Ungetrübtes Familienfest
Topveranstaltung mit drei bayerischen Gesamtsiegern beim 3-Tage-OL "Panthersprung"
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Nach dem allseits bedauertem "Aus" des internationalen Eifel-OLs in Simmerath, der im vergangenen Jahr zum vorläufig letzten Mal ausgetragen wurde, ist nunmehr der 3-Tage-OL in Deggendorf die älteste internationale Veranstaltung auf deutschem Boden. Zwar kann der Ostsee-OL, zu DDR-Zeiten ein hochklassig besetzter Elite-Wettkampf, auf eine noch wesentlich längere Tradition zurückblicken, doch findet er mittlerweile nicht mehr in seiner ursprünglichen Form mit Einzel- und Staffellauf statt. Aber auch der TSV Deggendorf wechselte zwischenzeitlich die Anzahl seiner Etappen. 1982 startete der Panthersprung-OL als 2-Tage-Lauf, ein Jahr später waren es schon drei Tage. Seit 1983 wird der Wettkampf mit bewußt familiärem Charakter alle zwei Jahre durchgeführt. 1985 steigerte sich der TSV auf vier Etappen, 1989 richtete er sogar einen 5-Tage-OL aus. Seitdem haben sich die Deggendorfer bei drei Etappen eingependelt. In all den Jahren haben die Organisatoren immer wieder die Zusammenarbeit mit Nachbarvereinen gesucht. 1983, 1985 und 1989 fand je eine Etappe im österreichischen Ried statt, 1987 beteiligte sich der TV Landau/Isar und in diesem Jahr war es der TV Osterhofen, der für die erste Etappe verantwortlich zeichnete.
Den bayerischen Teilnehmern war das Wettkampfgelände der ersten Etappe bereits von den letztjährigen Landesmeisterschaften bekannt. Laufzentrum war der Wallfahrtsort Heiligenbrunn bei Passau. Dieser Quelle schrieb man früher wundersame Heilkraft bei Krankheiten zu, insbesondere bei Augenleiden. Die österreichische Top-Läuferin Lucie Böhm und der mehrfache Deutsche Meister Michael Thierolf (TV Alsbach) haben wohl vorher einen kräftigen Schluck des hochwertigen Trinkwassers genommen, denn sie hatten den vollen Durchblick auf der detailreichen OL-Karte. Beide gewannen ihre Elitekategorien mit vier bzw. zwei Minuten Vorsprung recht deutlich und legten damit frühzeitig den Grundstein für ihren späteren Gesamtsieg in den Elitekategorien. Michael Thierolf schaffte sogar das Kunststück, als erster deutscher OLer die H21E zu gewinnen. Den Damen gelang dies bereits zwei Mal, darunter 1982 auch einer bayerischen Läuferin: Waltraud Oechler vom TV Landau/Isar.
Da die Bayern das Wettkampfgebiet bereits kannten, hatten sie einen kleinen Heimvorteil, und den nutzten sie konsequent aus. Katharina gewann in D60 die erste Etappe mit einem beruhigenden Vorsprung von viereinhalb Minuten, Bernhard Meißner die jüngste Kategorie H12 und Sascha Dammeier die H21A. Bemerkenswert, daß diese drei Erfolge auf drei Generationen verteilt waren.
Das Gelände der zweiten Etappe am Kalteck im Bayerischen Wald war deutlich ungemütlicher als das am ersten Tag und keineswegs etwas für Freunde offener und gut belaufbarer Wälder. Zum Start auf 930 m Höhe mußten die Teilnehmer erst einmal satte 160 Höhenmeter entlang einer Liftschneise hinaufächzen - und das bei Temperaturen von fast 30 Grad, die den Wettkämpfern vor allem an den ersten beiden Tagen zusätzlich einheizten. Wegen der noch ungewohnten Hitze wurde die zweite Etappe sogar von 10 Uhr auf 9 Uhr kurzfristig vorverlegt. Das Terrain erwies sich zudem als fast unbelaufbar: Fallholz wie Sandkörner am Meer und endlos unwegsame Stein- und Felspassagen machten das Laufen zur Tortur, selbst bergab war kaum an "rennen" zu denken. Und Wege konnte man sowieso nur selten nutzen, die hatte der Bahnleger geschickt zu umgehen gewußt. Daß in einem solchen Gelände auch das Orientieren äußerst schwierig ist, braucht nicht extra erwähnt zu werden.
