USA 1998. 105 Min
Regie: Ole Bornedal,
Buch: Ole Bornedal, Steven Soderbergh,
Musik: Joachim Holbek,
Kamera: Dan Laustsen,
Schnitt: Sally Menke,
Darsteller: Ewan McGregor (Martin Bells), Nick Nolte (Inspektor Cray), Josh Brolin (James), Lauren Graham (Marie), Patricia Arquette (Katherine), Erich Anderson, Lonny Chapman
Kinostart: 14/8/1998
Ein Jura-Student verdient sich sein Studium als Nachtwächter in der Pathologie eines Krankenhauses, in der die Opfer eines Serienkillers liegen. Alle Spuren führen zu ihm, aber... war er der Täter? Die Neuverfilmung des dänischen Überraschungserfolgs von 1994. (Verleihprogramm)
Ein Student nimmt einen Job als Nachtwächter im Krankenhaus an und gerät in geheimnisvolle Verstrickungen um Nekrophilie und Mord. Erst im letzten Moment kann er sich gegen das personifizierte Böse erwehren. Der Däne Ole Bornedal hat ein Hollywood-Remake seines eigenen Erfolgsfilms "Nightwatch - Nachtwache" (1994) inszeniert, bei dem er sich in jeder Hinsicht streng an die Vorlage hielt und einen achtbaren Übertritt ins kommerzielle Lager schafft. Dabei benutzt er die Mittel und Schauspieler Hollywoods, ohne sich selbst benutzen zu lassen, und bietet akzeptables Genrekino, dem allerdings der Low-Budget-Charme des Originals fehlt.
Vier Jahre nach seinem verblüffend stilsicheren und erfolgreichen "Original" legt der Däne Ole Bornedal nun das Remake seines eigenen Films "Nightwatch - Nachtwache" (fd 31 178) vor. Dem Ruf nach Hollywood mochte sich das skandinavische Talent nicht entziehen - wogegen auch prinzipiell nichts einzuwenden ist. Bornedal wagte jedoch auch eine Neuauflage der Frage, ob Selbst-Recycling zwangsläufig im Fiasko münden muß, wie es vor ihm beispielsweise George Sluizer mit seinem doppelten "Spurlos" (1988 und 1992, fd 30 275) erging. Doch anders als sein niederländischer Kollege vertraut der dänische Filmemacher seinem Stoff und läßt Charakterzeichnung, Atmosphäre und weitgehend auch den Plot unangetastet. Eine Reihe von Kameraeinstellungen scheint sogar identisch mit denen des Vorgängers zu sein. Bornedal war gut beraten, solche "Autonomie" zu wahren: Er verpaßte "seinem Kind" lediglich einen zeitgemäßen Hollywood-Stil, indem er die technischen Vorzüge und darstellerischen Leistungen der "Traumfabrik" nutzte, ohne sich selbst benutzen zu lassen. Der zweite Aufguß von "Nightwatch" lebt nun zwar nicht mehr vom etwas rüden Charme einer Low-Budget-Überraschung, stellt aber eine solide Leistung dar: ein recht akzeptabler Übertritt ins kommerzielle Lager, bei dem freilich der innovative Anspruch auf der Strecke bleibt.
Der Student Martin Bells ist froh, einen Job als Nachtwächter im Krankenhaus ergattern zu können. Daß zu seinen nächtlichen Rundgängen auch der Leichenkeller und der Autopsie-Saal gehören, stört ihn zunächst wenig. Durch die zynischen Späße seines besten Freundes James aber und unheimliche Vorgänge während des Dienstes (eine Leiche scheint ein Nachleben zu entwickeln) sieht er sich bald von einem Netz von Merkwürdigkeiten umgarnt, die seine Nachtwachen mehr und mehr zum Alptraum werden lassen. Das Grauen greift auch auf seinen Alltag über: Martin gerät in Verdacht, an sadistischen Prostituierten-Morden beteiligt zu sein, die die Stadt in Atem halten. Eines Nachts überschlagen sich die Ereignisse und finden eine makabre Erklärung - Martin muß dem Bösen schlechthin ins Auge sehen und es in einem letzten, titanischen Kraftaufwand bezwingen. Es ist vor allem Nick Noltes subtilem Spiel zu danken, daß Bornedals Remake gegenüber dem Vorläufer eigene Qualitäten entwickelt. In der Rolle des Inspektors Cray wird er zunächst als väterlicher Vertrauter des gebeutelten Studenten eingeführt, wandelt sich dann aber schlagartig zum gefährlichen Gegenspieler. In einer Schlüsselszene füllt Noltes Gesicht für ungewöhnlich lange Zeit die Leinwand, in der eigentlich nichts geschieht - bis auf das Mienenspiel des Schauspielers, in dem sich differenzierte Wandlungen vollziehen, die spannender sind und mehr erzählen als ganze Action-Passagen. Neben Nolte wirken die Jungstars Ewan McGregor und Patricia Arquette zwangsläufig etwas blaß. (Claus Löser, film-dienst)
Was einmal erfolgreich war, das ist es auch ein zweites Mal. Remakes von europäischen Kinohits in Hollywood sind Milchmädchenrechnungen. Ihr Erfolg scheint in waschechtem Amerikanisch sicher. Nattevagten hieß 1995 ein dänischer Thriller und Überraschungserfolg. Nun wurde er mit etablierten Schauspielgrößen (Nick Nolte, Ewan McGregor, Patricia Arquette) besetzt, stilistische Unsauberheiten wurden beseitigt, Thrills übernommen, bisweilen auch forciert.
