Rezension
M�rz 1997
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INTERCOM 14

Clubzine des Perry Rhodan World Communication Club
Clubinterna, Stories, Grafiken und Rezensionen rund um Perry Rhodan
(dt., INTERCOM erscheint monatlich, INTERCOM 14: Februar 1997)


Insgesamt �berzeugt auch diese INTERCOM-Ausgabe eher durch seine Aufmachung und Umsetzung und durch die ausgezeichneten Farbbilder als durch die Geschichten, denen es manchmal schlicht an Lesbarkeit mangelt.

INTERCOM erscheint mit so sch�ner Regelm��igkeit und in solch einem Umfang, da� es derzeit wohl das gr��te und erfolgreichste deutschsprachige (inzwischen auch in einer englischsprachigen Ausgabe erh�ltliche) eZine im Bereich der SF ist. An der optischen Gestaltung hat sich in den letzten Nummern nicht viel ge�ndert (vgl. Rezi zu INTERCOM 11): Den Seitenhintergrund bilden immer noch die bekannten wirbelnden kleinen Sternchen, die je nach eingestellter Schriftgr��e das Lesen ein wenig erschweren k�nnen. Farbige Buttons, bunte Balken und poppige Seiten�berschriften erschlagen in ihrer Kombination auch weiterhin. Verbessert wurde die Pr�sentation und Nutzerfreundlichkeit der einzig noch verbliebenen NEWS-Sparte: PR-News. Die anderen wurden laut Clubvorsitzenden Thorsten Eyrich mangels Material und wohl auch mangels Interesse nicht mehr fortgef�hrt. Am Seitenanfang findet sich nun eine �bersicht aller Meldungen, von der aus der Leser nun direkt zu den ihn interessierenden Punkten springen kann. Er mu� nun auch nicht mehr bis zum Seitenende scrollen, um auf eine Sprungmarke hin zum Anfang der Seite zu sto�en. Die Herausgeber von INTERCOM sind sichtlich darum bem�ht, die Vorteile von Hypertext zu nutzen, was das Zine positiv hervorhebt.

Diesmal gibt es einen "Online-Chat". Das hat mich neugierig gemacht. Aber nat�rlich war nichts online. Das war schon allein deshalb so, weil ich mir INTERCOM offline zu Gem�te f�hre und Vereinsmitglieder das eZine als mail bekommen. "Online-Chat" war nichts als das umfangreiche Protokoll einer abendlichen Plauderrunde im Netz. Den Beteiligten scheint es Spa� gemacht zu haben. Weil es aber nur ein Protokoll ist, bleiben INTERCOM-Leser au�en vor und k�nnen sich nur wundern, wie man einen Inhalt, der sonst ein paar kurze Abs�tze gef�llt h�tte, zu imposanten 75 KB Textmasse aufbl�ht. F�r die Zukunft allerdings ist geplant, �ber die Homepage des Clubs Online-Chats oder Newsgroups zum Thema PR anzubieten. Das h�tte dann aber mit INTERCOM direkt nichts mehr zu tun.