Diese zweite Etappe war der einzige Tag, an dem das bayerische Team ohne Tagessieg blieb. Vielleicht hatte es noch zu großen Respekt vor dem gefürchteten Räuber und Wegelagerer Heigl, der hier zu Beginn des 19. Jahrhunderts seinen Unterschlupf hatte. In der Gesamtwertung blieb Katharina Blumensaat trotzdem klar in Führung, Sascha Dammeier belegte zwar mit Rang drei erneut einen sehr guten Rang, doch verlor er auf den Schweizer Etappensieger über acht Minuten.
Ganz groß geschrieben wird bei den Deggendorfer Veranstaltern seit jeher der Umwelt- und Naturschutz. Im Wettkampfgebiet befindet sich im Bereich des Doppelgipfels Rauher Kulm/Klausenstein ein neu ausgewiesenes Naturreservat, das die Veranstalter aufgrund seiner besonderen pflanzlichen Beschaffenheit als absolute Sperrzone auswiesen. Dort finden auch keine forstlichen Arbeiten mehr statt, so daß dieses Gebiet in einigen Jahrzehnten als artenreiches Biotop wieder zum ursprünglichen Urwald verwildern wird. Des weiteren schenkten die Deggendorfer den wohlverdienten Tee im Ziel nicht in den leidlichen Pappbechern aus, sondern verwendeten Tassen, die sie immer wieder reinigten. Mit dieser Maßnahme war die OLA schon vor einem Jahrzehnt "Marktführer" im deutschen OL.
Die Schlußetappe fand erneut in Kalteck statt, das diesmal seinem Namen alle Ehre machte. Während die umliegenden Wälder schon in der Sonne erstrahlten, lag das Laufgebiet noch in dicken Wolken und gab sich erst zwei Stunden nach dem Start den wärmenden Strahlen preis. Im Gegensatz zum Vortag wurde jetzt auf der anderen Seite des langgezogenen Bergrückens gelaufen. Und die erwies sich erfreulicherweise als nicht mehr ganz so ruppig. Im Laufgebiet waren noch Steinruinen früherer Gehöfte aus dem 15. Jahrhundert zu sehen - sofern man im Kampf gegen Zeit und Konkurrenz ein Auge dafür hatte. Die Orientierer wurden nach der Jagdstart-Methode in den Wald geschickt, die Führenden der einzelnen Kategorien zuerst, die Verfolger mit ihrem zeitaddierten Rückstand der ersten zwei Tage. Für den Veranstalter bedeutet Jagdstart immer ungewöhnlichen Streß, müssen doch hunderte von Teilnehmern im Sekundenabstand in die richtige Startreihenfolge sortiert und gemäß ihrem exakten Zeitrückstand ins Rennen geschickt werden. Der TSV Deggendorf löste dieses Problem mit routiniertem Geschick.
Gleiches gilt für die bayerischen Aktiven. Mit ihrem zweiten Etappensieg ließ Katharina Blumensaat keinen Zweifel mehr an ihrem Gesamtsieg aufkommen. Auch Sascha Dammeier machte mit seinem zweiten Tagessieg verlorenen Boden gut und erkämpfte sich in der Gesamtwertung Rang 2. In den Nachwuchsklassen drängten gleich drei Jung-OLer aus dem Freistaat auf die Podestplätze der Gesamtwertung: In der H12 schob sich neben Bernhard Meißner (3.) sein Vereinskamerad Christian Vetter (TV Coburg-Neuses) mit zwei starken Läufen auf den zweiten Platz vor. In der D14 reichten Jennifer Huth zwei fünfte und ein neunter Platz zu Rang drei in der Endwertung. In der Herren-Elite starteten in diesem Jahr gleich vier Bayern - soviel wie noch nie. Als bester belegte Pavel Ditrych unter 39 Teilnehmern Rang 10, wenige Sekunden vor dem Ex-Neuseser und jetzt für den USV Dresden startenden Uwe Weid.
Eines ist bei diesem 3-Tage-OL noch aufgefallen: Die Bahnen für die jüngeren Nachwuchsklassen waren orientierungstechnisch deutlich einfacher als bei früheren Deggendorfer Mehrtage-Läufen. Damit sind die Bahnleger dem Wunsch der Vereinsvertreter nach kindgerechteren Bahnen endlich nachgekommen. Gerade in einem derart anspruchsvollen Gelände ist es wichtig, die jungen Orientierer nicht zu überfordern. Eine ganz andere Art der Nachwuchsförderung praktizieren die Niederbayern schon seit über einem Jahrzehnt mit großem Erfolg: Den Kinder-String-OL entlang einer ausgeflaggten Strecke für die Youngster, denen ein "richtiger" Orientierungslauf noch zu schwierig ist. Viele Kinder waren so begeistert, daß sie den Parcours mehrmals abgelaufen haben.
