Bayerische Mannschaftsmeisterschaften weiter im Aufwärtstrend
von Martin Schubert
Was im Vorjahr durch die Wiedereinführung des Modus' mit Pflicht- und Aufteilposten eingeleitet wurde, konnte heuer mit der Erweiterung der Kategorien D/H 45 und D/H55 erfolgreich fortgesetzt werden. 43 Teams in den Meisterschaftsklassen und 106 Teilnehmer insgesamt verliehen der Veranstaltung endlich wieder die Bedeutung, die ihr zusteht - und das, obwohl der Wettkampf in Schongau stattfand, im entlegensten OL-Winkel Bayerns. Noch vor zwei Jahren wäre eine derart hohe Teilnehmerzahl undenkbar gewesen. Allerdings konnten die Klassen D45, D55 und H55 mangels Beteiligung nicht ausgetragen werden und wurden mit der D35 bzw. H45 zusammengelegt. Gut etabliert hat sich dagegen der Mannschaftscup, zehn Teams starteten in dieser Rahmenklasse.
Das nur ca. 4 km2 große Gebiet, das Stephan Schliebener und Matthias Blaschke für die Luftlande- und Lufttransportschule Altenstadt kartiert hatten, ließ Bahnleger Thomas Döhler nur wenig Raum für eine schwierige Postenaufteilung. Fast alle Teams wählten die gleiche Taktik: Einer sammelte die Posten links der Pflichtposten-Luftlinie ein, der andere rechts davon. Einige erkannten aber zu spät, daß diese Aufteilung für das gesamte Postennetz die sinnvollste war. Wer unterwegs noch einen (eigentlich unnötigen) Treffpunkt mit seinem Partner abgesprochen hatte, verlor im Kampf um Medaillen entscheidende Minuten durch das Warten auf seinen Teamkollegen. Bei der Beurteilung der o-technischen Komponente schieden sich wieder mal die Geister. Während die einen von ,,leicht" und ,,Posten schon von weitem zu sehen" sprachen, fanden andere, daß man ,,die Augen ganz schön offenhalten mußte". Einige hatten zumindest bei der Aufteilung ihre Augen nicht ganz offen: Fünf Teams mußten wegen eines fehlenden Postens aus der Wertung genommen werden.
Favoriten waren diesmal allerdings nicht davon betroffen, sie konnten sich ausnahmslos durchsetzen. Bei den Herren waren dies die Grünwalder Sascha Dammeier/Peter Wiesinger. Christian Platzer/Thomas Scheler (TV Wiesenfeld) kamen ihnen zwar nicht bedrohlich, mit drei Minuten Rückstand aber doch recht nahe. Überraschend landete der SC Reichersbeuern mit Martin Buch-berger/Gerhard Hentschel auf Rang drei. Doch hatten die beiden vergessen, ihre Startpässe zu verlängern und konnten nur außer Konkurrenz gewertet werden. Die beiden hätten sich zwar einen Tagespaß zu je 20 DM ausstellen lassen können, verzichteten aber darauf. Dazu Gerhard: ,,Wenn wir 100 DM Preisgeld bekommen hätten, hätte sich die Investition gelohnt, so nicht. Wir wissen, was wir sportlich erbracht haben, das reicht." Es gibt halt noch OLer, für die Medaillen nicht das Maß aller Dinge sind. Dritte wurden schließlich die Deggendorfer Lio Ehrl und Albert Stoiber.
In der H35 konnte man von Favoriten erst gar nicht sprechen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Mitterteich, Deggendorf, Albertshofen und Wiesenfeld wurde erwartet, die dann auch in dieser Reihenfolge einliefen. Für die beiden Stephans, Krämer und Kirsch, war es der erste gemeinsame Titel, der zugleich eine langjährige Dominanz des TSV Deggendorf beendete. Dafür schlug die OLA des TSV in der H45 kräftig zu. Einen Vorsprung von fast elf Minuten gegenüber Dieter Oechler/Peter Igelhaut (TV Wiesenfeld) hatten sich Jürgen Schwanitz und Walter Körner wohl selbst nicht erträumt. Bronze ging überraschend nach Creidlitz, das davon profitierte, daß Deggendorf II einen Stempel vergessen hatte und noch einmal zum drittletzten Pflichtposten zurück mußte. Der männliche Nachwuchs, schwächer besetzt als im Vorjahr, war eine klare Angelegenheit für den TV Neuses, der in der H14 sogar einen Doppelerfolg feiern konnte, und den TSV Deggendorf (H15-18).
