ner Name!" bemerkte er und kletterte wirklich zu ihr �ber das Gel�nder. Geschickt stellte er sich neben sie und warf einen Blick nach unten.
"Ganz sch�n tief, was?"
Cecilia nickte nur, wandte ihren Blick wieder von ihm ab und starrte auf das Wasser. Starrte auf das Wasser dessen Flusses, der ihre Liebe auf dem Gewissen hatte. Nun sollte er auch sie bekommen. Es war ihr egal wo sie f�r immer mit Ben verbunden war, ob an Land oder im Wasser, sie wollte zu ihm.
"Darf ich fragen warum Sie springen wollen Cecilia?" Gareths Stimme klang interessiert. Nicht gespielt interessiert, sondern wirklich interessiert.
"Nein das d�rfen Sie nicht!"
"Aber manchmal hilft reden, glauben Sie mir!"
"Ich will aber nicht mit ihnen reden. Ich habe es oft genug versucht, doch es hat nie etwas gebracht! Und jetzt gehen Sie, los!"
"Vielleicht haben Sie einfach nur mit den falschen Leuten geredet. Starten Sie doch noch einen Versuch. Viel zu verlieren haben Sie ja anscheinend nicht, wo also ist Ihr Problem?"
"Fuck, Sie sind mein Problem, okay? Ich bin nur hierher gekommen um mich umzubringen. Einfach schnell nach unten springen und fertig. Also verschwinden Sie jetzt endlich oder Sie springen mit mir. Mir egal, aber bitte halten Sie endlich ihre Klappe!" Was glaubte dieser Gareth eigentlich wer er war? Was fiel ihm ein sie einfach so anzusprechen und �ber Dinge auszuquetschen, die ihn rein gar nichts angingen?
"Es tut mir leid, Ces! Das ist wohl eine dumme Angewohnheit von mir, ich wei� nie wann es reicht!"
"Wie haben Sie mich eben genannt?" Geschockt wirbelte sie herum.
"Ich sagte Ces, warum?"
Ces..... genau so hatte Ben sie fr�her immer genannt. �Ces, meine kleine Cesmaus� hatte er ihr immer wieder ins Ohr gefl�stert. Nie wieder hatte sie seither jemanden Ces sagen h�ren, niemanden. Und nun kam pl�tzlich dieser Kerl daher und nannten sie so. Cecilia sp�rte, wie die ersten Tr�nen in ihr aufstiegen. Mit M�he und Not unterdr�ckte sie diese und sah Gareth direkt in die Augen. In diese magischen, braunen Augen...
"Ces...., so hat mein Freund mich immer genannt! Er starb, Ben starb genau heute vor einem Jahr!" Wieder fuhr eine Hand nach oben zu ihrem Hals um seine Kette zu umgreifen. Irgendwie bekam sie durch sie Kraft verliehen, Kraft weiterzumachen, nicht aufzugeben. Trotzdem war sie genau in diesem Moment dran aufzugeben, alles zu beenden. Sie hatte seit Monaten nicht mehr �ber den Tod von Ben gesprochen und jetzt erz�hlte sie irgendeinem wildfremden Mann davon. Sie musste verr�ckt sein.
"Das tut mir leid f�r dich!"
"Seit wann duzen wir uns?!" Erstaunt hob Cecilia ihren Kopf wieder, den sie keine Sekunde zuvor gesenkt hatte.
"Seit eben. Oder hast du ein Problem damit?" Er l�chelte sie frech an und Cecilia entwich ein kleines Grinsen, dass aber genau so schnell wieder verschwunden, wie es gekommen war.
"Nein, lass uns beim *Du* bleiben. Ich hasse dieses f�rmliche *Sie*!"
"Prima, freut mich!"
"Und was machst du hier?" Wenn er ihr schon Fragen ohne Ende stellen durfte, dann durfte sie das auch. Gleiches Recht f�r alle!
"Nun ja, ich sch�tze, ich muss wohl ehrlich sein oder?"
"Was hast du zu verlieren? Wohl auch nichts, denn sonst w�rdest du nicht mit mir springen wollen. Ja, du sollst ehrlich sein!" Cecilia hatte ihre zweite Hand wieder an das Gel�nder gef�hrt und hielt sich erneut fest w�hrend sie mit den Schultern zuckte. Gareth musste schon selbst entscheiden, ob er ehrlich zu ihr sein wollte oder nicht.
"Ich hab mich � wie so oft in den letzten Wochen � wieder einmal alleine und gelangweilt gef�hlt. Also bin ich durch London gewandert und habe �ber mein Leben nachgedacht, was nebenbei bemerkt total beschissen ist. Reicht das als Erkl�rung?"
"Hm, wenn du meinst. Allerdings glaube ich dir nicht, dass dein Leben beschissen ist!"
"Wieso nicht?"
"Weibliche Intuition!"
