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Die Nitropfeife mit dem echten Hanfstengel


PCP (Phencyclidine, Angel Dust)

Nina postete eine URL eines Bildes das angeblich einen Menschen zeigt, der sich unter PCP-Einfluss das eigene Gesicht zerschnitten und es an seine Hunde verfuettert hat.
> > [...].net/drygs.jpg
Hallo Nina,

erstmal moechte ich sagen dass es sein *kann* dass das Bild authentisch ist. PCP fuehrt zu voelligem Realitaetsverlust und betaeubt gleichzeitig die Schmerzempfindung. Aber...

1) Die Unterschrift zum Bild enthaelt *keine einzige* nachpfruefbare Tatsache. Warum erfaehrt man nicht wann das passiert ist und wo, wie der Mensch heisst, usw? Vielleicht ist das ein 40 Jahre altes Bild von einem Schwarzen der dem Ku-Klux-Klan in die Haende gefallen ist? Wer weiss?

2) Drygs = "Drogen" auf schwedisch, oder? Stammt das Bild von einer schwedischen Website? (Warum heisst das Bild nicht PCP.jpg? Tut man sich sowas auch an wenn man Haschgift spritzt? Man moechte es fasst meinen)

Leider setzt man in Schweden immer noch auf "Reefer Madness"-Propaganda. Man erinnere, so ein Bild von einem voellig entstellten blutigen Gesicht benutzte auch Harry Anslinger um den "Marihuana Tax Act" 1937 durchzudruecken. Ich traue vielen (nicht nur schwedischen) Prohibitionisten zu, dass sie eine grobe Faelschung verbreiten, nur um alle Drogen in ein moeglichst schlechtes Licht zu ruecken um ihre fundamentalistische Politik zu rechtfertigen.

Wenn du weisst woher das Bild stammt wuerde ich der Sache gerne nachgehen.

> hm, ich glaub ich habs rausgefunden
>
> ist angel dust ein name für pcp? 
> dann wäre das bild ja direkt glaubhaft
> (http://www.erowid.org/chemicals/pcp/pcp_info1.shtml - da steht auch
> ähnliches)

Mir ist vor ein paar Wochen ein Artikel untergekommen wo jemand sich mit den gaengigen Horrorstories um PCP befasst hat und auf sehr viel schlechten Journalismus gestossen ist. Kaum jemand macht sich die Muehe, Fakten nachzupruefen wenn es um eine Droge mit so einem (verdient) schlechten Ruf geht. Horrorstories wie dass sich jemand selbst verstuemmelt sollen bei PCP zwar vereinzelt vorkommen, aber meist werden sie einfach nur recycelt (wie die Meldung von der ausgestopften Babyleiche). "Blood sells ink".

PCP ist eine Droge die sehr oft als was anderes verkauft wird. Sie ist billig zu produzieren so dass man Geld machen kann wenn man damit wertloses Zeug "aufpeppt". Tragische Vorfaelle mit PCP entstehen weil es im Drogenschwarzmarkt keine Kontrolle gibt -- niemand weiss ob das gekaufte Gruenzeug nun THC oder PCP enthaelt. Verbote und Polizei koennen Aufklaerung ueber die Wirkungen von Drogen nicht ersetzen. Wie will man aber noch vor PCP abraten wenn man schon staendig vor so relativ harmlosen Sachen wie Cannabis in den hysterischsten Toenen gewarnt hat?

Darauf antwortete Nina:

> im übrigen gehe ich völlig mit dir einig. sieht schon schwer
> nach horrorpropagandajournalismus aus. eben, was mich
> interessiert ist, *kann* sowas passieren oder wirds einfach
> nur ein fake sein?

Es kann passieren, ist aber sehr unwahrscheinlich. Es ist schwer, solchen Geschichten auf den Grund zu gehen, weil bestimmte Vorfaelle sooft weitererzaehlt und ausgeschmueckt werden. Ich glaube schon dass PCP eine sehr gefaehrliche Droge ist, die Effekte haben aber teilweise auch damit was zu tun dass PCP wissentlich nur von Leuten konsumiert wird die sich von so einem Ruf nicht abschrecken lassen -- also nicht unbedingt Otto Normalverbraucher.

Wenn ich verschiedene Drogen nach der damit verbundenen Verletzungsgefahr ordnen muesste dann kaeme wohl Alkohol mit ganz vorne. Die enthemmende Wirkung mit Laehmung psychischer und motorischen Faehigkeiten ist eine schlechte Kombination, z.B. siehe Fussballfans, siehe Alkolunfaelle. Ich habe in der Schule vier Klassenkameraden in zwei Alkoholunfaellen verloren.

Um sich selbst zu verstuemmeln braucht man kein PCP. Die Arbeitskollegin einer Bekannten wurde schizophren, amputierte sich mit einer Axt eine Hand und beging anschliessend Selbstmord. Viele der Horrorstories aus der Reefer Madness-Kampagne der 1930er, soweit sie keine kompletten Faelschungen waren, handelten einfach nur von Schizophrenen. Die Symptome von PCP sind einem schizophrenen Schub sehr aehnlich. Dazu kommt noch die den Schmerz unterdrueckende Wirkung der Droge...

Man muss schon im nuechternen Zustand immer sehr aufpassen wenn man mit Messern umgeht. Ein Schreiner den ich kenne hat sich mit einer Kreissaege fast den Daumen abgeschnitten (wurde im Krankenhaus wieder angenaeht!). Bei ihm nicht wegen einer Droge sondern weil er keine Zeit hatte und abgelenkt wurde. Wenn PCP den Schmerz unterdrueckt kann es schon sein dass eine Verletzung schlimmer ausfaellt. Ich wuerde unter ernsthaftem Drogeneinfluss (z.B. nicht bei Koffein oder sehr niedrigen THC-Dosen) von scharfen Gegenstaenden die Finger lassen. Ich wuerde auch alkoholisiert keine Kreissaege oder Motorsaege bedienen wollen.

Ja, Selbstverstuemmelungen koennen vorkommen, aber wohl nur bei ganz bestimmten Konsumenten. Es gibt nur sehr wenige dokumentierte authentische Faelle. Dazu zwei URLs zum Thema PCP, die erste eher allgemein-informativ, die zweite speziell zu PCP Horrorstories in den Massenmedien:

PCP
from
The Encyclopedia of Psychoactive Substances
by Richard Rudgley
Little, Brown and Company (1998)

http://biopsychiatry.com/pcp/index.html
The Dusting of America
The Image of Phencyclidine (PCP) in the Popular Media
By John P. Morgan, M.D. & Doreen Kagan, M.S.
Journal of Psychedelic Drugs 12(3-4), Jul-Dec 1980: 195-204

http://www.lindesmith.org/library/dusting2.html

MfG

Nitro


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