Bei den Damen scheint außer Grünwald und Deggendorf kein anderer Verein in der Lage, ein Team aufzustellen, geschweige denn in die Medaillenränge zu laufen. Wie in den Vorjahren gewann Grünwald vor Deggendorf, Katrin Lorenz/Lucie Ditrych vor Martina Hüttner/Ingrid Hufnagel. Den deutlichsten Erfolg feierten Martina Huth/Kerstin Böhme (TSG Creidlitz) in der D35. Mehr als 22 Minuten lagen sie vor dem Duo aus Kulmbach. Seinem starken ,,schwachen" Geschlecht hatte der Coburger Vorort auch den Sieg in der D14 zu verdanken. Dort hatten die Mädels, genauso wie die gleichaltrigen Jungen, einen Skore-OL zu absolvieren, bei dem beide Teammitglieder die Posten gemeinsam anlaufen mußten. In der D15-18 schließlich war nur das Team der TSG Creidlitz am Start. Den Mannschaftscup in der Rahmenklasse gewann die Deggendorfer/Weitramsdorfer Laufgemeinschaft Claudia Krebs/Christian Gunsenheimer vor dem Ehepaar Erika und Toni Stoiber, das nach eineinhalb Jahrzehnten ,,Exil" wieder in Bayern lebt. Bei der Siegerehrung zeigten sich einige OLer erstaunt, daß es in dieser Rahmenklasse einen Riesenpokal zu gewinnen gab, während sich die Sieger in den Meisterschaftsklassen lediglich mit Medaillen zufrieden geben mußten.
Leider gab es auch eine kleine Panne. Einmal mehr hatte ein Unbekannter einen Posten entwendet und an anderer Stelle achtlos hingeworfen. Bayerische Meisterschaften scheinen für solche Scherzbolde eine besondere Anziehungskraft auszuüben. Nach Mömlingen '89 und Creidlitz '92 der dritte Fall. Eine Annullierung der betroffenen Kategorien war trotzdem nicht nötig, da es sich um einen eindeutigen Standort an einer Wegegabel handelte und kein Team an dieser Stelle Zeit verlor, zumindest keine wettkampfentscheidende. Was ich mir noch gewünscht hätte, wäre eine Geländebeschreibung in der Ausschreibung gewesen, zumal es sich um ein noch unbekanntes Gebiet handelte. Alles in allem ein gelungener Auftakt der bayerischen Saison, ausgerichtet von der Arbeitsgruppe OL beim Deutschen Turnfest 1998 in München. Eine erfolgreiche Generalprobe!
Ergebnisse der BMM 1997:
D14: 1. Jennifer Huth/Jana Böhme TSG Creidlitz 30:45 min
2. Sabine Nawroth/Sabine Sandig TV Sulzbach 35:39
3. Theresa Bauer/Marie Schwanitz TSV Deggendorf 38:33
D15-18: 1. Blandine Ehrl/Stephanie Wurpes TSG Creidlitz 67:16
D19: 1. Katrin Lorenz/Lucie Ditrych TSV Grünwald 61:50
2. Martina Hüttner/Ingrid Hufnagel TSV Deggendorf 71:58
3. Kristina Ehrlinger/Sally Arsac TSV Grünwald 84:13
D35: 1. Martina Huth/Kerstin Böhme TSG Creidlitz 67:38
2. Katharina Blumensaat/Anneli Passing ATS Kulmbach 89:57
3. Sieglinde Söllner/Christa Arzberger TSV Pechbrunn 93:04
H14: 1. Hannes Höfer/Bernhard Meißner TV Neuses 28:53
2. Christian Vetter/Jan Schmidt TV Neuses 50:07
3. Colin Schwanitz/Sera Trennhäuser TSV Deggendorf 90:31
H15-18: 1. Manuel Krebs/Ralph Körner TSV Deggendorf 53:47
2. Martin Stollberg/Wayel Deeb TV Ketschendorf 68:25
H19: 1. Sascha Dammeier/Peter Wiesinger TSV Grünwald 55:17
2. Christian Platzer/Thomas Scheler TV Wiesenfeld 58:15
3. Lionel Ehrl/Albert Stoiber TSV Deggendorf 68:59
H35: 1. Stephan Krämer/Stephan Kirsch TUS Mitterteich 51:08
2. Hans Greifenstein/Anton Hamberger TSV Deggendorf 54:52
3. Nikolaus Liviu/Manfred Scholz TSV Albertshofen 58:49
H45: 1. Walter Körner/Jürgen Schwanitz TSV Deggendorf 54:22
2. Peter Igelhaut/Dieter Oechler TV Wiesenfeld 65:17