Das Ergebnis, Freeze - Alptraum Nachtwache erzählt die gleiche Geschichte mit aufgetakelten Bildern noch einmal. Martin (Ewan McGregor), der neue Nachtwächter, betritt seinen Arbeitsplatz, vor dem zwei in Plastik gehüllte Bäume postieren, wie ein Mausoleum. Die Räume des Leichenschauhauses sind bedrohlich still, hier lauert die Unruhe der Untoten. In einer kleinen Portierszelle starrt Martin ins Dunkel seines eigenen Ebenbildes. Oder er wippt zielgruppengerecht durch die leeren Gänge.
Im kalten Herz des Hauses, wo die Leichen aufgebahrt werden, kreuzen sich die Pfade des Plots: Eine Wette zwischen Martin und seinem unsteten Freund James (Josh Brolin) ist Anlaß für unsympathische Aktivitäten. Sie fordern sich heraus, indem sie eine Prostituierte schikanieren und verfangen sich im Netz der Verbrechen eines Serienmörders. Leichen verschwinden, neue kommen hinzu. Ein Drama spielt sich allein im expressiven Mienenspiel Nick Noltes, des Polizisten in Charge, ab.
Die Offenbarung des Täters ruft wieder in Erinnerung, daß die Auflösung schon auf dänisch mäßig originell war. In Nattevagten wurden die Stereotypen des Thrillergenres noch selbstironisch bloßgestellt. Ole Bornedal, der sein eigenes Drehbuch, von Steven Soderbergh nachbehandelt, erneut verfilmte, verzichtete diesmal darauf. In Freeze wird die Überschreitung des Alltags bestraft, die Rückkehr dorthin ist allerdings sicher möglich. (D. Kamalzadeh, DER STANDARD, 18/81998)
Und das Licht zuckt wieder in den Neonröhren. "Freeze" nennt sich das US-Remake eines kleinen dänischen Schockers namens "Nightwatch": flaue Orgien, durchschaubare Mysterien, triviales Horrortheater.
Irgendjemand hat die Tote, blutig zugerichtet, aus dem Bett des Leichenschauhauses auf den Gang gezerrt und dort einfach hingesetzt. Der junge Nachtwächter, in etwa das, was man eine Sympathiefigur nennt, ist außer sich, weil er daran sieht, daß er nicht allein ist mit den Leichen, für deren Ruhe er eigentlich zu sorgen hat. Er holt Hilfe, mitten in der Nacht - und siehe: Die Tote ruht wieder in Frieden, nicht am Gang, sondern im Bett, und natürlich glaubt niemand den Ausführungen des verstörten Wächters. Später passiert ein Mord, blutig detailliert, während im Vordergrund, in penetranter Fröhlichkeit, ein Kinderlied vom Band seine banale Melodie grausam wiederholt. Alles schon gesehen, alles schon gehört? Aus Déjà-vus und Schockklischees setzt sich Freeze - Alptraum Nachtwache zusammen: ein neuer Thriller aus Amerika, der akribisch den Vorgaben eines nicht ganz so neuen Films aus Dänemark folgt, der seinerseits schon nur das geplündert hat, was in besseren Filmen für Spannung gesorgt hat.
Ole Bornedal, Regisseur von Nightwatch, hat sich von Hollywood einkaufen lassen, um das, was er kann, so exakt wie möglich für das amerikanische Kino noch einmal zu wiederholen. Bornedal ist nicht der erste, der der chronisch drehbuch-schwachen US-Filmindustrie als Zulieferer dienlich ist: Wie der niederländische Kollege George Sluizer, der sein Spoorlos unter dem Titel The Vanishing für den US-Markt plagiierte, schreitet auch Bornedal noch einmal den Weg ab, der ihn im kleinen Europa ein bißchen bekannt gemacht hat.
