Biochemischer Grundkurs WS 1998/1999

 


Praktikanten:

Thomas Sandmann

Dirk Hockemeyer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Protokoll zu Versuchstag 4:
 


Harnstoffcyclus

Prinzip


 


Anhand eines vorbereiteten Enzymextraktes aus Leber sollen die für die einzelnen Teilschritte des Harnstoffcyclusë erforderlichen Komponenten ermittelt werden.

Durchführung

 


Proteinbestimmung:

Um eine Eichgerade zu erstellen, werden 6 Ansätze mit unterschiedlicher Harnstoffkonzenration hergestellt, sukzessive mit Glutamat-Dehydrogenase und anschließend mit Urease versetzt und die jeweiligen Extinktionsänderungen bei 340 nm verfolgt. Bei dieser Wellenlänge hat NADH ein Absorptionsmaximum, NAD+ dagegen nicht.

Harnstoffbestimmung:

Zu verschiedenen Ansätzen von Substraten des Harnstoffcyclusë und den Proteinen des Leberextraktes wird nach einer Inkubationszeit von 1 Stunde bei 37°C und 10 minütigem Hitzedenaturieren zuerst 5 m l Gutamat-Dehydrogenase-Lösung und nach erfolgter Gleichgewichtseinstellung weitere 5 m l Urease-Lösung zugegeben.

Das Ammonium stammt in Ansatz 7 aus Ammoniumhydrogencarbonat. Die Extinktion wird nur in den Ansätzen 7 bzw. 9 verfolgt, in allen anderen Ansätzen werden nur die Endwerte bestimmt.
 






Auswertung


 



 

  1. Proteinbestimmung:

  2. Es wird ein Rinderserumalbumin-Standard zur Eichung der Proteinbestimmung verwendet. Mit Hilfe der Biuretmethode wird die Extinktion der BSA-Standardlösung und von Verdünnungen des Leberextraktes bei 560 nm gemessen.

    Ansatz Proteinkonzentration in mg/ml Extinktion
    1 (Standard) 0 0,256
    2 (Standard) 0,91 0,415
    3 (Standard) 1,82 0,61
    4 (Standard) 2,73 0,808
    5 (Standard) 3,64 0,982
    6 (Standard) 4,55 1,18

    Die Extinktionen der Standardwerte werden in Form einer Eichgeraden gegen ihre Konzentration aufgetragen. Über die ermittelte Geradengleichung berechnet man die Proteinkonzentration des Leberextraktes.
     


    Geradengleichung: y = 0,24 + 0,20 . x


     


    Stellt man diese Gleichung nach x um, erhält man aus den Extinktionen die Konzentration der zugesetzten Proteine in der Küvette.
     
    Ansatz Extinktion zugesetzte Proteinkonzentration in mg/ml Eingesetztes Volumen Protein-extrakt in ml Konzentration der Enzymextraktes in mg/ml
    7
    0,397
    0,753
    0,040
    18,8
    8
    0,453
    1,027
    0,060
    17,1
    9
    0,524
    1,374
    0,080
    17,2
    10
    0,593
    1,711
    0,100
    17,1

    Mittelwert der Konzentration der Proteinstammlösung: 17,553 mg / ml

  3. Verlauf der enzymatischen Reaktionen
Punkt A entspricht der Zugabe von Glutamt-DH

Punkt B entspricht der Zugabe von Urease
 
 

  1. Harnstoffbestimmung:
Da durch die Enzymzugabe eine Verdünnung auftritt, wird mit der Stoffmenge gerechnet, außerdem wird nicht die Extinktion, sondern das Produkt aus Extinktion und Volumen nach der Gleichung
 



 


gegen die Stoffmenge aufgetragen.

(Diese Umrechnung ist prinzipiell richtig, verbessert aber die Genauigkeit des Ergebnisses nicht, da der Fehler durch Pipettieren, etc. größer ist.)

Anfangsvolumen : 1,0 ml

Volumen nach Glutamat-DH-Zugabe: 1,005 ml

Volumen nach Urease-Zugabe: 1,01 ml

Die in den Ansätzen enthaltene NADH-Menge (NADH0) läßt sich aus der Konzentration des Reagenzienmixes und den eingesetzten Volumina bestimmen.
 
