Horaz´ Burschenrede
Der Salamander ein seltsames Wesen
Eine Analyse mit besonderer Betonung der biologischen und der couleurstudentischen Komponente
Liebe Bundesbrüder, liebe Komilitonen und Komilitonnen!
ich komme zum Schluß.
Warum steht ausgerechnet ein Molch so sehr im Mittelpunkt verbindungsstudentischen Trinkbrauchtums?
Bin ich eigentlich der Einzige, der bei dem Begriff"einen Salamander reiben" zuerst an Sodomie gedacht hat?
Hat schon mal jemand gesehen, wie eine Gruppe von Couleur-Salamandern einen Studenten reibt?
Alles tiefschlürfende Fragen, die niemals jemand gestellt hat - vermutlich weil keinen die Antworten interessieren, mich auch nicht!
Aber zurück zum Thema: Zuerst mußte ich natürlich herausfinden, was im Lexikon zum Schlagwort Salamander steht, und eigentlich habe ich es nur meiner Mitbewohnerin Heike zu verdanken, daß ich jetzt mit einigen Definition aufwarten kann, denn ich konnte einfach kein einziges bedeutendes Lexikon finden!
Ja, wieder und immer wieder bin ich die Reihen der Bücher durchgegangen, völlig verzweifelt, denn da war kein Brockhaus und auch sonst nichtsl Und es war dann eben schließlich Heike, die sagte: "Such doch nicht nur in Deinem Zimmer, sondern geh doch mal in die DB!"
Jedenfalls habe ich jetzt gleich mehrere Definitionen, zuerst ein paar Worte aus dem großen Brockhaus:
Hier steht geschrieben, daß Salamander eine "Bezeichnung fiir einige Arten der Schwanzlurche, Caudata, im eigentlichen Sinne fiir die LandSalamander" ist. Interessant!
Besser haben mir einige Sätze in der Definition aus Zendlers großem Universallexikon getallen, das aus Leipzig und Halle von 1742 stammt. Unter anderem steht da: "Der Salamander ist eine Gattung Eidechsen, schwarz von Farbe, und gelb geflecket. (...) Der Rüssel ist spitzig, die Augen sind groß. An jedem Fuße hat er vier so ziemlich große Zehen."
Die nächste Aussage rückt den Salamander bereits fast ungefahr beinahe schon in die Nähe von christlichen Gedanken, denn es heißt da: "Auf dem Rücken hat er gleichsam ein Kreuz", und tragen wir nicht alle unser Kreuz ?
Des weiteren kann man hier bereits eine Warnung vor den Folgen eines Salamanders lesen, denn "er soll so ekel anzusehen sein, daß sich einige davon erbrechen." Zumindest bei einigen von uns sollte das - zum T eil - auf Zustimmung treffen.
Daher kommt übrigens auch der geläufige Spruch "zu tiefin den Salamander schauen"...
Allmählich möchte ich aber überleiten zum zweiten wichtigen Aspekt:
dem Salamander im Leben des Couleurstudenten:
Nach wie vor ist ja bekannterweise der Ursprung des Salamanderreibens umstritten. In einem Buch über Amphibien und Reptilien habe ich gelesen, daß der Salamander ein Tier ist, dem die Fähigkeit zugesprochen wurde, unversehrt durchs Feuer gehen zu können. Und nur Leute, die ebenfalls mit dem Feuer gleichsam "verbundesbrüdert" sind, sollten in der Lage sein, mit Salamandern in Kontakt zu treten.
Auf den Ideen von Alchimisten basiert der Brauch des "Anrufens des Salamanders", wobei sich hochprozentiger Alkohol entzündet in die Kehlen geschüttet wurde. Und es sollte ja bekannt sein, daß Anfang des letzten Jahrhunderts das sogenannte Schnapsreiben beschrieben und erstmals dokumentiert wurde - eventuell die Grundlage mr unser Salamander-Reiben! Apropos Salamander-Reiben: W as hat es damit eigentlich auf sich?