Damit zauberte sie ein L�cheln auf Gareths Gesicht, der nickte: "Okay, du hast Recht. Ich hab ziemlichen Mist gebaut und muss die Suppe nun wohl ausl�ffeln."
"Was ist passiert?" Immer noch standen beide auf der Br�cke, nur ein falscher Schritt und sie w�ren Geschichte gewesen, doch im Moment dachte keiner von beiden daran, sich in den Fluss zu st�rzen.
"Ich habe meine Freundin, nee, Ex-Freundin jetzt, betrogen. Sie hat den Lippenstift der anderen an meinem Hemd entdeckt."
"Na dann wundert es mich nicht, dass sie jetzt deine Ex ist.", stellt Cecilia trocken fest. M�nner, die ihre Freundin betrogen, hatte sie noch nie verstehen k�nnen.
"Hm, mich auch nicht. Ich wei� ja selbst nicht, wieso mich das so mitnimmt. Versteh mich nicht falsch, ich hab Suzanne wirklich geliebt, doch eigentlich macht es mir nichts gro� aus, dass mit ihr Schluss ist. Mit meiner kurzen Aff�re �brigens auch!"
"Und warum f�hlst du dich dann alleine?"
"Sag blo� du kennst mich nicht?!"
"Bitte? Wieso sollte ich dich kennen? Gareth, ich habe dich hier auf der Br�cke zum ersten Mal in meinem Leben gesehen, woher bitte sch�n soll ich dich kennen?"
"Sagt dir der Name *Pop Idol* etwas?"
"Nat�rlich. Aber antworte auf meine Fragen bitte nicht immer mit Gegenfragen, das kann ich nicht ab, also?"
"Du kennst mich wirklich nicht, ich fass es nicht."
"Gareth!"
"Schon gut, schon gut. Ich bin der Zweitplatzierte von Pop Idol! Darf ich mich vorstellen: Gareth Gates aus Bradfort!"
Verdutzt sah Cecilia ihn an. Und endlich fiel bei ihr der Groschen.
"Wow.... Es tut mir leid, dass ich dich nicht erkannt habe, aber ich habe mit Musik so gar nichts am Hut. Egal welche Art von Musik!"
"Vergiss es. Ist doch sch�n, wenn nicht jeder uns kennt. Endlich treffe ich mal jemanden dessen erste Frage nicht ein Autogrammwunsch ist!"
"Gareth?"
"Ja?"
"Kann ich ein Autogramm haben?" Grinsend sah Cecilia ihn an. Mittlerweile hatte sie ganz vergessen, wieso sie hier stand. In der Gegenwart diesen Mannes f�hlte sie sich wohl. Es war verr�ckt, das wusste sie, doch es war ein Gef�hl der Geborgenheit, das in ihr aufgestiegen war und anfing, den Platz einzunehmen, der zuvor noch von Schmerzen des Verlustes ausgef�llt gewesen war. Und so war es auch kein Wunder, dass sie Gareth bereitwillig folgte, als er sie bat diese ungem�tliche Stellung auf der Br�cke zu verlassen. Erst als sie am Ende der Br�cke angekommen waren, blieb Gareth stehen.
"Halt, wir haben etwas vergessen?"
"Was?"
"Du wolltest doch springen. Jetzt hast du noch die Chance dazu!"
Cecilia z�gerte kurz, erwiderte aber nichts, sondern lief wortlos an ihm vorbei. Gareth hatte sie an ihr eigentliches Vorhaben erinnert. Wieso war sie nicht gesprungen? Wieso hatte es dieser Mann geschafft, dass sie stehen geblieben, schwach geworden und nicht gesprungen war? Sie hatte Ben verraten und sie f�hlte sich augenblicklich verdammt schlecht.
"Es tut mir leid, Ben!" Leise aber doch laut genug, dass Gareth sie h�ren konnte, hatte sie die Worte vor sich hingemurmelt.
"Hey! Sei froh, dass du nicht gesprungen bist. Ben h�tte das nicht gewollt, glaub mir!"
"Trotzdem, ich habe ihn und unsere Liebe verraten!"
"Nein Ces, das hast du nicht. H�tte Ben gewollt, dass du f�r ihn stirbst, so h�tte Gott dich schon l�ngst zu sich und zu Ben geholt. Doch das Schicksal wollte es nicht so! Es hat einen Grund, wieso du heute nicht gesprungen bist, so wie alles einen Grund hat wieso es passiert. Und mit der Zeit wirst du ihn herausfinden!" Gareth hatte eindrucksvoll gesprochen und tats�chlich f�hlte sich Cecilia etwas besser. Nicht viel, aber doch etwas.
"Hm, vielleicht ist es so!"
W�hrend sie miteinander sprachen, waren sie durch kleine Gassen und Wege gelaufen, bis sie schlie�lich vor einem gro�en Hotel standen, das genau in der gegen�berliegenden Ecke Londons von Cecilias Wohnung lag.
"Ist doch kein Problem, dann �bernachtest du einfach in einem Hotelzimmer!"
