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SOLAR-X 83
Online-Version des externes Clubzines. Sonderband: Milit�rische Science Fiction; Rezensionen, Stories, Artikel.
(dt., SOLAR-X erscheint monatlich, SOLAR-X 83: Februar 1997)
Der erste (?) bewu�te Versuch eines deutschspachigen Zines, "milit�rische SF" vorzustellen. Das gelingt im Prim�rteil nicht. Einf�hrung, Rezensionen und Autorenportrait des Sekund�rteils vermitteln aber einen guten ersten Eindruck. Die Umsetzung SXs im Netz ist d�rftig und wird dem Medium nicht einmal in Ans�tzen gerecht.
Hat Thomas Braatz eigentlich schon einmal versucht, seinen Bildschirm in der Mitte zu knicken? Das m�chte man ja fast annehmen, denn so wie er die Online-Version von SOLAR-X im Netz pr�sentiert, scheint er noch gar nicht bemerkt zu haben, da� er es nicht mehr mit Papier und Druckerschw�rze sondern mit Bits&Bytes und �berhaupt einem ganz anderen Medium zu tun hat. Nicht einmal die elementaren Dinge beherzigt er: Wer einmal einen Beitrag angeklickt hat, der wird so das BACK-Icon seines Browsers sch�tzen lernen. Nicht weil die Beitr�ge so schlecht w�ren, nein, sondern weil Thomas �berhaupt keine M�glichkeit bietet, die jeweilige Seite auch wieder zu verlassen. Sackgassen, wohin man schaut. Und mit jedem Click und immer wieder der Beweis: Es gen�gt eben nicht, ein Fanzine mal eben "ins Netz zu stellen".
Die Pr�sentation ist also arg verbesserungsbed�rftig. Und wie stets mit dem Inhalt? Der ist wie immer, k�nnte man sagen. Und m��te dann die Macher des Heftes - SOLAR-X ist abseits der Leine ja ein solches Heft, das seit Jahren mit an Wunder grenzender Regelm��igkeit erscheint. Bemerkenswert insbesondere die - qualitativ oft guten - Buchbesprechungen. Innovativ ist man bei SX nicht unbedingt (und will man auch nicht sein). Daf�r aber h�chst verl��lich (und Verl��lichkeit ist ja eine Tugend). - beruhigen, da� das gar nicht b�s gemeint sei. Diese Ausgabe jedenfalls ist ein Themenband und "Milit�rische Science Fiction" (MSF) das Thema. Nun ist aber nicht jeder Roman, in dem eine Waffe gezogen wird, deshalb gleich MSF. Auch eine Serie wie KAMPFSTERN GALAKTIKA habe "kaum etwas damit zu tun" - sagt Wilko M�ller jr. Das wundert mich dann doch ein wenig, denn schlie�lich ging es in dieser Serie um nichts anderes als um einen geordneten R�ckzug auf eine vermeintlich gesicherte Position: die Erde. In seiner Einf�hrung definiert Wilko MSF als "diejenige SF, welche vordergr�ndig milit�rische Aspekte thematisiert und sie nicht nur als Stilmittel oder Versatzst�cke einsetzt." Und bedauert zugleich, da� diese Spielart der SF in Deutschland - ganz anders als in den USA - kaum verlegt wird. Mu� er f�r diese Einstellung nun die Verurteilung durch "militante Pazifisten" (Wilko) erwarten? Es mag ja sein, da� der ein oder andere seiner Leser zweifelnd die Stirn runzeln und sich vielleicht sogar zu einem �tzenden Kommentar herablassen wird. Wilko selbst jedenfalls rechnet schon damit. Es ist aber keineswegs, wie er meint, eine Frage des Rechthabens, ob einem MSF nun zusagt oder nicht. Und es ist nicht die geschickteste Position, von vornherein in die Verteidigungsstellung zu gehen und sich um Rechtfertigung zu bem�hen. Wilko schie�t sich selbst in den R�cken, wenn er im einen Abschnitt vorgibt, das Thema behandeln zu m�ssen, weil es eben existiert ("Nicht �ber ein Thema zu reden, weil es jemandem nicht pa�t, da� es existiert, ist aber keine L�sung. Daher habe ich mir einmal dieses spezielle Gebiet der SF genauer angesehen."), um im Folgesatz dann zuzugeben, da� es ihm einfach Spa� macht, MSF zu konsumieren.
Der Gro�teil dieser Ausgabe wird im folgenden dann mit einer von Wilko M�ller verfassten Werkschau offenbar eines der profiliertesten und erfolgreichsten der MSF-Autoren bestritten: David Weber. Offengestanden habe ich den Namen noch nie geh�rt. Daher sind die einf�hrenden "Notizen" sehr willkommen. Wie Wilko hat auch David Weber offenbar den inneren Zwang sich zu rechtfertigen. Es ist eben nicht nur Ballerei und Gemetzel, was er dem Leser serviert. Das Ganze hat vielmehr eine Botschaft: "Hygienisierte milit�rische SF" sei f�r in "die schlimmste Form der Pornografie. (...) Ich stimme nicht (...) �berein, (...) da� alle Kriege aus notwendigerweise schmutzigen und irgendwie unreinen Vorg�ngen bestehen. Ich denke, da� es wichtig ist zu erkennen, da� Kriege h��lich und gemein sind und da� es besser einen verdammt guten Grund gibt, in einen verwickelt zu werden. Es ist die Verantwortung des Autoren zu zeigen, da� der Krieg keine gerechte und aufregende Sache ist ..." Aber auch in INDEPENDENCE DAY (Rezi z.B. in Fandome-A-Week) ging es ja gar nicht um die Invasion einer fremden Species. Ich war ziemlich verbl�fft zu erfahren, da� der eigentliche und tiefere Sinn ja darin bestand, Solidarit�t und Gemeinsinn zu zeigen - das Zusammenfinden von Individuun unterschiedlicher sozialer Schichten, Herkunft und Hautfarbe. Nun, irgendwo hat wohl alles einen tieferen Sinn. Was nun David Webers Statement betrifft, w�re es nun f�r Zeit f�r einen b�sen Umkehrschlu�: Da� seine Leser n�mlich offenbar v�llig unbedarft sind und keine Ahnung davon haben, da� "Kriege h��lich und gemein sind" und daher seiner p�dagogischen Traktate ganz dringend bed�rfen.