Ein der Verbindung fern stehender Mitmensch mag bei der Beobachtung dieses Brauches vielleicht denken, es ginge darum, irgendwas daherzuschwallen, sinnloses Bier-Saufen mit einem sonderbaren Ritus zu tarnen, und anschließend ein Trinklied zu grölen. Damit hat er freilich völlig recht! Äh, pardon, unrecht, natürlich!
Wir alle wissen, daß der Salamander eigentlich zu Ehren einer Persönlichkeit, oder aber aus besonderem Anlass gerieben wird - und manchmal kann auch kleines, fast unbedeutend erscheinendes Ereignis zu einem besonderen Anlass werden, so wie zum Beispiel ein schöner Tag, ein netter Film im Fernsehen oder die Wiedervereinigung Deutschlands.
So jedenfalls läßt es sich meiner Meinung nach durchaus rechtfertigen,das Germania im Laufe einer Veranstaltung mehr als nur den einen Salamander reibt! Was jedoch, habe ich mich gefragt, fällt einem Studenten zum Schlagwort "Salamander" ein, der den Comment des CV nicht kennt7 Mein lieber Bundesbruder BVB zum Beispiel dachte sofort an "Deichmann" und "Salamander-Schuhe"- und wer von uns kennt sie nicht aus seiner Kindheit, die spannenden Abenteuer des schwarzgelben Molches Lurchi.
Während meine Mutter nach Schuhen gesucht hat - für mich - , habe ich lieber die Comix des heldenhaften Lurches gelesen: ,,1m Walde schallt es lange noch, Salamander lebe hoch!" Zurück jedoch zu Fakten, Fakten, Fakten! Aus der großen Vielfalt der unterschiedlichen Subtypen von Salamandern möcht ich drei . kurz charakterisieren, zu denen ich genauere Angaben gefunden habe:
Zum einen wäre da der Alpensalamander. Diesen sieht man vor allem im süddeutschen Raum und der lateinische Name lautet "Salamandra atra " oder auch "nigra" - das bedeutet so viel wie "schwarz", schwarz wie zum Beispiel in CSU. Der Alpensalamander ist im Durchschnitt einen halben Liter groß und ein eher seltener Einzelgänger
2. Auch sehr selten, und daher geschützt, ist der in Regionen kurz vor der Düne - zum Beispiel in Westfalen - vorkommende Triturus vulgaris, der Teichsalamanderl Er ist meist nur halb so groß wie sein süddeutscher Artgenosse und besteht im Vergleich zu diesem aus weniger Hefe!
3. Der letzte in dieser Reihe der Salamander kommt noch in erheblich größerer Zahl vor - an manchen schönen und kneipigen Tagen kann man sich zum Beispiel an sieben, acht oder mehr Salamandem erfreuen. Die Rede ist vom Triturus helveticus, zu deutsch Fadensalamander, man kann aber - glaube ich - auch Kordelsalamander sagen.
Der im Osten Deutschlmds lebende Salamder erreicht an Standardgröße von 0,25 Litern und er ist der einzige, zu dessen Geschwindigkeit ich Angaben gefunden habe:
Im Wasser erreicht er mindestens bis zu zehn Knoten! Ich hoffe, daß ich Euch hiermit einen kleinen Einblick in die Vielfaltigkeit des "Salamanders" geben konnte - schließlich finden sich auch an anderer Stelle noch weit mehr Informationen - interessant gerade fiir uns Couleurstudenten~ ich meine natürlich zum Beispiel die Beschreibung des Salamanderreibens im CV -Handbuch, und nicht zuletzt steht schon in der Bibel geschrieben "Es lebe der CV! Es lebe der Salamanderl"
Steht im Johannes-Evangelium, in meinem!
Ich habs reingeschrieben - damit ichs bei dieser Gelegenheit zitieren kann !
Ganz egal jedoch, aus welcher Sicht man den Salamander auch betrachten mag - und man möge mir mein Pathos und die kleine Träne im Auge verzeihen - . das Reiben des Salamanders gehört nunmal zur großen Tradition deutschen Couleurstudententums, genauso wie Kneipen und Commerse, wie Bänder und Mützen, wie Topfschlagen und Blinde Kuh, und der ganze Rest!