"Sch�n w�r�s, aber ich kann mir das nie und nimmer leisten!"
"Na und? Dann bezahle ich eben f�r dich. Du hast sowieso etwas gut bei mir, weil mir unser Gespr�ch heute Abend geholfen hatte, Dinge zu verstehen, die ich bisher nicht verstanden habe. Daf�r m�chte ich dir danken!"
"Nein, Gareth, das ist wirklich nicht n�tig!" Cecilia wehrte sich, doch gegen einen Sturkopf wie Gareth es war, hatte sie keine Chance. So war es nichts ungew�hnliches, dass sie keine zwei Minuten sp�ter mit Gareth vor der Rezeption stand und sich erkundigte, ob ein Zimmer frei war.
"Nein, tut mir leid, wir sind restlos ausgebucht Mrs. Clarkson!" Der Rezeptzionist sch�ttelte bedauernd den Kopf und Cecilia warf Gareth einen vielsagenden Blick zu.
"Hm, schade. Na, dann musst du wohl oder �bel bei mir oben im Zimmer schlafen!"
"Bitte, ich muss was? Vergiss es, ich werde jetzt sch�n nach Hause gehen! Dort, wo ich hingeh�re!"
"Nein Ces. Ich glaube nicht, dass du heute Nacht alleine sein solltest, vor allem nicht am heutigen Tag. Ich will nicht, dass du auf irgendwelche dummen Gedanken kommst und wom�glich noch Dummheiten begehst, die dir sp�ter leid tun w�rden!"
Cecilia hatte Gareth peinlich ber�hrt von der Rezeption weggezogen, sie wollte nicht, dass jeder mitbekam, was geschehen war. Sie hatte vielleicht schon Gareth zuviel gesagt, indem sie ihm von Ben erz�hlt hatte, das halbe Hotel musste nicht auch noch von ihm erfahren.
"Wie hast du vorher so sch�n gesagt? Alles hat einen Grund warum es passiert und hier ist es ganz klar der, dass ich nach Hause gehen soll. Und genau das werde ich auch tun! Danke f�r alles, ich w�nsch dir noch ein gl�ckliches Leben ohne zu viel Lippenstift!"
Cecilia drehte sich um und wollte das Hotel verlassen, als Gareth ihren Unterarm ergriff und sie zur�ck zog.
"Nichts da. Du kommst mit in mein Zimmer. Das ist der Grund wieso es kein freies Zimmer mehr f�r dich gibt, der und kein anderer. Stell dich nicht so an. Du kriegst mein Schlafzimmer, ich schlaf im Wohnzimmer, es wird nichts passieren."
Ergeben nickte Cecilia schlie�lich. Sie war m�de, ihr Nachhauseweg war lang und sie sehnte sich nach einem Bett wo sie endlich schlafen und mit ihren Gedanken alleine sein konnte. Es war so viel geschehen heute, sie musste nachdenken. Ersch�pft lie� sie sich von Gareth in den Aufzug ziehen. Wortlos fuhren sie nach oben. Cecilia hatte sich in ihr Schneckenhaus gezogen. �Es tut mir so leid Ben!� Ihre Gedanken kreisten schon wieder nur um Ben. Sie f�hlte sich mies und sch�big. Sie war mit in das Zimmer eines anderen Mannes gegangen. Auch wenn Gareth ihr gesagt hatte, dass nichts geschehen w�rde, sie f�hlte sich einfach mies dabei in seiner und nicht in Bens N�he zu sein. Zumal sie sp�rte, dass sie sich zu Gareth hingezogen f�hlte. Doch inwiefern konnte denn das �berhaupt m�glich sein? Noch heute Morgen hatte alles so trostlos und leer ausgesehen, sie hatte wie so oft um Ben geweint und ein f�r allemal unter die gesamten vergangenen 22 Jahre einen Schlussstrich setzen wollen. Und dann tauchte dieser Kerl auf und brachte alles durcheinander. Sie wollte Ben nicht hintergehen, ihn verraten, betr�gen, aber es gab dort etwas, was sie davon abhielt, das Hotel auf der Stelle zu verlassen und zur�ck in Bens Sessel zu fl�chten. Was waren das f�r Gef�hle, die angefangen hatten sie zu reiten wenn sie diesen Mann ansah? War sie des Wahnsinns einem fremden Mann in sein Hotel zu folgen? Das konnte doch nichts Gutes verhei�en!
"Komm!" Gareth zog sie liebevoll am Arm aus dem Aufzug und steuerte den Flur nach links an. Vor dem vorletzten Zimmer machte er Halt, �ffnete die T�re und lie� Cecilia eintreten.
"Wow!", entfuhr es ihr.
"Was, wow?"
"Das hier ist kein Zimmer, das ist mindestens der Buckingham Palace!"
