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Home - Index - Rezensionen - Impressum - eZineKurier - email 10.10.1996

Werte Leserinnen und Leser,

die Besprechungen �ber ZIMMERIT 6: CRYPERION, LUGOSI MANIA und �ber das FANTASTISCHE FORUM 16 sind in dieser Ausgabe enthalten; verschieben mu�te ich diesmal zwei Rezensionen, und zwar �ber YALLASH und �ber VURGUZZ CLASSIC 10. Au�erdem k�nnt Ihr im FANZINE-KURIER 75 mit Besprechungen �ber BONSAI 5, SOL 3, SAGITTARIUS 28 (die bereits f�r diese Ausgabe vorgesehen war, mich aber noch nicht erreicht hat), HELDENLIED, STERNENFEUER (hier gilt dasselbe wie f�r SAGITTARIUS 28) sowie mit den unvermeidlichen SOLAR-X-Rezensionen (unvermeidlich, weil ich es so will...) rechnen.

Viele Gr��e
Armin M�hle


LEGENDENS�NGER-EDITION 48: BANNZAUBER
FANTASTISCHES FORUM 16
STERNENFEUER 5
ZIMMERIT 6: CRYPTERION
ALIEN CONTACT 24
SOLAR-X 75
ELVEN MESSENGER 50
LUGOSI MANIA
VURGUZZ CLASSIC 10
SOLAR-X 76
LEGENDENS�NGER-EDITION 19: SPIEGELBILDER


LEGENDENS�NGER-EDITION 48: BANNZAUBER
72 Seiten DIN A 5, Kopie (verkl.), Mittelheftung.
Auflage: 30 Exemplare, 6,00 DM.
Bezug: Christel Scheja, Josefstr. 29, 33106 Paderborn-Elsen.

Christel Scheja geh�rt zu den flei�igsten Herausgeberinnen; regelm��ig erscheinen neue Fanzines, die SF-, Fantasy-, Horror- oder auch zeitgen�ssische Erz�hlungen und viele Illustrationen beinhalten. Besonders gern widmet sie sich ihrer eigenen Welt Talastan, in der auch andere Autorinnen und Autoren f�r ihre Abenteuer ein Pl�tzchen finden - wie in dem vorliegenden Band.

Ein neuer Name ist Charlotte Engmann, die gleich mit drei Geschichten vertreten ist. Alle ihre Erz�hlungen zeichnen sich durch einen fl�ssigen, unterhaltsamen Stil aus. Sie versteht es, Personen glaubhaft zu schildern und auch eine Story interessant aufzubauen, die eher arm an Handlung oder Spannung ist.

In "Das gr�ne Kind" findet die Heilerin Sialyn im Wald ein Kind, das, wie der Titel vorwegnimmt, gr�n ist. Das Baumm�dchen Lisanna wird, obwohl die Dorfbewohner zun�chst mi�trauisch sind, von Sialyn zusammen mit ihrem Sohn Jerelan gro�gezogen. Das Idyll tr�bt sich, als eine Gauklerin d�stere Prophezeiungen macht. Die Episode beinhaltet wenig Handlung, da es sich um eine Art Prolog handelt. Figuren werden eingef�hrt und die Weichen f�r weitere Abenteuer gestellt.

"Die kleine F�rstin" Tharhi ist ein ungl�ckliches M�dchen, das abgeschirmt und unter strenger Aufsicht als Vogel im goldenen K�fig gehalten wird und den rivalisierenden Adeligen als Spielball dient. Ein kleines Tier namens Nyz, das sich in ihr Zimmer verirrt, bringt ein wenig Freude in Tharhis tristen Alltag. Doch das zahme Wesen hat bereits einen Herrn, den Jungen Trishan, der zu einem Trupp Gaukler geh�rt. Die Kinder schlie�en heimlich Freundschaft. Nat�rlich bleibt das Tharhis Aufpassern nicht lange verborgen. Trishan wird verpr�gelt, Nyz von einem Priester gefangen, und die Gaukler sollen schleunigst verschwinden. Entt�uscht von ihren Leuten fa�t Tharhi daraufhin einen folgenschweren Entschlu�. Die Psyche der Kinder ist hervorragend dargestellt; und klar, es folgen bestimmt neue Geschichten mit den jugendlichen Helden.

In "Lebenssteine" machen einige Magier ihre Erfahrungen mit zauberm�chtigen Steinen. Dabei greift Charlotte ein Motiv auf, das bereits von Christel in einer Story verarbeitet wurde. Diese Crossover schaffen eine dichte Atmosph�re und zeigen, da� sich die Autorinnen und Autoren mit den Ideen ihrer Kollegen auseinandersetzen und auch miteinander arbeiten k�nnen.

Nat�rlich ist auch Christel mit einer l�ngeren Erz�hlung vertreten: "Das flammende Band" ist eine sehr detaillierte Story voller Querverweise auf andere Episoden und Figuren. Das M�dchen Arielen verl��t ihre Heimat, nachdem sie wiederholt von der Mutter ihres Freundes gedem�tigt wurde. Den Flammenring um die Insel �berwindet sie Dank der Hilfe eines Geistes. Im Gegenzug soll sie daf�r einen gewissen Darudan suchen. Arielen gelangt zwar aus der Gefahrenzone, aber ihr Boot sinkt. Als sie wieder zu sich kommt, sieht sie sich einem jungen Mann gegen�ber, der sich um ihre Verletzungen k�mmert. Sie erkennt in ihm Darudan, den Sohn der Geisterfrau. Obwohl er z�gert, sie als Begleiterin zu akzeptieren, schlie�t sie sich ihm an und verliebt sich prompt in ihn. Und dann gehen die Abenteuer erst richtig los.

Allen Stories gemeinsam ist, da� es sich um typische Fantasy-Figuren (Adelige, Gaukler, Magier, Heilerinnen etc.) und Konstellationen handelt. Die Frauen sind h�bsch und mutig, die M�nner dito. Spannung, Humor, Psychologie, Romantik, alles ist dabei.

Vielen sind Christels (und �hnliche) Fanzines zu konventionell, zu klischeehaft, aber offenbar gibt es noch genug Leser, die es m�gen und Autorinnen und Autoren, denen es Spa� macht, so etwas zu schreiben. Mich wundert nur, da�, bei aller Kritik, �berhaupt noch Fantasy-B�cher verkauft werden, in denen doch auch nichts anderes, besseres oder weniger ausgelutschtes geschildert wird als in Fan-Erz�hlungen. Betrachtet man vergleichsweise Horror- oder SF-Zines, so wird man feststellen, da� auch hier regelm��ig dieselben alten Ideen wiederaufbereitet werden; blo� h�lt sich verwunderlicherweise die Kritik in Grenzen. Um Christel hat sich, wie oft vermutet wird, kein kleiner Kreis etabliert, und es sind auch nicht immer dieselben Namen, die in ihren Zines auftauchen. Es sto�en stets neue Leute hinzu, und sie gibt auch jungen Schreibern eine Chance. Da� sie selbst mal Neos waren, haben jedoch manche, die angesichts schwacher Erstlingswerke erhaben ihre H�upter sch�tteln und diese verrei�en, um sich selbst zu produzieren, vergessen.

Die Illustrationen stammen von Christel, Beatrix Berndt und Martina Sommer, wobei letztere besonders positiv auff�llt.

Das Layout hat, seit Christel unter die PC-User gegangen ist, deutlich gewonnen, wenngleich es den Inhabern dicker Bankkonten vermutlich noch immer zu dilettantisch sein d�rfte. Man sollte jedoch an die Auster denken, die unter der unscheinbaren Schale oft eine Perle verbirgt, w�hrend bei anderen Fanzines der d�rftige Inhalt von einer gewaltigen Aufmache kaschiert wird. Leider fallen viele noch immer auf die billigen Tricks herein.

BANNZAUBER ist ein Fanzine f�r die Freunde von Sword & Sorcery, und die Fantasy-Hasser m�ssen es ja nicht lesen, oder?

Irene Salzmann

Kranzberg


FANTASTISCHES FORUM 16
44 Seiten DIN A 5, Kopie (verkl.), Mittelheftung.
Auflage: unbekannt, 4,00 DM, 4er-Abonnement 14,00 DM.
Bezug: AKTIONSKREIS FANTASTIK, Thomas Vohl, Alte Schanze 69, 47057 Duisburg.
Bankverbindung: Sparda-Bank Essen (BLZ 360 605 91), Konto 197 152.

