Das Amulett


Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)

Er stammt aus einer patrizischen Kreise, welcher deutschen Sprache ebenso kundig war wie der französischen und italienischen. Erst spät hat er seinen Dichterberuf erkannt, dann noch zwichen der Hingabe an die deutsche oder französische Literatur geschwankt, bis das Jahr 1870 die Entscheidung brachte: Die deutsche Literatur. Er studierte in Lausanne und Zürich, gab jedoch diese Studien bald auf und lebte einsam und zurückgezogen. In Meyers Gedichten vereinen sich Form und Gehalt zu einer Lyrik von höchstem Rang.

Meyer ist das Endglied in der Reihe der grossen Realisten, unter denen er sich durch seine vielfach düsteren historischen Erzählungen als ein Meister der Novellenkunst auszeichnet. Zwei Bereichen gilt sein besonderes Interesse: Der Renaissance und die Reformation. Letzteres tritt in seinem Schreckensbild der Bartholomäusnacht ‘Das Amulett’ deutlich hervor: der calvinistische Prädestinationsgedanke: "alles ist vorherbestimmt" ist ein führendes Motiv dieser Novelle.

‘Das Amulett’ ist Meyers erste historische Novelle. Er hat sich zuerst sorgfältig im Geschichtstudien vertieft, er machte Aufzeichnungen über die französischen Religionskriege unter Karl IX., über die niederländische Geschichte, über die Vorgänge im Zusammenhang mit der Pariser Bartholomäusnacht und über die Persönlichkeit der Katharina von Medici.

‘Das Amulett’ erschien 1873 bei Haessel in Leipzig, aber der Erfolg war gering.

Der bürgerliche Realismus (1850-1890)

Die Dichter in deiser Zeit wollten die Wirklichkeit, wie sie war, objektive darstellen, ohne Kritik an den Zuständen zu üben. So nicht der ganzen Wirklichkeit wird gezeigt, sondern nur eine verschönerte. Alles Unschöne wird vermieden, das Häßliche ist tabu. Das Leben war eine Macht, der der Mensch ausgeliefert war. Entsagung und Resignation zeichneten manche Werke aus.

Die Novelle wurde eine beliebte Form und zum großen Kunstwerk, oft findet man die Form der Rahmenerzählung, wie in ‘Das Amulett’. Dem detail und der Charakterentwicklung der Romangestalten gilt die Liebe der Dichter, sie malen mit Worten.

Berühmte deutschsprachige Realisten waren: Keller, Meyer, Raabe, Storm und Fontane.

Das Amulett (Novelle)

Erste Auflage: 1873, Haessel, Leipzig

Verlag und Zeitenzahl: 1980, Reclam, Stuttgart. 79 Seiten

Motto (Vorwort): Alte vergilgte Blätter liegen vor mir mit Aufzeichnungen aus dem Anfange des siebzehnten Jahrhunderts. Ich übersetze sie in die Sprache unsere Zeit.

Motto- und Titelerklärung: Das Amulett ist Meyers erste historische Novelle. Angeblich entlehnt er die Geschichte "altvergilbten Blättern aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts" und kleidet sie somit in einen Rahmen, sogar einen doppelten Rahmen ein. Er will sich damit hinter den Erzähler verstecken.

Das Amulett (am Körper getragenes Abwehrmittel gegen Unheil) ist ein Medaillon mit dem Bilde der Mutter Gottes von Einsiedeln, die Wilhelm Boccard, angehört haben.

Hans Schadau, der Hauptperson, ist ein Anhänger der calvinistische Lehre von der Prädestination und greift nach dem gemeinsamen Essen mit Boccard den Katholizismus an. Er nannt es: "Dieser alberne Mariendienst…" Das faßt Boccard, Anhänger der katholische Lehre, als eine persönliche Beleidigung auf und erzählt, wie ein Gnadenwunder Unserer Lieben Frau von Einsiedeln ihn von seiner Kinderlähmung geheilt hat. Darauf sieht er ein Medaillon aus dem Wams hervor und küßt es.

Perspektive: Die Geschichte wird in der Ich-Form erzählt. Der Verfasser hat gewahlt für die Ich-Form, weil er sich hinter den Erzähler verstecken will. Das Buch hat zehn Kapiteln genannt Erstes Kapitel, Zweites Kapitel, usw.

Zeit und Ort: Die Geschichte spielt sich in Paris ab etwas vor und auf der Bartholomäusnacht. In Frankreich hat man Namenfeste. Es war diesen Tag im Jahre 1572 Bartholomäustag. Der Verfasser erzählt seine Geschichte 39 Jahren später. Angeblich entlehnt er die Geschichte "altvergilbten Blättern aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts". Die Geschichte ist schon wirklich passiert.

Hauptpersonen:

Hans Schadau: früh verwaist, wird er im Hause seines Onkels in der Schweiz erzogen. Er ist ein Anhänger der calvinistische Prädestinationsgedanke: "alles ist vorherbestimmt". Mit siebzehn Jahren will er in Kriegsdienste treten unter dem französischen Feldhernn Gaspard de Coligny (1519-1572), ein Admiral unter Karl IX.. Er war Führer der Hugenotten (reformierte calvinistische Protestanten in Frankreich) im Kampf gegen das katholische Spanien und dessen Einfluß in der Bartholomäusnacht ermordet. Zwei Jahre lang wartet Schadau jedoch vergebens auf dessen beabsichtigten Feldzug gegen Alba (Statthalter Philipps II. in den Niederlanden) zur befreiung der Niederlande. Er reist ab nach Paris. In Melun begegnet er einem katholischen Landsmann aus Fryburg, Wilhelm Boccard, und auch dem calvinistische Parlamentrat Chatillon und seiner Pflegetochter Gasparde. In Paris ist er nach acht Tage beschäftigt ist als Privatschreiber im Kabinett des Feldhernn. Aus liebe für Gasparde (die Tochter Colignys jüngerer Bruder Dandelot) ermordet Schadau Graf Guiche, der Gasparde und ihm beleidigt hat. Auch dadurch werden Coligny und alle Hugenotten ermordet in der Bartholomäusnacht.

Thema: Das Buch ist eine historische Novelle über das Schreckensbild der Bartholomäusnacht mit als führendes Motiv der Gegensatz zwischen der calvinistische Prädestinationsgedanke: "alles ist vorherbestimmt" und dem Katholizismus.

Eigene Meinung: Sehr schwierig waren die lange Sinne. Sie waren voll Details, weil der Verfasser die Geschichte so wirklich wie möglich erzählen wollte. Das ist kennzeichnend für den bürgerlichen Realismus. Im Buch passiert viel, wodurch die Geschichte spannend bleibt.


Terug


Robert Boer.
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Revised: juni 01, 1999.

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