ecomatic

Rapsöl als Ausweg?

Der Rapsöl-Golf von VW

von Stefan Freichel


Der Volkswagenkonzern hat als erster Automobilkonzern ein mit Rapsöl betriebenes Serienfahrzeug auf den Markt gebracht. Hierzu wurde der Golf Ecomatic ein besonders sparsamer, auf der Schwungnutztechnik basierender, dieselbetriebener Fahrzeugtyp (sein Motor schaltet sich automatisch ab, wenn er nicht gebraucht wird) serienmäßig auf den Rapsöl-Betrieb ausgelegt. Aus technischer Sicht war dazu lediglich eine Umstellung beim Material für Schläuche und Dichtungen notwendig. Durch diese Veränderung wurde der Golf-Ecomatic zum »Zwitterfahrzeug«, das sowohl herkömmlichen Diesel als auch Rapsöl tanken kann.

Im Fahrbetrieb ergeben sich bei Rapsölbetrieb keine Unterschiede. Aufgrund der geringfügig niedrigeren Energiedichte liegen die Verbrauchswerte von Rapsöl nur wenige Zehntel höher (in Klammern die Werte mit normalen Diesel): 4,9 (4,6) l/100 km im Stadtzyklus, 4,5 (4,2) l/100 km bei konstant 90 km/h sowie 6,4 (6,0) l/100 km bei konstant 120 km/h. Dafür bietet der nachwachsende Rohstoff in der Umweltbilanz eindeutige Vorteile:

Lediglich die Stickoxid-Werte können, je nach Motor, im schlechtesten Fall unwesentlich höher liegen.

Wie ist der Einsatz von Rapsöl als Verbrennungsstoff zu bewerten?

Der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen ist keine Neuerung, so wird in Brasilien schon seit Jahrzehnten aus Zuckerrüben gewonnenes Ethanol getankt. Rapsöl, auch »Biodiesel« genannt, hat jedoch, wie die Tabelle (nach: energiedepesche 2/94) zeigt, eine wesentlich bessere Energiebilanz (bezogen auf Tranport und Bereitstellung).

Sicherlich ist das Engagement von Volkswagen bei der realen Markteinführung eines »Energie- Sparautos« für 25. 975 DM (im Gegensatz zu den Alibi-Prototypenentwicklungen der meisten Automobilkonzerne) zu begrü ßen, zumal nach VW-Angaben die Mehrkosten der Rapsölumstellung nicht an den Kunden weitergegeben werden. Die relativ geringen technischen Veränderungen, die zum Rapsöleinsatz nötig waren, deuten an, welches Potential an Energieeinsparungs- und Schadstoffreduktionsmöglichkeiten uns bisher vorenthalten wurde. Ein zusätzlicher Vorteil von Rapsöl ist seine biologische Abbaubarkeit, daher ist er als Kraftstoff für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge hervorragend geeignet.

Die jüngste Rapsöldiskussion soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die zwei Hauptziele einer zukunftsträchtigen Verkehrs-Energiepolitik in einer Energieverteuerung und einer Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs bestehen müssen. Rapsöl ist kein Ausweg, den Status Quo einer »Automobilwahngesellschaft« zu wahren, in dem dem Einzelnen suggeriert wird er fahre »umweltfreundlichen Stoff«. Dies gilt umso mehr, wenn man den heutigen Ölverbrauch des Individualverkehrs durch Rapsanbau zu ergänzen sucht (Aus 1 Hektar Rapsölanbaufläche lassen sich ca 1000 Liter »Bio-Sprit« gewinnen). Die Diskussion um den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen als Energieträger hat sicherlich erst begonnen, im Mittelpunkt wird dabei die Frage nach der Anbauart und dem Einsatzort der neuen Energieträger stehen müssen.


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updated: 2000/10/18

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