Gew�hnlich bem�ht sich der AKTIONSKREIS FANTASTIK darum, die phantastische Literatur auf besonders wissenschaftliche Weise zu begleiten; man erwartet, da� sich die Beitr�ge in einem Heft jeweils demselben Thema aus verschiedenen Richtungen n�hern. Die 16. Ausgabe des FANTASTISCHEN FORUMS verr�t mit ihrer �berschrift "Weltsichten" aber sehr wenig von der inhaltlichen Ausrichtung - und wird mit diesem blassen Titel wird wohl eher langweilen als Interesse wecken.

Auch die �berschrift des ersten Artikels - "Kontingenz" - hilft den meisten Lesern kaum weiter, l��t sie zudem trockene Lekt�re bef�rchten. Und in der Tat: Man mu� sich reinbei�en. Christian A. Mathioschek er�rtert anhand des Begriffspaares "Kontingenz oder Determinierung" des Lebens die Frage, ob die Evolution entweder sinnvollen Auswahlmethoden folgt oder vom reinen Zufall in beliebige Richtungen verschlagen wird. Da der Beitrag einige Tiefe aufweist und seine Gedanken anhand von Werken der SF veranschaulicht, wird der Leser geneigt sein, weiterzulesen und die �berschrift "Kataklysmen" des nun folgenden Beitrages ebenso m�helos verdauen wie die "Kontingenz". Durch die Besch�ftigung mit "Weltenden" greift Karlheinz Steinm�ller die Erw�gungen zum Zufall auf; Katastrophen pflastern seinen (gedanklichen) Weg. Nach Abschlu� dieses Reigens wundersch�ner Weltunterg�nge, die ansprechend beschrieben und �berzeugend klassifiziert sind, kl�rt Handke auf, und zwar �ber die Gaia-Theorie - kurz, �bersichtlich und gut verst�ndlich.

Balthasar v. Weymarn schlie�t sich mit dem Artikel "Schnittstelle zur Zukunft - Auswirkungen der SF auf die Wirklichkeit" wiederum inhaltlich an, indem er zwar nicht aus der Gaia-Theorie abgeleitete Verhaltensgebote, aber den Einflu� von in der SF entwickelten Zukunftsvisionen auf Denkweise, Planungen und ansatzweise auch Taten der Gegenwart und Vergangenheit aufzeigt. Teilweise - insbesondere bei der �berlegung, SF-Fans seien f�r den Erstkontakt mit Au�erirdischen besonders geeignet - haben die Ausf�hrungen spekulativen Charakter.

Ein echtes Themenheft zu "Weltsichten" ist das FANTASTISCHE FORUM sicher nicht, da ein allen Beitr�gen gemeinsamer Kern nicht ersichtlich ist. Es schl�gt jedoch, diverse Aspekte durchwandernd, eine Br�cke zwischen Philosophie, phantastischer Vision und Weltverst�ndnis, die das ideelle Zentrum der Begeisterung f�r Science Fiction ber�hrt. Die Beitr�ge sind dabei durchweg interessant und - nach �berwindung der Eingangsschwelle - auch leicht lesbar. Mit einem Wort: hervorragend!

Wer nach Lekt�re des FANTASTISCHE FORUMS 16 den Themenbogen nicht verlassen, sondern noch ein Weilchen auf der "Schnittstelle zur Zukunft" verharren m�chte, dem empfehle ich Band 1 der Schriftenreihe der Phantastischen Bibliothek Wetzlar: LITERARISCHE UTOPIEN UND ANTI-UTOPIEN von Thomas Haufschild und Nina Hanenberger.

Clemens Nissen s. ps

Wangerland


STERNENFEUER 5
114 Seiten DIN A 5, Offset (verkl.), Klebebindung.
Auflage: 150 Exemplare, 8,30 DM.
Bezug: Uwe Baur, Bentheimstr. 13, 97072 W�rzburg.

Mit der f�nften Ausgabe von STERNENFEUER legen die Mannen um Klaus Bollh�fener ein neues Exemplar ihres mittlerweile bew�hrt guten Fanzines vor. In dieser Ausgabe finden sich ausnahmsweise keine Interviews, aber das bedeutet nicht, da� die Auswahl der Beitr�ge deswegen schlechter w�re. Ein Schwerpunkt liegt in Beitr�gen aus der deutschen Phantastik der Vergangenheit.

Allgemeines Am�sement d�rfte die Antwort Wolfgang Jeschkes auf den uns�glichen "Offenen Brief" von Horst Illmer aus der Nr. 4 ausl�sen, den ich in meiner entsprechenden Rezension ja ausreichend gew�rdigt habe. Auch Jeschke scheint der "Offene Brief", in dem Illmer pathetisch und wortreich eine Neuauflage von La�witz' AUF ZWEI PLANETEN fordert, sehr am�siert zu haben, denn seine Antwort ist herrlich ironisch. Lag ich also doch nicht falsch...

Nun aber ins Eingemachte. Aus der Vielzahl der Beitr�ge seien einige herausgegriffen. Andreas Schweitzer beginnt mit einem Artikel �ber Jerry Goldsmith, den ber�hmten Filmkomponisten, der ja auch zahlreiche SF-Filme und -Serien (u. a. eine Menge STAR TREK) mit seiner Musik unterlegte. Eine W�rdigung, die f�r ein SF-Fanzine eher ungew�hnlich und daher von besonderem Interesse ist, inklusive einer Aufstellung aller Filme und Serien, zu denen der Komponist beitrug. Sehr lesenswert.

J�rgen Geigers Salmonellen-Comic l��t diesmal das Schneewittchen-M�rchen wiederaufleben. Im Gegensatz zu den vorherigen Folgen f�llt diese vom Wortwitz her ein wenig ab, ist aber noch immer recht unterhaltsam.

Schmalzig wird's mit einer Kurzgeschichte von Kurd La�witz, die sehr schw�lstig und pathetisch geschrieben ist und damit Jeschkes Auslassungen �ber den "Altmeister" (naja) nur recht geben. Weitaus lesbarer ist die Geschichte "Kukuruz Lahemi" von Jacobus Fellgibel aus dem Jahr 27, die einen Blick ins Jahr 97 wirft, wo alle Verlage zugunsten von Buchgemeinschaften dichtgemacht haben. Wer sich heute den Bertelsmann-Club oder �hnliche Moloche ansieht, mu� dem Autoren damaliger Zeit nahezu prophetische F�higkeiten zusprechen. Eine sch�ne Geschichte eines offensichtlichen B�cherfreundes.

Nun noch ein paar Worte zu zwei anderen Beitr�gen. Da w�re zum einen eine ironische Betrachtung eines miserablen SF-Romans von H. J. Freiberg, der vor vielen Jahren mal f�r Kelter schrieb und abgesehen von dem hier besprochenen Roman ERFOLGSAUSSICHTEN 11 PROZENT" nur noch als Autor einiger REN DHARK-Romane hervortrat. Obgleich sich alle "Rezensenten" echte M�he geben, den Roman in die L�cherlichkeit zu ziehen (was an sich nicht n�tig ist, das macht er n�mlich schon selbst), ist mir der Sinn dieser ganzen Aktion doch verborgen geblieben. Der Unterhaltungswert sinkt durch Wiederholung rapide. Und das Teil ist es nun wirklich nicht wert...

Bemerkenswert ist hingegen eine Geschichte der zw�lfj�hrigen (!) Sarah Hrapia mit dem Titel "Beethoven fliegt zum Mars", eine kleine Traumstory �ber eine Marsflug auf einem Klavier. Bemerkenswert allein deswegen, weil man bei STERNENFEUER dankenswerterweise nicht immer nur auf gro�e Namen und erfahrene Schreiberlinge schielt.

Fazit: STERNENFEUER 5 ist ein mehr als lesbares, gut zusammengestelltes, abwechslungsreiches, unterhaltsames, informatives und witziges Fanzine, bei dem sich fast jede Seite lohnt. Kaufen!

Dirk van den Boom

M�nster


ZIMMERIT 6: CRYPTERION
100 Seiten DIN A 4, Offset, Klebebindung.
Auflage: 300 Exemplare, 12,00 DM.
Bezug: Michael Marrak, Weinbergstr. 25, 72667 Schlaitdorf.
Bankverbindung: Volksbank N�rtingen (BLZ 612 901 20), Konto 562 094 008.

