1a: Der geteilte Himmel
1b: geen
1c: Der Titel bezieht sich auf die Deutsche Teilung, also der Berliner Mauer. Dadurch wird der Himmel in zwei Hälfte geteilt.
2a: Christa Wolf
2b+2c: Christa Wolf ist die Tochter eines Geschäftmannes. Sie studierte in Jena und Leipzig, arbeitete zu einem Verlag und ist Schriftstellerin geworden. Sie ist die bekannste Vertreterin der DDR-Literatur im Westen geworden. Sie schrieb den Richtlinien des Kommunistischen Partei gemäß. Aber zwischen die Regeln kann man sehr wohl Kritik entdecken.
3a: Wolters Noordhoff, Buchfinken 1997 nr.5
3b: 200
4a: Das Buch ist eingeteilt in 30 Kapiteln, den alle genummert sind.
4b: Es gibt eine alwissende Erzähler.
4c: Durch diese Einteilung gewinnt die Geschichte einen Grad von Objektivität, den es der Autor ermöglicht, so manchmal ein bißchen sarcastisch und ironisch zu sein. Auch wird es jetzt möglich, Kritik hören zu lassen. Ohne diese Einteilung war das viel gefährlicher gewesen für Christa Wolf.
5a+5b: Die Geschichte spielt sich ab am Anfang des Sechziger Jahrzehnten. Am 13. August 1961 begannen die DDR-Autoritäten nämlich eine Mauer zwischen Ost- und Westberlin zu errichten uns dann wurde auch die Grenze zwischen die zwei Ländern geschlossen. Auch spielt es sich ab in ein kleines Dorf. Da begegnen Manfred und Rita einander.
6a+6b: Der Hauptperson ist Rita Seidel. Sie lernt bei ihrem Industriepraktikum im Waggonwerk die sozialistische Arbeitswelt kennen. Aber abends lernt sie, weil sie Lehrerin worden will. Sie liebt Manfred, einen skeptischen Intellektuellen. Er steht sehr kritisch gegenüber das Sozialismus und flieht eines Tages nach Westberlin. Er will sehr gerne, daß Rita auch nach Westberlin kommt, aber sie tut das nicht. Ritas Konflikt ist ihre Liebe zu einem Mann, der sich nach Westdeutschland absetzt. Sie entscheidet sich unter großem Schmerz gegen ihre Liebe und für die DDR.
7a+7b: Nach einem Unfall oder einem mißglückten Selbstmordversuch liegt die einundzwanzigjährige Studentin Rita Seidel im Krankenhaus. Später kommt sie wegen eines Nervenzusammenbruchs ins Sanatorium. Dies ist die Hintergrund der Erzählung, auf der aber nicht viel passiert. Sie dient der Reflexion der im Rückblick erzählten Liebesgeschichte, die das Mädchen zwischen 1959 und 1961 mit Manfred Herrfurth, einen Chemiker, gehabt hat. Rita lernt bei ihrem Industriepraktikum im Waggonwerk die sozialistische Arbeitswelt kennen. In der Brigade, so hieß in der DDR-Sprache ein Arbeitsteam innerhalb eines Betriebs, lernt sie Menschen kennen, die die unterschiedlichen Haltungen in der neuen DDR-Gesellfschaft spiegeln: Manfred, den skeptischen Intelektuellen, in den sie sich verliebt und der sie aus der DDR-Welt herausziehen möchte und Meternagel, den neuen positiven Arbeitertyp, der sie in die sozialistische Betriebswelt einführt und dessen Plädoyers für Gemeinsinn und Opferbereitschaft sie bewundert.
Der Konflikt verschärft sich in der Konfrontation Ritas mit dem Dogmatiker Mangold am Lehrerausbildungsinstitut. Mangold steht für den harten politischen Kurs der stalinistischen fünziger Jahre. Rita engagiert sich gegen den Rat Manfreds, der sie aus politischen Verwicklungen heraushalten möchte, für eine reformsozialistische Politik, für mehr Vertrauen und Flexabilität. Die Probleme eskalieren, und Rita zieht sich in ihr Heimatdorf zurück. Unter dem Eindruck der Reformen im Bauernland kehrt sie aber in ihren Ansichten bestätigt zurück. So entfaltet sich ein sozialistischer Entwicklungsroman mit Rita als positiver Heldin.
In der Reflexionsebene werden die entscheidenden Aussagen des Romans gemacht. Ritas Konflikt ist ihre Liebe zu einem Mann, der sich nach Westdeutschland absetzt. Sie entscheidet sich unter großem Schmerz gegen ihre Liebe und für die DDR. Sie wiedersteht all seinen Versuchen, sie für Westdeutschland zu begeistern: "Aber mach mal die Augen zu. Hör bloß mal ein paar Namen: Schwarzwald, Rhein, Bodensee. Sagt dir das nichts? Ist das nicht auch Deutschland? Ist dir das denn nur noch einige Sage oder eine Seite aus deinem Erdkundebuch? Ist es nicht unnatürlich, wenn du gar keine Sehnsucht danach hast?"
Aber Rita hat keine Sehnsucht nach Westdeutschland, sie hat Sehnsucht nach allen Orten, an denen er von jetzt an sein würde, denn sie liebt ihn. Der Unfall ist Ausdruck ihres Konflikts, der sie zerreißt und zu zerstören droht. In den langen Wochen der Erholung leistet sie die Trauerarbeit für die aufgegebene Liebe und die Bewußtmachung ihrer Entscheidung für die DDR. Die ganze Problematik kommt im Titel des Buches zusammen, im Bild des geteilten Himmels, das Christa Wolf im letzten Gespräch Ritas mit Manfred benutzt:
"Den Himmel wenigstens können sie nicht zerteilen", sagte Manfred spöttisch.
Den Himmel? Dieses ganze Gewölbe von Hoffnung und Sehnsucht, von Liebe und Trauer? "Doch", sagte sie leise."Der Himmel teilt sich zuallererst."
8a+8b: Diese Geschichte händelt sich meistens um Gedanken. Vor allem die Gedanken von Rita sind sehr wichtig, weil diese Gedanken die Richtschnur der Geschichte sind. In der DDR kam das Buch in einem Moment, wo man zaghaft einige Reformen begann, die bald auch wieder im politischen Dogmatikus ersticken sollten. Da paßte die Erzählung in ihrer Positivität in die kulturpolitischen Absichten.
9: Ich fand diese Geschichte eigentlich ein bißchen langweilig zu lesen, weil ich mir nicht mehr so stark interessiere für die DDR-Geschichte. Heute ist diese Geschichte eigentlich ein Dokument aus der Vergangenheit, die mir schon unglaublich weit zurückliegen scheint. Die große Naïvität der Utopie von Christa Wolf finde ich sehr dumm und naïv. Ich finde es auch sehr schwer zu begreifen warum Rita in der DDR bleibt, aber das ist natürlich das Kerndilemma des Buchs.