Die Geschichte eines Traumjobs: "All I gotta do is sit on my ass", sagt Held Ewan McGregor, ein Brite im amerikanischen Kino, selbstsicher ganz am Anfang noch über seine neue Tätigkeit im Leichenschauhaus. Beim bloßen Herumsitzen bleibt es freilich nicht, das ist von Minute eins an jedem klar, der schon einmal einen Film gesehen hat: Bornedal hält sich mit Subtilitäten gar nicht erst auf, sondern präsentiert seine schauerliche Welt in extremen Weitwinkeln, in Bildern, die unter akutem Lichtentzug zu leiden haben, in einer Ausstattung, deren stilisierter Chic gar nicht vorgibt, mit der Wirklichkeit auch nur entfernt etwas zu tun zu haben. Der gothic thriller ist ein hermetisch abgeriegeltes Gelände.
Und das Spannungskino verzerrt den Alltag: Wenn bei Bornedal einer den Mund aufreißt, aus welchem Grund auch immer, dann sieht das gleich so aus wie in Edvard Munchs bekanntestem Gemälde. Die Figuren neben McGregor sind auch nicht realer: Freundin Patricia Arquette gibt mit Lost-Highway- Attitüde erneut, in Tränen, die Verlorene, ein undurchsichtiger Freund bietet sich zwischendurch als Hauptverdächtiger an, und der zynische Cop, den Nick Nolte hier bemerkenswert unraffiniert spielt, scheint überhaupt von einem anderen Stern zu stammen. Charakterdarsteller sehen anders aus.
Freeze lebt von Standardsituationen, von Emotionen, die jeder nachvollziehen kann: Wer hat schon gern mit Toten zu tun? Und die Angst im Dunkeln oder die Aura eines gespenstischen Photos an einem einsamen Ort sind auch eher leicht verständliche Phänomene. Zusammen mit Filmemacher Steven Soderbergh, der Freeze als Co-Autor mitbetreut hat, tastet Bornedal eine Serie unwirklicher Orte ab: Mit den treffenden Worten "Welcome to Mars" wird McGregor von seinem knorrigen Vorgänger trocken begrüßt.
Und über all dem kreischt die Musik, bedroht und umwölkt die Figuren, während das Licht in den Neonröhren zuckt und die Nachtfalter verzweifelt versuchen, sich aus der alten Lampe an der Decke zu befreien: Freeze sieht aus, als wäre er immer schon in Hollywood daheim gewesen, ein eklektischer Horrorfilm, der sich alles unter den Nagel reißt, was billig zu kriegen ist: die Schmalspurvariante zu Demmes Silence of the Lambs, wenn man so will, begleitet von einem Dröhnen, das entfernt an die Filme David Lynchs erinnert. Bornedal entwickelt zum Horror, zum Genrekino keine Perspektive, er bleibt den Stereotypen und Äußerlichkeiten bis zuletzt verpflichtet: Über eine Stilübung, überkonstruiert und heillos überinstrumentiert, kommt Freeze nicht hinaus.
Aus welcher Welt stammt dieser Film? Die bösen Menschen hier sind entweder schwarz, nekrophil oder bis über beide Ohren tätowiert, als unschuldig dürfen dagegen vor allem blonde Mädchen und liebenswerte Verlierer gelten. Ein konservativer Film, so spannend wie ein in Überlänge erzählter Witz und so unvergeßlich wie eine Fahrt in der Wiener Geisterbahn: Freeze ist weniger ein Thriller als die Karikatur eines solchen, ein hochspekulatives Werk, das im Kinderspiel mit der Technik kompensiert, was ihm in der Kunst abgeht. (Stefan Grissemann, DIE PRESSE, 14/8/1998)
Offizielle Site: Dimension,
Weitere Kritiken der IMDb
USA 1998. 125 Min
Regie: Richard Donner,
Buch: Channing Gibson,
Musik: Michael Kamen, Eric Clapton, David Sanborn,
Kamera: Andrzej Bartkowiak,
Schnitt: Frank J. Urioste, Dallas Puett,
Darsteller: Mel Gibson (Martin Riggs) Danny Glover (Roger Murtaugh), Joe Pesci (Leo Getz), Rene Russo (Lorna Cole), Chris Rock (Lee Butters)
Kinostart: 14/8/1998
Riggs und Murtaugh stoßen durch Zufall bei einem Angelausflug auf ein Schiff voll gefangener chinesischer Immigranten. Der nichts ahnende Murtaugh nimmt die Chinesen bei sich zu Hause auf. Eine Entscheidung mit fatalen Folgen, denn die asiatische Mafia hat ausgerechnet an dieser Familie ein hohes Interesse. Damit ist ein Zusammenprall zwischen dem Copteam und der asiatischen Unterwelt vorprogrammiert.