Eigentlich war ZIMMERIT 6 als ein Band zum Thema "Agnostik" geplant. Doch am Ende war das Projekt ausgeufert und Michael Marrak mu�te bef�rchten, da� so manche Geschichte mit einem h�mischen "Thema verfehlt!" abgetan worden w�re. So w�hlte er einen anderen Titel f�r die Ausgabe: CRYPTERION. Das klingt geheimnisvoll nach dunklen Gr�ften und sagt doch �ber den Inhalt nichts aus.

"Crypterion" ist zugleich der Titel der lau geratenen ersten Geschichte dieses Bandes. Sie leidet weniger an der Verwendung typischer SF-Versatzst�cke, die J�rg Dinst�hler zu einem vielversprechenden Rahmen zu zimmern versteht, sondern viel mehr darunter, da� dieser Rahmen, der f�r einen ganzen Roman ausgereicht h�tte, nur unzureichend ausgef�llt wird. Von einer Invasion der Erde erfahren wir da, von der Flucht der Menschen in tiefe Bunkerst�dte, von Waffen, die sich - einst zur Abwehr der Invasion ersonnen - l�ngst verselbstst�ndigt haben, von Mutanten und Tiefschl�fern und so weiter und so fort. Die Geschichte selbst aber beschr�nkt sich auf einige kurze gut ausgearbeitete Szenen. Da tauchen interessante Figuren auf, werden aber alsbald schon wieder fallengelassen. Die Szenen wirken in ihrer Abfolge sprunghaft und lassen zu viele Fragen offen. Wenn diese Geschichte zur Titelgeschichte gemacht wurde, dann eher wegen ihres Themas: Es geht um Wissen, das im Laufe der Jahrhunderte verloren ging, um Wissen, das sorgsam geh�tet und verborgen gehalten wird und eine Gefahr darstellen k�nnte, und es geht um den Reiz solchen Wissens, um Neugier und das Streben nach Erkenntnis.

Das in etwa ist auch das Thema der meisten Beitr�ge dieser ZIMMERIT-Ausgabe, dem sich die Autoren auf sehr unterschiedliche Weise n�hern. Die einen tun es konventionell, wie J�rg Dinst�hler oder Malte Schulz-Sembtens mit "Die Bakschisch-Zone". In dieser versiert erz�hlten Geschichte um den Taxifahrer Spindario erm�glicht ein Ger�t, die Zeitdauer der Taxifahrten ins Unm�gliche zu verk�rzen. Entsprechend hoch sind die Trinkgelder der bisher staugequ�lten Kunden. Unverst�ndlich bleibt, warum der Autor sich dann auf die breitgetretene Bahn sattsam bekannter Aussagen und Handlungsschemata begibt: Da mu� der Weg, den das Ger�t �ffnet, geradewegs durch die Totenwelt f�hren. Und die fordert am Ende ihren Preis: Wer sich anma�t, die Naturgesetze auf den Kopf zu stellen, so die altbackene Moral der Geschichte, mu� daf�r bitter bezahlen.

Andere Autoren - und die befinden sich in ZIMMERIT in der Mehrheit - zeigen sich experimentierfreudig, was Inhalt und Form ihrer Beitr�ge angeht. Da ist beispielsweise das B�hnenst�ck von Michael Marrak und Gerhard Junker, "Neues aus dem Irrhain", mit dem gewisserma�en die Tradition aus ZIMMERIT 4 fortgesetzt wird. Was dort noch als "Mischung von FAUST-Prolog und absurdem Theater" (FK 68) erschien, artet diesmal rasch in Klamauk aus und ist bereits nach sieben Seiten zu Ende. Originelle Figuren und einige nette Ideen gibt es ja, doch dr�ngt sich der Verdacht auf, da� die Ideen den Autoren so langsam abhanden kommen und �berhaupt die gew�hlte Form des Beitrags nicht mehr ist als eine Ausgeburt der Bequemlichkeit, weil es eben leichter ist, absurde und groteske Aussagen aneinander zu reihen, als eine stimmige Erz�hlung zu komponieren.

Wie das geht, zeigt J�rg Dinst�hler in seiner zweiten Geschichte, "Zwiebeln und D�monen", wo zur munteren Plauderei drolliger Fabelwesen auch noch eine Handlung kommt, ein Roter Faden, wie er im "Irrhein" fehlt. Mehr von der Sorte!

F. M. Hallstr�m ist mit zwei Stories pr�sent. In "Stockton Carter Gala Days" erz�hlt er von einem Ex-Stripper, der sich nun als Vertreter f�r religi�se Scherzartikel durch das Leben schl�gt: Eine f�r den Autor typische Geschichte, dem geniale Ideen, tiefsinnige Monologe und kaputte Charaktere in einer entfremdeten Welt wichtiger sind als die Handlung. Auf "Der Fluch des geh�rnten Teufels" trifft �hnliches zu. Da� er hier sich hier an einer Pointengeschichte (mit einer nicht originellen Schlu�pointe) versucht, sei ihm hier verziehen.

Ist "Der transfinite Wartesaal" nun eine Hommage an Kafka? Das ber�hmte K�rzel "K." f�r den Protagonisten legt es nah. Da� J�rgen Thomann seinen Helden aufs Amt schickt, wo er an jenem unendlichen Wartesaal des Titels verzweifeln mu�, verwundert nicht. Allein, J�rgen fehlt es an der Verkorkstheit des Kafkaschen Geistes, so erreicht die Geschichte die Tiefe von dessen Werken nicht und bleibt vielmehr oberfl�chlich und farblos.

Achim St��er l��t in "Glogauer pfl�gt" zwei Zeiten aufeinander prallen. In das Leben eines mittelalterlichen Bauern dringen pl�tzlich Erscheinungen der Neuzeit. Die Ebenen vermischen, bis am Ende eine Ebene �brig bleibt. Kaum f�llt es auf, da� die Geschichte nur eine Seite umfa�t. Lediglich da� der Schlu� einige Fragen offen l��t, st�rt hier.

Geschichten "h�rtester Gangart" verspricht der Herausgeber mit "Mein Name ist Wahnsinn" und "Feuerwerksstimmung", beide von Tuberkel Knuppertz. Die erste ist ein Monolog: eine Aneinanderreihung altbekannter Positionen oberfl�chlicher Kultur- und Sozialkritik. Gestelzte Ausducksweise ("Omin�se Schattenwesen meiner Erinnerung streifen meine Wahrnehmung und nehmen ihre Gew�nder ab.") wechseln ab mit Vulg�rw�rtern. Eine tragf�hige Handlung fehlt v�llig. Auch mit der zweiten Geschichte erweist sich der Autor nicht als Meister origineller Gedanken. Seine Beschreibung der Flugzeugkatastrophe von Amsterdam als "irreale Vision" (nicht da� es reale g�be) wird zum Ausgangspunkt hochgeistiger Gedankeng�nge wie der Beschreibung christlicher Priester als "Zuh�lter des christlichen Gesch�ftswesens - huren herum mit dem Glauben der Unterdr�ckung und der Frau als Abbild des B�sen". L�blich, da� dem Augenzeugen dann doch nur stummes Entsetzen und Tr�nen bleiben, als die Vision der Wahrnehmung von Feuer und Sterben weicht. Das zumindest klingt ehrlich.

Die optische Gestaltung des Heftes ist von �berdurchschnittlicher Qualit�t, wof�r Namen wie Stefan Atzenhofer, Oliver Ferreira, Gerhard Junker (das Titelbild!) und Michael Marrak selbst, um nur einige zu nennen, b�rgen. Nicht immer jedoch, so scheint es, gen�gt der ansonsten gute Druck den Bildern. Besonders bei den Grafiken Oliver Ferreiras f�llt es hin und wieder schwer, Einzelheiten auszumachen. Das ist schade.

ZIMMERIT 6 ist in vorliegender Form ein rundum gelungenes ambitioniertes Zine. Dabei ist gut, da� es sich nicht in das Korsett eines vorgegebenen Themas zu zw�ngen versucht.