Ansatz 11 12 13 14 15 16
Stoffmenge NADH0 in m mol 0,199 0,199 0,199 0,199 0,199 0,199
Stoffmenge Harnstoff in m mol 0,01 0,02 0,04 0,06 0,08 0,1
Nach der Reaktion übriges NADH in m mol 0,179 0,159 0,119 0,079 0,039 -0,01

In Ansatz 16 ergibt sich rechnerisch eine negative Konzentration an NADH nach der Reaktion. Das ist unmöglich, also wird NADH zum begrenzenden Faktor dieser Reaktion werden. Das wird auch in der Eichkurve bestätigt, die Kurve knickt bei hoher Harnstoffkonzentration ab. Dieser Wert wird deshalb bei der linearen Regression nicht beachtet.
 
Harnstoff-menge in den Standards in m mol Verbrauchte NADH-Menge in m mol Extinktion.Vo-lumen vor der Urease-Zugabe in ml Extinktion.Vo-lumen nach der Urease-Zugabe in ml D (Volumen.Ex-tinktion) in ml
0,01 0,02 1,34167 1,14635 0,19532
0,02 0,04 1,38087 1,05141 0,32946
0,04 0,08 1,38288 0,77669 0,60619
0,06 0,12 1,37584 0,49692 0,87892
0,08 0,16 1,37283 0,30098 1,07185
0,1 0,2 1,37785 0,27977 1,09808

Die Steigung dieser Eichgeraden entspricht dem Extinktionskoeffizienten:

e = 6,38 mM-1 . cm-1

Der Literaturwert beträgt 6,22 mM-1 . cm ó1. Das ergibt eine prozentuale Abweichung von 2,6%.

4. Harnstoffausbeute

Über die in Aufgabe 2 erstellte Eichgerade läßt sich nun auf den Harnstoffumsatz zurückschließen. Wie schon bei der Betrachtung der Standards muß die Verdünnung berücksichtigt werden (Produkt aus Extinktion und Volumen). Außerdem werden pro umgesetzem Molekül Harnstoff 2 Moleküle NADH verbraucht (Faktor 0,5). Die Stoffmenge wird bei bekannter Ÿnderung des Produktes Extinktion.Volumen mit dem oben bestimmten Extinktionskoeffizienten 6,38 mM-1. cm-1 berechnet.
 
Ansatz Extinktion vor Urease-zugabe Extinktion * Volumen vor Urease-zugabe in ml Extinktion nach Ureasezugabe  Extinktion . Volumen nach Urease-zugabe in ml D (Volumen.Extinktion) in ml Stoffmenge NADH in m mol Harnstoff-umsatz pro Stunde in m mol
1
0,887
0,891
0,736
0,743
0,148
0,023
0,012
2
1,298
1,304
0,864
0,873
0,432
0,068
0,034
3
0,821
0,825
0,649
0,655
0,170
0,027
0,013
4
0,854
0,858
0,650
0,657
0,202
0,032
0,016
5
1,253
1,259
1,036
1,046
0,213
0,033
0,017
6
1,308
1,315
0,996
1,006
0,309
0,048
0,024
7
1,107
1,113
0,992
1,002
0,111
0,017
0,009
8
1,131
1,137
1,046
1,056
0,080
0,013
0,006
9
1,335
1,342
0,981
0,991
0,351
0,055
0,028
10
1,128
1,134
1,045
1,055
0,078
0,012
0,006

Um den Harnstoffumsatz auf den Leberextrakt zu beziehen, wird der Umsatz pro Stunde durch die enthaltene Menge Protein dividiert. Allerdings liegen im Leberextrakt nicht nur die nötigen Enzyme vor, sondern noch viele weitere Proteine.
 