"Na ja, es ist nicht gerade klein, okay, aber �bertreiben musst du es doch auch nicht!" Gareth l�chelte, w�hrend er seine Jacke auszog und sie auf den Haken neben der T�re h�ngte. Wortlos tat Cecilia es ihm gleich. Wenn sie schon bei ihm �bernachten w�rde, dann durfte sie sich auch heimisch f�hlen und brauchte keine Hemmungen haben sich auch so zu f�hlen. Langsam lief Cecilia auf die Couch zu, die mitten im Zimmer stand, und lie� sich darauf fallen.
"W�rst du wirklich mit mir gesprungen?"
�berrascht drehte sich Gareth, der sich an der Minibar zu schaffen gemacht hatte, um und blickte sie erstaunt an. Dann jedoch nickte er: "Ja!"
"Aber wieso? Ich meine, nur weil dich deine Ex-Freundin verlassen hat? Sei mir nicht b�se, aber ich glaube nicht, dass das alles gewesen sein soll!" Gespannt sah Cecilia ihm direkt in die Augen. Es war ihr im Moment v�llig egal, was dieser Mann von ihr dachte. Heute war einfach zu viel geschehen um dar�ber jetzt noch gro� nachzudenken. Er hatte ihr das Leben gerettet, indem er es mit ihr gemeinsam aufgegeben h�tte, was sollte das alles? Sie sollte verdammt sein, wenn sie Gareth nicht um ein paar Antworten auf ihre Fragen bat. Zu verlieren hatte sie sowieso nichts mehr, ihre gro�e Liebe war tot, sie sah keinen Sinn mehr in einem weiteren Leben.... W�re da nicht Gareth gewesen....
"Hm, mag sein. M�chtest du auch ein Glas Wein?"
Er war geschickt, wie er immer wieder versuchte vom Thema abzulenken, doch damit hatte er bei Cecilia keine gro�en Chancen. Diese sch�ttelte nur vielsagend den Kopf und legte ihn dann schief auf ihre Schulter: "Also?"
"Was also?"
"Gareth, ich habe dir von Ben erz�hlt, nun bist du dran! Warum wolltest du wirklich springen? Alleine aus Solidarit�t zu mir, einer Frau die du nicht einmal kennst, wohl kaum!", stellte sie selbstsicher fest.
"Aber ich w�rde dich gerne kennen lernen!"
"Fein, und ich w�rde gerne ein paar Antworten haben, ehe wir uns kennen lernen!"
"Also gut!" Mit gro�en Schritten kaum Gareth auf sie zu, stellte sein Glas auf dem Tisch ab und lie� sich dann in einen Sessel gleiten.
"Du wei�t, dass ich ein Star, dass ich ber�hmt bin. Doch eigentlich will ich das mittlerweile nicht mehr!"
"Das muss ich jetzt nicht verstehen.....!"
"Nein, aber ich kann�s dir erkl�ren wenn du magst!"
"Gerne!" Und damit begann eine Nacht, in der Gareth und Cecilia stundenlang miteinander sprachen, ohne m�de zu werden. Gareth erfuhr so ziemlich alles �ber Ben, wie sehr Cecilia das letzte Jahr �ber gelitten hatte und wie wenig sie mit Bens Tod zurecht kam. Cecilia erfuhr von Gareth genau die gleiche Offenheit und Ehrlichkeit, die sie ihm entgegen brachte. Es war verr�ckt, sie kannten einander kaum und doch konnten sie einander alles erz�hlen. Und was noch wichtiger war, sie konnten einander vertauen. Vollkommen und ganz vertrauen.
"Es ist einfach so, dass ich mich unverstanden f�hle. Oder vielleicht nicht unverstanden, aber missverstanden. Es geht so viel durch die Presse, so viel L�ge und Unwahrheit. Mit der Zeit kann man einfach nicht mehr unterscheiden, was wahr ist und was nicht. Genau das hat so vieles in meinem Leben zerst�rt und mit der Zeit zerst�rt es auch mich. Ich f�hle mich alleine, einsam. Und niemand will das sehen. Ich muss immer ein L�cheln tragen sobald ich vor die T�re gehe, ich muss immer gut gelaunt sein, ich muss immer jemand sein, der ich eigentlich gar nicht sein will. Nachts, wenn ich alleine bin, ist es besonders schlimm. Ich habe nicht nur einmal dar�ber nachgedacht, was das Ganze eigentlich soll. Ich meine, was bringt es mir, au�er Schmerzen und Masken �ber mich, die ich nicht tragen will?"
"Dann lass die Menschen in dein Herz blicken. Zeig ihnen wie du dich f�hlst, sei ehrlich zu dir selbst, dann bist du es auch zu deinen Mitmenschen. Wenn du sie, deine Fans, an deinem Leben teilhaben l�sst, dann wirst du sehen, dass sie dich alle, auch die Presse, bald besser verstehen und dich nicht mehr so oft durch den Dreck ziehen werden."
