Isar-Loisachbote Nr.122 
Mittwoch, 29. Mai 1996 

Australischer Football bei Brezen und Bier

Spaß und Spiel sind im Team von Ron Exner das wichtigste

Ebenhausen (att) - Es gibt Dinge, die kann man nur tun, wenn da ein
anderes Chromosom gelegen hat. Es gibt Dinge, die Männersache sind: Die
samstägliche Autowäsche gehört dazu, FC-Bayern- Bettwäsche und
-Footballspielen. Das härteste von allem ,,Australian Rules Football".
Wenn er in Oberbayern ausgeübt wird, geht's beim Football freilich nicht
ganz so hart zu. Mehr Spaß als Sport bietet so der Australian Football
Club des Ebenhauseners Ron Exner.

Vor einem Jahr hat Ron Exner den Football Club GARFA (German Australian Rule Football Association) mitbegründet. Zwei Mannschaften gibt es und Exner sucht neue Mitglieder (interessierte melden sich unter 08178/6274). Willkommen ist jeder. Es schadet nicht, wenn man schone einmal gegen den Ball getreten hat, doch sind Fußballkenntnisse nicht Bedingung. ,,Australian Rules Football`` zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß es wenig Regeln gibt. Das Team ist 18 Mann stark, das Feld ist 175 Meter land und das Spiel vor allem schnell. Werfen, kicken und den Gegner als Trittleiter benutzen - alles ist erlaubt.
Gibt's auch Verletzungen? ,,Nein, bei uns hat sich noch keiner verletzt, sagt Ron. Die Buchfürung seiner Frau Robynne ist da schon etwas detaillierter: ,,Also, da war der Knöckel von Greg und das handgelenk von..."
In Australien berieten sich die Spieler mit einer speziellen Nudeldiätauf die Kampf vor. In Bayern geht's da etwas moderater zu. Vor dem Training gibt's erst einmal Brotzeit.
Die zumeist englischsprachigen Club-Mitglieder warten mit profunden Deutschkenntnissen auf: Weißwurst Brezen und dunkles Weißbier - Schluüsselworte des bayerischen Sprachschatzes.
Beim fachgerechten Verzehr hilft allerdings der Bayer von Nebentisch: ,,Naaa, ned mit der Haut - geben's amal her." Und dann geht's raus ins Nieselwetter.
Rons Vorgabe ist eindeutig: ,,Footie ist eigentlicher härter als die

meisten anderen Football-Spiele, aber wir sind eher ein geselliger Verein, der Spaß haben. Einstanden ist Footie während des australischen Goldrausches im 19. Jahrhundert. Die Goldshürfer kickten einen recht primitiven Football, eine Mischung aus gälischern Football und Rugby. Inzwischen ist das Spiel eine der beliebten Sportarten Australiens. In Bayern ist die Mannschaft recht gemischt: Iren, Amerikaner, Deutsch, Australier, Schweden und Nueseeländer sind im Club. Eine familienfreundliche Veranstaltung - am Wiesenrand sitzen Frauen und Freundinnen und schauen zu. Die Rolls der Frau ist hier eher klassisch gehalten: ,,Wir bringen Orangenschnitzel für die Spieler mit und feuern sie kräftig an", sagt Robynne. Auch ihr sohn James ist dabei. ,,Er wird später auch einmal Football spielen", meint Robynne. Noch hängt James freilich mehr an der Nuckelflasche als am Männerspiel. Er hat das Match friedlich verschlafen.  

Tackle

Zur Sache geht's beim Australian Rules Football - die härteste Football-Art wird jetzt auch in Bayern gespielt.

 

Back

 

 

 

 

 

 

 

 

Hosted by www.Geocities.ws

1