Auch in der vierten Folge der großartigen "Lethal Weapon"-Reihe geht es wieder voll zur Sache! Richard Donner vertraut auf die perfekte Mischung zwischen Mel Gibson und Danny Glover und die Erfolgsformel der vorangegangenen Teile, die sie zu einer der erfolgreichsten Kinoserien des letzten Jahrzehnts entwickelt hat. Die Mischung aus Action, guten Sprüchen und Humor garantiert beste Unterhaltung. (film.de)
Zum vierten Mal tritt ein ungleiches Polizistengespann an, um einer Gangsterbande das Handwerk zu legen. Diesmal dreht es sich um chinesische Gangster, die illegale Einwanderer zur Fronarbeit in einer Geldfälscherwerkstatt zwingen. Mit dem Erlös sollen die vier größten Triadenchefs von korrupten chinesischen Militärs freigekauft werden. Die Neuauflage der Actionkomödie bedient sich in Gags und Dialogen vorwiegend bei den schon bekannten Motiven und Figurenzeichnungen, trotz der neuerlichen Ensemble-Erweiterung um einen jungen Ermittler. Handwerklich routiniert, besonders in den Actionszenen, sucht der Film Inspirationen aus dem Actionkino Hongkongs zu schöpfen, bleibt in der Darstellung der Chinesen zugleich aber Klischees verhaftet.
Schon in der ersten Ausgabe der "Lethal Weapon"-Reihe war das Alter der Helden ein Thema. Danny Glover alias Murtaugh wollte eigentlich das geruhsame Leben eines Polizisten im Ruhestand führen, als ihn Mel Gibson alias Riggs mit seinem Amtseifer zu reaktivieren wußte. Nun, im vierten Teil, entfährt es auch Riggs: "Ich bin zu alt für diesen Scheiß". Damit kommt Richard Donner, "Lethal Weapon"-Regisseur der ersten Stunde, möglichem Unbehagen zuvor, das sich seitens der Zuschauer einstellen könnte: angesichts der Diskrepanz zwischen den zahllosen Stunts, die nach den Regeln des Actiongenres immer halsbrecherischer und haarsträubender werden müssen, und seinen angejahrten Helden. Einerseits bedient Donner diesen Aspekt, auch durch die Tatsache, daß Riggs Vater zu werden verspricht, Murtaugh sogar Großvater. Andererseits greift er zu Gegenmitteln. Als ein erstes fungiert gemeinsames, beschwörendes Skandieren der Helden: "Ich bin nicht zu alt..." - so leicht läßt sich ein Produktionsteam, das innerhalb einer Dekade Abermillionen verdient hat, nicht aufs Abstellgleis manövrieren. Außerdem Mittel wurde dem dritten Sequel eine umfassende Frischzellenkur verordnet. Nachdem das Stamm-Ensemble im Laufe der Zeit schon um Joe Pesci und Rene Russo erweitert wurde, soll nun der Komiker Chris Rock als Polizeipsychologe für zusätzliche Auflockerung sorgen. Das gelingt, weil er im Spannungsfeld zwischen Nervensäge, seriösem Mitstreiter und kommendem Schwiegersohn Murtaughs agiert. Und schließlich, dies ist derzeit symptomatisch für das Genre, bedient sich "Lethal Weapon 4" in bisher ungekanntem Ausmaß der Errungenschaften des Hongkong-Actionkinos - ausgerechnet eines Kinos, das von alters- und schwereloser Beweglichkeit gekennzeichnet ist. So konfrontiert der Film sowohl zwei Kinokulturen miteinander, als auch zwei Altersklassen von Helden, und damit letztlich auch von Zuschauern.
Schauspieler-Stars aus Hongkong sind in Hollywoodfilmen in letzter Zeit immer häufiger zu sehen, während unter den Regisseuren allein John Woo in Amerika Fuß fassen und auch einige Inspirationen liefern konnte ("Face/Off"). Auch werden die "Martial Arts" immer präsenter und drängen den traditionellen Faustkampf beinahe an die Wand. Obwohl "Lethal Weapon 4" wie ein Destillat der jüngsten Hongkong-Strömungen daherkommt und Woo stellenweise sogar zitiert, wirkt der Film gleichzeitig wie eine Abrechnung mit den fremden Einflüssen. Für seine erste Hollywood-Rolle konnte man Jet Li gewinnen, den derzeit wohl meistbeschäftigsten Martial-Arts-Helden; seine virtuose Beweglichkeit und die einfallsreiche Kampfchoreographie sprengen den Rahmen des Genres Hollywoodscher Prägung. Jet Li spielt einen Handlanger in einer Art Sklavenhandel, bei dem illegale Einwanderer aus China zur Fronarbeit in einer Geldfälscherwerkstatt gezwungen werden; mit dem Erlös sollen die vier größten Triadenchefs von korrupten chinesischen Militärs freigekauft werden.