"Aber wie soll ich das anstellen, Ces? Wir sind mittlerweile soweit, dass die Zeitungen schreiben, was sie wollen. Gebe ich der Hello! zum Beispiel ein Interview, das mich wirklich zeigt, so kann ich sicher sein, dass in der OK! im selben Moment ein Artikel �ber mich verfasst wird, der das Gegenteil behauptet! Und die Fans werden genau so wenig wissen wie alle anderen, was denn nun die richtige Wahrheit ist!"
"Dann schreib Songs, schreib deine eigenen Song, die aus dem Herzen kommen. Da kann dir niemand reinreden, nur du selbst kannst entscheiden, was du preisgeben willst, was du richtig stellen willst. Probier es aus, es ist nicht so schwer und schon gar nicht so unm�glich wie du denkst! Versuch es einfach! Wenn deine Fans deine Songs wirklich lieben, und ich bin mir sicher, dass sie das tun, dann werden sie auch das, was du ihnen damit sagen willst, verstehen!"
"Danke!"
"Gern geschehen!" Cecilia hatte mit all ihrer Kraft die sie aufbringen konnte, versucht, diesem Mann zu helfen, ihm Mut zu machen. Sie sp�rte, dass es nicht nur ihr mies ging, nein, es gab auch weitere Menschen, die litten und sie wollte Gareth so gut sie konnte helfen. Ihm Rat geben. Vielleicht auch Trost. Au�erdem verga� sie so, indem sie anderen half, f�r einige Zeit ihr eigenes Leid. Ben, er war doch ihr Ein und Alles gewesen. Sie wollte ihn nicht vergessen, sie wollte ihn niemals vergessen. Doch da war etwas an Gareth, was sie faszinierte und sie wollte nur zu gerne herausfinden, was dieses etwas war.
"Ces?"
"Hm?"
"H�r auf, Ben so �ber dein Leben bestimmen zu lassen. Lass ihn los!"
"Was? Gareth, ich glaube du hast keine Ahnung von wahrer Liebe!"
"Oh doch, die hab ich, glaub mir. Vertrau mir einfach wenn ich dir sage, dass Ben ganz sicher nicht gewollt h�tte, dass du wegen ihm so leidest. Er w�rde das nicht wollen. Lebe dein Leben weiter. Du brauchst ihn nicht zu vergessen, nein, das sollst du auch gar nicht, aber lerne damit umzugehen. Denk mit einem L�cheln an ihn zur�ck. Du wirst ihn wieder sehen, irgendwann, aber im Moment solltest du einfach f�r das Hier und Jetzt leben."
"Das sagst du so einfach. Gareth, ich habe ihn geliebt, �ber alles geliebt. Ohne ihn fehlt ein Teil von mir und ich f�hle mich mindestens genau so alleine wie du! Nur ist mein Grund wieso ich einsam bin, ein anderer!"
Als Cecilia an diesem Punkt angekommen war, war Gareth aufgestanden und hatte neben Cecilia Platz genommen.
"Das verstehe ich Ces. Und trotzdem solltest du einfach versuchen dein Leben, dein eigenes, nicht das mit Ben, weiterleben!" Sanft hatte er ihr eine Hand auf den R�cken gelegt und genau so sanft lie� er sie schlie�lich auf und ab gleiten, immer darauf bedacht, es vorsichtig zu tun. Er wollte ihr zeigen, dass er f�r sie da war und es war Cecilia egal, wie kurz sie ihn erst kannte, es beruhigte sie, es tat ihr gut. ER tat ihr gut, weil ER f�r sie da war. Er war f�r sie da, so wie in den letzten Monaten niemand f�r sie da gewesen war. Freunde hatte sie keine gehabt, ihre Eltern lebten schon seit einigen Jahren nicht mehr, Cecilia war immer alleine gewesen. Und jetzt trat nach einem Jahr des Schmerzens ein neuer Mensch in ihr Leben, dem sie ganz offensichtlich etwas bedeutete. Wie war dies m�glich? Wieso tat man ihr so etwas an? Wieso f�hlte sie sich Ben gegen�ber so verdammt schuldig? Er war tot, verdammt noch mal er war tot, warum musste sie immer noch so leiden?! Wann h�rte dieses Leid endlich auf? Wann konnte sie das Erlebte hinter sich lassen? Wann endete die ewige Treue, die sie ihm in ihrem Herzen geschworen hat? Wann endete die Phase der Trauer und der Verzweiflung? Wann w�rde das wahre Leben wieder beginnen? Cecilia wusste es nicht und genau das machte ihr Angst! Gro�e Angst. Ohne jede Vorwarnung erhob sich Gareth pl�tzlich. Mit sicheren Schritten ging er zu seiner Stereoanlage und legte eine CD ein. Sogleich erklangen die ersten sanften T�ne einer wundersch�nen Ballade. Cecilia kannte dieses Lied nicht, doch sie wusste schon jetzt, dass sie es auf ewig lieben w�rde. Es hatte etwas trauriges an sich und doch war es wundersch�n anzuh�ren.
"Lass uns tanzen!" bat Gareth sie und hielt ihr eine Hand hin. Z�gernd ergriff Cecilia sie, blieb aber dennoch sitzen.