"Downsizing", jenen popul�ren Modebegriff trendverliebter Manager, hat Wolfgang Britz zum Titel seiner Geschichte erkoren, in der er in wenigen Abs�tzen die Zukunft einer Menschheit in den Klauen eines �berm�chtigen Computerkonzerns entwirft. Da mu� er notgedrungen oberfl�chlich bleiben. Was herauskommt, liest sich so: "Die vom entstandenen weltumspannenden Konzern mit Sitz in Seattle gelieferten Anwendungen und Produkte setzten neue Standards in der Arbeitswelt aller Branchen. Die dadurch �berproportional schnell voranschreitende Rationalisierung in den Unternehmen machte einen Gro�teil der arbeitenden Menschen �berfl�ssig. [...] Von Jahr zu Jahr wurden immer mehr Mitarbeiter freigesetzt. Innovative Ideen konnten von immer weniger Menschen in wesentlich k�rzerer Zeit als in der vorherigen konjunkturellen Hochphase realisiert werden. [...] Das f�r die marktwirtschaftlichen Initialz�ndungen verantwortliche Duo Lang/Olsen wurde von der stetig schwindenden Zahl derer, die vom Aufschwung profitierten, geradezu als G�tter verehrt. Von der Masse der Verlierer wurden sie dagegen geha�t wie die sprichw�rtliche Pest." Eine ziemlich trockene Darstellung, die zwar mit dem Titel nichts zu tun hat, deren einzige tiefere Bedeutung aber darin liegt, da� sie mit ihrer simplifizierenden und pessimistischen Sichtweise genau die Stimmung wiedergibt, die derzeit vielen Menschen in Deutschland aufs Gem�t dr�ckt. Das �ndert nichts daran, da� der Inhalt so ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist - und sich leider auch so liest. Eine tragf�hige Handlung hat "Downsizing" nicht zu bieten. Ein Mann betritt die Machtzentrale des "Moloch" genannten Weltherrschers, macht ihm ein paar Vorw�rfe und geht wieder: Das ist nicht gerade der Stoff, aus dem gute Geschichten gestrickt sind. Und das ist der eigentliche Mangel, da� es in der Geschichte kein Element gibt, welches Interesse an ihrem Fortgang wecken k�nnte.

Ein anderes Problem hat Thorsten Oberbossel in "Der Bote der Vorzeit - sp�tes Erwachen". Das ist der erste Teil einer neuen Fortsetzungsgeschichte, in der es seinen Protagonisten nach Problemen mit dem �berlichtantrieb in eine ferne Zeit katapultiert. Nicht sonderlich originell, der Plot. Zwei Dinge machen die Story kaputt: Einmal der Technikfetischismus ihres Autoren, bei dem schon die blo�e Beschreibung des Auftauchens aus dem Hyperraum zum Akt ger�t, die Darstellung des Antriebs zum Auszug aus einem Lehrbuch f�r Sternenflotteningenieure: "Dieser Antrieb sendet zun�chst eine gerichtete Hyperenergieschockwelle aus, die einen Ri� im Raum-Zeit-Gef�ge verursacht, durch den das entsprechende Schiff gezogen wird, nachdem es eine zweite Sto�welle auf Hyperraumbasis erzeugte, um den Ri� nach dem Durchsto� wieder zu schlie�en. Beide Wellen trieben das Schiff im entstofflichten Zustand durch den Hyperraum und sorgten f�r einen stabilen �bergang zwischen zwei Punkten im Normalraum ohne Zeitverlust. Jedoch barg dieser Antrieb Nachteile. So mu�te zun�chst umst�ndlich die relative Bewegung zwischen Start- und Zielpunkt errechnet werden und auf Hyperraumvariable �bertragen werden. Dann belastete die Ent- und Rematerialisation lebende Besatzungen k�rperlich so sehr, da� keine Fl�ge �ber gro�e Entfernungen stattfinden konnten. Mit der Entwicklung des Tripolantriebes wurden diese Nachteile behoben. Raumfahrt wurde sicher, schnell und unbeschwerlich." H�ufungen solcher und �hnlicher Passagen erschlagen. Da� Thorsten ein Fremdwesen zum Helden seiner Geschichte gemacht hat, bei dessen Darstellung aber scheitert, weil sich die Fremdheit nur auf �u�erlichkeiten und den Gebrauch fremder Me�einheiten reduziert und damit jeder Glaubw�rdigkeit entbehrt, das ist der zweite gro�e Schwachpunkt der Geschichte. Gut gel�st ist lediglich die �berleitung zur n�chsten Folge: Die Geschichte endet, als ein fremdes Raumschiff auftaucht und mit ihm zahlreiche Fragen, die es in der Fortsetzung dann zu beantworten gilt.