Vom ersten Moment an wird man das Gefühl nicht los, nur althergebrachte Klischees von China, den Chinesen und den Kommunisten zu sehen. Mit viel Make-up wurden die betrogenen Einwanderer auf schmutzig geschminkt; in einer Rückblende sind düstere Apparatschiks in einem ebenso düsteren Gefängnis in China zu sehen; und obwohl Murtaugh eine der aufgeflogenen Immigranten-Familien mit nach Hause nimmt, lernt man wenig über sie, außer daß Chinesen chinesisch kochen können. Hinzu kommt, daß die Gangster nicht weniger stilisiert dargestellt werden als in den Chinatown-Filmen von John Carpenter oder Michael Cimino, was sich als Gegenpol zu den munteren, schwarz-weißen Sympathieträgern umso fataler auswirkt. Abgesehen davon verläßt Richard Donner und seinen Autor Channing Gibson in den entscheidenden Momenten der Einfallsreichtum. Breit gestreut sind eher magere Gags, die Dialoge speisen sich zumeist aus Motiven früherer Filme oder aus dem erweiterten Figurenarsenal. Handwerkliche Routine allerdings kann man dem Film nicht abzusprechen, insbesondere in den zahlreichen Action- und Stuntszenen. Anhand von Schnappschüssen des vielköpfigen Teams, die während des Abspanns zu sehen sind, zeigt der Film auf geradezu rührende Weise, wie viele Arbeitsplätze der Kinogänger gerade mit seiner Eintrittskarte gesichert hat. Und immerhin rettet man sich nicht in übertriebene Gewaltdarstellungen - außer am Ende, da Jet Li zur Strecke gebracht wird: Eine Prozedur, die fast wie ein Exorzismus zelebriert wird. Doch dem Einfluß des Hongkong-Kinos, der sich in ihm personifiziert, läßt sich so leicht nicht der Garaus machen. Nicht so lange sich das US-Actiongenre nicht selbst erneuert. · Oliver Rahayel, film-dienst)
...und weiter gehts mit der Lethal-Weapon Serie! Martin Riggs und Roger Murtaugh sind immer noch gemeinsam unterwegs. Dieses Mal stoßen sie auf einen Menschenschmugglerring, der Asiaten illegal in die Vereinigten Staaten bringt, und dabei über Leichen geht. Auch privat gibt es einige neue Dinge: Martin wird Vater und Roger Großvater...
Nicht genug damit, daß Martin (Mel Gibson) gemeinsam mit seiner Freundin Lorna Cole (Rene Russo, seit Teil 3 dabei) ein Kind erwartet, und auch Rianne (Traci Wolfe), Rogers Tochter, Mutter wird, nein, die beiden haben außerdem inzwischen den Rang eines Captains erlangt. Und das aus gutem Grund: der Versicherung der Polizei von Los Angeles waren die Kosten, die Martin und Roger bei der Aufklärung von Verbrechen verursacht haben, einfach zu hoch, und als Captains, die ihren Dienst am Schreibtisch verbringen, können sie eigentlich keinen sehr hohen Sachschaden mehr anrichten. Spätestens seit sie mit einem amoklaufenden Mann mit Flammenwerfer konfrontiert waren, und die Versicherung einen mit Benzin beladenen Tanklaster ersetzen mußte, der dabei auf der Strecke blieb, hat sie die Nase voll.
Dennoch werden die beiden wieder in einen neuen Fall hineingezogen. Als ein Schiff, das illegal Chinesen in die Vereinigten Staaten bringen will, die Yacht Rogers rammt, müssen sie eingreifen. Bei einem Feuergefecht bleibt fast die komplette Besatzung des Schiffes (und auch Rogers Boot) auf der Strecke, und die Chinesen, die in einem Lagerraum versteckt waren, werden festgenommen. Nur eine Familie, die Roger in einem Rettungsboot findet, bleibt frei; Roger nimmt sie mit zu sich nach Hause.