Ansatz Enthaltenes Enzym in mg Harnstoffausbeute/Enzymmasse.Zeit(h) in m mol.mg-1.h-1
1
0,790
0,015
2
0,079
0,429
3
0,790
0,017
4
0,790
0,020
5
0,079
0,211
6
0,079
0,306
7
0,158
0,055
8
0,158
0,040
9
0,039
0,705
10
0,158
0,039

 
 
 

  1. Ergebnisse der einzelnen Reaktionsansätze

  2. In den verschiedenen Ansätzen 1-10 wurden unterschiedliche Substrate / Stoffe zum Leberextrakt gegeben, der alle Enzyme des Harnstoffcyclus enthält.
     
    Ansatz Harnstoff-ausbeute/Enzym-masse.Zeit(h) in m mol.mg-1.h-1
    1
    0,015
    2
    0,429
    3
    0,017
    4
    0,020
    5
    0,211
    6
    0,306
    7
    0,055
    8
    0,040
    9
    0,705
    10
    0,039

    Je nachdem, welche Stoffe in der Reaktionslösung enthalten sind, kann Harnstoff produziert werden, oder nicht. Im folgenden Abschnitt werden die fehlenden Elemente des Cyclus genannt, bzw. das Ergebnis der Messung diskutiert.

    Ansatz 1:

    Für die Umsetzung von ATP werden Mg2+-Ionen benötigt. Diese werden nicht zugegeben. Stattdessen wird mit EDTA ein Komplexbildner zugefügt, den größten Teil der zweiwertigen Kation aus dem Leberextrakt bindet. Es wird so gut wie kein Harnstoff gebildet.

    Ansatz 2:

    In diesem Ansatz sind Mg2+-Ionen vorhanden, EDTA wurde nicht zugesetzt. Außerdem steht Citrullin zur Verfügung, das mit dem im Energiemix enthaltenen Aspartat und ATP im Harnstoffcyclus zu Arginino-Succinat umgesetzt wird. Der Harnstoffcyclus läuft.

    Ansatz 3:

    Hier finden wir dieselben Komponenten wie in Ansatz 2, allerdings fehlt der Energiemix. Der Cyclus darf deshalb eigentlich nicht ablaufen. Der Harnstoffumsatz ist fast null.

    Ansatz 4:

    Für die Bildung von Harnstoff aus Ornithin ist Carbamoylphosphat nötig. Dieses ist weder vorhanden, noch wurden die nötigen Ausgangsstoffe NH4+ und HCO3- zugesetzt. Deshalb kann so gut wie kein Harnstoffumsatz gemessen werden.

    Ansatz 5:

    Da kein Ornithin vorhanden ist, fehlt der Akzeptor für Carbamoylphosphat. Der Harnstoffcyclus kann nicht starten. Der gemessene Harnstoffumsatz könnte auf noch im Leberextract vorhandenes Ornithin zurückzuführen sein.

    Ansatz 6:

    Carbamoylphosphat und (im Gegensatz zu Ansatz 5) Ornithin sind vorhanden. Damit kann Citrat und schließlich Harnstoff gebildet werden.

    Ansatz 7/8:

    Eigentlich sind alle Ausgangsstoffe vorhanden, allerdings fehlt ein wichtiger Aktivator der Carbamoyl-Synthetase I, das N-Acetyl-Glutamat, so daß die Reaktion nur langsam abläuft óes kann nur die Basalaktivität gemessen werden. In Ansatz 8 wird N-Acetyl-Glutamat zugesetzt, der niedrige gemessene Harnstoffumsatz muß hier andere Gründe haben: Pipettierfehler (z.B. N-Acetyl-Glutamat vergessen,...), etc.

    Ansatz 9:

    Zur Harnstoffbildung muß nur das vorhandene Arginin gespalten werden. Die Reaktion läuft, bis diese Aminosäure verbraucht ist, da kein Carbamoylphosphat nachgeliefert werden kann.

    Ansatz 10:

    Ohne Enzyme kann der Harnstoff-Cyclus nicht ablaufen. Der gemessene Harnstoffumsatz von 0,039 m mol.mol-1.h-1 ist demnach auf noch vorhandenen Harnstoff zurückzuführen sein, auf Verschleppen von Lösungen (ist in jedem Fall möglich) oder auf ungenaue Messungen.