Mit 740 Teilnehmern aus elf Nationen verzeichneten die Organisatoren um Gesamtleiter Jürgen Schwanitz bei der neunten Auflage ein leichtes Plus gegenüber 1995. Es wäre sicher eine noch höhere Beteiligung möglich gewesen, wenn die Veranstaltung im internationalen Terminkalender gestanden hätte.Dieses Versäumnis nahmen die Deggendorfer aber nicht so tragisch. Pressechef Franz Kerscher: "Aus Gründen des Umweltschutzes sind wir froh, wenn sich die Teilnehmerzahl in diesem Bereich bewegt, damit sich die Belastung der Natur in Grenzen hält. Wir haben uns ohnehin eine Beschränkung auf 900 Starter auferlegt." Eine vernünftige Argumentation. Bleibt nur zu hoffen, daß die zahlreichen Sponsoren auch in Zukunft zur Verfügung stehen, damit die Veranstalter nicht in rote Zahlen abrutschen. Denn die OL-Schar freut sich auch in Zukunft auf anspruchsvolle Wettkämpfe in familiärer Atmosphäre. Ein herzliches Dankeschön den Organisatoren für drei wunderschöne Wettkampftage! Sie schafften auch das Kunststück, die Siegerehrung so rechtzeitig abzuhalten, daß noch fast alle Geehrten anwesend waren.
Die Sieger beim int. 3-Tage-OL und die besten bayerischen Plazierungen:
D12: 1. Kaya Würmli, Schweiz - 4. Marie Schwanitz, TSV Deggendorf
D14: 1. Kirsten Müller, SV Pfondorf - 3. Jennifer Huth, TSG Creidlitz
D16: 1. Michaela Omova, Tschechien
D18: 1. Claudia Neff, Schweiz
D20: 1. Simone Luder, Schweiz - 11. Lucie Ditrych, TSV Grünwald
D21Elite: 1. Lucie Böhm, Österr. - 2. Katrin Renger, SK Dresden - 3. Ursula Oehy, Schweiz
D21A: 1. Mireille Ernst, Schweiz - 6. Heike Neuhaus, TSV Grünwald
D21B: 1. Jana Sirova, Tschechien - 10. Susanne Voit, DARC Franken
D35: 1. Ruth Humbel-Näf, Schweiz - 10. Kerstin Böhme, TSG Creidlitz
D40: 1. Renate Tröße, SV TU Ilmenau - 9. Martina Huth, TSG Creidlitz
D45: 1. Hilde Bader, OLV Steinberg - 7. Angelika Weid, TV Coburg-Neuses
D50: 1. Elfi Coppik, OLV Steinberg - 12. Heidy Ott, TV 1860 Fürth
D55: 1. Erika Huggler, Schweiz - 8. Marga Voit, DARC Franken
D60: 1. Katharina Blumensaat, ATS Kulmbach
D35B: 1. America Würmli, Schweiz
H12: 1. Janek Leibiger, Post SV Dresden - 2. Christian Vetter - 3. Bernhard Meißner, beide TV Coburg-Neuses
H14: 1. Martin Pongratz, Österreich
H16: 1. Michael Hofer, CH
H18: 1. Robert Dittmann, SV Koweg Görlitz
H20: 1. Felix Bentz, CH
H21Elite: 1. Michael Thierolf, TV Alsbach - 2. Andreas Pölzl, Österreich - 3. Tilo Pompe, PSV Elbe Dresden - 10. Pavel Ditrych, TSV Grünwald
H21A: 1. Ueli Sieber, Schweiz - 2. Sascha Dammeier, TSV Grünwald
H21B: 1. Günther Klöckl, Österreich - 14. Dirk Deubel, DARC Franken
H35: 1. Ueli Äschlimann, Schweiz - 10. Stefan Kirsch, TUS Mitterteich
H35B: 1. Eugen Groff, Schweiz - 5. Georg Buchberger, SC Reichersbeuern
H40: 1. Emil Kimmig, TV Oberkirch - 15. Ralph Meißner, ETSV Landshut
H45: 1. Jakob Freuler, Schweiz - 19. Gerhard Werthmann, TSV Massing
H50: 1. Kurt Baumann, Schweiz - 15. Dieter Oechler, TV Wiesenfeld
H55: 1. Dietmar Leukert, SSV Bad Urach - 17. Günter Ott, TV 1860 Fürth
H60: 1. Fritz Gribi, Schweiz - 13. Horst Ziesmann, TV Sulzbach
H65: 1. Alois Greiner, Schweiz - 16. Fritz Blumensaat, ATS Kulmbach