KLAUS KORDON (1943- .)
Er wurde 1943 im Berliner Nordosten geboren. Darum haben viele Titel Berlin als Kulisse. Sein Vater ist gefallen im Krieg und seine Mutter starb 1956. Er bekam ein Waisenkind.
Er arbeitete erstens als Transport- und Lagerarbeiter. Später wurde er Exportkaufman. Sein Beruf öffnete ihm die Welt. Er ist in Asien und Nordafrika gewesen. Er lernte die Probleme und wurde immer kritischer über die Rolle von Wirtschaft und Politik.
Seit 1980 lebt er ganz als freier Schriftsteller. Er schreibt vorallem Romane, Erzählungen, Märchen, Gedichten und Essays. Typisch ist sein Realitätsbezug: alle Texte kreisen um die Verarbeitung politischer und zeitgeschichtlicher Themen, wobei manche autobiographische Einflüsse erkennbar sind. Neben Berlin taucht auch vielfach Indien als Kulisse auf.
Er richtet sich in der Regel an die ältere Jugend. Themen kommen dann auch aus unserer Zeit, z.B. Macht, Diskriminierung und Umweltproblematik. Andere Themen sind die Dritte Welt, Zeitgeschichte und Gegenwartsprobleme.
Ich möchte eine Möwe sein ist für Kordon wieder ein literarisches Experiment: der Versuch zum Mädchenbuch. Die Erzählung zeigt, verpackt in einer Liebesgeschichte, auch die Nachwirkungen der Atomkatastrophe in Tschernobyl.
Bekannte Titel sind:
-Tadaki (1977);
-Wie Spucke im Sand (1987);
-Hände hoch, Tschibaba! (1985);
-Brüder wie Freunde (1978);
-Tage wie Jahre (1989);
-Eine Stadt voller Bäume (1980).
Ich möchte eine Möwe sein (1989)
Erste Auflage: 1989
Verlag und Seitenzahl: 1996, Wolters-Noordhoff, Groningen. 88 Seiten
Motto: Dieses Buch hat kein Motto, aber eine Widmung: Für Karen.
Titelerklärung: Die Hauptperson möchte eine Möwe sein, da Möwen frei sind und fliegen können wo sie wollen. Sie wollte fortfliegen. Sie will sich der Wirklichkeit entziehen. Darum ist sie in der Familienpension der alten Mutter Gormsen geflogen, um sich selber zurückzufinden, aber das gelingt ihr nicht.
Perspektive: Es enthält kursive Texten des Tagebuches von Vera. Das Buch ist in der Sie-Perspektive geschrieben. Die kursive Texten des Tagebuches sind geschrieben in der Ich-Perspektive. Es gibt einige Dialoge. Mutter Gormsen spricht einen norddeutschen Dialekt.
Zeit und Ort: Die Geschichte spielt sich hauptsachlich ab in der Familienpension der alten Mutter Gormsen an die Nordsee wo Vera und Familie früher immer die Sommerferien verbracht hatten. Und bei Jan, der seines vom Großvater geerbten Bauernhofs führt. Alles in Nord-Deutschland bei Hamburg. Die Geschichte dauert zwei Woche und ist chronologisch erzählt. Der Verfasser macht das um der Leser das Idee zu geben das da richtig zwei Wochen passieren.
Hauptpersonen:
Vera: Ein 18jähriges Mädchen aus Frankfurt. Weil sie zu idealistisch ist, ist sie aus der Lehre als Buchhändlerin geflogen. Sie hatte nämlich geweigert, lauter kitschige Titel im Schaufenster der Buchhandlung auszustellen. Sie findet, daß man die Kunden ernster nehmen sollen. Sie findet die Umwelt wichtig. Als sie die tote Robbe fand, war sie betrübt.
Sie ist an die Nordsee gefahren, in die Familienpension der alten Mutter Gormsen, in der die Familie früher immer die Sommerferien verbracht hat. Sie sucht Ruhe, liest, schreibt, macht Fahrradtouren. Sie möchte eine Möwe sein, weil sie dann frei ist und keine Probleme mehr hat.
Auf der Suche nach einer alten Mama-Puppe landet sie im Trödlerladen des Jan. Jan liebt ihr und zwar ihrer Freund Christoph, liebt Vera Jan auch. Jan ist sehr pessimistisch über die Zukunft. Er hat sich wegen der Atomkatastrophe in Tschernobyl sterilisieren lassen. Er hat einen Trödlerladen in der Scheune seines vom Großvater geerbten idyllischen Bauernhof. Er hat ein richtiges kleines Paradies als Garten. Er ist ein Selbstversorger. Er kann nicht in der Stadt leben.
Auf einem örtlichen Strandfest schlafen Vera und Jan miteinander. Es ist Veras erstes Mal, und der Schmerz verdrängt sofort jede Romantik. Weil sie ohne Kondom oder Pille geschlafen haben, kommt später die Angst vor einer Schwangerschaft hinzu, aber in den nächsten Tagen hindert die Beiden das nicht. Später erzählt Jan, daß er sich sterilisieren lassen hat. Vera liebt Jan sehr, aber will ohne Hoffnung nicht mit ihm leben. Sie ist nicht so pessimistisch über die Zukunft wie Jan.
Thema: Wie oft bei Kordon sind allerlei politische und gesellschaftliche Themen eingemischt: Rechtsradikalismus, Tschernobyl, Umweltverschmutzung. Das Buch ist vor allem ein Mädchenroman. Es ist dann auch eine Liebesgeschichte.
Eigene Meinung:
Das Buch ist in normaler Sprache geschrieben. Die Satzlänge ist nicht zu länge. Das buch ist leicht zu lesen, da die Sprache ohne zu schwierige Wörter ist. Es ist gut zu bemerken, daß es ein Mädchenbuch ist. Ich lese gern Bücher worin der Hauptperson viel erlebt. Was man aus diesem Buch lernen kann, ist daß man sparsam mit der Umwelt umgehen muß. Die Umwelt ist einer Faden in diesem Buch.