Aus menschlicher Sicht war dies mit Sicherheit ein feiner Zug von Roger, ohne dies zu wissen hat er jedoch sich und seine Familie in große Gefahr gebracht, denn genau diese Personen gehören zu einem der einflußreichsten Männer der China-Connection in Los Angeles. Nachdem Roger, Martin, Lorna und die anderen nur knapp dem Tod entkommen, als die Chinesen unter Führung von Wah Sing Ku (sportlich und cool: Jet Li) Rogers Heim anzünden, hilft nur noch die aktive Gegenwehr. Dies ist jedoch leichter gesagt als getan: die Chinesen sind mit einer ganzen Armee in Los Angeles vertreten, und die Hände ihres Anführer sind mindestens so gefährlich wie die Waffen der Polizei...
Wenn man in diesem Film und den Teilen 1, 2 und 3 eine Logik erkennen kann, dann die, daß mit jeder Folge eine neue Hauptperson auftaucht. Im zweiten Teil war es Joe Pesci als Leo Getz, im dritten Rene Russo als Lorna Cole, und in diesem Teil wird Lee Butters, gespielt von Chris Rock, neu in die Story eingebunden. Nach dieser Systematik wäre auch ein fünfter Teil möglich, wenn es nicht an den finanziellen Möglichkeiten scheitert. Bereits bei diesem Film wollte Mel Gibson eigentlich schon gar nicht mehr mitspielen, bei einem astronomischen Gagenangebot wurde aber auch er weich.
Man merkt, daß Filme aus Hong-Kong mehr und mehr Beachtung in Hollywood finden. Jet Li, der in Asien zu den ganz großen des Kinos gehört, und vor gar nicht allzulanger Zeit auch bei uns in "Black Mask" zu sehen war, spielt hier in seiner ersten amerikanischen Produktion. Er ist mindestens so gelenkig wie Jackie Chan, nur spielt er einen Bösen. "Lethal Weapon 4" ist zwar immer noch sehr actiongeladen, ein großer Teil wird aber auch von familiären Themen bestimmt, und das nicht nur wegen der doppelten Schwangerschaft. Deshalb wird der Film aber weder schlecht noch übertrieben schnulzig; irgendwie passt alles zusammen. Es gibt nur wenige Filme, die eine angemessene Fortsetzung erhalten haben, dieser gehört auf alle Fälle dazu, und das schon zum dritten mal! Man kann allen Filmbegeisterten nur empfehlen, sich diesen Film nicht entgehen zu lassen. (heinz-online)
Wenn Sie "Lethal Weapon" öde, "Lethal Weapon 2" dämlich und "Lethal Weapon 3" sinnlos gefunden haben, dann lesen Sie diese Zeilen vermutlich in freudiger Erwartung eines herben Verrisses.
Pech gehabt: An "Lethal Weapon 4" gibt es nicht viel auszusetzen. Dabei bietet die vierte Inkarnation der 1987 gestarteten Filmreihe nichts grundlegend Neues, sondern setzt vielmehr auf die altbewährte Formel: Polizisten und Bösewichte liefern sich haarsträubende Verfolgungsjagden, Autos und Gebäude fliegen in die Luft, und am Ende gibt's einen obligatorischen Showdown, in dessen Verlauf es dem Oberverbrecher (diesmal ist es Hong Kongs Action-Star Jet Li) an den Kragen geht.
Bei aller Pyromanie und Stunt-Begeisterung aber lebt "Lethal Weapon 4" in Wirklichkeit von den Charakteren: Scheinbar mühelos nehmen Gibson und Glover die Zuschauer für sich ein - ihre Rollen wirken so vertraut, als gehörten die beiden zur Familie. Und so wirft sich auch dieses verrückte Paar, wie einst Jack Lemmon und Walter Matthau, mit sichtlichem Spaß an der Freud die Bälle zu und verbindet unter der Regie von Richard Donner vertraute Gesichter, witzige Dialoge und originelle Stunts zu einer taufrischen Action-Komödie mit nicht mehr ganz so jungen Stars.
Der 68jährige Donner, der eigentlich Schwartzberg heißt und schon bei den drei ersten Filmen der Reihe Regie geführt hat, respektiert sein Publikum: Wo andere Regisseure mit sinnloser Effekthascherei protzen, ist "Lethal Weapon 4" einfach ein rasanter, handwerklich und darstellerisch souveräner Sommerfilm, der hält, was er verspricht.