    Gesamtbetrachtung:

    Die Meßwerte entsprechen in den Fällen, in denen der Harnstoffcyclus ablaufen kann, den Erwartungen. In den Fällen, in denen keine Harnstoffproduktion zu erwarten war, lassen unsere Meßwerte keine klare Aussage zu. Es ist davon abzuraten, aus diesen Ergebnissen den Harnstoff-Cyclus ableiten zu wollen. Mit bekanntem Cyclus ist er allerdings zu bestätigen.
     
     

  3. Harnstoff- und Ammoniakgehalt des Harns
Es wurden zwei Verdünnungen hergestellt: 1:200 und 1:2000. Die Extinktionen wurden dann wie bei den Standards bestimmt. Allerdings erreichte die 1:200-Verdünnung (Ansatz 17) so niedrige Extinktionen bei der Urease-Reaktion (=hohe Harnstoffkonzentration), daß sie mit unserer Eichgeraden nicht mehr korrekt zu bestimmende Konzentrationen enthalten muß (NADH ist begrenzender Faktor). Sie wurde deshalb bei der Harnstoffbestimmung vernachlässigt.
 
Ansatz Extinktion vor Ureasezugabe Extinktion . Volumen vor Ureasezugabe in ml Extinktion nach Ureasezugabe Extinktion . Volumen nach Ureasezugabe in ml D (Volumen.Extinktion) in ml Stoffmenge NADH in m mol
18
1,372
1,379
0,9
0,909
0,47
0,074
Harnstoffmenge in 1:20000-Verdünnung in m mol Harnstoffgehalt in m mol/ml Harnstoffgehalt in 1,5 l Harn (=24h) in mmol Harnstoffgehalt von 1,5 l Harn in g
0,037
736,901
1105,352
66,321

Die Berechnung erfolgte analog zu den bereits beschríebenen Bestimmungen.

Die Harnstoffmenge in der Küvette entspricht einer 1:20000-Verdünnung. Die molare Masse von Harnstoff ging mit 60 g/mol in die Rechnung ein. Außerdem mußte Verhältnis Harnstoff:NADH = 1:2 wie oben beachtet werden.

Die Berechnung des Ammoniakgehaltes ist analog zur Harnstoffbestimmung. Hier gilt allerdings das Verhältnis Ammoniak:NADH = 1:1. Die molare Masse wurde mit 17 g/mol eingrechnet. Außerdem wurde hier die Differenz zwischen der Extinktion vor der ersten Enzymzugabe (Glutamat-DH) und vor der Urease-Zugabe gebildet. Um die Verdünnung zu berücksichtigen wurde wieder das bekannte Produkt

Extinktion. Volumen benutzt.
 
Ansatz Extinktion vor Glutamat-DH- zugabe Extinktion * Volumen vor Glutamat-DH- zugabe in ml Extinktion nach Glutamat-DH- zugabe Extinktion . Volumen nach Glutamat-DH- zugabe in ml D (Volumen.Extinktion) in ml Stoffmenge NADH in m mol
17
1,415
1,415
1,271
1,277
0,138
0,022
18
1,416
1,416
1,372
1,379
0,037
0,006

 
 
Ammoniakstoffmenge in 1:20000-Verdünnung in m mol Ammoniakgehalt in m mol/ml Ammoniakgehalt in 1,5 l Harn (=24h) in mmol Ammoniakgehalt von 

1,5 l Harn in g

0,022
43,162
64,743
1,101
0,006
116,462
174,693
2,970

Mittelwert: 2,0355 g/1,5 l
 
 
 
 
 
 

Bewertung der Ergebnisse:

Sowohl der Harnstoffgehalt als auch der Ammoniakgehalt sind viel zu hoch. Das könnte sich einerseits durch Meß- und Pipettierfehler erklären lassen, z.a. ist zu berücksichtigen, daß die Stichprobe ca. 30 Minuten nach dem Mittagessen erfolgte. Die Normalmenge von 27g Harnstoff und 0,85 g NH3 ist dagegen ein auf 24 h bezogener Durchschnitt. Der untersuchten Person geht es bis heute gut.

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