Thomas Schmitz

Bochum


ALIEN CONTACT 24
60 Seiten E 5, Offset, Mittelheftung.
Auflage: unbekannt, 6,50 DM, 4er-Abonnement 26,00 DM.
Bezug: Edition AVALON, Oderstr. 17, 10247 Berlin.
Bankverbindung: Postbank Berlin (BLZ 100 100 10), Konto 0586379104, lautend auf Dirk Kurth.

Der beste Beitrag in der neuesten ALIEN CONTACT-Ausgabe ist ein Nachdruck (aus SOLAR-X 71): "Der Katalog der zerbrochenen Tr�ume" von Frank Roger pr�sentiert diverse kulturelle Objekte aus unserer nahen Zukunft - eine ideenreiche, skurrile Story, die noch dazu hervorragend geschrieben ist. Wer Bestellungen aus diesem Katalog t�tigen will, sollte freilich �ber eine Zeitmaschine verf�gen, um mindestens in das Jahr 2001 reisen zu k�nnen, denn fr�her werden die angebotenen Objekte (komplett) nicht verf�gbar sein...

Die �brigen Kurzgeschichten sind zwar auch lesenswert, reichen aber nicht an Frank Rogers Arbeit heran. In "Nur eine kleine Formalit�t" von Dennis Merbach versucht die Protagonistin dem Zugriff des GenMed-Konzerns zu entgehen, in sie als Ausl�nderin getarnt wieder in ihr Heimatland einzureisen versucht. Unklar bleibt, warum sie sich nicht abschieben l��t... "Ribas" ist eine Pointenstory von Dirk van den Boom, dessen Protagonisten zwei Xenopsychologen, die auf der Raumstation MATER NOVA arbeiten, und ihr Patient, ein Kind aus der Rasse der Edaner, sind. Auch hier st�rt lediglich ein Detail: Warum wurde die Story nicht von vornherein im Original-ORBIT HOSPITAL angesiedelt...?! "Der Einhorn-Pakt" von Jens H. Altmann schildert den Einsatz des Pendants einer Geheimagentin in einer Fantasy-Welt, wobei die Story g�ngige Fantasy-Sujets verwendet und damit nicht aus dem Rahmen dieses Subgenres f�llt.

Unter den sekund�rliterarischen Beitr�gen ist dagegen ein Highlight nicht auszumachen. Hans-Peter Neumann beleuchtet kritisch die neuesten Ver�ffentlichungen der ostdeutschen SF-Autoren Alexander Kr�ger, Rainer Fuhrmann und Curt Letsche. Das ist vor allem deshalb interessant., weil diese Autoren heutzutage �berwiegend nur noch im Eigenverlag ver�ffentlichen k�nnen. Reiner Schulz berichtet in "...und am achten Tage schuf ER Star Trek" von einer Veranstaltung an der TU Berlin zum Thema "STAR TREK- Zwischen Unterhaltung und Utopie" und reflektiert dabei sowohl die Beitr�ge der Teilnehmer als auch seine eigene Einsch�tzung der Serie. Da sich bereits DER SPIEGEL mit STAR TREK besch�ftigte, soll auch ALIEN CONTACT eine ausf�hrliche Besch�ftigung mit der Serie zugestanden werden, obwohl sie ungeachtet ihrer Popularit�t und ihrer positiven Eigenschaften nicht zu den anspruchsvollen Produktionen in der Science Fiction geh�rt, weil sie wie alle (Heftroman- oder TV-) Serien lediglich aus dem Ideenfundus des Genres sch�pft, was in dem Seminar an der TU Berlin aber offenbar nicht zur Sprache kam.

Gerd Frey stellt in seinem Artikel "Interaktive Literatur?" eine Handvoll Computerspiele vor, die auf Romanen und Zyklus diverser SF- und Fantasy-Autoren beruhen, der damit nicht nur f�r die PC-Spielefans interessant ist. �rgerlich ist lediglich, da� der Beitrag zumindest zeitgleich in den ANDROMEDA NACHRICHTEN 162 erschienen ist, ebenso wie die eine oder die andere Besprechung aus Gerds Computerspielesparte. Einige Beitr�ge darin wurden sogar aus AN 161 nachgedruckt, das also bereits vor etwa vier bis f�nf Monaten erschien... Myra �akan gelang es, mit dem russischen Kosmonauten Sergej Krikaljow und mit dem SF-Serienregisseur Gerry Anderson (THUNDERBIRDS, MONDBASIS ALPHA 1 und SPACE COPS - TATORT DEMETER CITY) zwei mittelm��ig interessante Gespr�chspartner f�r die Kurzinterviews zu finden.

Die vorliegende ALIEN CONTACT-Ausgabe �berzeugt vor allem durch die Kurzgeschichten. W�nschenswert ist der Verzicht auf Nachdrucke.

Armin M�hle

Wallenhorst


SOLAR-X 75
64 Seiten DIN A 5, Kopie (verkl.), Mittelheftung.
Auflage: 95Exemplare, 4,00 DM, 12er-Abonnement 40,00 DM.
Bezug: ANDROMEDA SF-CLUB HALLE, Wilko M�ller jr., Volhardstr. 20, 06112 Halle/S.
Bankverbindung: Bank 24 (BLZ 380 707 24), Konto 111445300.

Die SOLAR-X-Mannschaft feiert ihr 75. Jubil�um. "Was an Besonderem k�nnte man da aus dem �rmel sch�tteln?" fragt ein wenig ratlos der nimmerm�de Wilko M�ller jr. im Vorwort. SOLAR-X jedenfalls leistet sich anl��lich der Jubelnummer keinerlei Schnickschnack wie Vierfarbcover oder doppelten Umfang. Statt dessen pr�sentieren die Hallenser die gewohnte Mischung aus Stories und Sekund�rem, die uns FK-Rezensenten im Laufe der vergangenen sechs Jahre ja schon zur lieben Gewohnheit geworden ist.

Aber eine kleine Besonderheit bietet uns diese Ausgabe doch: Es finden sich darin ganze sechs Stories, und alle geh�ren - wie schon in der vorletzten Nummer 73 - dem Grusel-Genre an.

Bernd Frenz liefert in "Unter W�lfen" eine Neuversion des Werwolf-Themas, in deren Mittelpunkt er einen neuzeitlichen Magier in der L�neburger Heide stellt, der sich des schaurig heulenden Ansturms in einer Vollmondnacht erwehren mu�. Die Story ist l�ngst nicht so platt, wie man aufgrund des x-ten Aufgusses des klischeebeladenen Themas vermuten m��te, vor allem dank dem gut konstruierten Ende. Doch leider ist es Bernd auch nicht gelungen, mir einen Schauer �ber den R�cken zu jagen - und das erwarte ich nun mal von einer guten Gruselgeschichte.

Meine Erwartungshaltung nicht entt�uscht hat hingegen Pascal Gregory. "Schenk mir dein Herz" berichtet von zwei Aliens, die menschliche Gestalt angenommen haben und auf der Erde gelandet sind. Einer der beiden hat ein sehr spezielles Hobby. Pascal w�rzt seine Geschichte mit phantasievollen und schaurigen Details in King-Manier, die er �u�erst anschaulich schildert, und bewahrt stets das Gleichgewicht zwischen Ironie und Ernst, das eine solche Story ben�tigt.

Auch Thomas Wagners "Die gelbe Zeit" ist �u�erst stimmungsvoll. Er beschreibt eine endzeitliche Atmosph�re in einem Mietshaus im dr�ckenden Hochsommer. Es geschieht in dieser Geschichte nicht viel, es reiht sich eher ein schreckliches Detail an das n�chste. Aber Thomas gelingt es dank der surrealistischen Stimmigkeit der einzelnen Szenen dennoch, den Leser zu fesseln.

Weniger �berzeugt hat mich Eddie Angenhubers "Eine Geschichte aus dem alten Paris", in der der Wunsch einer alten Hure durch eine b�se Fee erf�llt wird: Sie darf noch einmal 25 Jahre alt sein, und das obendrein als Mann, um fortan alles besser zu machen. Was Eddie aus dieser ohnehin nicht sonderlich pfiffigen Idee gemacht hat, ist mir zu bieder, und die Schlu�pointe wirkt aufgepfropft.

Besser ist da schon wieder Frank Rogers "Crashcourse", in der er eine Preisverleihung der besonderen Art beschreibt: Pr�miert werden die originellsten Verkehrsunf�lle des Jahres. Die Grundidee d�rfte Frank wohl J. G. Ballards Roman CRASH entnommen haben, aber das Thema ist heute nat�rlich noch genauso relevant wie Anfang der siebziger Jahre.