"Warum?"
"Ich hab dir doch vorher gesagt, dass ich heute Abend Dinge verstanden hab, die ich zuvor nicht verstehen konnte. Du hast mir die Augen ge�ffnet. Ich m�chte jede Sekunde meines weiteren Lebens genie�en, ich m�chte keine einzige mehr verschenken. Du hast mir gezeigt wie schnell etwas vorbei sein kann, also bitte schenke mir diesen einen Tanz!"
Z�gerlich nickte Cecilia und stand auf. Gareth hatte ihr einen gro�en Gefallen, er hatte ihr das Leben gerettet, denn ohne ihn w�re sie gesprungen. So wollte sie auch ihm einen Gefallen tun. Und wenn er sich einen Tanz w�nschte, so sollte er ihn haben. Vorsichtig legte sie ihm ihre Arme um seinen Hals, w�hrend er seine H�nde sanft auf ihren H�ften platzierte. Langsam lie� sie ihren Kopf auf seine Schultern sinken und lauschte der Melodie des Liedes. Ein Mann hatte mittlerweile angefangen zu singen. Leise ert�nte seine Stimme.
"If tomorrow never comes, will she know how much I loved her? Did I try in every way, to show her every day, that she's my only one. And if my time on earth were through, she must face this world without me. Is the love I gave her in the past, gonna be enough to last? If tomorrow never comes!"
Wie wahr diese Worte doch waren! Cecilia hoffte, dass Ben wusste, wie sehr sie ihn geliebt hatte. Ja, hatte! Sie wusste nicht woran es lag, doch in diesem Moment in dieser Nacht, genau ein Jahr nach ihrem Verlust, sp�rte sie, dass sie bereit f�r eine neue Liebe war. Und sie sehnte sich danach, dass Gareth diese Liebe war. Vielleicht war er ein weitere Prinz unter Millionen von Fr�schen! Ehe sie wusste, was sie da �berhaupt tat, hob sie ihren Kopf etwas an. Ihre Augen blickten direkt in die von Gareth. Sie blickte direkt in die Augen des Mannes, in den sie sich verliebt hatte. Es war wie damals bei Ben. Ein Blick in seine Augen und sie f�hlte diese unzerbrechliche Liebe in sich aufsteigen. Und genau so erging es ihr nun mit Gareth. Sie sp�rte wieder diese kr�ftigen Gef�hle, die sie bisher nur f�r Ben empfunden hatte. Und dieses Mal galten sie nicht Ben, sondern Gareth. Ganz langsam, kaum merklich senkte Gareth seinen Kopf und kam ihren Lippen mit den seinen immer n�her. Alles, was Cecilia in diesem Moment wollte, war nicht nachdenken zu m�ssen. Und so tat sie es auch nicht. Sie lie� einfach alles auf sich zukommen und weigerte sich nicht, als Gareth sie ganz z�rtlich k�sste. S��, unschuldig und doch voller Liebe, wie Cecilia sie fr�her nur bei Ben gesp�rt hatte. Als sie sich nach einigen Minuten, die Cecilia wie eine Ewigkeit vorgekommen waren, wieder voneinander gel�st hatten, sah sie ein L�cheln auf Gareths Lippen. Es war offensichtlich, dass er ihren Kuss genossen hatte, doch genau dies machte Cecilia Angst. Im ersten Moment war sie froh gewesen, nicht nachgedacht zu haben, was sie da taten, denn ansonsten h�tte sie der Gedanke an Ben vermutlich davon abgeholten. Doch jetzt, nachdem sie sich gek�sst hatten, f�hlte sie sich mindestens genau so schlecht.
"Das h�tte nicht passieren d�rfen!" Mit zitternder Stimme trat Cecilia langsam ein paar Schritte zur�ck, senkte den Kopf und schnappte sich dann ihre Sachen von Gareths Couch. Sie musste hier raus, sie musste hier einfach raus.
"Ces!" Gareths Stimme klang so sanft, voller Verst�ndnis und dennoch wollte Cecilia einfach weg. Weg von Gareth, weg von dem, was soeben geschehen war. Ja, sie wollte vor ihren eigenen Gef�hlen weglaufen, auch wenn sie genau wusste, dass dies nicht m�glich war. Unbeeindruckt von Gareth ging sie mit schnellen Schritten auf die T�re zu, doch Gareth reagierte blitzschnell und hielt sie fest.
"Ces!" wiederholte er leise.
"Gareth, bitte... lass mich gehen!"
"Nein!"
"Es tut mir leid, ich..... Ben.....!"
Gareth erkannte, wie verwirrt sie war, trotzdem lie� er sie nicht los. Seine warmen H�nde brannten wie Feuer auf ihren k�hlen Armen. Sie konnte keinen wirklich klaren Gedanken mehr fassen. Der Gedanke, Ben mit diesem Kuss betrogen zu haben, lie� sie einfach nicht mehr los.....
