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Abt.: Häusl-Report (zu lesen
am oder über die)
Die folgenden Zeilen und Seiten wollen kein kulinarischer oder gar Reise-Führer sein. Es sind lediglich ...
Auch bei der Rückfahrt aufs Festland war uns der Mond mit seinen Anziehungskräften wohl gesonnen und hat nicht die Flut über uns hereinbrechen lassen.
Die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit führte uns nach Holmsland Klit (kurz vor Hvide Sande am Ringkøbing Fjord, sollte es wirklich jemanden geben, der mit dem Finger auf der Karte nachfahren möchte) zu einem Campingplatz, der wirklich in den Dünen lag und (fast) Treffenatmosphäre bot (d.h. jeder stellte sich dort hin, wo er Platz fand, durcheinander, unausgerichtet, und nicht, wo er ein Platzerl von 8x4m, mit Buschwerk umzäunt, zugewiesen bekam). Meist muß man auf Campingplätzen dieses Landes die Morgengaben des Bäckers am Vorabend bestellen, dort jedoch wurde es auf die Salzburgtreffen-Art, quasi resch & frisch, angeboten (wir wissen nur nicht, wie das auf dänisch heißt).
"Wo man schifft, dort laß Dich ruhig nieder, böse Menschen bauen Brücken!" So (oder ähnlich zumindest) lautet schon ein altes Fährmanns-Sprichwort, das wir uns zu Herzen genommen haben und dadurch in Thyborøn gelandet sind. Die Stadt bietet zum einen die (mehr oder minder) bekannte Sehenswürdigkeit Snekle-Huset, ein über und über mit Schnecken und Muscheln beklebtes Haus mit Turm und Touristen-Geldabzapfstelle, zum anderen einen großzügig angelegten Hafen sowie keine Brücke über den Thyborøn-Kanal, sondern eine 12-minütige Fährpassage Richtung Agger. Die Verbindung ist einfach Teil der Straße 181, selbst die Leitlinie wird an Deck fortgesetzt ... Wir folgten der Küstenstraße, bis sie ins Landesinnere abbog, und stachen dann wieder hinaus zu den Dünen nach Bulbjerg Kli(n)t für ein einzigartiges 360�-Panorama. Auch begegneten wir hier wieder dem Atlantikwall, den (leider) ein österreichischer Psychopath vor knapp sechs Jahrzehnten an Dänemarks Stränden errichten ließ. Viele der Bunker tragen etwas Morbides in ihrer verfallen(d)en Erscheinung, andere zeugen durch Lagerfeuerrestbestände von jugendlichen Feierlichkeiten und einer dieser hier wurde wirklich sinnvoll umgebaut: Es wurden Damen- und Herren-WCs darin errichtet, daß man so richtig seine Meinung zur ursprünglichen Verwendung der Stahlbetonklötze kundtun kann, also drauf ... So ein Zufall, daß wir gerade ... Es soll auch nicht unerwähnt bleiben: Für derartige Zufälle ist das Land generell, und Jütland im speziellen, gerüstet. Stille Örtchen finden sich an den undenkbarsten Orten, sie sind sauber und obendrein gratis. (Die geneigte Leserschaft möge einmal versuchen, bei der Wiener Philadelphia-Brücke ihren Drang loszuwerden. Es geht, natürlich, wie es in anderen Schnell- und U-Bahnstationen auch möglich ist, allerdings bekäme man um diese 7 Schilling auch schon eine Wurstsemmel.)
Die Erosion ist ein Hund, der an Dänemark nagt. Unweit (also in zu Fuß erreichbarer Entfernung) des Leuchtturms steht die Mårup Kirke, deren Einrichtung schon vor Jahren in Sicherheit gebracht wurde. Meinen Berechnungen zufolge hätte die Kirche heuer die Klippen hinabstürzen müssen, irgendwie schien sich aber in den letzten fünf Jahren doch nichts verändert zu haben. Der Sand ist ein allgemeines Problem von Nord(west)jütland (und somit auch in der Ente; er ist einfach überall und daher knirscht�s ein bisserl beim Schlafengehen). Wir haben aus dieser Not eine Tugend gemacht und besichtigten Råbjerg Mile, die größte Wanderdüne des Landes. Auf einer Fläche von 2 x 2 km bietet die Natur eine Instant-Wüste, gegen die der Mensch offenbar machtlos ist. Mit munteren 8 m pro Jahr wälzt sie sich gen Osten und hinterläßt auf der anderen Seite lebloses Land. Damit nicht genug: Auch vor Stätten der Kathol(ik)en macht Flugsand nicht halt. Von den tilsandede Kirke sieht man heute nur mehr den Glockenturm, der (gegen Entgelt) auch bestiegen werden kann. Das Kirchenschiff wurde abgetragen, da es den damaligen Besuchern zu blöd wurde, sich jedesmal den Eingang freischaufeln zu müssen. Vom Turm aus sieht man noch das Fundament und - auch schon unsere nächste Attraktion. Skagen, das Nordkap Dänemarks, wie es sich gerne benennen läßt, die nördlichste Stadt des Landes, der nördlichste Zipfel unserer Tour (ganz korrekt: Grenen) sowie jener Punkt, bei dem man gleichzeitig in der Nordsee und auch in der Ostsee stehen kann. Schwimmen ist hier natürlich verboten, die Strömungen sollen ziemlich stark sein, und man sieht auch anhand einer schön gezeichneten Linie, wo Skagerrak und Kattegat einander abwatschen. Alleine der Gedanke an ein Foto ohne Menschen war um diese Jahres- und Uhrzeit vergeudet (Mitte September in der Dämmerung wäre das wieder möglich gewesen). Wer schon ganz oben ist, für den kann�s nur mehr abwärts gehen, oder, ein bisserl positiver und in geographischen Termini formuliert: Wer am Nordpol steht, der blickt und fährt immer nach Süden. So auch wir, auf geht�s! Überblättern Sie diese Seiten auch das nächste Mal, wenn es wieder heißt "DÄNEMARK - Notizen einer Reise ..." © Sabine &
SLOTEN, 10. Jänner 2001
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