Den Abschlu� bildet Renald Mienerts "Hunde", in dem er eine interessante Interpretation der Skinhead-Umtriebe in den ostdeutschen St�dten liefert. Die Geschichte ist provokativ, hart und auf den Punkt genau erz�hlt. Renald hat keine Angst vor Tabuthemen, er schreckt nicht davor zur�ck, sich in die Geisteswelt der Skins hineinzuversetzen, wobei die Aussage der Geschichte keinen Zweifel daran l��t, da� er alles andere als mit ihnen sympathisiert. Zugleich begeht er nicht den Fehler wohlmeinender Linksliberaler, klischeehafte Antworten auf die Frage nach dem Ursprung der rechtsextremen Gewalt wiederzugeben oder dabei ins Moralisierende abzurutschen. "Hunde" ist eine gute, notwendige und zum Nachdenken anregende Geschichte und f�r mich der literarische H�hepunkt dieser �berhaupt sehr lesenswerten Ausgabe, die hiermit allen Freunden der Schauergeschichte w�rmstens ans h�mmernde Herz gelegt sei.

Neben diesem �ppigen und qualitativ recht hochwertigen Storyreigen ist vor allem der "Confusion II"-Report erw�hnenswert: Was passiert, wenn zwei deutsche Fans auf einen Con in der belgischen Provinz fahren, ohne "belgisch", wie Wilko sich charmant ausdr�ckt, zu verstehen? Die Antwort erscheint naheliegend, doch wer Genaues erfahren will, der lese selbst und schmunzele!

Joachim Stahl

Leinfelden


ELVEN MESSENGER 50
64 Seiten DIN A 5, Kleinoffset, Mittelheftung.
Auflage: 50 Exemplare, 3,00 DM.
Bezug: Dirk van den Boom, Rinkerodeweg 28, 48163 M�nster.
Bankverbindung: Sparkasse M�nster (BLZ 400 501 50), Konto 125 053 034.

Vor einiger Zeit wurde uns durch ein kenntnisreiches und akribisches Lexikon ein erster Einblick in das gesellschaftliche, politische und sportliche Leben Arcadias gew�hrt. Durch elbischen Boten erreichen uns jetzt weitere Details.

Der ELVEN MESSENGER ist das Fanzine des Fantasy-Briefspiels "Arcadia". Man k�nnte es auch als Amtsblatt oder als "Yellow Press" eines fiktiven Landes auffassen. Die Mitspieler erhalten ausf�hrlich Gelegenheit, die Geschehnisse in ihrem Land zu kommentieren, neue Entwicklungen anzuk�ndigen, dem Nachbarn zu drohen oder ihm Frieden anzubieten. Und wer ganz viel Phantasie besitzt, f�gt dem Sagenschatz seines Landes eine weitere Geschichte hinzu.

So lesen wir Ausz�ge aus dem "Arcadian Chronicle", eine anscheinend �berregionalen Gazette, als auch Beitr�ge aus der "Tschech Tribune", aus "Imperias Neueste Nachrichten" oder dem "Lazischen Hinkenden Boten". Auch die Proklamation des k�nftigen K�nigs Roderick von Markthoria, der anl��lich seiner bevorstehen Inthronisation ein gro�es Turnier auslobt, gelangt so zu unserer Kenntnis. (Wir fragen uns allerdings, ob eine k�nftige Majest�t es sich gefallen lassen mu�, wenn der Spielleiter in einer handschriftlichen Notiz am Rande der k�niglichen Proklamation ihn auffordert, k�nftig nur noch einzeilige Beitr�ge abzuliefern...)

Das klingt l�cherlich? Wer das glaubt, sollte sich das neue Schulgesetz Imperias ansehen, die kurze Abhandlung �ber talonpirische Namenszus�tze und ihre Bedeutung oder Prof. Dr. Thoran Manopolis kritische Betrachtung der Beitr�ge des ELVEN MESSENGER lesen. Auch lohnt es, sich an Lem zu erinnern, der Rezensionen �ber B�cher schrieb, die noch gar nicht erschienen sind.

F�r den Uneingeweihten sind nat�rlich viele Informationen nicht von so gro�em Interesse. Viele Zwistigkeiten zwischen den Staaten sind von Au�enstehenden nicht nachvollziehbar. Letztlich werden wir so nie verstehen, wie es zu dem Krieg zwischen Paikh und den Vereinigten Emiraten von Tschech gekommen ist. Wir merken aber, da� in Arcadia viele Zeichen auf Krieg deuten.

Da tr�stet uns nur noch, da� wir mit dem elbischen Boten endlich auch die Ergebnisse der letzten Spieltage der arcadischen Fu�ball-Ligen erfahren und zu unserer Zufriedenheit bemerken, da� Unitor Milazoris die erste Liga anf�hrt.

Der ELVEN MESSENGER ist f�r Insider gemacht, nur die k�nnen ihn in vollem Ausma� genie�en. F�r den Au�enstehenden ist das Heft schwer durchschaubar. Die relativ geringe Auflage von 50 Exemplare deutet schon darauf hin, da� auch die Macher die Au�enwirkung f�r begrenzt halten. Ein Blick hinein lohnt sich auf alle F�lle f�r jeden, der selber mal mit dem Gedanken spielte, an einem Briefspiel teilzunehmen. Er wird feststellen, da� sehr viele verschiedene Beitr�ge unterschiedlicher Qualit�t ihn erwarten und ein st�ndig wechselndes Layout ertragen m�ssen. Aber wen das wundert, hat die Natur dieses Heftes nicht verstanden.

Holger Marks

Marburg


LUGOSI MANIA
44 Seiten DIN A 4, Offset, Mittelheftung.
Auflage: unbekannt, 6,00 DM.
Bezug: Eddie M. Angerhuber, Urbanstr. 88, 10967 Berlin.

Zuerst eine kleine Bemerkung: Es w�re sch�n, wenn der uneingeweihte Leser dieser Sonderausgabe etwas mehr �ber die Macher der EDITION FLEURIE im Heft erfahren k�nnte. Ich selbst habe leider keine Angaben �ber die normalen Ausgaben und darum beschr�nkt sich diese Kritik einzig auf die mir vorliegende Ausgabe (das ist der Normalfall, doch manchmal kann man anhand kontinuierlicher Mitarbeit einzelner Autoren etwas mehr �ber deren Background einflie�en lassen).

LUGOSI MANIA erscheint zum 40. Todestag des ungarischen Schauspielers und soll mittels dreier Sekund�rbeitr�ge und einiger stimmungsvoller Kurzgeschichten einen kurzen Einblick in die schillernde Gestalt geben, die Martin Landau (f�r mich) in ED WOOD mit neuem Leben gef�llt hat. Nat�rlich k�nnen die drei Artikel nur erste Informationen geben, aber in den letzten Jahren ist das Interesse an den alten Horrorfilmen betr�chtlich gestiegen. Neben den j�hrlichen Ver�ffentlichungen alter Horrorfilme auf Video (MCA UNIVERSAL) hat sich THE ROAN GROUP mit ihren empfehlenswerten Laserdiscs auch Lugosi verschrieben (seine beiden Edgar Wallace-Verfilmungen werden auf Laserdisc erscheinen, eine Collection von Karloff- und Lugosi-Filmen erscheint und WHITE ZOMBIE war die erste Ver�ffentlichung der ROAN GROUP). Erstaunlicherweise finden sich keine Hinweise auf die empfehlenswerten B�cher �ber Lugosi. Wer sich jetzt bei diesem Heft einen ersten Eindruck geholt hat und mehr �ber Lugosi lernen m�chte, der sollte sich entweder das Citadel-Buch LUGOSI AND HIS FILMS, die neue Essay-Sammlung BELA LUGOSI von Midnight Marquee oder das teure, aber brillante McFarland-Hardcoverbuch KARLOFF AND LUGOSI - THE STORY OF A HAUTING COLLABORATION kaufen, in dem die Arbeiten der beiden f�hrenden Horrorfilmschauspieler der drei�iger und vierziger Jahre beschrieben werden.