Es w�re naheliegend und interessant gewesen, h�tte Wilko die Worte des Autoren einmal an den Romanen gemessen (von denen er 9 St�ck vorstellt). INDEPENDENCE DAY stellt - im Widerspruch zur hehren Absicht - die Aliens ja auch nicht anders dar als ein Nazi "die" Juden oder ein KKK-Fanatiker "die Neger": Gemeinsinn sicherlich, aber nur in der Abgrenzung zum "teuflischen" Anderen. Wie also beherzigt Weber seine weisen Worte? Dar�ber findet sich in den Rezensionen leider recht wenig. Immerhin: Es scheint, als w�rde er auch den "Feind" durchaus differenziert darstellen. Und es scheint auch brutal und verlustreich genug zuzugehenund somit ansatzweise "realistisch". Und dennoch w�re es w�nschenswert gewesen, Wilko h�tte sich mehr mit der Darstellung des Milit�rischen auseinandergesetzt. (Wie es etwa Andreas Hirn in seiner Besprechung eines Romans von John Dalmas versucht - leider ohne Beispiele f�r seine Befunde zu nennen.)
Klaus Geus' Artikel "Der zweite apokalyptische Reiter in der deutschen Science Fiction vor dem ersten Weltkrieg" liest sich genauso trocken wie der Titel. Wie haben sich unsere Urgro�v�ter die k�nftigen Kriege vorgestellt? Gespickt mit Zitaten h�tte hier trotz des eher akademischen Themas ein lebendiger Artikel entstehen k�nnen. Stattdessen gibt es eine Auflistung l�ngst vergessener Autoren, deren Pamphlete keiner mehr kennt. Ziemlich nationalistisch seien sie gewesen, unsere Urahnen, ihre Schreibweise aggressiv und emotional. Manches sahen sie richtig voraus, anderes aber nicht, etc.pp. Da� es sich bei den Texten um SF handelt, ist eine ziemlich gewagte Konstruktion des Verfassers. Vermutlich - dann h�tte er den Begriff einmal vergessen zu ersetzen - stand dort statt SF urspr�nglich "fr�he deutsche Phantastik". Aber dann w�re der Titel ja noch sperriger geworden und h�tten sich wohl noch weniger durch den Text gelesen.
Zwei Stories gibt es, zwei Versuche, dem Thema des Heftes nachzukommen. Da� einer davon von den SX-Machern selber heruntergemacht wird, ist schade. Ralf Anders nimmt mir ja alle Arbeit ab, wenn er die gr�bsten Schnitzer, die sich Michael Tillmann in "Die verbotene Waffe" leistet, selbst dokumentiert: Die Waffe, um die es in der Story geht, sei "physikalisch gesehen ziemlicher Humbug". Immerhin tut sie ihre Dienste und zerst�rt das Flagschiff eines gef�rchteten Raumpiraten. Dummerweise blockieren die Tr�mmer des zerfetzten Raumers fortan die kosmischen Schiffahrtsrouten. Das sei nat�rlich "banal" und angesichts der Weiten des Alls "absurd". Ralf hat da v�llig recht. Doch mich verwundert, da� er das in SX so �u�ert, m��te er als SXler doch wissen, wie betroffen seine Kollegen auf Kritik reagieren. Und warum enth�lt er sich zu der anderen Geschichte, zu Ralf Schulzes "Nat�rliche Kriegsf�hrung", jeden Kommentares? Der hier zugrunde liegende Gedanke, das komplette �kosystem eines Planeten m�sse zerst�rt werden, wenn eine Kriegspartei dort ein paar hundert Schlangen und andere fremde Arten aussetzt, ist kaum weniger "absurd", der Plot kaum weniger "banal" und vorauszusehen, die Geschichte aber immerhin besser erz�hlt. Beide Geschichten sind eigentlich nicht das, was nach Wilkos Definition unter MSF zu verstehen w�re.
SOLAR-X 83 ist der erste mir bekannte Versuch eines deutschsprachigen Zines, bewu�t "Milit�rische SF" vorzustellen. Dem Prim�rteil gelingt das nicht, daf�r vermittelt der Sekund�rteil - Wilkos Einf�hrung, die Rezensionen und das Portrait David Webers - einen guten ersten Eindruck. Ein bi�chen mehr Distanz (was nicht zwangsl�ufig Ablehnung bedeuten mu�) w�re hier besser gewesen. SX ist ganz dringend zu w�nschen, da� sich sein Erscheinungsbild im Netz dem ordentlichen gemachten Inhalt anpa�t. Aber vielleicht schafft es Thomas Braatz ja auch und zerknickt seinen Monitor wirklich ...
Thomas Schmitz
Bochum, 30.01.1997
(Netscape 2.02)
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