"Ces, ganz ruhig!" Behutsam hatte Gareth sie in seine Arme gezogen und dr�ckte sie fest an sich. Auch ihm war es unbegreiflich wie man in so kurzer Zeit so viel f�r einen doch eigentlich fremden Menschen empfinden konnte, doch er hatte sich in diese Frau verliebt und er war nicht gewillt, sie gehen zu lassen, bevor er nicht wusste, woran er bei ihr war. Vielleicht war es zuviel verlangt, vielleicht w�rde er sie �berrumpeln, doch sie musste einfach aufh�ren, sich wegen diesem Ben st�ndig schuldig zu f�hlen.
"Sieh mich an!"
Als sich Cecilia nicht r�hrte, hob Gareth sanft ihr Kinn mit einem Finger an.
"Sieh mich an Ces!"
Mit vor Tr�nen schimmernden Augen �ffnete Cecilia schlie�lich ihre Lider und konnte erneut in diese wundersch�nen hasselnussbraunen Augen sehen. In die Augen, die es ihr schon auf der Br�cke angetan hatten. In die Augen, in die sie sich verliebt hatte. Ja, verliebt hatte. Sie liebte ihn, doch sie konnte es sich nicht eingestehen. Was war nur mit Ben?
"Ces, sieh mir in die Augen und sag mir, dass du mich nicht liebst! Dann kannst du gehen, keine Sekunde fr�her!"
"Ich soll was?" Entsetzt blickte sie auf. Sie kannten sich gerade mal seit guten 8 Stunden, wie konnte er da von Liebe sprechen? So sehr sie sich auch in ihn verliebt hatte, einander diese Liebe zu gestehen, war etwas ganz anderes.
"Bitte Ces! Liebst du mich, oder liebst du mich nicht?"
"Gareth, ich....!"
Statt sie ausreden zu lassen, beugte er sich erneut zu ihr nach unten und k�sste sie wieder. Dieses Mal mit noch mehr Leidenschaft, als zuvor.
"Ces, du bist das Beste, was mir seit langem passiert ist. Ich bin so froh, dass du nicht gesprungen bist!", fl�sterte er ihr leise ins Ohr. Da konnte Cecilia nicht mehr an sich halten. Sie fing hemmungslos an zu weinen, lie� den Tr�nen einfach freien Lauf. Sie wusste nicht mehr weiter. Was war heute nur geschehen?! Wieder war es nur ein einziger Tag, der ihr ganzes Leben ver�nderte, wieder ein Tag im Oktober, und wieder hatte es geregnet. Doch dieses Mal, so sp�rte sie, w�rde alles gut werden. Die Zeit der Trauer, des Alleinseins, der Schmerzen war vorbei. Sie war befreit von tiefen Gef�hlen des Verlustes und neue Gef�hle, die des Gewinnes, stiegen in ihr auf. Das Leben begann.
"Ich liebe dich, Gareth!" Es war nicht mehr als ein Fl�stern, doch Gareth hatte es geh�rt und verstanden. Wortlos schloss er Cecilia in seine Arme und hielt sie fest, hielt sie einfach nur fest bis ihr Schluchzen vorbei war und sie sich beruhigt hatte. Dann erst lie� er seine Lippen die Worte formen, die Cecilia seit �ber einem Jahr nicht mehr geh�rt hatte: "Ich liebe dich auch!" Und von irgendwoher ert�nten die sanften W�rter einer weiteren Ballade: "And everybody knows this love's for sure. There's no searching anymore. And no-one never doubts you're mine, I'm yours. It's the one thing that's for sure."
Und genau so sollte es sein. Gareth und Cecilia hatten einander gefunden und w�rden sich NIE mehr trennen lassen, weder durch Menschenhand, noch durch das �bernat�rliche. Sie waren f�reinander geschaffen und hofften auf eine Zukunft voller Gl�ck und Zufriedenheit.