Thomas Wagners "Schattenspiele" f�hrt sehr ausf�hrlich in die Materie ein. Er stellt die wichtigsten Lugosi-Filme vor, ohne ausf�hrliche Kritik zu �ben (was bei der Anzahl seiner Filme nicht m�glich ist), versucht die pers�nlichen Probleme und Schwierigkeiten Lugosis mit seinem beruflichen Fall zu verkn�pfen und der Leser erh�lt einen gekonnten �berblick. Eddie M. Angerhuber stellt in "Die Eleganz des B�sen" Lugosis DRACULA vor. Obwohl er in seinem Artikel dem Stoff nichts neues hinzuf�gen kann, versucht er, den Leser zu unterhalten.

Mich �berrascht es allerdings, da� sich ein Heft wie LUGOSI MANIA ausgerechnet mit den beiden bekanntesten seiner Filme, DRACULA und WHITE ZOMBIE, besch�ftigt, von denen der eine inzwischen �beranalysiert worden, w�hrend der andere unterbewertet ist. Eddie M. Angerhuber schafft es allerdings, WHITE ZOMBIE mehr abzugewinnen. Er geht mehr in die Tiefe bei der Betrachtung des Films und stellt ihn in den Rahmen des Stummfilms (zu dem er sicherlich planerisch geh�rt hat) mit seinem bewu�t statistischen Aufbau. Auf der anderen Seite k�nnte man erwidern, da� auch einige Stummfilme wie BLACKMAIL (der erst sp�ter zu einem Tonfilm wurde) oder TABU sehr lebhaft und bewegt in Szene gesetzt wurden. Vielleicht sollte auch die fast zum Erliegen kommende Bewegung der einzelnen Figuren an den "lebende Tote"-Status aller Figuren erinnern. Die Grenze zwischen Zombies und Menschen hebt sich g�nzlich auf. Entt�uschend ist allerdings das Fehlen wichtiger Filme. Es w�re sinnvoll gewesen, eine Besprechung von THE INVISIBLE MAN (einem Science Fiction-Film mit Karloff) oder GLEN OR GLENA (ja, der Ed Wood-Film) zu drucken, um zu unterstreichen, da� Lugosi mehr als nur Monster oder Verbrecher in finsteren Schl�ssern spielen konnte. Selbst die wirklich sehr unterhaltsamen, aber im Grunde unlogischen Filme der Monogramm-Zeit haben aufgrund ihrer Seltenheit eine Erw�hnung oder Rezension verdient.

Alle Kurzgeschichten unterscheiden sich von der sonstigen Fanprosa durch eine stimmungsvolle Hommage an die goldenen Horrorfilmzeiten. Dombovars "Projektionen" ist die l�ngste der Geschichten und schildert die Begegnung des Ich-Erz�hlers mit einer faszinierenden Frau, ihrem Herrn und Meister, sowie dessem weiblichen Faktotum Mi� Y�. Obwohl das vorhersehbare Ende etwas von dieser stimmungsvollen Geschichte nimmt, f�hlt sich der Leser in die Zeit der drei�iger Jahre zur�ckversetzt, in der eine exotische Frau einem Vamp vergleichbar, die zu rettenden "Jungfrau" in wei� gekleidet und der Vamp meistens Fay Wray war. Wer sehr viele dieser alten Filme gesehen hat, kann "Projektionen" mit einem Schmunzeln auf den Lippen genie�en.

Reisners "Nachtf�hlen" ist nur eine Skizze einer Geschichte. Eine Frau trifft einen Mann und verzaubert bzw. t�tet ihn. Besonders in den ersten Abs�tzen versucht der Autor die Schaffung einer Atmosph�re mit Hilfe unvollst�ndiger S�tze und einzelner Schlagworte, die aber dem allzu schwachen und offensichtlichen Ende nicht gerecht werden.

"Rosen aus Byzanz" skizziert die Wege, die Liebe oder Bewunderung gehen kann. Vergleichbar dem Fan, den Bela Lugosi im Alter noch heiratete, schildert Eddie M. Angerhuber die Folgen einer Begegnung in der Nacht. Auch hier wirkt die Prosa der Essenz der Geschichte nicht angemessen, sie ist zuviel. Ich habe teilweise bei einigen der kurzen Geschichten den Eindruck gehabt, als wenn die Autoren verliebt in ihre S�tze aus kleinen, netten Ideen ganze Epen machen wollte, vergleichbar den B�hnenschauspielern, die erst mit sehr viel Disziplin und �bung gelernt haben, vor der Kamera weniger zu geben als auf B�hne. "Ein Wurm namens Ewigkeit" ist die zweitl�ngste Geschichte, ein Abenteuergarn, das in den drei�iger Jahren unseres Jahrhunderts spielt, nett geschrieben und kurzweilig.

Von den letzten Geschichte m�chte ich besonders die einzige in der Zukunft angesiedelte Story "Der Schwarze Kater" (in Anlehnung an THE BLACK CAT?) herausstellen. W�hrend der Protagonist von allen Leuten verlacht wird, weil er die alten Filme sieht, h�tte ich mir vorstellen k�nnen, dem Ganzen eine bizarre Wendung zu geben. In erster Linie geht es um Klone, die eine neue Dimension der Unterhaltungsindustrie in sechzig Jahren erschaffen. Im Zuge des Trends in die Vergangenheit w�re es interessanter gewesen, die alten Filme als das Medienereignis der Neuzeit anzupreisen. Wer sich mit den Unterhaltungsmedien besch�ftigt, wird immer wieder feststellen, da� die neue Technologie zur Bewahrung des Alten genutzt wird. Oder wie lautet der Werbespruch f�r WHITE ZOMBIES: Interessante Zeiten bringen interessante Filme hervor. Darum sollte sich jeder fragen, warum die neuen Filme technisch immer perfekter werden, aber tief in ihrem Inneren einfach nur hohl sind.

LUGOSI MANIA ist eines der besten Fanzines, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Durchweg versucht man sich dem Ph�nomen Lugosi (ich kann es wirklich nicht erkl�ren) zu n�hern. Auch wenn einige Stories nicht unbedingt meinen Geschmack treffen (das wird sehr selten der Fall sein), bieten sie dem Leser ein ungew�hnliches Spektrum an, der sich dem Heft offen und mit m�glichst wenig Informationen n�hern sollte, um einen ersten Einblick zu erhalten.

Nett sind auch die vielen, stellenweise zu dunkel gedruckten Fotos aus den verschiedenen Filmen, ein sauberes Layout und ein sehr gut zu lesendes Druckbild.

Thomas Harbach

Neustadt i. H.


VURGUZZ CLASSIC 10
52 Seiten DIN A 4, Kopie, Klebebindung.
Auflage: 60 Exemplare, 7,90 DM.
Bezug: PHANTASTIK CLUB GUY NELSON, Ralf Zimmermann, Johannes-Prassel-Str. 51, 50765 K�ln.
Bankverbindung: Postbank K�ln (BLZ 370 100 50), Konto 485728-506.

Und wieder eine Ausgabe des Clubzines des GUY NELSON-Clubs (eines von beiden, wenn ich mich nicht irre). Die Nr. 10 ist sch�n als Jubil�umsausgabe herausgemacht, eingeklebt in eine Plastikmappe. Das sieht auf den ersten Blick etwas ungewohnt aus, hat aber etwas. Auf 52 Seiten sammelten die Redakteure Zimmermann und Eischet das Beste, was ihr Club zu bieten hat, und gaben sich auch mit dem Layout durchaus M�he. So kann man immerhin schon mal einige sch�ne Illustrationen bieten (ein sehr nettes Cover inklusive) und auch eine abwechselnde Vielfalt an sekund�ren und prim�ren Beitr�gen. Leider ist die Qualit�t nicht immer g�nzlich �berzeugend.

Schwerpunkt dieser Ausgabe ist ein langer Artikel zum italienischen Horrorregisseur Lucio Fulci, der offenbar das Zeitliche gesegnet hat. Da ich von Horrorfilmen nichts halte, kann ich kaum beurteilen, inwiefern die W�rdigung des Autors - ein "Dr. Freudstein", wie originell! - der Wahrheit entspricht, wenngleich mich die Darstellung der Filminhalte nicht gerade dazu anspornt, mir einen dieser Rei�er reinzuziehen. Immerhin eine Filmografie und ein paar Fotos, wie es halt dazugeh�rt.