Wenn ein Erz�hler vom Thema seiner Geschichte abschweift, "was allerdings so ziemlich egal ist, da ich ja sowieso nur in dieses positronische Notizbuch schreibe, um die Zeit totzuschlagen", so l��t das den Leser nichts Gutes erwarten. Leider ist das "Logbuch des Hansekontors Xelatron", von dem Alexander Noffz bisher nur den Auftakt verfa�t hat, zu kurz, um hier zu einem Urteil zu kommen. Ein Logbuch ist es aber nicht. Vielmehr die in Tagebuchform gehaltene Geschichte des Kommandanten Peres Milladro, der sich nach einem Unfall vom Rest seiner Raumstation abgeschnitten sieht. Ohne Nahrung, bald ohne Strom und nur von menschenleeren Lader�umen mit merkw�rdiger Fracht umgeben. Gro� scheint ihn sein Schicksal aber nicht zu k�mmern: fehlende Lebensmittel, der bevorstehende Zusammenbruch der Lebenserhaltung, das kommt bei Alexander alles recht flapsig daher. So k�mmert es den Kommandanten denn auch weniger, wie er an Nahrung kommt: "Ich habe eine von diesen... diesen Kisten aufgemacht, prompt kam so ein gr�nes, l�ngliches Etwas mit entgegen.. nach einem Fu�tritt sah der Wurm zwar nur noch wie eine gr�ne Nudel aus, aber denkt ihr, das Ding schmeckt so?!" Das viel gr��ere Problem ist der begrenzte Speicher seines elektronischen Notizbuches: "Was, das Buch ist voll? Oh nein, was soll ich denn jetzt machen?!? Hmm, vielleicht ist den den Kisten auch was zu schreiben, meinetwegen auch Blues-Papier und Buntstifte... Wieviel habe ich noch? OK, gehe ich mal s (Fortsetzung folgt)". Dann vermutlich wird zu erfahren sein, ob es sich bei der Geschichte um den Versuch einer Parodie handelt oder Alexander das Ganze einfach verungl�ckt ist.

"Auf der Suche nach ES", Teil 5+6, ist ganz sicher eine Parodie, nicht nur, weil ihr Autor Thomas Rabenstein sie als solche bezeichnet. Da� er sie als nackte Dialoge serviert, gef�llt mir nicht, weckt es doch den Verdacht notorischer Bequemlichkeit. In den besten Momenten der Geschichte aber zieht Thomas mehrere Serien, (Perry Rhodan, Star Trek, Star Wars) und ihre Helden mit ihren Schw�chen gen��lich durch den Kakao. Und das sollte doch gefallen.

Die in der INTERCOM Gallerie ausgestellten Grafiken von Holger M�llers, Markus Silbereisen und Norbert Schneider, f�hren auch diesmal wieder eindrucksvoll vor, was mit Grafikprogrammen (so man sie beherrscht) alles zu erreichen ist.

INTERCOM, das derzeit gr��te und erfolgreichste eZine f�r SF �berzeugt auch in dieser 14. Ausgabe eher durch seine Aufmachung und Umsetzung und durch die ausgezeichneten Farbbilder als durch die Geschichten.

Thomas Schmitz
Bochum, 26.02.1997
(Netscape 2.02)


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Reaktionen:


Date: Thu, 27 Feb 1997 14:44:04 -0500
From: Thomas Rabenstein

Hallo Thomas,

>> "Auf der Suche nach ES", Teil 5+6, ist ganz sicher eine Parodie,
>> nicht nur, weil ihr Autor Thomas Rabenstein sie als solche bezeichnet.
>> Dass er sie als nackte Dialoge serviert, gefaellt mir nicht,
>> weckt es doch den Verdacht notorischer Bequemlichkeit.
>> In den besten Momenten der Geschichte aber zieht Thomas mehrere Serien,
>> (Perry Rhodan, Star Trek, Star Wars) und ihre Helden mit ihren Schwaechen
>> genuesslich durch den Kakao. Und das sollte doch gefallen.

Vielen Dank fuer Deine Mail.

Als ich die erste Story "Treffen der Serien" im Compuserve PERL Forum gepostet habe, haette ich nie gedacht, dass am Ende 3 Stories daraus werden, geschweige denn dass jemand sich die Muehe macht, eine REZI ueber meine Bloedeleien zu schreiben.
Nach Treffen der Serien kam "Die Rueckkehr der Serien" und schliesslich "Auf der Suche nach ES."
Du siehst das ganze hat sich ueber die Zeit hochgeschaukelt, macht aber immer noch Spass. ;-)

Auf jeden Fall vielen Dank fuer Dein Feedback und die faire REZI.

Gruss,

Thomas



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