So schön kann Popcorn-Kino sein. (FOCUS Online>
Weitere Kritiken der IMDb
USA 1997. 103 Min
Regie: William Nicholson,
Buch: William Nicholson,
Musik: Christopher Gunning,
Kamera: Nic Morris,
Schnitt: Chris Wimble,
Darsteller: Sophie Marceau (Elisabeth Laurier), Stephen Dillane (Charles Godwin), Kevin Anderson (John Taylor), Lia Williams (Constance), Dominique Belcourt (Louisa)
Kinostart: 14/8/1998
Eine junge Frau, die einem Adligen als Leihmutter diente, tritt sieben Jahren später die Stelle als Gouvernante für die eigene Tochter an. Dabei wird deutlich, daß das als reine Geschäftsbeziehung ausgelobte Verhältnis weit mehr emotionale Spuren hinterlassen hat, als sich die Beteiligten eingestehen wollten. Ein gediegen inszeniertes, nach klassischen Mustern konstruiertes Liebesdrama mit prägnant gezeichneten Charakteren, das ein schlüssiges Gesellschaftsbild des 19. Jahrhunderts entwirft. Das aufwühlende Geschehen wird in ruhigen Bildern und gedeckten Farben wiedergegeben.
England, Mitte des 19. Jahrhunderts: Ohne eigene Schuld in finanzielle Not geraten, läßt sich die junge Elisabeth Laurier auf ein delikates Geschäft mit einem Adligen ein. Da dessen Frau nach einem Unfall schon seit geraumer Zeit im Koma liegt, er sich aber sehnlichst ein Kind wünscht, sucht er nach einer Frau, die - gegen Bezahlung - bereit ist, sein Kind auszutragen. Weil der Aristokrat auf die Wahrung seiner Anonymität besteht und mit Elisabeth auch unter keinen Umständen zusammen gesehen werden will, treffen sich die beiden "Geschäftspartner" für drei Nächte in einem entlegenen Hotel an der französischen Küste. Anschließend wollen sie, so sieht es der Kontrakt vor, einander nie wiedersehen. Elisabeth wird schwanger und bringt schließlich ein Mädchen zur Welt, das ihr unmittelbar nach der Geburt verabredungsgemäß weggenommen und auf den Landsitz seines Vaters in Südengland gebracht wird.
Sieben Jahre später sucht man dort eine Gouvernante für die kleine Louisa. Eine sympathische Frau mit besten Referenzen stellt sich vor und wird in Abwesenheit von Louisas Vater von dessen Schwägerin engagiert. Als der Hausherr zurückkommt, ist er entsetzt: Die neue Erzieherin ist niemand anderes als Elisabeth. Dennoch nimmt er von seinem spontan gefaßten Entschluß, sie sofort wieder zu entlassen, erst einmal Abstand. Zum einen fällt ihm kein plausibler Vorwand ein, der die anderen Hausbewohner nicht mißtrauisch machen würde. Zum anderen muß er sich eingestehen, daß er während jener drei Nächte vor sieben Jahren mehr Gefühle für Elisabeth entwickelt hat, als ihre geschäftsmäßige Absprache vorsah. Auch Elisabeth hat offenbar nicht nur die Sehnsucht nach ihrer Tochter hierher getrieben. Doch Charles Ehefrau liegt noch immer in einem der Zimmer im Koma.
Aus dieser Konstellation entwickelt der Autor und Regisseur Nicholson in seinem ersten Kinofilm ein stimmiges Drama, das in seinen besten Momenten an die Atmosphäre in Wilkie-Collins-Romanen erinnert, auch wenn kriminelle Machenschaften hier kaum eine Rolle spielen. Dabei hat Nicholson, für sein Buch zu "Shadowlands" (fd 30 718) 1993 bereits einmal für den "Oscar" nominiert, fraglos gut daran getan, keinen Problemfilm über "Leihmutterschaft im 19. Jahrhundert" drehen. Stattdessen inszeniert er ein Gesellschaftsbild, und läßt neben Elisabeth und Charles noch eine ganze Reihe von (Neben-)Figuren agieren, die allesamt in komplexen, emotionalen (Abhängigkeits-)Verhältnisse zueinander stehen. Personen, die, zwischen gesellschaftlichen Zwängen, Gewissensnöten und ihren Gefühlen ständig hin und her gerissen, nie so reden und handeln können, wie sie eigentlich möchten. Auch wenn der dramaturgische Kniff mit dem dauerhaften Koma der Ehefrau arg konstruiert anmutet, hält Nicholson die vielen Handlungsstränge nicht nur souverän im Griff, sondern streut auch mit Figuren wie dem lebenslustigen Vater von Charles oder der bezaubernd trotzigen Göre Louisa immer wieder heitere Momente in das sonst eher düstere Geschehen. Überzeugende Hauptdarsteller und eine Kamera, die das dramatische Geschehen vorwiegend in ruhigen Fahrten wiedergibt taucht und der herbstlich-winterlichen Landschaft immer wieder in berückend schönen Totalen huldigt, machen aus "Verborgenes Feuer" schließlich ein durchweg stimmiges, in grau und braun gtauchtes Drama. Räselhaft bleibt hier allein, was den Verleih veranlaßt hat, diesen klassischen "Herbstfilm" ausgerechnet zum Sommeranfang ins Kino zu bringen. · Reinhard Lüke, film-dienst)
Kaminfeuer aus dem Kunstflammenwerfer. "Verborgenes Feuer": Drehbuchautor William Nicholson schwelgt in seinem Regiedebüt in Bilderbuch-Gefühlen, denen kein Korsett gewachsen ist.