Michael Breuers Fantasygeschichte "Tod eines Magiers" schmei�t die �blichen Ingredienzen zusammen: Edler Held, abh�ngig von den Diensten eines "H�llenlords", ein Magier, ein nettes M�del, eine hoffnungsvolle Prophezeiung am Ende und ein tragischer Ritt in den Sonnenaufgang - immerhin nicht ganz das Happy End-Klischee. Eine recht gut geschriebene Geschichte, wenn sie auch nicht sonderlich originell ist.

�ber meine Schreikr�mpfe bei der Lekt�re von Dirk de Langes STAR TREK-Story "STAR TREK - The New Generation: The Deserter" (die Story selbst ist aber in Deutsch) will ich nicht allzu viel berichten. Jedenfalls ist die Kommandantin "elegant und attraktiv", Will Riker mittlerweile ein b�rbei�iger Admiral und auch sonst ist alles furchtbar langweilig.

Viel spannender scheint da die Tatsache zu sein, da� die Nr. 10 von VURGUZZ CLASSIC in Wirklichkeit ein �berraschungsei ist! Denn jede Ausgabe enth�lt eine beliebige CD-ROM als kleines Gimmick. Ich hatte ein tolle CD-ROM von "T-Online", die schnurstracks im M�ll landete. Vielen Dank!

Nunja, man soll nicht zu hart urteilen. F�r ein Clubzine ist VURGUZZ CLASSIC nicht einmal �bel und mit Sorgfalt gemacht. Man bem�ht sich, viele Facetten des Genres abzudecken und hat das Image des Klamaukzines abgestreift. Aus dem, was die Clubmitglieder zu bieten hatten, haben die Redakteure sicher das Beste gemacht. Trotzdem ein f�r Au�enstehende wahrscheinlich eher uninteressantes Zine.

Dirk van den Boom

M�nster


SOLAR-X 76
52 Seiten DIN A 5, Kopie (verkl.), Mittelheftung.
Auflage: 90 Exemplare, 3,50 DM, 12er-Abonnement 40,00 DM.
Bezug: ANDROMEDA SF-CLUB HALLE, Wilko M�ller jr., Volhardstr. 20, 06112 Halle/S.
Bankverbindung: Bank 24 (BLZ 380 707 24), Konto 111445300.

Wieder liegt mir ein SOLAR-X, diesmal die Nr. 76, des ANDROMEDA SF-CLUB HALLE vor.

Der Umschlag pr�sentiert sich ganz im Zeichen des Drachen: Vorder- und R�ckseite werden von entsprechenden Vignetten geziert, die aus der Feder Deborah L. Carrs stammen. Und man staune, der Herausgeber ist nach wiederholten Gequengel, es gebe zu wenig Grafiken, �ber seinen Schatten gesprungen und hat im Innenteil zwei weitere Illustrationen, eine sogar ganzseitig, untergebracht. So richtige Hingucker sind es aber nicht ...

Der umfangreiche Textteil ist wie gehabt: Taschenbuchrezensionen, Stories, Fandom-Informationen; alles ordentlich nach Genre sortiert.

Peter Sch�nemann erz�hlt in "Ernst", der l�ngsten Story, von einem jungen Piloten, der ein kleines Raumschiff aufhalten mu�. Die Passagierin hat sich mit einer Krankheit infiziert und bedroht dadurch die Bev�lkerung eines ganzen Planeten.

Die typischen Klischees der Space Opera lassen sich schnell aufz�hlen. Ein einzelner rettet mal wieder die Welt vor t�dlicher Gefahr; nichts Neues. Hier der mutige, junge Mann (Applausapplausapplaus!), da das hysterische, kranke M�dchen (buh!) - die Rollenverteilung kann man schlicht als phantasielos und chauvinistisch bezeichnen. Um dem Vorwurf zuvorzukommen, eine Autorin h�tte die Rollen lediglich vertauscht, was auch nicht einfallsreicher w�re, sei an dieser Stelle gesagt, da� es sich Frauen wenigstens verkneifen k�nnen, hysterische M�nner zu schildern (wenngleich, wie z. B. gewisse Reaktionen auf gewisse Rezensionen beweisen, man(n) durchaus im wahren Leben zu Hysterie neigt, argh!). Am Schlu� darf auch geballert werden. Damit l�st man(n) immer noch seine Probleme. Ach so, ein paar Gewissensbisse hat der Held auch, doch das M�dchen ist ja selber schuld, und der Computer nimmt die Entscheidung ab; da braucht die wei�e Heldenweste nicht einmal gewaschen zu werden.

SPACE 2063 l��t gr��en. So sehr diese Serie bereits in die Kritik geriet, scheinen doch gewisse Impulse von ihr auszugehen. Analog wird in "Ernst" eine Gruppe junger Leute eingef�hrt, ein gemischtes Team, das an Vansen, Wang & Co. erinnert. Ausgebildet werden sie von einem v�terlichen Vorgesetzten, dessen hartes Los es ist, einen seiner Piloten mit jener schwierigen Aufgabe zu betrauen. Bis auf den Helden und die personifizierte Krankheit erweisen sich jedoch alle �brigen Figuren als f�r die Handlung �berfl�ssig, ebenso der einleitende Brief, der wie alle anderen Ans�tze, die sich vom Klischee zu l�sen versuchen, nicht zu Ende gef�hrt wird.

Frank Rogers "Der Aufstand der Anrufbeantworter" liest sich kurz und schmerzlos. Ein Anrufbeantworter, seiner Funktion �berdr�ssig, vergrault die Anrufer. Es klingt ganz witzig, aber die Pointe sucht man vergeblich.

"Die Mondin" von Cornelia Marks zeigt sich inspiriert von alten Mythen. Die Autorin verarbeitet Fruchtbarkeitsriten, die unerf�llte Liebe zwischen G�ttern und Menschen, die Mondphasen zu einer phantastischen Erz�hlung. Offenbar hat sie sich zu diesen Thema ein umfangreiches Grundwissen angeeignet, so da� prompt etwas zuviel des Guten in die kurze Story eingeflossen ist.

Thomas Wagner greift in "Lactophobia" die Abneigung vieler Menschen gegen Milch und Milchprodukte auf. Die Story ist am�sant erz�hlt, aber in traditioneller Manier, die das Ende vorhersehbar macht.

Die Rezensionen sind ausf�hrlich, informativ und haben mich davor bewahrt, den einen oder anderen Band zu kaufen, der mir wahrscheinlich nicht zusagen w�rde. Ob man sich den Interpretationen anschlie�en m�chte, sei jedem selbst �berlassen.

Zweimal wird das Ost/West-Thema angesprochen: Zuerst in Form einer Bibliographie der SF-Literatur in der DDR, sp�ter als Artikel von Peter Sch�nemann. Es macht wohl viel zu viel Spa� sich �ber Wessis, Ossis und die Vorurteile zu �rgern, als da� man die Sache einfach ruhen l��t.

Einmal mehr wird sich ereifert �ber die strikte Trennung Deutschlands in zwei H�lften, �ber Vorurteile, die nach etlichen Jahren der Wiedervereinigung noch nicht abgebaut sind, und insbesondere die Intoleranz gerade unter SF-Lesern (!) beider Landesteile, die sich stets einbilden, allein schon durch ihren Literaturgeschmack Weltoffenheit und Toleranz mit den L�ffeln gefressen zu haben, blo� da� ihnen dies nicht scheint bekommen zu sein.

Wie die Bibliographie und viele andere Dinge verdeutlichen, ist die Unterscheidung in Mensch-Ost und Mensch-West in den K�pfen einfach drin. Man sollte das aber bei allem Selbstmitleid nicht �berbewerten, zumal es nur eine von vielen Ha�lieben ist. Da gibt es ja noch den derben Bayern und den �bergenauen "Prei�" (wobei jeder Nichtbayer als Preu�e definiert wird, sei er nun Pf�lzer, Hesse oder Ossi), den einf�ltigen Ostfriesen, den geizigen Schwaben, den gro�m�uligen K�lner, den d�mmlichen �sterreicher und wer wei� wen noch. Keiner macht soviel Aufhebens um diesen Unsinn, stattdessen liefert man gerade durch das permanente Wiederkauen der Angelegenheit immer neue Nahrung.

Was meine pers�nlichen Vorurteile betrifft, geht es mir wohl wie vielen: Ich habe sehr nette Verwandte und Bekannte in oder aus "Ossi-Land", aber ich habe auch eine �ble Erfahrung mit einer Person gemacht. Dasselbe trifft nicht minder auf "Wessi-Land" zu, wo mir sowohl ordentliche Leute, wie auch Stinkstiefel �ber den Weg liefen. Es gibt solche und solche - �berall.