3. Heinz-Peter Simon/Egon Helder TSG Creidlitz 69:52
Abgerundet wurde das Wochenende mit dem ersten Bayerncup vor den Toren Grünwalds. Da das Gelände brettleben ist, waren die Bahnen ca. 25% länger als sonst. Ein bedrohlicher Teilnahmeschwund ist in der H21E zu verzeichnen, teils durch Überwechseln in H35, vielleicht aber auch wegen des Anhebens der Siegerzeit um 10%. Obwohl der Schwerpunkt in dem schachbrettartig angelegten Gelände eindeutig auf der Laufkomponente lag, gab es zum Teil erhebliche Zeitunterschiede. Das zeigt, daß bayerische OLer läuferisch noch viel aufzuholen haben. Nicht wenige schienen von den langen Strecken so ausgelaugt, daß sie am vorletzten Posten eine falsche Codenummer stempelten. Zum Glück war's nicht so bitterkalt wie am Vortag, zum Glück war es aber auch nicht heiß, sonst hätte es einigen im offenen Ostteil der Karte fürchterlich die Birne verbrannt...
Bayerns Orientierungsläufer sind die ,,Langstrecken-Könige"
Drei Siege bei den Deutschen Bestenkämpfen im Langstrecken-OL
von Martin Schubert
Verkehrte Welt. Obwohl die bayerischen Orientierungsläufer im bundesweiten Vergleich als läuferisch eher schwächer gelten, haben sie bei den Deutschen Bestenkämpfen im Langstrecken-OL gleich drei Erfolge verbuchen können. Auf der Langstrecke sind weniger die Orientierungsfertigkeiten wettkampfentscheidend, als vielmehr die konditionellen Fähigkeiten. Diesmal ganz besonders, da das Wettkampfgebiet im Thüringer Wald bei Schmalkalden sehr steil war. Die vielen Steigungen legten zusätzliches Gewicht auf die richtige Routenwahlentscheidung. Eine ungünstige Route, und man vergeudete unnötig viel Kraft.
Rund 360 Orientierer waren in Schmalkalden am Start, eine gute Beteiligung für die so ungeliebte Langstrecke. 26 davon gingen in der H45 auf die 12,5 km Luftlinie, die mit 500 Höhenmetern und 16 Posten gespickt war. Peter Igelhaut vom TV Wiesenfeld benötigte knapp 95 Minuten und lag damit 20 Sekunden vor seinem schärfsten Verfolger, Hajo Andersson vom TSV Malente. Für den Coburger, der mit der Mannschaft 1988 schon einmal die Bronzemedaille gewann, war dies sein erster Einzelsieg auf Bundesebene, ein völlig überraschender noch dazu. Mit dem Deggendorfer Jürgen Schwanitz (10.) landete ein weiterer Bayer unter den top ten.
Daneben erwiesen sich einmal mehr die bayerischen Damen als wahre Orientierungskünstler. In der D45 war Angelika Weid vom TV Coburg-Neuses erfolgreich. Sie rehabilitierte sich für das unglückliche Wochenende zuvor, als sie wegen eines fehlenden und eines falschen Postenstempels sowohl bei den Bayerischen Mannschaftsmeisterschaften als auch beim Bayerncup-Auftakt aus der Wertung genommen werden mußte. Außerdem ganz oben auf dem Podest: Marga Voit vom DARC Franken in der D55. Sie steigert sich von Jahr zu Jahr und konnte ebenfalls überraschend ihren ersten Einzelsieg auf Bundesebene erringen.
Weitere Spitzenplazierungen in der ersten Hälfte ihrer Kategorien erzielten diese vier bayerischen OLer: Katrin Lorenz (TSV Gr�nwald) als Sechste bei den Juniorinnen, Blandine Ehrl (TSG Creidlitz) als Achte in D15/16, Rudi Lorenz (TSV Deggendorf) als Siebter in H60 und Manfred Scholz (TSV Albertshofen) als 13. in der Herren-Elite. In der kurzen Rahmenklasse R2 gab es sogar einen bayerischen Doppelsieg: Jennifer Huth (TSG Creidlitz) gewann vor Christian Vetter (TV Coburg-Neuses).