Epolig:
Wieder war es ein k�hler Tag im Oktober, genau wie die beiden Jahre zuvor. Doch er war lange nicht so grau wie in den vergangenen zwei Jahren. Hand in Hand schlenderten Gareth und Cecilia �ber einen kleinen Weg, der sie genau zu Bens Grab f�hren sollte. Zu dem Ort, an dem Cecilia seit genau einem Jahr nicht mehr gewesen war. Seitdem sie Gareth kennen gelernt hatte. Aber heute wollte sie sich ihrer Vergangenheit ein f�r allemal stellen. Sie musste vollkommen mit Ben abschlie�en. Das letzte Jahr �ber war ruhig verlaufen. Sie hatte Gareth immer besser kennen gelernt und sie dankte Gott, oder Ben oder wer auch immer daf�r verantwortlich war, dass sie und Gareth sich gefunden hatte. Oh ja, sie war dankbar. Dankbar f�r Gareth, dankbar, dass wie wieder zu leben angefangen hatte, dankbar, dass sie die Liebe wiedergefunden hatte. Sie dankbar f�r so viele Dinge. Cecilia wusste nun, dass wirklich alles einen Sinn hatte wieso es geschah. Gareth war ihr vorherbestimmt gewesen, genau sie wie ihr dieses Jahr voller Trauer um Ben vorher bestimmt gewesen war. Langsam liefen Gareth und Cecilia den kleinen steinigen Weg. Je n�her sie Bens Grab kamen, umso mehr dr�ckte Cecilia seine Hand. Sie hatte Angst, doch sie wusste, dass sie es schaffen w�rde. Sie wollte mit Gareth gemeinsam ein neues Leben aufbauen und der offizielle Startschuss dazu war an diesem Morgen gefallen. Als sie endlich am Grab angekommen war, l�ste sie ihre Hand aus der von Gareth und lie� ihn einige Meter vom Grab entfernt stehen. Mit sicheren Schritten eilte sie auf die Ruhest�tte von Ben zu und kniete sich davor nieder. Mit zittrigen H�nden legte sie eine gro�e Zeitschrift auf den Rand. Es war die Zeitschrift, die ihr neues Leben beinhaltete. Gro� prangte ein Bild von ihr und Gareth auf dem Titelblatt, durchzogen mit der wohl interessantesten Schlagzeile des Monats: "Ja, wir sind ein Paar!" Genau zwei Jahre nach Bens Tod war Cecilia ihn hinter sich zu lassen und zu Gareth zu stehen. Heute w�rde die ganze Welt von ihrem Gl�ck erfahren.
"Ich liebe dich Ben, f�r immer!" Sie senkte leicht ihren Kopf, ehe sie sich erhob und zur�ck zu Gareth lief, die Zeitung lie� sie achtlos am Grab liegen.
"Okay, wir k�nnen!" Cecilia l�chelte ihn an und ergriff seine Hand, die die ihre sofort voller W�rme umklammerte und Cecilia sp�rte, dass er immer f�r sie da war, komme was wolle. Die beiden machten sich auf den R�ckweg und so bemerkten sie nicht, dass der aufkommende Wind die zur�ckgelassene Zeitschrift aufwirbelte und genau die beiden Seiten �ber Gareth und seine neue Liebe aufschlug:
*Wie habt ihr euch kennen gelernt?*
Gareth: Vor gut einem Jahr in London. Ich war abends spazieren und sie war spazieren. Wir haben wohl beide nicht geahnt, dass dieser Tag unser Leben so grundlegend ver�ndern w�rde...
Cecilia: Seine blauen Augen haben mich sofort fasziniert. Er hat mir wohl das Leben gerettet!
*Wie meinst du das?*
Gareth: Darf ich f�r sie antworten? Sie hatte damals eine ziemlich schwere Zeit hinter sich, �ber die sie nicht gerne spricht. Ich hoffe, dass die Fans das akzeptieren und nicht weiter nachfragen werden. Vielleicht werden wir irgendwann einmal dar�ber sprechen, doch im Moment w�rden wir das lieber f�r uns behalten. Zum Schutz f�r alle Beteiligten.
*Verst�ndlich.... Wann sprang der Funke zwischen euch �ber?*
Cecilia: Das war noch in derselben Nacht. Ich wei� nicht, wie ich es beschreiben soll, es hat einfach *klick* gemacht, war wohl so etwas wie Liebe auf den ersten Blick.
Gareth: Seit ich sie das erste Mal gesehen hab, war da etwas und es wurde wirklich noch in derselben Nacht Liebe daraus.
*Welche Eigenschaften des anderen ziehen euch besonders an?*
Cecilia: Alles an ihm ist perfekt � perfekt f�r mich. Was andere �ber ihn denken, ist mir egal, ich liebe ihn so, wie er ist! Er gibt mir alles, was ich brauche, Hoffnung, Liebe, W�rme, Kraft. Ohne ihn k�nnte ich nicht mehr leben.
Gareth: Ich kann mich immer auf sie verlassen, sie ist da, wenn ich sie brauche. Wir erg�nzen uns perfekt. Es ist wie wenn ich ein unvollst�ndiges Puzzle w�re, Cecilia ist das fehlende Teil dazu. Erst zusammen ist mein Leben komplett.
*Warum glaubt ihr, dass ihr f�reinander bestimmt seit?*
Gareth: Weil es einfach so ist. Das kann man nicht wirklich begr�nden, wahre Liebe muss man f�hlen und ich w�nsche jedem, dass er sie einmal in seinem Leben erfahren darf.
Cecilia: Ich habe fr�her nie geglaubt, dass es so etwas wie die gro�e Liebe wirklich geben kann, bis Gareth vor mir stand!
*Wenn ihr einen Wunsch frei h�ttet, was w�rdet ihr euch w�nschen?*
Cecilia: Dass wir gemeinsam alt und gl�cklich werden k�nnen.
Gareth: Dass unsere Liebe niemals endet.
*Viel Gl�ck euch beiden!*