SOLAR-X 76 - wie immer.

Irene Salzmann

Kranzberg


LEGENDENS�NGER-EDITION 19: SPIEGELBILDER
60 Seiten DIN A 5, Kopie (verkl.), Mittelheftung.
Auflage: 30 Exemplare, 5,00 DM.
Bezug: Christel Scheja, Josefstr. 29, 33106 Paderborn-Elsen.

Wo sind sie nur geblieben, die guten alten Storyfanzines der achtziger Jahre? Au�er Club- und Rezensionszines und vielleicht noch dem ein oder anderen Druckwerk aus der Welt des Horror- oder des Rollenspielfandoms gelangt kaum einmal etwas in den Briefkasten des nimmerm�den FK-Rezensenten.

Doch eines verregneten Sommertages witterte der ergrauende alte Verrei�wolf bereits etwas Ungew�hnliches, als er zum Briefkasten schlurfte. Und als er mit der rechten Pfote in den Umschlag mit Wallenhorster Absender griff, da z�ckte er - ein Storyfanzine! Gro� war da sein Freudengeheul! Doch dann entsann er sich, da� er damals in den Achtzigern kaum einmal ein Storyfanzine wirklich gern gelesen hatte. Mit h�ngenden Lefzen be�ugte er das Heft namens SPIEGELBILDER. W�rde er nach der pflichtgem��en Lekt�re wohl auch noch freudig heulen oder doch eher schmerzlich winseln?

Vier Geschichten in dem recht dicken Zine stammen aus dem PC von Arnulf Breuer. "Bild" beschreibt den Drogentod eines jungen Mannes, der psychogene Pilze gefuttert hat. Es gelingt Arnulf recht anschaulich, das Einsetzen des Rausches zu schildern., und auch stilistisch wird dies gut umgesetzt. Aber ich h�tte mir gerade wegen der guten Ans�tze der Geschichte ein �berraschenderes, interessanteres Ende gew�nscht als den klischeehaften Sprung aus dem Fenster, an den wohl jeder denkt, der zum ersten Mal eine LSD-Pille in seiner hohlen Handfl�che h�lt und sich fragt, ob er sie schlucken soll.

Auch "Anhalten" geht leider �ber gute Ans�tze nicht hinaus. Hier stellt Arnulf einen verbitterten alten Mann vor, der an Trampern vorbeibraust und dessen Tochter bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. An der Stelle, an der die Geschichte eigentlich erst richtig anf�ngt, interessant zu werden, h�rt Arnulf mir unverst�ndlicherweise auf.

"Das M�dchen", Arnulfs l�ngste Geschichte in diesem Band, ist zugleich auch seine beste. In diesem sch�nen M�rchen beschreibt er, wie ein kleines M�dchen einen Verbrecher auf unglaubliche, aber dank Arnulfs Erz�hlkunst doch plausibel beschriebene Weise l�utert. Dieses kleine Juwel beweist, zu welcher Form Arnulf auflaufen kann, wenn er seinen Geschichten nur genug Zeit und Raum l��t, sich zu entwickeln.

In "Ein schlechter Tag" nimmt Arnulf wiederum das Drogenthema auf. Diesmal schildert er die N�te eines Kleindealers auf wiederum recht authentisch wirkende Weise, dessen Freundin schon komplett weggetreten ist. Angenehm aufgefallen ist mir bei den vier Geschichten, da� Arnulf stilistisch �ber eine gro�e Bandbreite verf�gt. Unter uns Amateuren ist das ja nicht gerade die Regel.

Auch in Petra Hoppes "Katzenjammer" leidet die Protagonistin an den Folgen eines Rauschs. Doch in diesem Fall wird nur vom Morgen nach einer Party berichtet, auf der viel getrunken wurde. Petras Heldin ist verst�ndlicherweise recht verbl�fft, als sie in einem fremden Bett neben einem fremden Mann erwacht, der sich zum Gl�ck als wahrer M�rchenprinz erweist. Die Geschichte ist unspektakul�r, aber �u�erst vergn�glich und elegant erz�hlt. Die Dialoge und die einzelnen Szenen sind stimmig, und Petra gelingt es, ihren Figuren Leben einzuhauchen.

Christel Scheja, die Herausgeberin, ist mit der Geschichte "Habt ihr einander gew�rmt?" vertreten. Christel beklagt darin die Gef�hlsk�lte der heutigen Welt und stellt dabei die Frage, warum das emotionale Feuer der Jugend pl�tzlich verschwindet. Obwohl die Story nat�rlich zum Moralisieren neigt, gelingt es Christel dennoch, sie vom Kitschigen und Klischeehaften zu bewahren, indem sie das erz�hlerische Element dabei nicht vernachl�ssigt.

Alexander Lohmann beschreibt in "Am Ziel der W�nsche", wie ein junger Mann sich mittels Magie einen D�monen angelt, der ihm bei der Pers�nlichkeitsentwicklung weiterhelfen soll. Nat�rlich geht dabei etwas Entscheidendes schief. Leider h�rt die Story wie "Anhalten" an der Stelle auf, an der man gerade neugierig auf ihren weiteren Verlauf geworden ist, und l��t den Leser daher unbefriedigt zur�ck.

Auch in "Der Ri�" nimmt sich Alexander des �bersinnlichen an. Er beschreibt darin, wie ein junger Mann in einem Tunnel einen Ri� in der gekachelten Wand entdeckt, hinter dem das Unheil lauert. Alexander erz�hlt diese Begegnung mit dem �bersinnlichen spannend und gekonnt, und in dieser Geschichte fehlt kein einziges Wort, so genau auf den Punkt ist sie geschrieben.

Die l�ngste Story in diesem Band ist das erz�hlerische Deb�t von Yvonne Friese, die ein psycho-soziales Experiment schildert: Sieben Kinder, die alle ein traumatisches Erlebnis hatten, werden f�r eine Woche ohne Aufsicht zusammengesetzt. Yvonne l�ftet nach und nach das schreckliche Geheimnis der Sieben- bis F�nfzehnj�hrigen, die alle sehr glaubhaft und pr�gnant charakterisiert werden. Durch die R�ckblenden und den spannenden Verlauf der Handlung in der Jetztzeit entwickelt die Geschichte ein beachtliches Tempo und zwingt f�rmlich zum Weiterlesen. Zwar weist Yvonnes Story stilistisch hier und da noch Schw�chen auf, und dramaturgisch finden sich manche Ungereimtheiten, aber f�r ein Erstlingswerk ist die Geschichte unglaublich dicht und routiniert geschrieben. Ich bin sehr auf Yvonnes weitere Entwicklung gespannt.

Doch nicht nur erz�hlerisch, auch grafisch bietet SPIEGELBILDER einiges. Vor allem die kunstvollen Zeichnungen von Detlef Kr�mer, der interessante Motive stilistisch sehr gekonnt umsetzt, sowie die eingescannten Airbrush-Grafiken von Ralf Schoofs sind ein Augenschmaus.

Zum Schmerzgewinsel bietet SPIEGELBILDER wahrlich keinen Anla�. Ob das Zine wohl nur eine erfreuliche Ausnahme im grauen Alltag des FK-Verrei�wolfs bleibt, oder ist es wom�glich ein Vorbote auf eine Renaissance des guten, alten Storyfanzines?

Die Antwort darauf findet sich in den n�chsten Ausgaben vom FANZINE-KURIER!

Joachim Stahl

Leinfelden


Der FANZINE-KURIER erscheint in der EDITION WHISPERING TIMES.

Herausgabe, Redaktion und Vertrieb:

Armin M�hle
Eibenweg 18
49134 Wallenhorst.

Preise: Einzelexemplar 1,20 DM, Jahresabonnement (6 Ausgaben) 6,00 DM (in Briefmarken oder als Verrechnungsscheck).

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Dirk van den Boom, Siegfried Breuer, Thomas HarbachHolger Marks, Clemens Nissen s. ps., Irene Salzmann, Thomas Schmitz, Joachim Stahl, Johannes Unnewehr.

Auflage: 70 Exemplare
Besucher der Online-Ausgabe:

F�r Rezensionsexemplare sind wir stets sehr dankbar!


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