Einer der Komplexe, an denen unsere gefühlsduselige Gesellschaft leidet, gründet (paradoxerweise) auf dem scheinbaren Mangel an tiefempfundenen Gefühlen. Das ist wohl auch ein Grund dafür, daß auf der Suche nach den großen, "authentischen" Gefühlen wieder in der Vergangenheit gewühlt wird - und Gesellschaftsordnungen bemüht werden, von denen wir heilfroh sind, sie nur aus den Geschichtsbüchern zu kennen. Aus der Beobachtung nämlich, daß früher nicht gleich aus jedem Zuständchen eine Emotionalien-Show gemacht worden ist, folgern wir behende, daß Gefühle dort am schönsten gedeihen, wo man sie kräftig zugeschnürt hat.
Filme wie Firelight /Verborgenes Feuer sind die ideale Nahrung für diese muffige - bisweilen auch reaktionäre - Anschauung. Solche Filme erzählen von Frauen, die unglücklich lieben und ungerechterweise leiden; von Männern, deren Gefühle erst ausgegraben werden müssen; von Schicksalen, die überdimensioniert sind wie die Behausungen, in denen bleiche Menschen entweder vollends verkümmern oder aber ein überwältigendes emotionales coming out erleben.
Leidens- und Liebeskönigin in Verborgenes Feuer ist Elisabeth (Sophie Marceau), eine junge Gouvernante aus der Schweiz, die sich an einen reichen Engländer verkauft, um ihren Vater vor dem Ruin zu retten. Der Film beginnt mit einer (in Ausstattung und Dialogen) sparsam wirkenden Szene, in der die Frau über die Geschäftsbedingungen aufgeklärt wird: dreimaliger bezahlter Beischlaf mit einem Mann, den sie noch vorher nie gesehen hat; kein Wort zu niemandem, keine weiteren Ansprüche.
Elisabeth soll mit dieser Aktion dem kinderlosen Landadeligen Charles Godwin (Stephen Dillane) zu Nachwuchs verhelfen. Sie ist damit einverstanden, unterschätzt aber zweimal die Macht ihrer Gefühle: zunächst, als ihr der Sex mit dem Fremden unerwartetes Vergnügen bereitet. Bei der Inszenierung solcher Momente, in denen sich die Gemütsbewegungen über alle emotionalen Versteifungen hinwegsetzen, greift Regisseur Nicholson ausgiebig zu Weichzeichner und warmen Rottönen. In aufdringlichem Kontrast dazu gibt es Nebel, Schnee und blaustichig gezeichnete Räume, wenn die Herzen sich wieder verhärten.
Von der Macht der Gefühle endgültig überrumpelt wird Elisabeth, als sie von der Sehnsucht nach ihrer Tochter, von der sie sofort nach der Geburt getrennt wurde, überwältigt wird. Sechs Jahre nach dem denkwürdigen Ereignis gibt sie dem schließlich nach und meldet sich als Gouvernante im Hause Godwin - wo sie ihrer (wie sie feststellen muß: unausstehlichen) Tochter als Erzieherin zumindest nahe sein kann, aber kein Wort über die Lage der Dinge verlieren darf.
Scheibchen für Scheibchen läßt Nicholson seine Protagonistin nun das Eis abtragen, das er über die Gefühle dieser verkorksten Adelsgemeinschaft geschichtet hat - bis Elisabeth schließlich nicht nur als liebende Mutter anerkannt wird, sondern mit dem etwas unbeholfen gestrengen Sir Godwin auch noch in den siebten Himmel fahren darf. Durch Verzicht und selbstlose Mutterliebe erkauft sich diese schein-emanzipierte Frauenfigur ihr Recht auf sinnliche Genüsse.
Das "Feuer" schließlich, das für die Generalsanierung der Gefühlshaushalte verantwortlich und damit der dramatische Zündstoff hätte sein sollen, gleicht dem Kunstlicht einer elektrischen Christbaumkerze: ein sauberes, luftdicht verschlossenes Glühen, das - im Verbund mit vertrautem Glitzerwerk - nur vorgibt, Flamme zu sein. (Robert Buchschwenter, DIE PRESSE, 14/8/1998)
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