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Drogen- und Suchtbericht 1999

Laut Bundesregierung gibt's in der BRD etwa 2,4 Millionen Kiffer die es zusammen im Jahr auf 2623 Besuche bei Drogenberatungen bringen -- einschliesslich besorgter Eltern die herausgefunden haben dass ihre Kinder kiffen und mehr darueber wissen wollen. Cannabis hat nach diesem Bericht ein "sehr geringes" Suchtpotenzial, eine sehr geringe akute Toxizität und ist keine Einstiegsdroge, jedoch kann die derzeitige Illegaliät zum Einstieg bei harten Drogen führen.


Entwurf: Stand07.03.00 12:44 
Bundesministerium für Gesundheit


Drogen- und Suchtbericht 1999

der Drogenbeauftragten der Bundesregierung

Christa Nickels Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit Bonn/Berlin, den 9. März 2000

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2.1.3 Cannabis

Auch 1999 dürfte Cannabis die am häufigsten gebrauchte illegale Droge gewesen sein. Während in den alten Bundesländern etwa 20 % der Erwachsenen zwischen 18 und 39 Jahre wenigstens einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert haben, liegt die entsprechende Zahl in den neuen Bundesländern bei 7,8 % (Repräsentativerhebung 1997). Fragt man allerdings nach dem Gebrauch von Cannabis in den letzten 12 Monaten, so gleichen sich die Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern an. Schätzungen gehen im Westen von etwa 2,1 Mio. Personen aus, die im letzten Jahr vor der Befragung Cannabis konsumiert haben, im Osten sind es ca. 260 000.

Cannabis war 1998 nach Alkohol und Tabak an dritter Stelle Anlass, Beratungs- und Behandlungsstellen aufzusuchen. Während die Substanz in vielen Fällen neben anderen Suchtstoffen gebraucht wurde, die von ihren Eigenschaften oder Gebrauchsmustern her riskanter sind, hat sich in den letzten Jahren auch die Zahl der Personen erhöht, bei denen Cannabis primärer Behandlungsanlass war. 4,5 % der Männer und 2,8 % der Frauen, die 1998 ihre Beratung und ambulante Behandlung aufgenommen haben, zählen zu dieser Gruppe, beenden allerdings ihre Behandlung auch nach relativ kurzer Zeit und - im Vergleich zu anderen Diagnosen - erfolgreich (Hauptdiagnose Cannabis insgesamt 2623 mal in ambulanter Behandlung, 117 mal in stationärer Behandlung in 1998). Die Mehrzahl der Personen mit primärem Cannabiskonsum ist deutlich weniger mit sozialen oder gesundheitlichen Problemen belastet als andere Klientengruppen in ambulanter oder stationärer Suchtbehandlung. Das Durchschnittsalter der Klienten sinkt, rd. die Hälfte der ambulant Betreuten lebt bei den Eltern und mehr als ¼ befinden sich noch in Berufs- oder Schulausbildung. Jeder 4. hat zusätzlich eine alkoholbezogene Diagnose und in einigen Fällen wurde Heroin genannt, das allerdings in der Regel nur in geringem Umfang gebraucht wurde.

Zur Frage der möglichen Risiken durch Cannabiskonsum hat eine Bestandsaufnahme der wiss. Erkenntnisse, die im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt wurde 1998 ergeben, dass die akute Toxizität von Cannabis sehr gering sei, eine leichte Blutdrucksteigerung und eine Herabsetzung der Konzentrationsfähigkeit jedoch die Folge des Konsums sein könnten. Nach langfristigem und intensiven Cannabisrauchen sei jedoch eine Beeinträchtigung der Bronchialfunktion möglich, so dass ein Risiko für die Entstehung von Lungen- und Krebserkrankungen gesehen werde. Insbesondere der häufige Beikonsum von Tabak führe hierbei zu Verstärkungseffekten. Entzugssymptome träten nur sehr selten und nach Entstehung einer ausgeprägten Toleranz auf, unter der akuten Drogeneinnahme seien aber u.U. die kognitive Leistungsfähigkeit (Gedächtnis- und Aufmerksamkeit) vorübergehend eingeschränkt. Das Suchtpotential von Cannabis sei sehr gering, es könne jedoch zu einer Abhängigkeitsentwicklung kommen, die nicht primär aus den pharmakologischen Wirkungen der Droge zu erklären sei, sondern vorab bestehende persönliche psychische Stimmungen und Probleme berücksichtigen müsse.

Deutlich zurückgewiesen wird die These, Cannabis sei eine "Einstiegsdroge", dies wird jedenfalls für die Substanzwirkung selbst ausdrücklich ausgeschlossen. Möglicherweise fördere allerdings die Illegalität eine "Assoziation zu anderen illegalen Drogen". Cannabis beeinträchtigt akut - abhängig von der Dosis, von der Art der erforderlichen Leistung und vom Gebrauchsmuster - die Fahrtauglichkeit. Dies gelte innerhalb der ersten Stunde vor allem für komplexe Leistungen, was ab der zweiten Stunde nach Rauschbeginn vollständig ausgeglichen werden könne. Automatisierte Leistungen seien allerdings auch länger herabgesetzt und kaum auszugleichen. Deshalb wird eine Abstinenz von 24 Stunden empfohlen, um die durch Cannabis hervorgerufenen Leistungseinbußen völlig abklingen zu lassen. In der medizinischen Anwendung ist Cannabis etwa in der Krebs- und Aidstherapie aber auch bei der Behandlung des Glaukoms (Augenerkrankung) sowie in der Asthmatherapie und als Antiepileptikum erfolgreich. Zusammenfassend stellt die Studie fest, dass "Wirkungen und Konsequenzen des Cannabiskonsums sich als weniger dramatisch und gefährlich erweisen, als dies überwiegend noch angenommen wird". Wie dargestellt, sei der Konsum der Droge jedoch nicht frei von Risiken. Aus diesem Grund hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine Informationsbroschüre mit dem Titel "Cannabis - Haschisch und Marihuana" herausgegeben.

Forschungsbedarf sehen die Wissenschaftler bei der Frage, ob und welchen Einfluss Regelungen über die Verfügbarkeit von Cannabis auf die Prävalenz des Substanzkonsums ausüben.

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